Coverstory 2003 MAG 2003

Digitale Transformation des Mittelstands

Hagen Rickmann Cover
Geschrieben von E-3 Magazin

Die Digitalisierung ist eine betriebswirtschaftliche, organisatorische, technische und auch lizenzrechtliche Herausforderung. Die Aufgabenstellungen gehen weit über einen ERP-Releasewechsel hinaus. Auch wenn SAP der Kristallisationspunkt ist, braucht der Anwender umfassende und nachhaltige Unterstützung, die mehr leisten muss als ein neues ERP. Mit Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland, sprach E-3 Chefredakteur Peter M. Färbinger.

Die digitale Transformation ist eine junge Aufgabe mit alten Wurzeln. Der Begriff selbst existiert seit ein paar Jahren. Der Versuch, die Aufbau- und Ablauforganisation eines Unternehmens ganzheitlich in Software abzubilden, existiert seit der Gründung der SAP vor fast 50 Jahren.

Viele Begriffe kamen und gingen, was immer zählte und zum Erfolg führte, war die Erfahrung der Berater. Ein SAP-Partner mit sowohl historischem als auch aktuellem, digitalem Wissen ist die Telekom Deutschland.

„Die Telekom bietet Dienstleistungen rund um SAP schon seit mehr als 20 Jahren, zunächst für Großunternehmen über T-Systems und seit über zehn Jahren auch für Mittelstandskunden“

betont zu Beginn des E-3 Gesprächs Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland. Hier findet der SAP-Bestandskunde fundiertes Wissen.

„Wir arbeiten eng mit unseren Kollegen von T-Systems zusammen, die unter anderem auch für den Betrieb unserer eigenen Rechenzentren, sowohl für Private- als auch Public-Cloud-Services, zuständig sind“

präzisiert Hagen Rickmann. Zudem betreibt die Telekom selbst eines der weltweit größten SAP-Systeme.

Hagen-Rickmann

„Auch dieses Know-how fließt in die Kundenprojekte ein“

erklärt Rickmann.

„Diese geballte SAP-Kompetenz setzen wir auch für den Mittelstand ein. Wir machen das, weil sich SAP-Projekte nicht einfach nach der Größe des Kunden klassifizieren lassen.

Da spielen eher die Unternehmensstrukturen eine Rolle: Zahl der Mitarbeiter, Standorte, national oder international, SAP-Struktur, Migration von Alt- auf Neusystem, aus der Private in die Public oder Hybrid Cloud usw.

Für alle diese unterschiedlichen Anforderungen, die ein SAP-Projekt mit sich bringen kann, können wir Best Practices nachweisen und haben Lösungen umgesetzt.“

Das SAP-Know-how im Gesamtunternehmen ist sehr groß, da insbesondere T-Systems schon Hunderte SAP-Projekte jeglicher Art erfolgreich umgesetzt hat.

„Insgesamt haben wir über 4000 SAP-Berater bei der Telekom. Zum anderen greifen wir auf ein Partner-Ökosystem von mehr als 30 Partnern zurück. Dieses Know-how bündeln wir und setzen die Projektteams je nach benötigter Kompetenz ein“

beschreibt Hagen Rickmann die aktuelle Situation in der SAP-Community. Nachwuchs zu finden ist nicht einfach, aber die Telekom ist ein attraktiver Arbeitgeber.

Geschäftsführer Rickmann weiß, dass die Youngsters es schätzen, in ihren Projekten über SAP hinaus auch mit anderen Produkten zu arbeiten.

„Zumal wir immer auf der Suche nach Quereinsteigern sind, um auch die Kreativität und Inspiration unserer Mitarbeiter zu fördern. Da wir sehr viele spannende und abwechslungsreiche Projekte umsetzen, die teilweise auch noch international laufen, haben wir wenig Probleme, SAP-Experten zu rekrutieren und, noch wichtiger, zu halten.

Zudem sind wir auch einer der größten Ausbildungsbetriebe deutschlandweit und übernehmen einen hohen Prozentsatz der Auszubildenden“

ergänzt Rickmann.

Christian-Klein

Cloud, oder?

