Coverstory 2007 MAG 2007

Der Alleskönner

[shutterstock.com: 1200929011, Maslowski Marcin]
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Geschrieben von E-3 Magazin

E-3 Exklusivinterview mit Dr. Markus Pleier, Director Systems Engineering bei Nutanix.

Nutanix ist mit dem Anspruch angetreten, die Sichtweise auf die IT-Architektur zu revolutionieren und die operative IT-Infrastruktur zu modernisieren. Diese Automatisierung und Harmonisierung bringt dem SAP-Bestandskunden ganz neue, umfassende und nachhaltige Freiheitsgrade.

Herr Pleier, die gegenwärtige Krise hat die Wirtschaft hart getroffen, überall auf der Welt. Was ist aus Ihrer Sicht für die Unternehmens-IT die wichtigste Lehre daraus?

Markus Pleier: Diese Krise und ihre Ausmaße haben uns alle überrascht. Für ein solches Ereignis kann man nicht im Vorfeld bis ins kleinste Detail ausformulierte Pläne entwickeln, die man dann im Falle eines Falles nur aus der Schublade ziehen muss und die alle Eventualitäten abdecken.

Das ist schlicht nicht möglich. Dennoch lässt sich natürlich immer etwas besser machen. Wenn man eine allgemeine Lehre ziehen kann, dann lässt sie sich auf einen Begriff bringen: Resilienz.

Ich hätte eher das Wort Digitalisierung erwartet.

Pleier: Eine verstärkte Digitalisierung ist sicher eine der wichtigen und richtigen Antworten auf die Frage, wie die Unternehmen und ganze Volkswirtschaften am besten aus der Krise herausfinden und auf ihren Wachstumspfad zurückkehren können.

Doch die Fragilität unserer bisherigen Strukturen, die sich in der Krise offenbart hat, muss zuerst beseitigt werden. Wir brauchen eine neue stabile Basis, auf der wir aufbauen können, auf der wir dann mit der Digitalisierung fortfahren können.

Doch wir müssen aufpassen und ein Missverständnis von vornherein ausräumen: Stabilität wäre der falsche Begriff, wenn damit starre Strukturen gemeint wären. Deshalb spreche ich lieber von Resilienz.

Waren unsere bisherigen Strukturen zu starr?

Pleier: Ja, und das trifft für viele Bereiche zu. Ein Baum, der sich im Wind biegt, bricht nicht und verliert höchstens ein paar Äste. Lieferketten, die nicht verzweigt und regional diversifiziert genug waren, haben am meisten unter der Krise gelitten.

Denn der einzelne Strang in der Kette war kein biegsamer Ast oder Stamm, sondern eine Säule aus Beton, die bei Erschütterung brechen musste und das gesamte Gebäude zum Einsturz brachte.

Das haben wir in Deutschland zum Beispiel bei der Schutzausrüstung für das medizinische Personal gesehen. Unternehmen, die nicht genügend Kapazitäten und Flexibilität hatten, performante Homeoffice-Arbeitsplätze einzurichten, hatten mit Produktivitätsverlusten und mit erhöhten Sicherheitsrisiken zu kämpfen, da eine weniger effektive Verschlüsselung weniger Rechenleistung erfordert.

Oder sie mussten in die Public Cloud ausweichen und dabei vielleicht interne oder externe Richtlinien und Regularien verletzen.

Was hätten die Unternehmen denn anders machen können?

Pleier: Resilienz bedeutet, externe Schocks zu überstehen, ohne dass der Kern bricht, während Teile durchaus temporär beeinträchtigt sein oder sogar ausfallen dürfen.

Es geht also um Flexibilität, um Redundanz und um Ausfallsicherheit, und zwar in dem Sinne, dass partielle Ausfälle nicht das Ganze in Gefahr bringen und zudem das Niveau der Ausfallsicherheit nicht sinkt.

Das bedeutet ferner, dass sich ausgefallene Komponenten wieder selbst reparieren oder an anderer Stelle ersetzen lassen, am besten automatisch. Regional diversifizierte Lieferketten könnten füreinander einspringen, sodass ein Totalausfall vermieden wird.

IT-Umgebungen, die nicht von einzelnen Komponenten abhängig, verteilt und redundant aufgebaut sind, können die Ressourcenzuweisung für verschiedene Work­loads flexibel steuern und anpassen, sodass sie ihre Kernaufgabe, die jeweiligen geschäftlichen Prioritäten zu unterstützen, jederzeit erfüllen können.

