Coverstory 1511 MAG 1511

Digitale Evolution – Sechs Hana-Szenarien

2015
Geschrieben von Sebastian Gueler, Dell

Um Unternehmen ganzheitlich in die Digital-Connected-Welt zu begleiten, hat Dell sein Portfolio stetig ausgebaut. Die Services zu Hana reichen von der Definition von Use und Business Cases über die Plattform-Migration bis zur Implementierung und dem Betrieb – on premise oder in der Cloud.

Viele Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, mit denen sie Big Data nutzen oder die riesigen intern vorhandenen Datenberge, z. B. Messdaten von Produktionsmaschinen, auswerten können – und das möglichst effizient, schnell und einfach. Einen Ansatz dazu bietet Hana.

Allerdings herrscht hier noch immer ein weitverbreitetes Missverständnis, demzufolge Hana auf die Funktionalität eines Datenbankmanagement-Systems (DBMS) reduziert wird.

Dadurch wird das mögliche Einsatzspektrum unnötigerweise eingeschränkt und Anwender erschließen nur einen Bruchteil des Potenzials von Hana. Dell hat sechs Wertkategorien identifiziert, die erläutern, in welchen Anwendungsszenarien Unternehmen Hana einsetzen können und wo der Mehrwert liegt.

1. Realtime Operational Intelligence

Durch den Einsatz von Realtime Operational Intelligence erhalten Fachbereiche nahezu in Echtzeit Informationen über die gerade ablaufenden Geschäftsprozesse und können dann entsprechend agieren.

Bei der Überwachung und Steuerung von Industrieanlagen etwa entstehen an einer Vielzahl von Systemen fortlaufend Daten, die für den regulären Ablauf und die Wartung von Interesse sind.

Da Maschinen oft von unterschiedlichen Systemen überwacht werden, wurden bislang die gesammelten Daten erst mit zeitlichem Abstand analysiert. Mit Hana ist es möglich, die aktuell anfallenden Messdaten sofort mit komplexen Algorithmen auszuwerten und so kritische Muster zu erkennen.

Kommt es im Betrieb zu unerwarteten Ereignissen, kann das Personal – anstatt bis zum nächsten Prüfintervall zu warten – sofort eingreifen, Fehlerquellen lokalisieren und Probleme beseitigen. Damit lassen sich die ungeplanten Stillstandszeiten einer Anlage verringern beziehungsweise die Produktivzeit erhöhen.

Denkbar ist es auch, ein Dashboard für den Produktionsdirektor aufzubauen, mit dem er alle zentralen Prozesse sofort auf einen Blick sieht. Durch effizientere Wartungs- und Instandhaltungsprozesse sparen Unternehmen viel Geld.

2. Decision Support, Simulation, Automation

Hana erlaubt, unstrukturierte Daten – also solche, die nicht im Tabellenformat vorliegen – zu lesen. Damit eignet sich Hana etwa zur Auswertung von Social-Media-Daten von Facebook oder Twitter.

Ermittelt werden dabei beispielsweise die Meinungen zum eigenen Unternehmen und den Produkten, oder es wird die Wirkung einer aktuellen Marketing- oder Anzeigenkampagne gemessen.

Ein weiteres Beispiel ist die Auswertung von Maschinendaten und die Prognose, wann eine Produktionsmaschine eine Störung erleiden wird. Die Auswertung der Daten und die Benachrichtigung können automatisch erfolgen.

Ein solches Anwendungsszenario beruht auf Modellen, die mithilfe eines Regelwerks Prozesse automatisiert und damit effizienter ablaufen lassen. Hana analysiert die anfallenden Daten, prognostiziert künftige Ereignisse und erzeugt automatisch Handlungsanweisungen, um Schäden zu vermeiden.

3. Business Process Performance

Viele Geschäftsprozesse, etwa die immer wiederkehrenden Monatsabschlüsse, die nicht selten eine Woche und mehr benötigten, lassen sich mit Hana auf einige wenige Tage verkürzen.

Das macht sich vor allem bei der Berücksichtigung der Gemeinkosten und deren Umverteilung auf die Kostenstellen bemerkbar.