Wie nachhaltig ist der Cloud-Trend in der SAP-Community? Die meisten SAP-Bestandskunden im deutschsprachigen Raum haben eine erfolgreiche RZ-Vergangenheit, viel Wissen aufgebaut und mittlerweile sehr niedrige Betriebskosten.

SAP-Co-CEO Christian Klein hat in einem E-3 Exklusivinterview gemeint:

„Bei vielen unserer Bestandskunden sehen wir weiter einen sehr großen Bedarf für S/4 Hana on-premises. Deshalb werden wir hier auch weiter investieren. Zudem sind wir gut beraten, wenn wir die Kunden hybrid unterstützen. Auch in Zukunft wird es Kunden geben, die ihre Anwendungen im eigenen Rechenzentrum betreiben wollen.“

Und Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland, sagt dazu:

„Da SAP ein geschäftskritisches Kernsystem ist, wird es weiterhin einen Bedarf an On-premises-Installationen geben. Ich denke aber, dass der Trend zur Cloud nachhaltig sein wird und dass insbesondere durch die Transformation auf SAP S/4 Hana der Trend zur Cloud verstärkt wird.“

Jeder SAP-Bestandskunde muss sich überlegen, wie es mit seiner eigenen SAP- Strategie weitergeht. Und da die Cloud inzwischen einen hohen Reifegrad hat, passt das zeitlich gut übereinander.

„Ich denke aber, dass der Trend nicht zu einer reinen Public-Cloud-Lösung geht, sondern es bei den meisten Unternehmen eine Hybrid-Landschaft geben wird“

analysiert Rickmann.

„Auch hier sind die Lösungen so weit entwickelt, dass der Betrieb einer Hybrid-Lösung sehr gut funktioniert. Was den Mittelstand angeht, glaube ich, dass eine Public-Cloud- Variante auf Dauer aus verschiedenen Gründen Sinn macht.

Wer keine außergewöhnlichen Prozesse in seinem Unternehmen abbilden muss, ist mit Standardlösungen aus finanzieller und organisatorischer Sicht besser aufgehoben.

Allein der Fachkräftemangel in Deutschland ist ein gewichtiger Grund, sich von der Last nicht wettbewerbsdifferenzierender Aufgaben zu befreien. Es ist sicher weiterhin essenziell, sehr gute IT-Mitarbeiter in den eigenen Reihen zu haben, die dann die Kundensicht wahrnehmen.“

Sabine Bendiek ist Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland und meint zum Thema Hybrid-Landschaften in der SAP-Community:

„Cloud Computing bietet zu jeder Zeit und ohne Vorlauf den Zugriff auf leistungsstarke und hochmoderne IT-Kapazitäten oder Applikationen zu geringen Kosten, die nur nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet werden.

Statt starrer Kapitalbindung und Abschreibung werden die Kosten dem operativen Budget zugewiesen und damit finanzielle Risiken verringert. Wir erleben gerade erst den Beginn einer gigantischen Welle.

Azure ist dabei die einzige Umgebung, die konsequent auch die immer mehr geforderten hybriden Szenarien unterstützt, bestehende Investitionen integriert und sich dabei nahtlos mit anderen Systemen wie Office 365 integrieren lässt.“

Selbst klassische SAP-on-premises-Kunden müssen sich immer mehr mit Cloud- Themen beschäftigen. Immer mehr Applikationen werden von der SAP nur noch als Cloud-Lösungen angeboten.

Bendiek Sabiene

„Glücklicherweise unterstützt SAP die Kunden dabei mit vielen Hybrid-Szenarien. So können Kunden beispielsweise ihre Systeme klassisch on-premises lassen und durch den SAP Cloud Connector mit der PaaS-Lösung SAP Cloud Platform oder der SaaS-Lösung SuccessFactors verbinden“

erklärte Sabine Bendiek in der E-3 Coverstory November 2019.

Was bietet die Telekom den SAP-Bestandskunden: On-premises, Hybrid oder Cloud only?

„Es wird weiterhin alles geben“

versichert Hagen Rickmann im E-3 Gespräch.

„On-premises, Cloud, Hybrid, Multi. Und jedes Unternehmen, das eine Migration auf SAP S/4 Hana vor sich hat oder SAP erstmals installiert, sollte ergebnisoffen an die Frage gehen, was denn die passende Lösung für das eigene Unternehmen sein könnte“

rät Rickmann.

