MAG 1605 Szene

Das omnipotente Hana

2016
Geschrieben von E-3 Magazin

Am Anfang war die Idee eines ERP mit null Sekunden Antwortzeit. Dazu benötigte man eine neue Datenbank: Hana, eine In-memory-Computing-DB, war geboren. SAP machte daraus eine multi-funktionale Plattform.

Mehrfach betonte SAP EVP Björn Goerke während seiner DSAG-Technologietage-Keynote, dass HCP nicht mit HEC verwechselt werden darf. Die Hana-Cloud-Plattform (HCP) ist eine Art Meta-Framework zur Entwicklung von SAP-Add-ons und Fiori-Apps.

HCP bietet sowohl die Schnittstellen zu den R/3- und ERP-6.0-Datensilos als auch Veröffentlichungsmechanismen für iOS- und Android-Anwendungen. Hana Enterprise Cloud (HEC) hingegen ist ERP als Cloud Computing auf Basis der Datenbank Hana.

In beiden Fällen ist die Hana-Technologie eine Schlüsselkomponente. Das E-3 Magazin befragte die Hana-Busters Guido Hoepfner und Matthias „SolMan“ Kneissl, beide von Q-Partners, zur Wahrnehmung von Hana durch die SAP-Community.

Fujitsu

Hana gibt es bei SAP nicht nur als Datenbank, sondern auch als Plattform, HEC und HCP. Womit beschäftigt sich Q-Partners vorrangig und was wird momentan und in Zukunft von den Bestandskunden nachgefragt?

Matthias Kneissl: Momentan wird von den Bestandskunden Hana als Datenbank nachgefragt, in Verbindung mit BW, ERP oder als Lösung S/4. HEC sowie HCP sind besonders im deutschen Markt und im Mittelstand eher Randthemen.

SAP will mit Hana nicht nur ein neues Datenbankmodell für BW und ERP etablieren, sondern auch eine neue Plattform schaffen und die App-Entwicklung neu gestalten. Sehen Sie auch diesen Ansatz und aus Sicht von Q-Partners, wie bewerten Sie diese Strategie?

Guido Hoepfner: Es ist definitiv eine interessante Strategie, die Plattform für die App-Entwicklung auszubauen. Generell ist es ja immer so, dass Kunden ihre eigenen Vorteile in den Geschäftsprozessen individuell in einer SAP-Lösung implementieren, um sich den Marktvorsprung zu sichern. Gerade hierfür dürfte es dann schwer sein, Apps in einem App-Store zu finden.

Kneissl: Das Geschäft der Anpassung und Individualisierung wird bleiben. Eine Plattform für die App-Entwicklung und ein App-Store leben von den Apps. Wir sind hier immer noch skeptisch, inwieweit Apps standardisiert programmiert und bereitgestellt werden können, die sich dann in das System des Kunden integrieren.

Ein zentraler Platz für die Hana-App-Entwicklung soll die Hana Cloud Platform (HCP) sein, sehen Sie das ähnlich?

Kneissl: Mit der Hana Cloud Platform stellt SAP ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung. Dennoch ist ein SAP-System nicht mit der Komplexität eines Smartphones vergleichbar, für das man einfach aus einem App-Store neue Anwendungen installiert und dafür per Bankeinzug bezahlt.

Hoepfner: Die Komplexität ist deutlich höher und die Geschäftsprozesse sind ja meistens doch durch den Kunden individualisiert. Apps können nur dort die Lücke schließen, wo SAP funktionale Schwächen hat, diese aber generisch sind und eine Majorität der Anwender – unabhängig von deren Prozessen – betreffen. Demzufolge wird es immer noch kundenindividuelle Lösungen geben, die lokal in den Kundensystemen implementiert werden.

Momentan scheint SAP mehr Antworten als Fragen zu haben: Haben Sie den Durchblick, mit welchen Werkzeugen welche Probleme gelöst werden können? Wann nimmt man den NetWeaver-Stack, CAL (Cloud Application Library), Hana PAL (Predictive Analysis Library), HEC oder HCP?

Hoepfner: Es ist immer eine individuelle Entscheidung einer Kundenanforderung, was wofür am besten genutzt wird. Hierfür unterstützen wir auch Kunden in Workshops, um die richtige technologische Basis zu ermitteln. Wir geben Ihnen aber recht – durch die vielen technologischen Möglichkeiten wird es sehr komplex und schwer für den Kunden, den Überblick zu behalten. Insbesondere deshalb, weil regelmäßig wieder neue „Antworten“ von SAP bereitgestellt werden, die der Anwender erst mal durchdringen muss, um deren Vor- und Nachteile abschätzen zu können.

Kneissl: In den meisten Fällen ist jedoch der Kunde erst mal mit dem ersten Schritt beschäftigt, den NetWeaver-Stack auf Hana umzustellen. Die CAL ist eine gute Lösung, um Demosysteme von SAP schnell zu beziehen, die fertig customized sind, und in Hinblick auf Prozesse einen ersten Blick in die neuen Technologien zu wagen. Hana PAL ist immer erst der zweite Schritt nach der technologischen Umstellung.

Q-Partners gilt unter anderem als führendes Systemhaus für den SolMan. Wie bewerten Sie die neue Version? Was hat Sie überrascht? Was fehlt noch?

Kneissl: In der neuen Version hat sich sehr viel getan, und zwar zum Positiven. Der Solution Manager ist hinsichtlich des Funktionsumfangs in den vergangenen Jahren mehr und mehr gewachsen.

Kein Wunder – zumal das Management komplexer Landschaften auch entsprechend durch IT-Werkzeuge gesteuert werden muss. In Summe ist das Schweizer Taschenmesser nun im Umfang deutlich dicker, allerdings lassen sich nun einzelne Werkzeuge nicht mehr so einfach losgelöst voneinander betreiben.

