Editorial Mag 22-05

DSAG-Entwicklungshilfe für SAP S/4 Hana

Editorial
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Aus Sicht der DSAG wird SAP den S/4-Releasewechsel bei den Bestandskunden nicht allein anschieben. SAP braucht Hilfe vom Anwenderverein, wenn S/4 noch ein Erfolg werden soll.

Als naiver Beobachter von außen könnte man kommentieren: SAP-Chef Christian Klein reitet mit S/4 ein totes Pferd. Ein wenig diplomatischer formuliert es der Chef der Anwendervereinigung DSAG, Jens Hungershausen. In einer Presseaussendung kommt der Verein zur Erkenntnis, dass die Zurückhaltung in Sachen S/4 etwas überraschend sei. DSAG-Chef Hungershausen erwartete, dass für dieses Jahr die Transformationsaktivitäten in Richtung S/4 zunehmen würden. Rise with SAP kann nicht für den notwendigen Push sorgen, meint man beim Verein. Als DSAG will man sich der Aufgabe stellen, die Vereinsmitglieder noch stärker bei der Transformation zu begleiten, und ihnen Hilfestellungen geben. Dazu hat der Verein in diesem Jahr bereits drei S/4-Fokusgruppen gegründet, die sich gezielt mit den drei Phasen der Transformation befassen.

Die Drei-Phasen-S/4-Conversion wird vom Anwenderverein nicht genauer ausgeführt, jedoch scheint es besonders bei Rise zu klemmen. Die Skepsis unter den DSAG-Mitgliedern ist nach wie vor groß, so ein weiteres Ergebnis des Investitionsreports 2022 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG). Darüber hinaus ergab der Investitionsreport, dass auch das Wissen über Rise noch ausbaufähig ist. 60 Prozent der Befragten haben zwar schon davon gehört, sind mit dem Angebot aber nicht vertraut.

Entsprechend deutlich sind die Werte bei der Frage nach der Nutzung von Rise: 57 Prozent der DSAG-Mitglieder halten es für sehr unwahrscheinlich und eher unwahrscheinlich, Rise in Betracht zu ziehen. 21 Prozent sind in diesem Punkt neutral. Nach Meinung des Anwendervereins sind Transformationen unbeständige, bewegliche Prozesse, die in den Unternehmen auf IT-Systeme in unterschiedlichsten Releaseständen und Ausbaustufen treffen. Somit fordert der Verein in seiner Pressemeldung: Da braucht es noch entschieden mehr Klarheit und ein ganzheitliches Verständnis seitens SAP für die individuellen Gegebenheiten bei den Bestandskunden. Nicht Business-Transformation-as-a-Service, sondern Business-Transformation auf Augenhöhe sollte das Ziel sein, so die Meinung von DSAG-Chef Jens Hungershausen.

Für SAP-Chef Christian Klein ist das Ergebnis des DSAG-Investitionsreports eine herbe Niederlage und es gab zu diesen Erkenntnissen bis zum E-3 Redaktionsschluss auch keine offizielle Stellungnahme von SAP. Offensichtlich versucht SAP, sich mit dem Unvermeidlichen zu arrangieren: Rise war eine innovative Idee, konnte aber im Lauf eines ganzen Jahres keinen Mehrwert bei den SAP-Bestandskunden vorweisen. Aus aktueller Sicht scheint demnach Rise with SAP eine ähnliche Totgeburt wie das Framework Leonardo zu sein. Der Anwenderverein will SAP zu Hilfe kommen und mit Fokusgruppen retten, was noch zu retten ist.

Offensichtlich scheinen bei SAP aber die Ideen auszugehen: Nach einer IoT-Initiative, Leonardo, Run Simple, Cloud Only, Rise with SAP, dann wieder Cloud First und seit Anfang dieses Jahres eine Rückbesinnung auf Cloud Only gibt es von SAP keine nennenswerten Innovationen und Impulse. Neben dieser intellektuellen Leere verliert SAP mit Luka Mucic ihren langjährigen CFO, erst der dritte Finanzvorstand in der fünfzigjährigen Erfolgsgeschichte der SAP. Dieses Jahr wird zur Bewährungsprobe für Christian Klein und es ist offen, wie der SAP-Vorstand am Ende dieses Jahres besetzt ist.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
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