Infrastruktur Mag 22-05

Der Hype um die Hyperscaler

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Geschrieben von Stefan Rother, Nagarro ES

Hyperscaler! Der Begriff klingt nach digitalem Aufbruch, verheißt unbegrenztes Wachstum – und hat damit der Cloud endgültig zum Durchbruch verholfen.

Im Jahr 2011 konnten sich Unternehmen in Deutschland noch nicht so richtig dafür begeistern, Infrastruktur, Plattformen oder Software in externe Rechenzentren auszulagern. Im damals erstmals vom Verband Bitkom und dem Beratungsunternehmen KPMG veröffentlichten Cloud-Monitor gaben lediglich 28 Prozent der befragten Unternehmen an, bereits Cloud-Dienste zu nutzen, für 50 Prozent war der Einsatz nicht einmal ein Thema. Zehn Jahre später hatte sich das komplett geändert.

Laut Cloud-Monitor 2021 setzten 82 Prozent der Unternehmen bereits auf Cloud Computing, nur für drei Prozent war die Technologie nach wie vor uninteressant. Diese Entwicklung hängt vor allem damit zusammen, dass der Mehrwert von Cloud-Services immer transparenter wird und Unternehmen die Vorteile leichter nachvollziehen können. Inzwischen ist aus den Chefetagen sogar immer häufiger von einer Cloud-first-Strategie zu hören. Doch gilt das alles auch schon für Software von SAP? Die Zahlen lassen anderes vermuten.

SAP und die großen drei

Welche Relevanz vor allem die großen drei Hyperscaler Amazon, Google und Microsoft mittlerweile im ERP-Kontext haben, illustriert das Engagement von SAP: Der Walldorfer Softwareanbieter hat mit seinem Rise-Programm eine strategische Initiative angestoßen, um S/4-Anwender in einen SaaS-Service zu bringen. Die technische Grundlage dafür sind die Hyperscaler-Plattformen.

Für Unternehmen eröffnet sich grundsätzlich eine neue Deployment-Kategorie für die On-prem-Variante ihrer SAP-Installation. Sie können das ERP-System nicht nur im eigenen Rechenzentrum oder auf den Ressourcen eines etablierten Managed Services Providers (MSP) hosten, sondern auch in der Cloud-Infrastruktur von Amazon Web Services, Microsoft Azure oder der Google Cloud Platform. Aus technologischer Perspektive besteht dabei kein prinzipieller Unterschied zwischen MSP und Hyperscaler – schließlich greifen Unternehmen in beiden Fällen über Telekommunikationsverbindungen auf ihre Systeme zu, die auf Commodity-Komponenten außerhalb ihrer Verantwortung liegen.

Ohne MSP geht es nicht

Die Kosten für die Nutzung der Infrastruktur sind dabei bei den Hyperscalern nicht zwangsläufig geringer. In der Regel bieten sie Speicherplatz auf Hana in dezidierten Größen an und legen dafür Laufzeiten von mindestens einem Jahr fest. Viele MSP arbeiten dagegen mit echten Pay-per-Use-Modellen. Die viel zitierte Flexibilität und Skalierbarkeit der Hyperscaler kommt damit im SAP-Zusammenhang aktuell noch nicht zum Tragen – auch, weil die Systeme üblicherweise 24/7 aktiv sind.

Deutliche Unterschiede bestehen aus fachlicher Perspektive und aus der Sicht eines SLA-basierten Betriebs. Etablierte Managed Services Provider (MSP) verfügen über langjährige Erfahrung bei der Implementierung und dem Betrieb von S/4, Hyperscaler nicht. Managed Services Provider übernehmen über alle relevanten Layers – von der Infrastruktur über die technische Plattform bis zur Applikationsschicht – Verantwortung und bilden diese Verantwortung in übergreifenden Service Level Agreements gegenüber den Anwenderunternehmen ab.

Beim Betrieb auf einer Hyperscaler-Umgebung erfolgt bereits eine Verantwortungstrennung zwischen Infrastruktur und technischer Plattform. Insofern sind Unternehmen, die S/4 bei einem Hyperscaler hosten wollen, auf einen zusätzlichen Partner angewiesen, der als Klammer diese beiden Schichten zusammenhält und sich um alle fachlichen Belange kümmert. Im Gegensatz zu all dem bekommen Unternehmen bei einem MSP alle Leistungen aus einer Hand.

Vieles spricht also erst einmal für ein Hosting bei einem Managed Service Provider. Es gibt aber auch Argumente für die Hyperscaler. Dazu gehört vor allem, wenn Unternehmen die umfänglichen innovativen Technologien nutzen und an neuen Use Cases arbeiten wollen. Die in der Cloud bereitgestellten Services sind inzwischen sehr umfassend und lassen sich leicht an die SAP-Systeme und die dort vorgehaltenen Daten anbinden. Das ist zwar grundsätzlich auch möglich, wenn S/4 auf der eigenen Infrastruktur oder auf Ressourcen eines MSP liegt.

Serverless und Fully Managed

Bei den Hyperscalern sind Serverless-Fully-Managed-Lösungen verfügbar, die eine hohe Innovationsgeschwindigkeit versprechen. Sollen Hyperscaler genutzt werden, lohnt sich ein genauer Blick. Es bestehen erhebliche Unterschiede: Die Stärken von Amazon Web Services liegen in der Vielzahl der bereitgestellten Services zu den unterschiedlichsten Use Cases. Mit der Google Cloud Platform ergeben sich gerade im SAP-Umfeld viele sehr interessante Schnittstellen zur Verbindung von Systemen und zum Zugriff auf Daten. Und Microsoft Azure überzeugt durch die umfangreichste Installationsbasis von SAP on Hyperscaler.

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Stefan Rother, Nagarro ES

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