Coverstory 1912 MAG 1912

Digitale Serviceorientierung mit BRIM

[shutterstock: 519511354, sebra]
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Die klassische Warenwelt ändert sich drastisch: Aus Produktanbietern werden zunehmend Serviceanbieter mit innovativen, hochflexiblen Geschäftsmodellen. Der größte technologische Treiber für die Weiterentwicklung der Abrechnung ist die Digitalisierung.

Jasmina Cejan, Principal Consultant bei der GTW Management Consulting, weiß aus zahlreichen Anwenderprojekten, bei denen sie SAP BRIM (vormals Hybris Billing) implementiert hat:

„Digitale Technologien eröffnen auf dem Weg von der Produktorientierung hin zur Serviceorientierung komplett neue Möglichkeiten und Geschäftsfelder. Diese erfordern wiederum neue Abrechnungsmodelle.“

Der technologische Treiber für die Weiterentwicklung von Abrechnungsmodellen ist die digitale Transformation, die Anbieter gleichermaßen betrifft wie ihre Kunden.

Digitale Technologien halten völlig neue Perspektiven und Geschäftsfelder bereit. Daraus entstehen wiederum neue Abrechnungsmöglichkeiten, die ebenso einen Wandel von der Produkt- zur Serviceorientierung notwendig machen.

Der nicht aufzuhaltende Wandel im Bereich digitaler Technologien, insbesondere in der Informationstechnik, verändert auch die klassische Konsumentenwelt nachhaltig.

Viele über Jahrzehnte erfolgreich etablierte Geschäftsmodelle wurden in kürzester Zeit abgelöst. Neue Anbieter wie Uber, Amazon, Netflix oder Lieferando zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in den neuen digitalen Möglichkeiten steckt.

Wertschöpfungsketten verändern sich

Jedoch nicht nur die Geschäftsmodelle, sondern auch die Wertschöpfungsketten unterliegen diesem Wandel. Im täglichen Wettbewerb gelten Daten und Informationen als entscheidende Ressourcen, welche die weitere Wirtschaftlichkeit bestimmen. Potenzielle Kunden haben es heute viel einfacher, an kaufrelevante Informationen zu kommen, als noch vor Jahren.

Über das Internet erhalten sie Zugriff auf Preisvergleiche oder können sich Bewertungen anderer Kunden anschauen. Die neue Macht des Kunden hat allerdings auch zu einem verschärften Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern geführt.

Die Unternehmen stehen unter erhöhtem Wettbewerbsdruck, da sie unmittelbar auf die sich stetig verändernden Wünsche der Kunden reagieren müssen, wobei diese in aller Regel über den Preis und die dazugehörigen Serviceleistungen (beispielsweise portofreie Lieferung oder kostenloser Umtausch) entschieden werden.

„Einen höheren Preis akzeptieren die Kunden meist nur, wenn der Anbieter dies beispielsweise durch einen hervorragenden Kundenservice oder eine unkomplizierte und flexible Abrechnung wettmacht“

gibt Jasmina Cejan zu bedenken.

„Auch durch individuell auf den Kunden zugeschnittene Angebote oder nutzungsbasierte Abrechnungen können Anbieter punkten.“

Ein Beispiel für neue Abrechnungsmodelle auf Basis der digitalen Transformation ist die Sharing Economy. Carsharing-Anbieter wie Car2Go, E-Bike- oder auch E-Scooter-Verleiher gehören mittlerweile zum Bild einer modernen Großstadt.

Der Gedanke dahinter ist, die bestmögliche Verfügbarkeit eines Produktes zu gewährleisten, und zwar genau für den Zeitraum, in dem es benötigt wird.

Meist wird dabei minutengenau nach dem Pay-per-Use-Prinzip abgerechnet, wodurch sich das herkömmliche Produkt- zum Dienstleistungsgeschäft wandelt.

„Mit SAP BRIM ist die Abrechnung insbesondere von digitalen Services jederzeit flexibel möglich – das können Abonnements sein, Leasing- oder Nutzungsverträge, Einmalgebühren, Verbräuche und vieles mehr“

betont Jasmina Cejan.

