Infrastruktur MAG 2007 SAP und Azure

Eine Cloud für SAP

[shutterstock.com: 578217358, ktsdesign]
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Microsoft bietet mit Azure eine Cloud-Plattform an. Deren Services können in Kombination mit der SAP Cloud Platform eingesetzt und als Infrastruktur für den Betrieb von SAP-Cloud-Lösungen verwendet werden.

Die Abbildung auf Seite 65 zeigt die verschiedenen Modelle für den Cloud-Betrieb. Bei dem Modell Software as a Service (SaaS) bekommt der Anwender alles aus einer Hand: Infrastruktur, Applikation und Betrieb werden direkt vom Hersteller geliefert.

Azure ist ebenso wie die SAP Cloud Platform ein Beispiel für das Modell „Platform as a Service“ (PaaS). Hierbei werden die Infrastruktur und die Laufzeitumgebung ebenfalls vom Hersteller zur Verfügung gestellt, aber als Kunde hat man die Möglichkeit, darauf eigenen Applikationen zu entwickeln.

Daneben spielt Microsoft auch im Bereich Infrastructure as a Service (IaaS) eine Rolle. In IaaS-Szenarien stellt der Hersteller „nur“ die Infrastruktur zur Verfügung.

T-Systems

Im Gegensatz zum On-premises-Betrieb oder klassischen Hosting-Angeboten umfasst IaaS aber deutlich mehr. Durch die Skalierungs­effekte bieten sich neue Möglichkeiten und eine große Flexibilität und Agilität.

Die Cloud-Infrastruktur zur Bereitstellung von Microsoft Azure verteilt sich über zahlreiche Datacenter-Regionen, die sich über die ganze Welt erstrecken. Mehrere solcher Regionen befinden sich in Europa, weitere in den USA oder Asien. Insgesamt gab es im Juni 2020 über 60 dieser Regionen.

Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum sind dabei die Regionen Germany West Central (Standort: Frankfurt), Germany North (Berlin), Switzerland West (Genf), Switzerland North (Zürich) sowie West Europe (Amsterdam) und North Europe (Dublin) die interessantesten.

Eine einzelne Azure-Region besteht aus mehreren Rechenzentren. Diese Rechenzentren sind innerhalb der Region teilweise über mehrere Kilometer voneinander räumlich getrennt und bestehen jedes für sich aus Tausenden von Servern.

Um eine Ausfallsicherheit zu gewährleisten, sind die Rechner auf verschiedene Availability Sets oder Availability Zones verteilt. Damit können Sie Ihre Installationen so aufteilen, dass sich verschiedene Rechner in unterschiedlichen Brandabschnitten befinden und unterschiedliche Strom- oder Netzwerkzuleitungen haben.

Verfügbarkeit

Natürlich muss Microsoft immer wieder Fehler an der Infrastruktur beheben und neue Patches einspielen. Viele dieser Patches können inzwischen online durchgeführt werden, ohne dass die virtuelle Maschine davon betroffen ist.

Der Betrieb geht einfach weiter. Damit auch im Falle eines Neustarts der virtuellen Maschine weiter ein Cluster-Setup betrieben werden kann, gibt es zusätzlich zu den Availability Sets sogenannte Fault Domains.

Eine In­stallation von verschiedenen Servern in diese Fault Domains führt dazu, dass nie zwei virtuelle Maschinen gleichzeitig gestoppt werden müssen, wenn ein Patchen notwendig wird. Auch damit kann ein kontinuierlicher Betrieb sichergestellt werden.

Alle Azure-Regionen sind mit Netzwerkkabeln untereinander verbunden. Im Gegensatz zu anderen Cloud-Anbietern gehört dieses Netzwerk Microsoft, sodass Service Level Agreements (SLAs) oder Durchsatzraten ganz anders behandelt werden können. Sie können also Ihr SAP- System in Europa installieren und Benutzern in den USA über das Azure-Netzwerk Zugriff auf dieses System geben.

Platform as a Service

Azure besteht aus zahlreichen PaaS-Lösungen, die es erlauben, einfache Services wie Szenarien für Machine Learning, künstliche Intelligenz oder Internet der Dinge zu verwenden.

Analog zur SAP Cloud Platform können Sie diese Services aufrufen und verwenden, ohne dazu Software on-premises installieren zu müssen. Dadurch können Sie z. B. sehr einfach mobile Applikationen entwickeln oder Web-Anwendungen durch neue Funktionalität erweitern.

Besonders durch eine Kombination von Funktionen, die SAP (z. B. über die SAP Cloud Platform) und Microsoft (über Azure) anbieten, können interessante und neuartige Lösungen entstehen.

So könnte man sich beispielsweise Szenarien vorstellen, bei denen SAP-Fiori-Cloud-Lösungen über die SAP Web IDE auf der SAP Cloud Platform entwickelt werden und dabei Funktionen wie die Authentifizierungen über das Azure Active Directory oder eine Bilderkennung über die Azure Cognitive Services nutzen.

Infrastructure as a Service

Zusätzlich zu diesen Lösungen bietet Azure auch IaaS-Funktionen an. Mit IaaS hat man die Möglichkeit, sehr einfach auf virtuelle Maschinen zuzugreifen. Das bietet große Flexibilität und Kostenersparnisse. Diese IaaS-Funktionalität ist auch im SAP-Umfeld sehr interessant.

