Coverstory 21-12 MAG 21-12

Composability

Das neue „Best-of-Breed“ heißt Kompositionsfähigkeit für Denken, Geschäftsarchitekturen und Technik. Damit eröffnet sich für SAP-Bestandskunden ein neuer Horizont: Raus aus der Black Box. Die Entwicklung begann vor etwa fünf Jahren, hat jetzt durch die Analysten von Gartner einen Namen bekommen, „Composability“, und wird in der SAP-Community massiv von Oracle gefördert und unterstützt.

Um ein kompositionsfähiges Unternehmen zu werden, müssen CIOs drei Elemente einbeziehen: kompositionsfähiges Denken, kompositionsfähige Unternehmensarchitektur und kompositionsfähige Techniken. „Die Kompositionsfähigkeit von Unternehmen ist in der Wirtschaft nicht einheitlich hoch, da sie ein Umdenken in den Unternehmen erfordert“, so Analystin Monika Sinha von Gartner. „Traditionelles unternehmerisches Denken betrachtet Veränderungen als Risiko, während Composable Thinking – kompositionsfähiges Denken – das Mittel ist, um das Risiko eines beschleunigten Wandels zu meistern und neuen Geschäftswert zu schaffen.“

CIOs, die Unternehmen mit hoher Kompositionsfähigkeit leiten, erkennen, dass sich die geschäftlichen Bedingungen häufig ändern, von den Kundenanforderungen bis hin zu den Finanzmodellen, und befähigen ihre Teams, die am nächsten am Geschehen sind, auf diese neuen Bedingungen zu reagieren und sich neu zu formieren.

Wir haben von Grund auf völlig neue Geschäftsfunktionen für die Cloud entwickelt und dabei ein einziges Datenmodell für alle Geschäftsanforderungen verwendet“, erklärt Jürgen Lindner, Senior Vice President bei Oracle, im E-3 Gespräch. Das Oracle-Angebot an die SAP-Bestandskunden ist modular und zusammensetzbar, aber so konzipiert, dass es nahtlos erweitert werden kann.

Lindner präzisiert: „Fusion kam 2010 auf den Markt und wurde als völlig neue Anwendungssuite mit einem neuen Datenmodell konzipiert. Auf diese Weise können wir sicherstellen, dass die Daten konsistent und für die Endbenutzer leicht zu interpretieren sind. Da wir den gesamten Stack besitzen, kann Oracle innovativer als andere Unternehmen sein. Jedes Quartal können wir unsere Software verbessern und neue Innovationen, Funktionen und eingebettete Technologien anbieten – zum Beispiel KI, maschinelles Lernen, Chatbots, digitale Assistenten, IoT, Blockchain und andere neue Technologien. Jedes Unternehmen entwickelt sich zu einem Technologieunternehmen, und die Cloud ist ein großartiger Beschleuniger, der unsere Kunden schneller ans Ziel bringt. Seit mehr als 40 Jahren steht Oracle für die Unterstützung unserer globalen Kunden bei der Verwaltung, Sicherung und Nutzung der wichtigsten Daten der Welt.

Jürgen Lindner ist Senior Vice President of Marketing für SaaS bei Oracle und konzentriert sich auf die Bereiche Enterprise Resource Planning (ERP), Enterprise Performance Management (EPM) und Supply Chain Management (SCM). Bevor er Ende 2016 zu Oracle kam, hatte Lindner mehrere Führungspositionen bei SAP inne, unter anderem als Global Vice President für Go-to-Market und Sales Enablement für alle SAP-Produktlinien. Davor war er in Führungspositionen in den Bereichen Finanzen, Beschaffung, Analytik, Datenbank und Technologie tätig. Vor seiner Zeit bei SAP war er bei der Deutschen Bank und bei SAP-Systemintegratoren beschäftigt. Lindner hat einen Masterabschluss in internationaler Betriebswirtschaft und Management der Fachhochschule Konstanz.
Jürgen Lindner ist Senior Vice President of Marketing für SaaS bei Oracle und konzentriert sich auf die Bereiche Enterprise Resource Planning (ERP), Enterprise Performance Management (EPM) und Supply Chain Management (SCM). Bevor er Ende 2016 zu Oracle kam, hatte Lindner mehrere Führungspositionen bei SAP inne, unter anderem als Global Vice President für Go-to-Market und Sales Enablement für alle SAP-Produktlinien. Davor war er in Führungspositionen in den Bereichen Finanzen, Beschaffung, Analytik, Datenbank und Technologie tätig. Vor seiner Zeit bei SAP war er bei der Deutschen Bank und bei SAP-Systemintegratoren beschäftigt. Lindner hat einen Masterabschluss in internationaler Betriebswirtschaft und Management der Fachhochschule Konstanz.