Einige Unternehmen beschränken sich aber nicht nur darauf, die Applikationen und die komplexen Geschäftsprozesse zur Materialbedarfsplanung (MRP, Material Re­quirements Planning) zu beschleunigen.

Sie nutzen die kürzeren Rechenzeiten auch für eine schnellere Erstellung von Soll-Ist-Vergleichen und damit für ein Kernstück der Plankostenrechnung. Die so gewonnenen Erkenntnisse können dann unmittelbar in die Anpassung operativer Geschäftsprozesse einfließen. Je genauer die Stellschrauben bekannt sind, desto effizienter lassen sie sich auch einsetzen.

4. Big Data

Big Data ist ein klassischer Anwendungsfall für Hana, bei dem es gilt, große Datenmengen schnell zu lesen, zu verarbeiten und für Handlungsanweisungen aufzubereiten.

Der wirklich neue Aspekt besteht jedoch nicht darin, dass die Ergebnisse schneller vorliegen, sondern dass Antworten auf Fragen gefunden werden, die sich so bislang noch nicht einmal stellten; das heißt: erst durch die Analyse von Ergebnissen entstehen neue Arbeitshypothesen.

Darüber hinaus nutzen Fertigungsunternehmen Big-Data-Applikationen etwa dazu, um die Herkunft und Qualität aller Vorprodukte überwachen und nachvollziehen zu können. Kommt es zu einer Rückrufaktion für bestimmte Waren, lässt sich sehr schnell die Ursache von Qualitätsproblemen aufspüren und abstellen.

In der Lebensmittel- oder Pharmaziebranche wird es ferner auch immer wichtiger, den Nachweis über die Herkunft der Vorprodukte zu führen, um anspruchsvolle Com­pliance-Anforderungen erfüllen zu können.

5. Data Warehouse und Data Marts

Bei Data Warehousing und Data Marts geht es zunächst einmal um die Ausgestaltung der SAP-Infrastruktur, die vielfach aus mehreren Data-Layern besteht.

Die permanent aktualisierten Daten aus der Rund-um-die-Uhr-Fertigung etwa befinden sich im ERP-System (SAP ECC). Vielfach ist noch ein Data Warehouse vorhanden, das Daten aus dem ERP-System und weiteren unterschiedlichen Quellen enthält, sowie ein Data Mart, das Kopien von zusammengefassten Teilen des Data Warehouse enthält.

Damit existieren mehrere Kopien der Daten, die nicht miteinander synchronisiert sind. Die Fertigungsdaten zu einem bestimmten Zeitpunkt werden über Nacht in das Data Warehouse überspielt und sind am nächsten Morgen im Grunde genommen schon nicht mehr aktuell.

Mit Hana gibt es diese Probleme nicht mehr. Die In-memory-Datenbank lädt alle benötigten Daten aus den unterschiedlichen Quellen in kurzer Zeit, und sie stehen dann für detaillierte Data-Warehousing-Anwendungen zur Verfügung.

Dadurch gibt es eine höhere Verlässlichkeit der Daten, und der gesamte Informationsfluss, der von der Datenquelle bis zu den einzelnen Anwendern auf allen Unternehmensebenen reicht, wird optimiert.

6. Business Process Simplifications

Ein typischer Geschäftsablauf in einem Unternehmen kann mehrere SAP-Transaktionen benötigen, mit einer ebenso großen Zahl von SAP-Bildschirmen. Mit Hana lassen sich diese Informationen komplett in einer einzigen Ansicht konsolidieren.

Das heißt, es werden alle Datenquellen für die Darstellung an einem Ort zusammengeführt. Hana nutzt dazu Fiori, die HTML5-basierte User-Interface-Technologie von SAP.

Mit diesem webbasierten Ansatz ist es möglich, Informationen aus verschiedenen transaktionsorientierten und analytischen Applikationen per Link miteinander zu verbinden, Geschäftsprozesse zu verfeinern sowie zu vereinfachen und damit letztlich die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern.