Wer sein eigenes Rechenzentrum im Topzustand und für den Betrieb auch genug SAP-Kompetenzen in den eigenen Reihen hat, muss nicht unbedingt in die Cloud. Wer auf der grünen Wiese anfängt, sollte aber eher auf die Cloud setzen, meint Hagen Rickmann und er ergänzt:

„Wir stellen fest, dass immer mehr Kunden Interesse an der Cloud-Lösung haben. Sie kämpfen an so vielen Fronten mit der Digitalisierung, die so viel unterschiedliches Know-how erfordert, dass sie sich frei machen wollen von den rein technischen Dingen. Für sie ist das Strategische viel entscheidender.

Aber egal, für was sich unsere Kunden entscheiden: Wir können alles bedienen. Wir können Public-Cloud-Szenarien mit SAP on Azure, aber auch mit Amazon Web Services (AWS) oder unserer eigenen Open Telekom Cloud. Im Hybrid-Bereich können wir weitere Hyperscaler hinzunehmen, in einem unserer Rechenzentren eine Private Cloud betreiben.

Und das alles Ende zu Ende, mit dem passenden Netz sowie der Perspektive, im Rahmen der Digitalisierung IoT, KI, Big Data zu integrieren. Ich bin davon überzeugt, dass das nur wenige bieten können.“

Wie wichtig sind demnach für einen SAP-Bestandskunden die Angebote, die über das SAP-Portfolio hinausgehen, wie etwa Workplace-, IoT- oder Analytics-Lösungen?

„Im Zeichen der Digitalisierung ist das sehr wichtig“

betont Geschäftsführer Rickmann.

Immer mehr basiert auf Daten. Diese Daten sollten in allen Systemen zur Verfügung stehen, die sie in irgendeiner Weise nutzen können. Damit das alles zusammenpasst, braucht es einen Gesamtblick. Hagen Rickmann stellt somit die Fragen:

„Wie bekomme ich meine Maschinendaten in die Analysesysteme? Sind diese Daten auch interessant für SAP? Und wer zum Beispiel Microsoft 365 nutzt, will auch mit SAP verbunden sein. Die Zeit der Insellösungen ist also weitgehend vorbei.“

In vielen Unternehmen, gerade im größeren Mittelstand, sind viele Prozesse schon optimiert. Hier lassen sich Verbesserungen nur erreichen, wenn die einzelnen Unternehmensbereiche noch enger verzahnt sind und sich auf Basis von Daten und KI-/Machine-Learning-Lösungen weitere Erkenntnisse daraus ableiten lassen.

„SAP selbst spricht vom intelligenten Unternehmen und zählt dazu intelligente Technologie wie KI, maschinelles Lernen, IoT und weitere Analysen“

weiß Hagen Rickmann aus zahlreichen Executive-Diskussionen.

„Weiterhin geht es um die Automatisierung von Abläufen. Darauf zielt die Digitalisierung ab.“ Und dafür braucht es einerseits SAP, aber auch spezielle Lösungen, die branchenspezifisch zugeschnitten sind.

„Die Nachfrage nach solchen Lösungen zieht an“

erklärt Rickmann,

„sie sollten aber nicht isoliert eingeführt und genutzt werden, sondern in eine Systemlandschaft einzahlen. Die Auswahl sowie die Integration und den Betrieb können wir als Telekom leisten.“

„Die SAP-Anwenderunternehmen investieren weiterhin in die Cloud-Lösungen der SAP, um ihre Prozesse auch außerhalb des eigentlichen Cores zu erweitern“

weiß auch DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck und er erklärt die Anforderung, dass das standardisiert als einheitlicher Prozess ohne Modifikationen durchgeführt werden kann.

Bei der Relevanz der Applikations-Plattformen (Platform as a Service, nicht Infrastruktur) liegt laut dem DSAG-Investitionsreport 2020 Microsoft Azure mit 24 Prozent bei „hohen und mittleren“ Investitionen klar vorn. Auf dem zweiten Platz folgt die SAP Cloud Platform mit 14 Prozent.