Damit entspricht Oracle weitgehend der Gartner-Defintion vom kompositionsfähigen Geschäftsarchitekturen. „Wir bieten auch Fusion Analytics Warehouse für alle Geschäftszweigszenarien an, eine weitere leistungsstarke Möglichkeit, um Zugang zu vordefinierten, LOB-übergreifenden KPIs, leistungsstarken Dashboards, Day-One-Analysen, auf maschinellem Lernen basierenden Empfehlungen und Sprachinteraktion zu erhalten. Es ermöglicht Kunden auch die Kombination von Datensätzen von Drittanbietern“, beschreibt Jürgen Lindner die neue ERP-Architekturlandschaft.

Im digitalen Zeitalter müssen Unternehmensarchitekturen für Ungewissheit und ständigen Wandel ausgelegt sein. Anstatt auf Effizienz zu optimieren, optimiert die kompositionsfähige Organisation auf Anpassungsfähigkeit. Systeme, Prozesse und Mitarbeiter dienen nicht mehr nur einem bestimmten Anwendungsfall oder Zweck.

Digitale Geschäftsinitiativen scheitern, wenn die Geschäftsleitung Projekte bei der IT-Organisation in Auftrag gibt und sich dann vor der Verantwortung für die Implementierungsergebnisse drückt, indem sie es als ein weiteres IT-Projekt behandelt“, so Monika Sinha von Gartner. „Stattdessen setzen Unternehmen mit hoher Kompositionsfähigkeit auf eine verteilte Verantwortlichkeit für die digitalen Ergebnisse, was einen Wandel widerspiegelt, den die meisten CIOs schon seit einigen Jahren anstreben, sowie auf die Schaffung multidisziplinärer Teams, die Geschäfts- und IT-Einheiten zusammenführen, um den Geschäftserfolg voranzutreiben.

Einheitliches Datenmodell

Jürgen Lindner von Oracle ist damit auf einer Linie mit der Gartner-Analystin: „Und da wir alles von Grund auf neu entwickelt haben, verfügen wir über eine einheitliche Benutzeroberfläche namens Redwood, die es uns ermöglicht, Lösungen zu entwickeln, die die Tiefe und Breite der Herausforderungen unserer Kunden abdecken.“

Ein Beispiel: Die Anwendung für die Abonnementverwaltung erfordert eine Finanzmodellierung zusammen mit einer kundenorientierten Benutzeroberfläche und ist von der Lieferkette abhängig, um sicherzustellen, dass Unternehmen die Waren liefern können. „Vergleichen Sie das mit demselben Prozess bei anderen Anbietern“, fordert Lindner auf. „Sie erhalten unterschiedliche Module mit unterschiedlichen Datenmodellen, unterschiedlichen Benutzererfahrungen, unterschiedlichen Zeitplänen für die Veröffentlichung, und so weiter. Durch unsere schnellen und konsistenten Innovationszyklen bei den Geschäftsanwendungen mit Hunderten von neuen Funktionen pro Quartal sind unsere Kunden dem Wandel immer einen Schritt voraus und können die Vorteile der zugrunde liegenden Oracle-Cloud-Infrastruktur voll ausschöpfen.

Die homogenen, einheitlichen SaaS-Angebote von Oracle bieten Unterstützung für Unternehmen und machen Endnutzer produktiver. Oracle verfügt über ein einheitliches Datenmodell, das heißt alle Daten befinden sich an einem Ort und sind nur auf eine Art und Weise definiert.

Mit Oracle Fusion Applications definieren wir Stammdaten wie Kunden, Mitarbeiter, Produkte und Lieferanten nur einmal. Unabhängig davon, welche Säule oder welches Modul diese Stammdaten verwenden, haben sie immer dieselbe Definition. Sie werden nur einmal definiert. Das hilft Endnutzern. Wenn ein Endnutzer einen Bericht oder eine Analyse erstellen möchte, weiß er, dass Kunde, Mitarbeiter, Produkt und Lieferant nur einmal definiert sind, so dass er bei der Auswahl für einen Bericht oder eine Analyse immer die richtigen Daten hat. Das scheint logisch und selbstverständlich, aber dieses Maß an Einheitlichkeit kann man nur erreichen, wenn man SaaS von Grund auf neu konzipiert und aufgebaut hat“, definiert Oracle-Manager Lindner.

Was brauchen ERP-Nutzer: SaaS im Sinne eines Best-of-Breed-Ansatzes oder ganzheitliches Cloud Computing im Sinne der Hyperscaler? „Beginnen wir damit, die Entwicklung von ERP in den richtigen Kontext zu stellen“, empfiehlt Jürgen Lindner. „Vorbei sind die Zeiten der großen, monolithischen ERP-Implementierungen; diese haben Platz gemacht für zusammensetzbare, geschäftsprozessgesteuerte Implementierungen. Das ist der Punkt, an dem SaaS-basiertes Cloud-ERP einfach nicht mit der Bereitstellung eines Legacy-ERP über eine Hyperscaler-Infrastruktur vergleichbar ist. Um es klar zu sagen: Wenn Kunden diesen Ansatz bevorzugen, ist das völlig in Ordnung. Wir unterstützen unsere Kunden auch bei diesem Ansatz, aber die Erfahrung für die Endnutzer und das Unternehmen wird sich dadurch nicht ändern. Sie können immer noch nicht an denselben Innovationszyklen und Geschäftsprozessänderungen teilhaben. Sie können immer noch nicht schneller von technologischen Katalysatoren wie KI und ML, IoT, Blockchain und neuen Benutzererfahrungen profitieren – nicht in der Art und Weise, wie es ein echtes SaaS-Angebot ermöglicht.

