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22. August 2022

Der SolMan aus der Cloud?

Den SAP Solution Manager gibt es seit ungefähr 2004, also seit einer längst vergangenen Welt ohne Cloud oder S/4. Dann wurde das Wartungsende für 2027 angekündigt und der Schreck saß tief. War es das dann für den SolMan?
SolMan Kolumne
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Beim SAP Solution Manager (SolMan) handelt es sich um die bewährte On-premises-Suite für das zentrale und integrierte Application Lifecycle Management (ALM) der SAP-Systemlandschaft (SAP ERP oder S/4). Die ALM-Lösung, die von SAP als Single Source of Truth angepriesen wird, bietet eine Vielzahl von Szenarien, die den Lebenszyklus der SAP-Applikationslandschaft unterstützen. 

Mit SAP Cloud ALM ist seit einiger Zeit eine weitere ALM-Lösung verfügbar, die gerne als Nachfolger des SolMan gehandelt wird. Doch das ist sie nicht, denn dazu müsste diese Lösung einen ebenso umfassenden Funktionsumfang bieten wie der SolMan. Sie eignet sich gegenwärtig vor allem für Unternehmen, die ausschließlich Cloud-Lösungen von SAP einsetzen (S/4 Hana Cloud, SuccessFactors oder das SAP-CX-Portfolio). Im Gegensatz zum SolMan lässt sich SAP Cloud ALM allerdings schnell in Betrieb nehmen und liefert erste Monitoring-Daten schon wenige Stunden nach der Implementierung. 

Das Mittel der Wahl

Als zentrale, strategische ALM-Lösung kann SAP Cloud ALM jedoch nicht genutzt werden. Sie ermöglicht nicht einmal ein Lifecyle-Management von Business Suite, ERP und Non-SAP-Applikationen, außerdem fehlen Funktionen für das IT-Service-Management (ITSM). 

Zum Mittel der Wahl wird SAP Cloud ALM unter folgenden Bedingungen: Es ist kein weiteres Monitoring-Tool im Einsatz, ein Infrastruktur- und System-Monitoring ist nicht erforderlich, und die eingebaute Integration mit der ITSM-Lösung von ServiceNow kann verwendet werden. Dies trifft in der Praxis nur bei wenigen Unternehmen zu. 

Die Integration eines Third-Party-Ticket-Tools wie ServiceNow ist notwendig, weil die einzelnen ALM-Tools im Gesamtkontext der Unternehmens-IT genutzt werden, die in der Regel aus SAP- und Nicht-SAP-Software besteht. Die Integration solcher Lösungen verhindert die Entstehung von Datensilos und ermöglicht ein durchgängiges Reporting und automatisierte Supportprozesse – ein großer Vorteil in Zeiten des IT-Fachkräftemangels. Nachteil: Mit ServiceNow kommt – im Widerspruch zum „Single Source of Truth“-Konzept – ein zusätzliches ALM-Tool zum Einsatz, für das zugleich Lizenzkosten anfallen. 

Es empfiehlt sich aber nicht, auf eine Integration zu verzichten und stattdessen Monitoring-Alerts an das E-Mail-Postfach zu senden. Der Supportmitarbeiter muss sich nämlich erst in Outlook anmelden und dann jeden Alert zeitaufwändig manuell bearbeiten – ade, Single Source of Truth. Da kommt es schon mal zu Verzögerungen, die bewirken können, dass sich ein kleines „Feuer“ wie ein Performanceproblem zum „Flächenbrand“ ausweitet, im schlimmsten Fall zu einem Ausfall der SAP-Systeme. 

Nach 2027

Auch beim SolMan ist nicht alles Gold, was glänzt. Stand heute läuft die Mainstreamwartung Ende 2027 aus. SAP-Kunden, die diese ALM-Suite bereits nutzen oder ihren Einsatz planen, stellen sich zu Recht die Frage, wie es danach weitergeht. Kommen etwa Lizenzkosten auf sie zu? Zurzeit plant SAP auch kein neues Release mehr für den SolMan (aktuelle Version 7.2 mit SPS 14) und somit keine Weiterentwicklung; Kunden müssen sich mit SPS-Update-Paketen begnügen. 

Das alles sorgt für große Unsicherheit. Es ist SAP-Kunden daher anzuraten, sich die Begleitung eines Partners zu suchen, der über Erfahrung und das nötige Know-how in Bezug auf den Einsatz des SolMan wie auch von SAP Cloud ALM verfügt. Er kann sie bei der Auswahl des für ihre Anforderungen am besten geeigneten SAP-ALM-Tools kompetent beraten, damit sie recht lange von dieser Investition profitieren.

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