Mit der richtigen Infrastruktur können Unternehmen für Stabilität sorgen, die gleichzeitig flexibel ist, für Ausfallsicherheit und Redundanz, die gleichzeitig bezahlbar sind, für Erweiterbarkeit und Skalierbarkeit, die neue Abhängigkeiten und Schwachstellen verhindern.

Das klingt sehr fordernd.

Pleier: Das ist richtig. Vor allem aber will ich Mut machen, damit wir in der IT die richtigen Lehren ziehen. Krise ist nämlich nicht gleichbedeutend mit Chaos, Zusammenbruch und Schuldzuweisungen.

Krise bedeutet im ursprünglichen Wortsinn einen Moment der Entscheidung, freilich nicht einer unwichtigen, beiläufigen, die keine großen Auswirkungen hat. Vielmehr geht es um eine Entscheidung, die in eine stabilere Zukunft führt, welche wiederum auf Basis einer resilienteren Grundlage errichtet wird.

Sie fordern langfristiges Denken. Die Unternehmen haben aktuell aber eher kurzfristige Prioritäten.

Pleier: Da haben Sie recht. Und das muss natürlich so sein. Die Entscheider wissen aber auch, dass die kurzfristigen Prioritäten nicht zulasten der langfristigen Ziele gehen dürfen.

Was nützen kurzfristige Kosteneinsparungen, wenn damit einer wirklichen Digitalisierung, die zu mehr Automatisierung und Produktivitätssteigerungen führt, die Grundlage entzogen wird? Aus Unternehmenssicht war die beste Art, zu sparen, immer schon, klug zu investieren.

Dr. Markus Pleier
Dr. Markus Pleier leitet das Team der Nutanix-Techniker in Zentraleuropa und fungiert auch als Chief Technology Officer (CTO) der Region. Der Diplominformatiker mit Promotion in Medizin verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der IT-Industrie und war in dieser Zeit bei namhaften Herstellern in leitenden Positionen tätig.

Das hatten SAP-Bestandskunden mit der Transformation auf S/4 doch vor! Jetzt haben sie dieses wichtige Digitalisierungsprojekt erst einmal verschoben.

Pleier: Das ist nur zu verständlich. Die IT-Teams haben in der Tat zurzeit andere Sorgen. Schließlich ist die Transformation ein Projekt, das Zeit erfordert und viele personellen Ressourcen bindet.

Im Augenblick heißt die Priorität Telearbeit, die in der Krise gekommen ist, um zu bleiben. Gleichzeitig müssen die IT-Abteilungen ihren Beitrag zu Kostensenkungen leisten.

Doch damit sind wir wieder bei dem bereits angesprochenen Moment der Entscheidung: Werden diese kurzfristigen Projekte und Aktivitäten so geplant und realisiert, dass sie bereits heute die Grundlage für die nachfolgenden langfristigen Initiativen legen und diese sogar vereinfachen und beschleunigen?

Worauf tippen Sie?

Pleier: Wenn die Krise eines zeigt, dann die Tatsache, dass es auf die Infrastruktur ankommt. In guten Zeiten nehmen wir sie nicht wahr, sie ist zwar da und funktioniert irgendwie, aber wirklich Notiz nehmen wir nicht von ihr.

Das ist dann Sache der Infrastrukturteams. Dass wir uns über den Kreis der Spezialisten hinaus der konkreten Ausgestaltung einer Infrastruktur bewusst werden, ist die Folge einer Ausnahmesituation.

Um ein positives Beispiel jenseits der IT zu nennen: Unser Gesundheitssystem hat gehalten. Es war dezentral und flexibel genug, um die bereits stattliche Anzahl an Intensivbetten in kurzer Zeit weiter aufzustocken.

Dadurch konnte das Funktionieren des Gesamtsystems zu jeder Zeit aufrechterhalten werden. Insgesamt hat sich das Gesundheitswesen als erstaunlich resilient erwiesen.

Und wie lässt sich das jetzt auf die IT übertragen?

Pleier: Bei allem, was die IT-Teams tun und langfristig vorhaben, sollten sie darauf achten, dass ihre Infrastruktur resilient ist. Denn nur wenn sie es ist, lassen sich die kurzfristigen Prioritäten und Effekte mit den langfristigen strategischen Zielen im Einklang halten. Mehr noch: Sie können diese sogar befeuern.

Könnten Sie das bitte konkretisieren?

Pleier: Sehr gerne. Die Erweiterung der Zahl der Heimarbeitsplätze ist nicht nur eine Herausforderung in Sachen Leistung, sondern auch eine Frage der Sicherheit. Patches müssen deshalb so schnell wie möglich eingespielt werden.