In den Anfangsjahren von Azure wurden diese virtuellen Maschinen nur für Sandbox- oder Entwicklersysteme verwendet. Inzwischen bietet Azure die größte Bandbreite an verfügbaren Maschinen an – z. B. bis zu 20 TB für Hana-Systeme – und hat sich damit auch für den produktiven Einsatz von SAP-Systemen etabliert.

Viele Unternehmen entscheiden sich im ersten Schritt dafür, ihre SAP-Systeme einfach nur auf virtuellen Maschinen in der Azure Cloud zu betreiben. Für den Basisadministrator ändert sich dadurch gar nichts.

Der einzige Unterschied ist, dass das SAP GUI sich jetzt mit einem Server in der Azure Cloud verbindet. Andere Unternehmen lagern auch den Betrieb der SAP-Landschaft an einen Partner aus. Der Vorteil für den Kunden ist, dass er problemlos den Partner wechseln kann, ohne die Landschaft migrieren zu müssen.

Im klassischen Hosting-Ansatz war das nicht machbar: Ein Wechsel des Partners war meist nur mit einer Migration des Hosting-Rechenzen­trums möglich und damit relativ aufwändig.

Auch die Hana Enterprise Cloud können SAP-Kunden auf Azure beziehen. Damit können sie beispielsweise ihren SAP-Betrieb an SAP auslagern, andere Nicht-SAP- Applikationen aber trotzdem aus der gleichen Infrastruktur (Azure) beziehen.

Der SAP-Bestandskunde kann damit nicht nur von der globalen Präsenz von Azure, sondern auch von kürzen Latenzzeiten, mehr Sicherheit und Netzwerkvorteilen profitieren.

Wer kann was? Die Tabelle zeigt einen Funktionsvergleich der verschiedenen „as-a-Service“ und erklärt teilweise, warum welcher Service verfügbar und kostenpflichtig ist.

Test- und Sandbox-Systeme

Ein wichtiges Einsatzgebiet der Azure-In­frastruktur sind Sandbox-, Trainings- und Schulungssysteme der SAP Cloud Appli­ance Library. Ein solches System kann innerhalb von Minuten aufgesetzt und für die Bereitstellung mehrerer Trainingssysteme vervielfältigt werden.

SAP stellt dazu über die Cloud Appliance Library zahlreiche vorkonfigurierte Systeme zur Verfügung. Im Rahmen des Einrichtungsvorgangs erteilt man der SAP Cloud Appliance Library die Erlaubnis, in der Azure Cloud eine virtuelle Maschine anzulegen, diese zu starten oder zu stoppen.

Will der SAP-Bestandskunde nicht nur Test- oder Sandbox-Systeme in einer virtuellen Maschine auf Azure betreiben, wird ein anderer Aspekt wichtig: der Support von SAP.

Es ist nicht nur notwendig, dass die Product Availability Matrix (PAM) von SAP die Kombination aus Betriebssystem und Datenbank vorsieht. Zudem muss die Infrastruktur von SAP freigegeben und unterstützt werden, sodass geschäftskritische Prozesse betrieben werden können.

Genauso wie im Umfeld von Windows-Server und SQL-Server arbeitet Microsoft bei dieser Zertifizierung sehr eng mit SAP zusammen. Die aktuelle Liste der freigegebenen virtuellen Maschinen findet man im SAP-Hinweis 1928533. Diese Liste wächst ständig und umfasst heute schon zahlreiche virtuelle Maschinen von ganz kleinen bis zu ganz großen.

Bereitstellung von Hardware

Im Gegensatz zu anderen Cloud-Anbietern weist Azure eine Besonderheit auf: Microsoft bietet nicht nur voll flexible virtuelle Maschinen an, sondern auch dedizierte Hardware. Dadurch können Kunden „kleine“ Maschinen mit bis zu 12 TB Arbeitsspeicher virtuell betreiben, gleichzeitig aber auch für größere Hana-Systeme bis auf 20 TB Arbeitsspeicher gehen.

Für die meisten anderen Datenbanksysteme (AnyDB) reichen die virtuellen Maschinen der sogenannten D- und E-Serien aus. Die E-Serie startet bei zwei virtuellen Central Processing Units (vCPU) und 16 GB RAM (die sogenannte E2v3) und reicht bis 64 vCPUs und 432 GB RAM. Die M-Serie ist unter anderem für Hana-Systeme interessant. Sie startet bei 192 GB Arbeitsspeicher und geht bis auf 12 TB hoch.

Der große Vorteil dieser virtuellen Maschinen ist, dass man diese minutengenau verwenden kann. Für Trainingssysteme kann das ebenso interessant sein wie für Lastspitzen.

Im SAP-Umfeld kann der SAP- Bestandskunde bei Bedarf weitere Applikationsserver zur Landschaft hinzufügen und damit eine bessere Lastverteilung erreichen. Man spricht dann von einer dynamischen Skalierung.

Über den Autor

Holger Bruchelt, Microsoft

Holger Bruchelt ist Technical Solutions Professional SAP on Azure bei Microsoft und Co-Autor des Fachbuchs „Integration von SAP und Microsoft“.

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