„Diese Konstellation könnte darauf zurückzuführen sein, dass Microsoft vorrangig als generelle Digitalisierungsplattform in den Unternehmen eingesetzt wird und die SAP Cloud Platform eher als Plattform für Lösungen der SAP die erste Wahl ist“

kommentiert Marco Lenck das Ergebnis.

Der Weg zu S/4 ist betriebswirtschaftlich, organisatorisch, technisch und lizenzrechtlich eine Herausforderung. Ansonsten würde es nicht so viele Diskussionen darüber geben, meint Hagen Rickmann und präzisiert:

„Wenn das mit einem Mausklick erledigt wäre, würden wir nichts von S/4 Hana hören. Aber ich sehe weniger die Risiken als die Chancen, sowohl betriebswirtschaftlich, organisatorisch, technisch als auch lizenzrechtlich.

Und auch hier zahlt alles aufeinander ein. Nutze ich die Chance, meine Unternehmensorganisation auf den Prüfstand zu stellen und an den richtigen Stellschrauben zu drehen, mache ich das Unternehmen zukunftstauglich.

Dies wirkt sich positiv auf den betriebswirtschaftlichen Part aus. Im Idealfall verringere ich den Kostenapparat, steigere die Umsätze und die Rentabilität. IT-technisch bringe ich mein Unternehmen auf den neuesten Stand, zum Beispiel indem ich zumindest Teile meiner IT in die Cloud transferiere.

Auch hier lege ich den Grundstein für mehr Digitalisierung und eine profitable Zukunft. Und lizenzrechtlich kann es nur besser werden.“

Das Geld liegt förmlich auf den Servern in Form von ungenutzten und zu teuren Lizenzen. Wer in die Cloud geht, kann allein hier sehr viel Geld sparen.

Entscheidet sich der SAP-Bestandskunde für ein Cloud-Betriebsmodell, dann ist er im ersten Schritt in einer komfortablen Situation, weil es viele Anbieter gibt – vom chinesischen Riesen Alibaba über die Hyperscaler und SAP-Embrace-Partner Microsoft, AWS und Google bis hin zu regionalen SAP-Partnern wie Itelligence, All-for-One, Scheer etc.

„Der alles entscheidende Unterschied ist: Die Telekom kann SAP Ende zu Ende – von der Analyse, Beratung, der Auswahl der passenden Cloud, der Migration, dem Betrieb bis hin zur Anbindung“

weiß Hagen Rickmann aus vielen erfolgreichen Kundenprojekten.

„Dabei kooperieren wir einerseits mit den Hyperscalern, mit SAP selbst wie auch mit regionalen SAP-Dienstleistern und haben eigene RZ-Kapazitäten in Deutschland. Unter anderem auch unsere eigene Public Cloud, die Open Telekom Cloud.

Wir sind deutschlandweit ganz nah an den Kunden und können beliebig skalieren. Und wir gehen vollkommen neutral an ein SAP- Projekt heran und können den Kunden die jeweils optimale SAP-Lösung anbieten.

Unsere Kunden haben oftmals gar nicht die Größe, Ressourcen für ein Multi-Provider-Management freizustellen.“

Das Portfolio von SAP ist sehr breit und reicht von KI und IoT bis Experience Management mit Qualtrics. Für viele SAP-Bestandskunden ist es wichtig, über den Tellerrand hinauszuschauen. SAP ist ein offenes und kompatibles System, das bringt viele Vorteile für Bestandskunden und Partner.

„Bei ERP-Lösungen haben wir uns bewusst für SAP entschieden“

erklärt dazu Rickmann.

„Und seitdem es SAP auch für den Mittelstand gibt und jetzt auch aus der Cloud, spricht wenig gegen SAP. Aber bei CRM, Business-Analytics-Anfragen oder anderen Speziallösungen empfehlen wir gern auch andere Produkte.

Wir selbst haben uns auch für Salesforce entschieden, da es trotz unseres eigenen SAP-Systems besser passte. Genau mit diesem Denken müssen wir auch unsere Kunden beraten.“

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

1 Kommentar

  • Das ist wirklich peinlich für die Telekom. Die bringen nicht ansatzweise eine flächendeckende digitale Infrastruktur hin und wollen den Mittelstand digitalisiert bekommen.

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