In traditionellen Infrastrukturumgebungen ist das gar nicht so einfach. Die Zeiträume zwischen den einzelnen Updates können hier wegen der Vielzahl der Abhängigkeiten zum Beispiel zu einem bestimmten Hardwaretreiber oder der Betriebssystemversion einer Speicherressource sehr lang sein, in vielen Fällen zu lang, um die immer abgefeimteren Attacken der Cyberkriminellen zu vereiteln.

Wäre es nicht besser, eine Infrastruktur zu haben, die Sicherheitsupdates automatisch und auf Knopfdruck einspielt?

Ist das aber nicht ein spezifisches Problem, das sich kurzfristig lösen lässt und keine besonderen langfristigen Auswirkungen hat?

Pleier: Ich meine nicht. Ich habe das Beispiel der Updates bewusst gewählt, weil es eine Dauerbaustelle für SAP-Teams ist. Natürlich lässt sich relativ zügig eine Infrastruktur für Telearbeitsplätze errichten, ohne Verbindung zur SAP-Umgebung und wahrscheinlich auch von anderen Teams als denen, die für die SAP-Applikationen und -Datenbanken zuständig sind.

Doch hier ist der Moment der Entscheidung: Wäre jetzt nicht der Zeitpunkt, eine Infrastruktur einzuführen, die nicht nur das Update-Problem für das Homeoffice löst, sondern auch für die zentrale SAP-Umgebung?

Vielleicht sogar eine gemeinsame Infrastruktur für die unterschiedlichsten Workloads inklusive SAP? Eine, die sowohl für SAP-NetWeaver- und AnyDB-Landschaften funktioniert als auch für SAP-Hana-Umgebungen?

Das klingt ein bisschen nach eierlegender Wollmilchsau …

Pleier: Da haben Sie nicht unrecht. Doch bitte vergessen Sie nicht: Im Infrastrukturbereich hat schon vor Jahren eine Revolution stattgefunden.

Seither ist Infrastruktur Software, die direkte Verbindung zur Hardware wurde gekappt, sodass zwei getrennte Schichten entstanden und die einzelnen Infrastrukturkomponenten wie Rechenleistung, Speicher, Netzwerk und Hypervisor zu Funktionalitäten ein und derselben Softwareplattform verschmolzen sind.

Das haben viele Unternehmen und IT-Teams bis heute nicht so richtig bemerkt, weil die Revolution in den Rechenzentren der Cloud-Anbieter passiert ist.

Ist dann nicht die Public Cloud die resiliente Komponente im Infrastrukturmix?

Pleier: Die Hyperscaler haben vielen Unternehmen in der aktuellen Krise sicher sehr geholfen, um interne Engpässe zu überwinden. Der kurzfristige Effekt ist sicher äußerst positiv zu bewerten.

Doch langfristig entstehen dadurch neue Komplexitäten und Abhängigkeiten. Unterschiedliche und nicht kompatible Technologiestacks erfordern mehr Spezialwissen und mehr Koordinierungsbedarf, führen also zu mehr Komplexität und neuen Abhängigkeiten.

Neue Schwachstellen entstehen, die das Funktionieren des Gesamtsystems gefährden. Denken Sie nur daran, was passiert, wenn aus Versehen ein Datenkabel durchtrennt wird. Das nenne ich nicht resilient.

Was wäre denn eine Alternative?

Pleier: Die Antwort ist naheliegend: Holen Sie die Cloud zu sich ins Rechenzentrum! Das gelingt mittels einer komplett von der darunter liegenden Hardware unabhängigen Infrastruktursoftware, die sich zentral verwalten lässt und alle administrativen Aufgaben auf Knopfdruck automatisch ausführt.

Sie ist vollständig virtualisiert und redundant ausgelegt. Fällt eine Hardwarekomponente oder eine virtuelle Maschine aus, führt das weder zu Unterbrechungen auf der Applikationsebene noch gehen Daten verloren.

Auf einer solchen Softwareplattform lassen sich dann die verschiedensten Workloads betreiben: SAP-Anwendungen, NetWeaver-Middleware, Datenbanken verschiedener Hersteller einschließlich Sybase, Microsoft SQL Server, DB2, PostgreSQL, MySQL und Oracle, natürlich Hana, Test-, Entwicklungs-, Qualitätssicherungs- und Produktivumgebungen für SAP, VDI, Drittanwendungen etc.

