Infrastruktur Mag 22-06

Digital Twin

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Immer mehr Unternehmen greifen bei der Planung von neuen Produktionsanlagen und Supply Chains oder bei der Erweiterung beziehungsweise Verbesserung von alten Logistikkonzepten auf die Unterstützung eines digitalen Zwillings zurück.

Dieser neue Trend soll den derzeitigen Fortschritt noch weiter vorantreiben, steckt aber an manchen Stellen selbst noch zum Teil in der Forschung. Aber warum scheinen digitale Zwillinge trotzdem aus vielen Unternehmensbereichen nicht mehr wegzudenken und welche Möglichkeiten bietet diese Technik beispielsweise für die Logistik sowie Intralogistik?

Der Mehrwert scheint groß, aber trotzdem finden Digital Twins bisher noch keine durchgehende Anwendung. Rainer Schulz, Geschäftsführer von Sysmat, verfolgt die Entwicklung gespannt und weiß: „Mit digitalen Zwillingen lassen sich entscheidende Schritte zu mehr Digitalisierung machen. Ein wichtiger Bestandteil für das Voranschreiten der Industrie 4.0.“

Unterschiedlichste Studien zeigen, dass je nach Art, Größe und Komplexität im Durchschnitt mindestens jedes sechste Unternehmensprojekt scheitert. Zukünftig sollen digitale Projektzwillinge hier Abhilfe schaffen und für mehr Projekterfolge sorgen, wie die Bearingpoint-Analyse „Datengetriebenes Projektmanagement statt Bauchgefühl“ zeigte. 

Digitale Projektzwillinge fokussieren sich auf die Durchführung und bilden alle in einem Projekt durchlaufenden Prozesse integrativ ab. Sie bieten so eine End-to-End-Lösung für den Aufbau eines digitalen Produktmodells. Ziel ist es, einen 360-Grad-Blick auf das Projekt beziehungsweise die Projektportfolios zu gewinnen. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, proaktiv auf unerwartete Entwicklungen reagieren zu können. Auf dieser Grundlage können zukünftig komplexe und nicht standardisierte Leistungen effizient abgewickelt werden.

BearingPoint Analyse Digital Twins
Der Mehrwert zukünftiger Digital Twins wird ein ganzheitlicher E2E-Ansatz sein, wo alle Mitwirkenden sich wiederfinden. Quelle: Bearingpoint

Realisierungskompetenz

„Marktprognosen im Bereich digitaler Zwillinge liegen bei Wachstumsraten von über 30 Prozent pro Jahr und Investitionen können sich nicht nur für produzierende, sondern vor allem auch für projektierende Unternehmen lohnen. Digitale Projektzwillinge werden die Realisierungskompetenz sowie die Kosten- und Termintreue verbessern. Zudem werden mit ihnen auch weitere Erfolgsdimensionen verstärkt in den Unternehmen Berücksichtigung finden. Um die Profitabilität zu erhöhen, müssen zusätzlich zu den Erfolgsdimensionen Kosten und Zeit aber auch umfassendere und verlässlichere Daten zur Leistung, zum Umfang, zur Qualität, zu Risiken und zu Ressourcen in eine holistische Projektbetrachtung einfließen“, unterstreicht Frank Tiefenbeck, Partner bei Bearingpoint.

Eine wichtige Anforderung digitaler Projektzwillinge ist die Verwaltung und Verarbeitung von Projektdaten. Hierzu werden Tools benötigt, die jede Form von Daten des Unternehmens verwalten, verarbeiten und diese mit Daten aus vielen verschiedenen Quellen integrieren können. „Ein digitaler Projektzwilling kann beispielsweise Auskunft darüber liefern, welche Bedürfnisse der Kunde hat, wie preissensitiv er ist und mit welchen Dienstleistern oder Lieferanten eine Zusammenarbeit möglich wäre. Damit ein digitaler Projektzwilling aber einen ganzheitlichen Blick liefern kann, muss beginnend von der Initiierung eines Projektes über die Angebotserstellung und Durchführung bis hin zur Abnahme ein hoher Grad an Prozessintegration sichergestellt sein“, betont Frank Tiefenbeck.

Noch nicht ganzheitlich

Momentan erweisen sich digitale Zwillinge einer gesamten Industrieanlage noch als zu komplex und wirtschaftlich nicht rentabel, weshalb die Technik zumeist nur bei einzelnen Projekten oder Phasen der Planung und Realisierung Einsatz findet. Aber schon in einem solchen kleinen Rahmen zeigen sich die Chancen, die diese Technologie bietet, und ihre starken Auswirkungen auf die Zukunft der Industrie. „Mit seinen Echtzeitdaten und der großen Transparenz lässt sich durch digitale Zwillinge in der Zukunft für Unternehmen nicht nur Zeit, sondern auch Kosten sparen. Weitere Forschung auf diesem Feld kann in ein paar Jahren noch so einige Fortschritte bringen“, erklärt Rainer Schulz. Als visuelles Testobjekt, stetige Entscheidungshilfe oder als Wartungsunterstützung für die reale Anlage steht der Zukunft des digitalen Zwillings nichts im Weg

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
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