Der Anspruch – für uns keine große Überraschung –, alle Unternehmensprozesse im Solution Manager zu dokumentieren, war schon immer da, nur war die Technik noch an einigen Stellen schwer optimierungsbedürftig. Was die Prozessdokumentation betrifft – unserer Meinung nach das Flaggschiff im Release 7.2 –, hat sich vieles geändert.

Hoepfner: Die große Frage ist, ob die Anwender auch die Neuerungen annehmen und wirklich nutzen. Die Dokumentation ist und war ja im IT-Bereich immer ein Problem, und Kunden zu überzeugen, in ihre Prozessdokumentation sinnvoll zu investieren, war nicht einfach.

Das Thema ist nur zögerlich angenommen worden. Nun sind die Tools deutlich besser geworden, es stellt sich nur die Frage, ob diese nun auch genutzt werden. Ich denke, in einer Umgebung, in der SAP eine Minderheit darstellt, dürfte es auch künftig schwerfallen, den Solution Manager als „Single Source of Truth“ auszuprägen und die Fachabteilungen sowie die IT zu überzeugen, dieses Werkzeug zu nutzen.

Ist der neue SolMan auch in der Praxis schon Hana-ready?

Kneissl: Der neue SolMan ist schon Hana-ready, und das nicht erst mit 7.2. Schon die Version 7.1 gab es als Hana-Variante. Auch die Integration im Monitoring für Hana-Systeme war gegeben.

Dabei handelte es sich jedoch immer um einen starken Fokus auf On-premise-Installationen. Eine Unterstützung des Änderungsmanagements für Ariba oder SuccessFactors war hier nicht gegeben.

Und für die Hybrid Cloud?

Kneissl: Auch für die Hybrid Cloud ist der Solution Manager geeignet. Klar gibt es immer wieder neue Anforderungen, die sicherlich noch nicht vollumfänglich in 7.2 integriert sind.

Von viel wesentlicherer Bedeutung ist jedoch, dass es keinen Sinn macht, andere Werkzeuge als den Solution Manager zum Einsatz zu bringen, um das Monitoring oder das Lifecycle Management einer SAP-Landschaft effizient und effektiv zu betreiben.

SAP versucht, ein lückenloses Angebot für Cloud Computing und Hana anzubieten. Theoretisch könnte man Hana auch in anderen Cloud-Umgebungen betreiben – ist das sinnvoll?

Kneissl: Der Betrieb von Hana in anderen Cloud-Umgebungen hängt einzig und allein von den Use-Cases ab. Theoretisch kann natürlich die Datenbank selbst überall als Cloud-Lösung zur Verfügung stehen und sicherlich ist das ein spannendes Angebot.

Die Frage stellt sich jedoch, wer von seiner bisherigen Umgebung auf eine Hana-Umgebung umstellt und damit auch gegebenenfalls massive Anpassungen in der Applikation durchführen muss. Hier sind aktuell alle Anwender noch sehr verhalten, demzufolge ist es fraglich, ob so ein Angebot mittelfristig erfolgreich sein wird.

Haben Sie praktische Erfahrungen mit Hana in den zwei führenden Cloud-Angeboten, AWS und Azure?

Kneissl: Wir haben als Proof-of-Concept bereits beide Anbieter genutzt, um SAP- Systeme aufzusetzen, unter anderem natürlich auch den Betrieb von Hana-Systemen. Die Azure-Konzeption ist so gut, dass wir nun auch unsere eigenen internen Systeme, die wir für Schulungs- und Demo-Zwecke nutzen, in die Cloud zu Microsoft Azure umziehen werden.

Amazon hat auch ein sehr gutes Konzept, war anfangs vergleichsweise teuer. Während man sich bei Azure aktuell zumindest für ein Hosting in Europa entscheiden kann, geht dies bei AWS nicht. Zudem ist dort auch der Support bzw. Vertrieb sehr unpersönlich.

Was sind Entscheidungskriterien für Hana on premise oder Hana in der Wolke?

Kneissl: Bei dieser Frage sprechen wir ja nicht darüber, ob wir Hana on premise im Outsourcing betreiben wollen, sondern ob wir wirklich in die HEC gehen wollen. Für diese Frage gilt es zunächst zu betrachten, wie stark die eigene Umgebung individualisiert wurde.

Wie bereits in der E-3 Coverstory April zum Thema S/4 Hana beschrieben, ist der Übergang in die HEC mit den diversen Add-ons, die es gibt, dann heikel, wenn viele Eigenentwicklungen im Einsatz sind. Ein Betriebskonzept Eigenbetrieb versus Outsourcing ist dann eher ein kaufmännisches Thema.

Aus Sicht von Q-Partners, wer könnte sich in Zukunft neben SAP noch mit Hana-Services als Hana-Cloud im Sinn von HEC oder HCP profilieren und warum?

Kneissl: Im Sinne eines Cloud-Betriebs als Pay-per-Use gibt es ja mit Microsoft Azure sehr gute Ansatzpunkte. Das Einzige, was uns hier in Deutschland natürlich immer wieder begegnet, sind Bedenken in Richtung Datenschutz.

Da Microsoft nun ein eigenes Azure-Rechenzentrum in Deutschland plant, sollten diese Bedenken dann der Vergangenheit angehören. Sicherlich sind Skalierungseffekte nur von Global-Playern erwartbar und nicht von kleineren Anbietern.

Auch Amazon könnte interessant werden, wenn die vertriebliche Unterstützung und der Support stärker intensiviert werden. Das Konzept an sich ist sehr gut. Ich denke, auch in Richtung T-Systems wird sich noch einiges diesbezüglich entwickeln.

Herr Hoepfner, Herr Kneissl, danke für das Gespräch.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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