Aus der Sicht der SAP-Teams widerspricht das aber der reinen Lehre. Viele dürften auch Zweifel daran haben, dass ein SAP-Produktivsystem in einer virtualisierten Umgebung performant genug läuft.

Pleier: Wir kennen diese Bedenken, sie sind jedoch unbegründet. Indem wir die Daten, auf die über eine virtuelle Maschine zugegriffen wird, in deren unmittelbarer Nähe und dazu noch im Arbeitsspeicher halten, minimiert das den Netzwerkverkehr. Bare Metal ist da wohl nicht schneller.

Wir nennen das Datenlokalität, das ist nur eines der Prinzipien, die in unserer hyperkonvergenten Infrastruktursoftware gleichsam eingebaut sind (siehe Artikel von Bas Raayman auf Seite 46). Unsere Softwareplattform bringt ihren eigenen Hypervisor gleich mit.

AHV ist in unseren Lizenzen und Abonnements ohne Aufpreis inbegriffen und für SAP-Umgebungen auf Basis von NetWeaver und Hana von SAP zertifiziert. Die Kunden können sich darauf verlassen, dass ihre Suite 7, aber auch S/4 problemlos auf Nutanix laufen. Außerdem lassen sich damit massenhaft Lizenzkosten einsparen.

Aber außer Leistung und Ausfallsicherheit hat die Cloud ja noch weitere Vorteile zu bieten. Wie sieht es denn damit aus?

Pleier: Beginnen wir beim Thema Skalierbarkeit. Unsere Software prognostiziert den Ressourcenbedarf und schlägt Alarm, wenn Engpässe drohen. Dann lassen sich einfach Knoten, also Kombinationen aus Speicher, CPU und Netzwerk, hinzufügen.

Bei der dafür notwendigen Hardware unterstützen wir eine sehr breite Auswahl an Herstellern. Dabei sind Dell EMC, Lenovo, Cisco, HPE und Fujitsu zu nennen. Außerdem bieten wir die Knoten auch im Abonnementmodell an, sodass keine Vorabinvestitionen zu tätigen sind.

So lässt sich der finanzielle Aufwand von Kapital- zu Betriebskosten verlagern. Auch das ist in der Cloud Usus. Schließlich bieten wir zahlreiche nahtlose Verbindungen zu Hyperscalern an, sollten Lastspitzen nur mithilfe externer Ressourcen abzufedern sein.

Das ist ein echter hybrider Ansatz, der die Grenzen zwischen den Technologiestacks aufhebt und für die IT unsichtbar macht, weil alle nötigen Anpassungen zum Beispiel bei der Verlagerung eines Workloads vom eigenen Rechenzentrum in die Public Cloud, zu AWS, GCP oder Microsoft Azure automatisiert von unserer Software erledigt werden.

Führt das dann nicht doch wieder zu neuen Abhängigkeiten, dieses Mal von Ihrer Software?

Pleier: Es gibt einen Unterschied zwischen Nutzung und Abhängigkeit. Weder die da­runter liegende Hardware noch die Workloads sind mit unserer Software fest verdrahtet.

Sie können Ihre Umgebung jederzeit auf andere Plattformen portieren. Unsere Kunden haben nicht nur größere Freiheitsgrade bei der Wahl der Hardware, sondern auch bei der Wahl ihres Hypervisors und ihrer Public Cloud.

Außerdem sind die Lizenzen und Abonnements, die Kunden bei uns erwerben, ebenfalls portierbar, also vom eigenen Rechenzentrum in die Cloud und zurück. Diese Freiheitsgrade und Wahlmöglichkeiten bieten wir, solange Kunden unsere Software nutzen.

Kommen wir auf den Aspekt Kurzfristigkeit versus Langfristigkeit zurück. Was bietet Ihre Software SAP-Bestandskunden in dieser Hinsicht?

Pleier: Mithilfe unserer Softwareplattform können Unternehmen digitale Arbeitsplätze in großer Zahl von der Bestellung bis zur Bereitstellung innerhalb weniger Tage realisieren.

Auf derselben Plattform lassen sich aber auch eine Hana-Datenbank, eine NetWeaver-Umgebung oder die SAP Business Suite und S/4 betreiben. Für all diese Umgebungen ist unsere Plattform von SAP zertifiziert.

Das Wichtigste aber sind die Automatisierung der administrativen Aufgaben und die Unterstützung des DevOps-Konzepts. Das ist, was langfristig am meisten zählt.

Warum ist das so wichtig?

