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Der zweite Tod von BuByDe

Business ByDesign fällt dem Reinemachen am Jahresende in Walldorf zum Opfer. SAP findet keinen Gefallen mehr an der einst revolutionären Software. Ende gut, alles gut und der Wunsch von Professor Plattner geht letztendlich in Erfüllung.
15. Dezember 2022
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Genial daneben

Die Idee zu einer ganzheitlichen betriebswirtschaftlichen Standardsoftware als SaaS-Angebot aus dem SAP-Rechenzentrum stammt von Hasso Plattner und seinem damaligen SAP-Technikvorstand Peter Zencke. Er war der letzte visionäre Vorstand, der mit beiden Beinen am Boden stand und gleichzeitig den Kopf weit über den Wolken hatte. Man konnte Peter Zencke jederzeit anrufen und um Rat fragen. Er nahm sehr oft das Gespräch persönlich ohne Allüren in Empfang. Heute ist es üblich, dass Vorstände von einer undurchdringlichen Phalanx an Assistentinnen und Assistenten umgeben sind, die sich wiederum einer Phalanx an Sekretärinnen und Sekretären bedienen. Peter Zencke war anders. Er war Realist und Visionär zugleich. Diese Kombination erschuf BuByDe. SAP brachte das Software-Konglomerat aber nie wirklich zum Fliegen.

DevOps ByDesign

Als BuByDe geboren wurde, war das Thema DevOps erst im Entstehen. Rückblickend lässt sich das SAP-Desaster aber an den beiden Polen Development und Operation gut skizzieren. Technikvorstand Zencke entwickelte ein fantastisches ERP, das als erste Software in Deutschland vom TÜV ein Qualitätszertifikat bekam. Von Beginn an hatte SAP das ganze ERP-Bild vor Augen und mit der Erfahrung aus SAP R/3 entstanden logische und konsistente Datenstrukturen und Algorithmen. Letztendlich war BuByDe eine Doktorarbeit der Informatik.

Kein operatives Know-how

Geschichte wiederholt sich: Bereits mit BuByDe zeigte SAP, dass der ERP-Weltmarktführer über kein Wissen hinsichtlich der Führung von Rechenzentren verfügte. Die Performance von BuByDe aus dem Walldorfer Rechenzentrum war lausig. Der Datenschutz und die Abgrenzung zwischen den BuByDe-Anwendern waren mangelhaft. Die gute Idee erlitt im wirklichen Leben Schiffbruch. Es musste viel nachgebessert werden und zeitweise wurde der Vertrieb sogar eingestellt.

BuByDe ist tot

Hasso Plattner gab die Schuld an dem Desaster seinem Technikvorstand Peter Zencke, der kurz danach ohne Dankesworte des SAP-Mitgründers den Konzern verließ. Naturgemäß war das BuByDe-Desaster von Zencke nicht allein zu verantworten. Rückblickend kann festgestellt werden, dass es an SaaS-Wissen fehlte und an Wissen darüber, wie eine SaaS-Lösung operativ zu betreiben ist. Peter Zencke trifft hier nur wenig Schuld, wie sich viele Jahre später an SuccessFactors beweisen lässt. Auch hier existiert wieder eine durchdachte und stimmige Lösung, die fast von SAP an die Wand gefahren wurde, weil SaaS- beziehungsweise Cloud-Know-how fehlt. Damals schon war Hasso Plattner knapp davor, BuByDe einzustellen. Nun bekommt er im Jahr 2023 seinen Willen.

SAP ist keine Cloud-Company

Es braucht viel Wissen, um erfolgreiche ERP-Lösungen wie R/3, BuByDe, Business Suite 7 und S/4 zu entwickeln. SAP hat dieses betriebswirtschaftliche Wissen. Und es braucht viel Wissen, um als Outsourcer, Hoster, SaaS- und Cloud-Anbieter erfolgreich zu sein. SAP hat dieses Wissen nicht. Somit muss BuByDe jetzt ein zweites Mal sterben. SAP konnte dem BuByDe von Peter Zencke nie zum gebührenden Erfolg verhelfen – schade, mit ein wenig Demut gegenüber Cloud Computing hätte es klappen können.

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