„Und ganz gleich, ob die unbepreisten oder bepreisten Verbrauchsdaten aus verschiedenen Quellsystemen kommen, in BRIM werden sie kundenspezifisch aggregiert und für den Kunden auf einer Rechnung dargestellt.“

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SAP BRIM bildet den gesamten Offer-to-Cash-Geschäftsprozess ab mit Angebotserstellung, Verrechnung bzw. Bewertung und Bepreisung der genutzten Services bis hin zu Rechnungserstellung, Forderungsmanagement und Mahnwesen.

Billing and Revenue Innovation

Mit Billing and Revenue Innovation Management stellt SAP eine branchenunabhängige, funktionelle und flexible Softwarelösung für die Preisermittlung, Abrechnung und Fakturierung unterschiedlichster Dienstleistungen und Produkte in einer einheitlichen Systemlandschaft zur Verfügung.

Mit der Lösung können innerhalb kurzer Zeit neue Produkte bzw. Produktpakete eingeführt, einheitliche Rechnungen erstellt, Simulationen durchgeführt, Zahlungen und Mahnungen verwaltet werden.

Ferner bietet BRIM die Massendatenverarbeitung, Echtzeitanbindung und Umsetzung von Pre- und Postpaid-Szenarien. Durch die Konfigurierbarkeit und Modularität sowie die Integration mit anderen SAP-Modulen (z. B. SD, FI-AR, IS-U) und die Einbindung vorhandener Abrechnungssysteme bietet die SAP-Lösung eine hohe Flexibilität.

Allgemein zeichnet sich die Lösung durch diese hohe Flexibilität und Geschwindigkeit aus: So ist BRIM auf Massenprozesse mit hohen Transaktionsvolumina ausgelegt und bietet eine bessere Integration mit vorgelagerten Systemen, welche die Nutzungstransaktionen bereitstellen.

Unternehmen unterschiedlichster Branchen haben es somit leichter, anstehende digitale Herausforderungen zu meistern oder sich auch selbst einer digitalen Transformation zu unterziehen.

Flexibilität und Fremdsysteme

Der komplette Offer-to-Cash-Geschäftsprozess kann in BRIM detailliert abgebildet werden – von der Kundenverwaltung und Produktkonfiguration über die Abrechnung genutzter Leistungen bis hin zur Rechnungslegung und dem Forderungsmanagement.

Natürlich lassen sich aber auch vorhandene Umsysteme für Kundenverwaltung und das Rating an die SAP- BRIM-Umgebung anbinden, um den gesamten Offer2Cash-Prozess mit Bestandsystemen hybrid abzubilden. Da das System modular aufgebaut ist, können einzelne Teilkomponenten zudem nahtlos ersetzt werden.

Die wesentlichste Funktion von BRIM sind die Abbildung nutzungsbasierter oder wiederkehrender Preismodelle für Angebote nach Maß und die Möglichkeit einer Preisfindung in Echtzeit. Neben Post- und Prepaid-Szenarien lassen sich auch Partnerbeteiligungsmodelle umsetzen.

Kundenzentriert

Der Kunde bzw. Verbraucher steht bei BRIM ganz klar im Mittelpunkt. Unternehmen können effektiv reagieren und für ihre Kunden beispielsweise unterschiedlich komplexe Leistungspakete kreieren.

Andererseits sind sie auch bei rasanten Marktbewegungen in der Lage, sich schnell weiterzuentwickeln. Die Gewohnheiten und persönlichen Präferenzen der Kunden können darüber hinaus im Sinne von Big Data für die Preisgestaltung und Rechnungslegung hinzugezogen werden.

Ein großer Vorteil im Tagesgeschäft ergibt sich außerdem daraus, dass sich einheitliche bzw. konvergente Rechnungen für Dienstleistungen und Produkte aus mehreren Eingangskanälen generieren lassen.

Im weiteren Verlauf unterstützt die Revenue-Management-Kette eine hohe Durchgängigkeit bezüglich des gesamten Forderungsmanagements sowie eine effiziente Steuerung bei Kunden mit unterschiedlichen Bonitätsstufen bis hin zur Übergabe an die Inkasso-Abteilung.