Pleier: Wenn die Digitalisierung gelingen soll, muss die IT agiler werden. Der Grundsatz „never touch a running system“ kann dann nicht mehr gelten und die Zeitverschwendung mit Routineaufgaben muss ein Ende haben.

Unternehmen strukturieren um, kaufen und verkaufen, um auf die gegenwärtige Krise, aber auch auf technologische Innovationen und die daraus erwachsende Konkurrenz durch Start-ups zu reagieren.

Da kann es nicht sein, dass es Wochen oder Monate dauert, bis die notwendige Infrastruktur bereitsteht, um die Applikationslandschaft von gekauften Unternehmen zu integrieren oder um neue Datenbankumgebungen bereitzustellen. Entwickler dürfen nicht mehr in ihrer Arbeit und Produktivität behindert werden, weil das Betriebsteam nicht hinterherkommt.

Mit unserer Plattform zum Beispiel lassen sich Blueprints für SAP-Entwicklungs- und Testumgebungen erstellen. Entwickler können dann im Selbstbedienungsmodell einen solchen Blueprint anklicken und die Umgebung steht in Sekunden oder Minuten bereit.

Außerdem lassen sich zu Testzwecken Daten aus dem Produktivsystem innerhalb von Minuten klonen. Das erhöht die Zuverlässigkeit der Testergebnisse um ganze Größenordnungen. Das kann einen Quantensprung in Sachen Produktivität auslösen.

Viele SAP-Bestandskunden sind aber ganz zufrieden mit ihren laufenden Umgebungen. Warum sollen sie diese auf Ihre Plattform portieren?

Pleier: Aus zwei Gründen. Zum einen profitieren sie von der höheren Agilität und Produktivität dank der höheren Automatisierung. Zum anderen senken sie ihre Gesamtbetriebskosten.

Sie können bei den Lizenzen, bei Strom und Kühlung, beim Platzbedarf und bei den Administrationskosten sparen; insgesamt sinkt der Kostenaufwand für die Infrastruktur laut einer Untersuchung um bis zu 60 Prozent.

Außerdem können Kunden auf Knopfdruck eine komplette SAP-Landschaft mit Entwicklungs-, Test-, QA- und Produktivsystem für eine neue Geschäftseinheit oder zugekaufte Tochterfirma bereitstellen.

Sie können schneller von bestehenden Datenbanken auf SAP Hana migrieren. Sie können bestehende Landschaften in Vorbereitung auf die große Transformation auf S/4 einfacher konsolidieren und harmonisieren.

Ferner können sie auf Knopfdruck Updates einspielen, ohne sich um Abhängigkeiten auf Infrastrukturebene kümmern oder Wochenenden für geplante Systemstillstände opfern zu müssen.

Und: Wir bieten einen „Zurück“-Knopf, sollte doch irgendetwas nicht so funktionieren wie gewünscht oder geplant.

Provozieren Sie gerade wegen dieser Vereinfachungen nicht den Widerstand vieler Spezialisten?

Pleier: Natürlich müssen wir hier bei den Kunden immer auch Überzeugungsarbeit leisten. Ja, wir machen unabhängiger von Spezialwissen und Spezialisten, entwerten aber nicht deren Können und Know-how.

Denn alles, was unsere Software tut, lässt sich über Kommandozeilen steuern und auf Code-Ebene einsehen. Die IT-Teams geben also niemals die Kontrolle aus der Hand oder müssen einer Art Blackbox vertrauen.

Aber wir vereinfachen radikal die tägliche Arbeit, auch für Nichtspezialisten. Dadurch erhöhen wir die Resilienz der gesamten IT. Ist ein Spezialist für diese oder jene Hardware oder Datenbank im Urlaub oder krank, führt das mithilfe unserer Plattform nicht zu schmerzlichen Ausfällen. Aber hier erschöpft sich nicht das Resilienzargument.

Sondern?

Pleier: Denken wir nicht kurzfristig, sondern mittel- und langfristig. In den nächsten zehn Jahren geht ein Großteil der Babyboomer in Rente. Es wird schwer bis unmöglich, alle frei werdenden Stellen durch junge Kolleginnen und Kollegen zu ersetzen.

Außerdem brauchen wir unsere IT-Profis heute und in Zukunft vor allem für die Anwendungsentwicklung und -betreuung. Dem demografischen Wandel können wir nur durch höhere Produktivität und höhere Wertschöpfungsbeiträge der nachrückenden Generation begegnen, wenn wir die Wachstumsaussichten der Unternehmen langfristig erhalten und unseren Wohlstand insgesamt sichern wollen. Auch dazu kann unsere Software einen Beitrag leisten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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