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Die falsche Wahrheit über Cloud

Manager-Magazin-Autorin Christina Kyriasoglou hat in der Juli-Ausgabe des Magazins auf Seite 46 eine erhellende Analyse über SAP verfasst, darin zitiert sie einen Informanten: „Keiner traut sich mehr, Christian die Wahrheit zu sagen.“ Gemeint ist SAP-CEO Christian Klein.
Hausmitteilung
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Das Verschweigen der Wahrheit beruht jedoch auf Gegenseitigkeit. Auch SAP-Chef Christian Klein traut sich nicht, den Aktionären und Finanzanalysten die Wahrheit zu sagen. Er und sein Finanzvorstand Luka Mucic betonen die SAP-Erfolge im wichtigen Cloud-Geschäft. Mit vordergründig beeindruckenden Wachstums- und Umsatzzahlen wollen sie die richtige Cloud-Strategie der SAP beweisen.

„Unsere Umstellung auf das Cloud-Geschäft verläuft schneller als geplant und wir haben die Umsatzerwartungen übertroffen. Die Cloud-Erlöse sind nun zum größten Umsatzstrom der SAP geworden“, erklärte Christian Klein, SAP-Vorstandssprecher und CEO, anlässlich der Präsentation der Q2-Zahlen. Sein Vorstandskollege und Finanzvorstand Luka Mucic ergänzte: „Dieses Quartal zeigt erneut, dass unsere Strategie Anklang findet, sogar in einem zunehmend schwierigen externen Umfeld. Wir haben weiterhin ein starkes Umsatzwachstum erzielt, die Umsatzerwartungen übertroffen und die Profitabilität in der Cloud erhöht.“

Cloud Computing ist ein Megatrend und diesem Trend läuft SAP seit vielen Jahren hinterher. Die aktuellen Cloud-Zahlen überzeugen aber offensichtlich auch Finanzanalysten. Auf Handelsblatt Online war am 21. Juli nach der Veröffentlichung der Q2-Zahlen zu lesen: Auf der Verliererseite stand auch SAP. Nach einer Prognosesenkung fielen die Aktien des Softwareriesen um 2,8 Prozent. „Das Umsatzwachstum vor allem im wichtigen Cloud-Geschäft deutet aber darauf hin, dass das Geschäft im Großen und Ganzen gut läuft“, sagte ein Börsianer.

Nur gut, dass dieser Börsianer im Handelsblatt anonym bleibt. Hier wurden zwei wesentliche Faktoren übersehen: Wer seit Jahrzehnten viele Millionen in SAP-Software investiert hat, kommt nicht ohne erhebliche Disruption aus dem System heraus. Ein ERP-Softwarewechsel ist mehr als der Umstieg von Porsche auf Ferrari. SAP weiß um die Abhängigkeit seiner Bestandskunden. In dieser Situation ist es für SAP leicht, die alte Software auslaufen zu lassen und stillzulegen und die neuen Lösungen nur noch als Cloud-Software anzubieten – die SAP-Bestandskunden müssen ins Cloud Computing wechseln, wenn sie weiter mit SAP-Software arbeiten wollen.

Die Cloud-Wahrheit bei SAP ist sehr simpel: Nicht die Qualität, sondern die Verfügbarkeit zählt. Wenn es keine Alternative gibt, werden die SAP-Bestandskunden von Quartal zu Quartal mehr Cloud kaufen – oder sie wechseln den ERP-Anbieter. Weil SAP das Angebot für eigene Rechenzentren (On-premises) und Cloud Computing nahezu beliebig steuern kann, wird es Christian Klein und Luka Mucic auch gelingen, immer wieder die Börsianer zu täuschen. Keiner traut sich, den Finanzanalysten die Wahrheit zu sagen!

Abschließend meinte Christian Klein auf der Q2-Analystenkonferenz am 21. Juli dieses Jahres: „Ich würde es begrüßen, wenn Analysten unser Wachstum in der Cloud etwas mehr wertschätzen könnten. Wir haben immer gesagt, dass es sich um eine dreijährige Transformation handelt, und es war von vornherein klar, dass die ersten beiden Jahre schwierig sein werden.“

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