Chefredakteur-Blog

Das CCC-Dilemma

Lieb gewonnene Verhaltensmuster werden nur ungern aufgegeben: Ein Hit in der SAP-Community aus dem R/3-Zeitalter ist das Customer Competence Center.

Vor etwa 20 Jahren stand ich in Salzburg mit Gerd Oswald auf der Bühne und wir eröffneten einen der ersten CCC-Kongresse mit damals etwa 150 Teilnehmern. Nun soll es in Salzburg wieder eine ähnliche Veranstaltung geben, aber SAP drängt die Bestandskunden in die Cloud, Gerd Oswald ist im „Unruhezustand“ und Aufsichtsrat der SAP und der Anwenderverein lässt „betriebsfremde Personen“ wie mich nicht mehr zu Worte kommen. Irgendwie scheint auch die CCC-Idee aus der Zeit gefallen zu sein, oder?

Bei genauem Hinsehen ergibt sich ein anderes Bild: Ein Customer Competence Center, das aus der Perspektive der Bestandskunden die digitale Transformation definiert, ist notwendiger denn je. Vereinfacht gesagt: Die digitale Transformation ist viel zu wichtig, werthaltig und kostbar, um sie dem Marketing, der SAP selbst oder dem Verein DSAG zu überlassen. Auch die Herausforderungen erscheinen viel zu heterogen und komplex, um sie von einer Partei allein lösen zu lassen.

Das neue CCC-Forum sollte eine Sammelbewegung sein, die DevOps, Cloud Computing, Process Mining und viele weitere Themen konsolidiert. Kein Reparaturdienstverhalten und auch keine Problemlösung, darum sollen sich die Verantwortlichen kümmern, die die Probleme verursacht haben. Die neuen CCC-Leiter hätten die Aufgabe, auf die Herausforderungen deutlich hinzuweisen und die angebotenen Lösungen zu evaluieren und konsolidieren, damit diese produktiv im eigenen Unternehmen customized werden können.

Der CCC-Leiter soll somit ein Dirigent der digitalen Transformation im SAP-Bereich sein. Aber nur ohne Berührungsängste im offenen Dialog mit allen Mitgliedern der SAP-Community kann so etwas gelingen. Dazu muss naturgemäß jeder auch über seinen eigenen Schatten springen, Verantwortung abgeben und die Kompetenz des anderen respektieren. CCC hat eine Zukunft, wenn das Revierdenken aufgegeben wird.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
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