Coverstory 21-11 MAG 21-11

Die aktuellen Lizenzbaustellen der SAP-Community

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Das Thema indirekte Nutzung, Digital Access, betrifft immer noch eine große Zahl an SAP-Bestandskunden und mit dem Cloud-Umrechnungsfaktor FUE, Full Use Equivalent, steht schon die nächste Herausforderung vor der Tür des Rechenzentrums.

Es ist wahrscheinlich, dass SAP das Wachstum über höhere Lizenzgebühren und eben nicht durch bessere Leistung und mehr Funktionen erzielen will. Die Befürchtung in der SAP-Community ist eine Erhöhung der Berechnungsgrundlage für die Gebühren um 20 bis 50 Prozent nach einem Wechsel in die Cloud. Mit CPEA-Credits, Cloud Platform Enterprise Agreement, und FUE, Full Use Equivalent, hat SAP ein höchst raffiniertes Werkzeug für die Lizenztransformation geschaffen.

Auf Basis eines von SAP entwickelten S/4-TCO-Calculator in Form eines Excel-Formulars ergeben sich naturgemäß andere Zahlen.

Der Rise with SAP TCO Calculator (wie die Preisliste ein Excel-Formular) verspricht signifikante Einsparungen beim Cloud-Angebot von SAP und mäßige Einsparungen bei den Hyperscalern. Rechtsanwältin Jana Jentzsch: „Die Zahlen können allenfalls einen Einzelfall beschreiben; eine allgemeine Aussagekraft ist daraus meines Erachtens nicht ableitbar. Es stellt sich auch die Frage, ob eine solche Gegenüberstellung überhaupt valide ist, weil die jeweiligen Geschäftsprozesse und auch die Leistungen umfassend gegenübergestellt werden müssen und gegebenenfalls unterschiedlich umzusetzen wären.“
Der Rise with SAP TCO Calculator (wie die Preisliste ein Excel-Formular) verspricht signifikante Einsparungen beim Cloud-Angebot von SAP und mäßige Einsparungen bei den Hyperscalern. Rechtsanwältin Jana Jentzsch: „Die Zahlen können allenfalls einen Einzelfall beschreiben; eine allgemeine Aussagekraft ist daraus meines Erachtens nicht ableitbar. Es stellt sich auch die Frage, ob eine solche Gegenüberstellung überhaupt valide ist, weil die jeweiligen Geschäftsprozesse und auch die Leistungen umfassend gegenübergestellt werden müssen und gegebenenfalls unterschiedlich umzusetzen wären.“

Aber die Mehrkosten in der Cloud erscheinen logisch, wenn das prognostizierte Umsatzwachstum von SAP-Finanzvorstand Luka Mucic eingerechnet wird. Laut der Tabelle wären On-prem und die Hyperscaler teurer als die SAP-Cloud. SAP-CEO Christian Klein sagte zum Abenteuer Cloud: „Die Migration in die Cloud hat Effekte am Kapitalmarkt. Am Ende muss auch die SAP noch ein wenig Geld verdienen, aber bisher sieht das alles sehr gut aus. Unsere Betriebskosten sind gedeckt, unsere Cross Margin auch. Wir sind sehr gut unterwegs. Und eine letzte Anmerkung: Ein Abenteuer ist, Ihr ERP ohne SAP in die Cloud zu heben. Wenn was schiefgeht, wen sprechen Sie denn dann? Wenn Sie mit Rise in die Cloud gehen, haben Sie einen fixen Ansprechpartner. Deshalb ist Rise alles andere als ein Abenteuer, sondern ein Service, den Unternehmen schätzen.

Vor einem S/4-Cloud-Releasewechsel sind demnach alle Lizenzen zu überprüfen. Die Lizenztypen werden nach dem Plan von SAP aus einem On-prem-System nicht eins zu eins in die Cloud übernommen, sondern über einen Schlüssel, Full Use Equivalent, transformiert. Diese FUE-Transformation kann für SAP höhere Lizenzeinnahmen nach sich ziehen – muss es aber nicht! Wenn der Bestandskunde vorab seine Lizenzen analysiert und anpasst sowie den Transformationsprozess aktiv steuert, können sich Ersparnisse von bis zu 20 Prozent ergeben.

Und was verliert der SAP-Bestandskunde, wenn er seine On-prem-Lizenzen mit FUE für das Cloud Computing wandelt? „Der Kunde verliert zunächst ein dauerhaftes, also zeitlich unbefristetes Nutzungsrecht“, warnt Lizenzexpertin Dr. Jana Jentzsch. „Das ist vielen Kunden oft nicht bewusst, dass sie im Zuge eines Kaufvertrags Eigentümer der On-premises-Software geworden sind und diese dementsprechend unbefristet nutzen dürfen.