Anwendungsszenarien

Wenn es darum geht, konkrete Anwendungsszenarien zu entwickeln, ist es wichtig, an den Geschäftsprozessen anzusetzen. Eine reine Performancebetrachtung auf technischer Ebene, bei der es darum geht, mehr Input-Output-Operation pro Sekunde zu erzielen, den Speicherplatz effizienter zu nutzen oder Batchjobs schneller durchzuführen, ist nur ein einzelner Baustein in einem weit umfangreicheren Gesamtkonzept.

Im Rahmen eines Management-Consulting-Ansatzes setzt Dell daher an den Geschäftsprozessen an, erläutert einzelne Wertkategorien und erklärt, wie Unternehmen durch den Einsatz von Hana davon profitieren können.

Die damit erzielbaren Vorteile stellen typische TCO-Einsparungen durch eine Konsolidierung der IT-In­frastruktur schnell in den Schatten. Anhand konkreter Business Cases wird deutlich, wie schnell sich eine Investition lohnen kann.

Dell hat eine Datenbank mit weit über 100 Anwendungsszenarien aufgebaut, etwa für die Instandhaltung, die Fertigung, das Berichtswesen oder das Marketing.

Dazu gibt es zum Teil auch bereits vorgefertigte Templates, mit denen nach der 80-20-Regel zügig eine Implementierung umgesetzt werden kann. Derartige von SAP zertifizierte Rapid Deployment Solutions (RDS) lassen sich zügig implementieren.

80 Prozent der Lösung sind bereits fertig, und lediglich 20 Prozent müssen den individuellen Anforderungen eines Kunden entsprechend angepasst werden. Die fertige Hana-Komplettlösung von Dell, inklusive Hana Appliance oder Servern, Software und Service, kann ein Unternehmen mit seinen eigenen Daten zunächst in einem Proof of Concept in einer gemieteten Cloud testen.

Darüber hinaus unterstützt Dell die IT- oder die Fachabteilung bei der Erstellung eines Business Case – inklusive spezieller Aspekte wie TCO- und ROI-Kalkulation, dem Cashflow, dem Betrieb im Rechenzentrum des Kunden oder einer Nutzung von Cloud-Services sowie einer Roadmap mit genauen Zeitabläufen für alle Meilensteine.

 


 

Roadmap zur Hana-Einführung

Viele Unternehmen starten mit einem weniger komplexen Anwendungsszenario, beispielsweise aus dem Berichtswesen. Die Transformation schreitet dann langsam in drei Stufen voran:

Auf der ersten Stufe beginnt die evolutionäre Transformation meist mit einer Plattform-Migration. Das ist ein typisches IT-Thema, wenn ein Unternehmen seine vorhandenen Server durch eine Hana-Appliance austauscht.

Dabei geht es zunächst einmal nur darum, die Infrastruktur zu erneuern. Man spricht daher auf der ersten Stufe auch von einem TCO-Play: Das heißt: Mit der Verringerung der Datenbankgröße – mit Hana lässt sie sich auf rund ein Drittel reduzieren – kann die IT-Infrastruktur schlanker aufgebaut werden, und die Gesamtbetriebskosten sinken.

Unmittelbarer Anlass für derartige Projekte ist häufig das Ende eines Hardwarelebenszyklus nach sechs oder sieben Jahren und der Ersatz durch eine neue Lösung. Die zweite Stufe lässt sich als „von der Einsicht zur Tat“ (Insight to Action) beschreiben.

Hier wollen Unternehmen Hana beispielsweise für ein erweitertes Berichtswesen nutzen und damit zusätzliche Anwendungsszenarien (Use Cases) für das Reporting aufbauen. Es geht um neue Einsichten in die Geschäftsprozesse, um auf dieser Basis als Unternehmen schneller reagieren zu können und die Prozesse zu verbessern.

Die dritte Stufe bezeichnet Dell als „Prozesse neu gestalten“ (Reima­gine Business Processes), es kommen die SAP Business Suite for Hana oder S/4 Hana zum Einsatz, um Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten. Diese dritte Stufe ist noch nicht so weit­verbreitet.

Letztlich sind Unternehmen durch eine evolutionäre Transformation in der Lage, die Kosten für Geschäftsprozesse zu reduzieren und neue Umsatzquellen zu erschließen.

Über den Autor

Sebastian Gueler, Dell

Sebastian Gueler ist SAP Practice Director bei Dell.

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