MAG 21-09 TippS/4Success

Das CCoE ist unter S/4 keine Strategie mehr

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Geschrieben von Johannes N. Szalachy

Eine S/4-Transformation ist nur erfolgreich, wenn das Projekt und anschließend auch die laufende Betriebsführung sichergestellt werden können. Dafür müssen die CCoE-Organisationen rechtzeitig auf diese neuen Aufgaben ausgerichtet werden.

SAP hat bereits mit der erfolgreichen R/3-Strategie erkannt, dass durch eine gut organisierte Betriebsführung bei den Kunden auch entsprechende Supportkosten eingespart werden können. Ein wichtiger Baustein dafür war die Einführung des SAP OSS (Online-Service-System), der laufenden Onlineverbindung zu Kunden mit dem Schwerpunkt Fehlerbearbeitung und -korrektur.

Zur erfolgreichen Umsetzung des gesamten Supportprozesses waren aber auch entsprechende organisatorische Voraussetzungen in der SAP-Betriebsführung bei den Kunden notwendig. Das neu entwickelte Konzept unter dem Namen SAP Competence Center bildete auch die notwendigen Prozesse zwischen SAP und den Anwendern ab. In dieser Richtlinie wurden alle notwendigen Betriebsaufgaben strukturiert und die Prozesse beschrieben, damit die Zusammenarbeit möglichst effizient durchgeführt werden konnte.

Die Weiterentwicklung des SAP Customer Center umfasste die Einführung von Zertifizierungsstufen, die auch monetäre Vergünstigungen für die Kunden beinhalteten. Das CCoE-Modell wurde unter Kagermann auch strategisch positioniert, durch entsprechende Veranstaltungen begleitet und aktiv an die Kunden gebracht. Das führte vor allem im DACH-Raum zu einer hohen Akzeptanz.

Mit der globalen Entwicklung von SAP ist das Roll-out des CCoE-Konzepts in andere Länder vergleichsweise mäßig ausgefallen. Die Zusammenarbeit im CCoE zwischen SAP und den Kunden konnte in der Folge auf technischer Ebene durch die Entwicklung des Solution Manager verstärkt werden. Die von Gerd Oswald ins Leben gerufene Lösung war eine Geburt mit vielen Höhen und Tiefen, ist aber heute ein voll anerkannter, umfangreicher und fester Bestandteil der SAP-Basis. Damit konnte sich das SAP CCoE bei den Kunden in allen Formen als Betriebsführungskonzept über viele Jahre sehr gut bewähren.

Durch das rasante und globale Wachstum von SAP ist das Thema SAP CCoE allerdings durch Zukäufe von neuen Technologien aus dem Fokus geraten. Spätestens mit der Transformation auf S/4 Hana sollte das Thema SAP CCoE allerdings wieder in den Mittelpunkt rücken, würde man meinen. Warum das nicht der Fall ist, hat viele Gründe. Die Sinnhaftigkeit des SAP CCoE dürfte infolge der neuen Vorstände hängen geblieben zu sein. Durch die aktuelle Marktposition der SAP haben sich leider auch manche strategischen Themen zum Nachteil der Kunden verschoben.

Aber warum ist das Thema SAP CCoE im Zusammenhang mit der S/4-Transformation als so wichtig anzusehen? Der ursprüngliche Grund hat sich nicht geändert – im Gegenteil. Durch die wachsende Komplexität der neuen Transformationstechnolo­gien wird nicht nur ein erfolgreiches Projekt gewünscht, sondern auch eine sichere Betriebsführung gefordert. Einerseits ist ein in allen Bereichen angepasstes Projektmanagement für eine erfolgreiche S/4-Transformation Voraussetzung, andererseits ist danach durch massive technologische Neuerungen weiterhin eine sichere Betriebsführung sicherzustellen. Beides kann nur durch ein aktualisiertes SAP CCoE gewährleistet werden.

Die zuständige Abteilung bei SAP arbeitet bereits an einer Aktualisierung des Leitfadens. Aufgrund vieler Kundenanfragen plant auch die DSAG, ein aktuelles Konzept anzubieten. Die Anforderungen sind technisch komplex und organisatorisch vielfältig, weil sich bei den Kunden über die Jahre verschiedenste CCoE-Strukturen entwickelt haben: große und kleine, zentrale und dezentrale CCoEs mit On-prem, hybriden und reinen Cloud-Systemarchitekturen.

Einen Erfolg kann allerdings nur eine neuerliche strategische Ausrichtung des SAP CCoE durch die neue SAP-Vorstandsgeneration bringen. Die Kunden erwarten sich auch eine operative Unterstützung insofern, als jede SAP-Landesorganisation eine aktive Roll-out-Funktion übernimmt und wieder monetäre Anreize angeboten werden.

Über den Autor

Johannes N. Szalachy

ist SAP-Berater und DSAG-Arbeitsgruppensprecher Österreich. Sein Unternehmen ist auf S/4-Projektarbeit spezialisiert.

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