Nur Mieter in der Cloud

Cloud Computing ist eine neue Infrastruktur und Rechtsanwältin Jana Jentzsch betont nachdrücklich: „In der Cloud sind Sie nur Mieter. SAP ist der Vermieter. Die rechtliche Stellung eines Mieters ist schwächer als die eines Eigentümers. Daher wächst die Abhängigkeit zum Anbieter. Der Kunde verliert ein Stück Souveränität, auch weil die Daten physisch nicht mehr bei ihm, sondern bei SAP oder deren Subunternehmern liegen. Das ist nicht nur bei SAP so, sondern bei jedem Cloud-Anbieter. Angesichts der Standardbedingungen der SAP ist es wichtig, über eine Exitstrategie zumindest als Back-up frühzeitig nachzudenken. Viele Kunden kennen die Tücken der Cloud-Verträge nicht und glauben an eine Flexibilität, die faktisch nicht existiert. Hier hoffe ich, dass SAP bereit ist, in Zukunft dazuzulernen und den Kunden das zu geben, was in der Cloud essenziell ist: flexible Gestaltungsoptionen. Ansonsten sehe ich hohes Frustpotenzial bei den Kunden.

Contract oder Product?

Auf Basis von FUE gibt es für den SAP-Bestandskunden zwei Wege in die SAP’sche Cloud. Was bekommt der SAP-Bestandskunde mit Contract oder Product Conver-sion? „Auch hier verbietet sich eine pauschale Antwort“, erklärt Jana Jentzsch. „Wir haben verschiedenen Kunden sowohl die Contract als auch die Product Conversion empfohlen, abhängig von ihrer Situation. Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: Will der Kunde einen phasenweisen Umstieg oder sein gesamtes Portfolio in S/4 überführen oder will er gegebenenfalls bestimmte Systeme zukünftig gar nicht mehr mit SAP betreiben? Fragen dieser Art müssen im Vorfeld geklärt werden. Danach kann man die verschiedenen Ansätze vergleichen. Im Übrigen kann es durchaus auch Mischformen zwischen Contract und Product Conversion geben.

Eine erste Reaktion auf Contract oder Product Conversion: Die SAP-Bestandskunden versuchen ihre On-prem-Lizenzen zu behalten! Das mag zwei Gründe haben: Viele Cloud-Anbieter inklusive SAP prägten den Begriff BYOL (Bring Your Own License) und noch gibt es keine werthaltige SAP-Cloud-Exitstrategie. Wer also ein Sicherheitsnetz erhalten will für eine wolkenlose Zeit, der behält besser seine Lizenzen im Firmentresor. BYOL und das passende Lizenzmanagement sind aktuell die einzige Versicherung für eine Exitstrategie.

Digital Access

Noch immer existiert in der SAP-Community die Herausforderung indirekte Nutzung. Was rät Jana Jentzsch den SAP-Bestandskunden hinsichtlich Third Party Applications und Digital Access?

Die Kunden sollten ihre Nutzung von Drittanwendungen, die mit der SAP interagieren, kennen. Diese Nutzung muss analysiert werden, um entscheiden zu können, welche Nutzungen überhaupt lizenzpflichtig sind. Wer glaubt, dass für jeden Datentransfer mit Drittanwendungen eine Digital-Access-Lizenz erforderlich ist, der irrt. Mit dem Thema wird seitens SAP meines Erachtens oft zu flach umgegangen, was zulasten des Kunden dazu führen kann, dass Dokumente gezählt werden, die nicht gezählt werden müssten. Es geht hier sowohl um das richtige Verständnis der SAP-Lizenzbedingungen als auch um eine adäquate urheberrechtliche Beurteilung. Das ist insgesamt ein sehr komplexes und anspruchsvolles Thema und es erfordert technisches und rechtliches Verständnis gleichermaßen. Es gibt Juristen, die die Auffassung vertreten, jegliche Erhebung von Lizenzgebühren für sogenannte indirekte Nutzungen sei per se rechtswidrig. Aber zu dieser Gruppe habe ich nie gehört. Meines Erachtens ist es rechtlich akkurater, einen differenzierten Ansatz zu vertreten. Mein Rat ist, sich mit dem Thema technisch und rechtlich in der Tiefe und differenziert auseinanderzusetzen, denn das kann viel Geld sparen.

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Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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