Auf diese Weise steigern Unternehmen ihre Wirtschaftlichkeit, stärken die Kundenzufriedenheit und somit auch ihre Stellung am Markt.

SAP BRIM lässt sich komfortabel konfigurieren und die einzelnen Komponenten können individuell nach den Bedürfnissen des Unternehmens ausgerichtet werden.

Dank des modularen Aufbaus sowie der nahtlosen Einbindung weiterer SAP-Komponenten und auch vorgelagerter Abrechnungssysteme bietet die Lösung ein Höchstmaß an Flexibilität.

Die tarifliche Festlegung und Preisfindung werden durch SAP Convergent Charging, die Bilanzierung und Faktura durch SAP Convergent In­voicing gewährleistet.

Das Sales and Order Management (als Teil von SAP CRM) sowie das Customer Financial Management (FI-CA und CRM) runden das Angebot ab.

Als agile Universallösung wird SAP BRIM in Unternehmen und Organisationen beispielsweise aus den Bereichen Logistik, Telekommunikation, Medien, Handel, Industrie und Versorgung eingesetzt.

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Eine Lösung und ihre Geschichte

SAP BRIM hat bereits einen langen Weg hinter sich: Über die Jahre hat sich nicht nur die Lösung flexibel und dynamisch weiterentwickelt, sondern auch ihr Name.

So waren die Kernfunktionalitäten der heutigen Universallösung lange Zeit unter dem Titel SAP Billing and Revenue Innovation Management (BRIM) bekannt.

In der Ursprungsversion wurde die herkömmliche Abrechnung etwa aus SD, MM und diversen Branchenlösungen kreiert. Hintergrund war, den gestiegenen technologischen Anforderungen hinsichtlich Datenverarbeitungsgeschwindigkeit, zu bewältigendes Datenvolumen und Flexibilität (konfigurierbar, modular und branchenneutral) gerecht zu werden.

2013 kam dann Hybris zu SAP. Hybris galt in dieser Zeit als einer der führenden Anbieter im Bereich E-Commerce. 2015 wurde SAP BRIM schließlich in die Hybris-Familie mitaufgenommen.

SAP Hybris Billing fokussierte fortan vermehrt die Kunden, deren Wünsche und Kauferfahrungen. Andererseits wurde die Lösung stark vereinfacht und somit auch Hana-fähig gemacht.

Dies geschah mithilfe des Hybris-Portfolios, bestehend aus Hybris Commerce, Hy­bris Cloud für Customer und Hybris Marketing. 2016 kam es deshalb zu ­einer erneuten Namensänderung:

Aus Hybris-Software wurden die SAP-Hybris-Lösungen.
2018 erfolgte der vorläufig letzte Schritt: Die vormals unter SAP Hybris geführten Lösungen wurden gemeinsam mit weiteren zugekauften Lösungen unter dem neuen Namen SAP C/4 Hana versammelt.

Das „C“ steht dabei für Customer (Kunden) und die Vier für ein CRM der vierten Generation. Mit SAP S/4 Hana im Back-End und SAP C/4 Hana als starkem Front-End fährt SAP somit einen deutlichen Kurs, den Prozess des Kundenmanagements effektiv und ganzheitlich abzubilden. Im Zuge dessen wurde SAP Hybris Billing erneut umbenannt und heißt seitdem wieder SAP Billing and Revenue Innovation Management (SAP BRIM).

Die Kernkomponenten des modular aufgebauten BRIM sind:

  • SAP Customer Relationship Management (CRM)
  • SAP Convergent Mediation by DigitalRoute
  • SAP Business Suite (ERP/ECC 6.0) bzw. SAP S/4 Hana mit Vertragskontokorrent (FI-CA) und darin enthaltenem Convergent Invoicing (CI)
  • SAP Convergent Charging (CC)

Über den Autor

Christoph Granig, Manager GTW Schweiz

Christoph Granig ist Manager GTW Schweiz.

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