Oracle Fusion

Wenn ein Unternehmen das Oracle-Cloud-ERP nutzt, erhält es eine vollständig verwaltete Umgebung, muss aber nicht eine komplette Suite betreiben. Oracle-Fusion-Cloud-Anwendungen sind modular aufgebaut. Der Benutzer kann selbst entscheiden, welche Module er nutzen möchte. Vor-Ort-Lösungen wurden in den 1990er-Jahren entwickelt und sind ERP-zentriert, und das gilt auch für die Best Practices, die mit diesen älteren, gehosteten Anwendungen geliefert werden. Das ERP muss zuerst implementiert werden, bevor man ein anderes Modul verwenden kann. Das schafft Abhängigkeiten und führt oft zu suboptimalen Umgebungen.

Man sieht oft, dass Unternehmen mehrere Instanzen der gleichen Software betreiben, zum Beispiel eine pro Geschäftsbereich oder eine pro Region. Wäre die Legacy-Software flexibel und modular genug, bräuchte man nicht mehrere Instanzen derselben Software. Es ist teuer, mehrere Instanzen zu betreiben, und führt außerdem zu Sicherheitslücken. Viele Unternehmen wollen Kosten senken und zu einer einzigen Instanz zurückkehren, um dann festzustellen, dass dies äußerst kompliziert ist.

Diese Art von Software eignet sich nicht für derartige Umstrukturierungen, und „Best Practices” könnten durchaus der Grund für den Untergang der Kunden sein – sie entwickeln sich in der lokalen Umgebung nicht schnell genug weiter.

Mit moderner, modularer Software, die für die Cloud konzipiert und entwickelt wurde, haben Kunden diese Probleme nicht“, erklärt Lindner im E-3 Gespräch. „Sie brauchen nicht mehrere Instanzen. Aufgrund unserer Erfahrung und unseres Fachwissens bei der Automatisierung durch maschinelles Lernen glauben wir, dass Geschäftsprozesse, wie wir sie kennen, irgendwann abgeschafft und alle 90 Tage durch moderne, agile Prozesse ersetzt werden. Dieser Gedanke der Flexibilität von Geschäftsprozessen ist von entscheidender Bedeutung. Die meisten vermeintlichen Best Practices von heute sind immer noch Prozesse, die vor langer Zeit entstanden sind. Mit zunehmender Automatisierung auf der Grundlage von Mustererkennung durch maschinelles Lernen entwickeln sich diese Geschäftsprozesse ständig weiter – und zwar viel schneller als in jeder lokalen oder gehosteten Umgebung. Wenn Kunden an dem alten Ansatz festhalten, sind sie im Vergleich zu anderen Unternehmen, die sich für SaaS entschieden haben, im Nachteil.

"Die Vorbereitung auf Veränderungen ist essenziell. Composability macht Veränderungen einfacher, schneller, sicherer und damit weniger kostspielig." - Monika Sinha, Analystin und SVP, Gartner
„Die Vorbereitung auf Veränderungen ist essenziell. Composability macht Veränderungen einfacher, schneller, sicherer und damit weniger kostspielig.” – Monika Sinha, Analystin und SVP, Gartner

Geschäfte laufen über Technologie, aber die Technik selbst muss kompositionsfähig sein, um kompositionsfähige Unternehmen zu betreiben“, so Gartner-Analystin Monika Sinha. „Die Kompositionsfähigkeit muss sich über den gesamten Technologiebereich erstrecken, von der Infrastruktur, die eine schnelle Integration neuer Systeme und neuer Partner unterstützt, bis hin zur Arbeitsplatztechnologie, die den Austausch von Ideen fördert.

Auch für Jürgen Lindner ist der Technikansatz ein wichtiger Parameter. „Wie bereits erwähnt, konzentriert sich Oracle auf die Unterstützung seiner Kunden im Umgang mit Daten sowie auf die Verwaltung, Sicherung und Nutzung der Datensätze. Oracle hat tief verwurzelte Technologieinvestitionen getätigt, um Kunden zum Erfolg zu verhelfen, und wir haben einen bemerkenswerten Schwenk zur Cloud als Basistechnologie vollzogen.

Die Cloud hat Oracle verändert

Linder erklärt, dass Oracle selbst das gesamte Geschäft über die eigenen Cloud-Angebote betreibt. „Die Worte Service und Kundenorientierung sind in diesem Zusammenhang keine Lippenbekenntnisse. Wir haben unser Geschäftsmodell grundlegend geändert. Ein Beispiel dafür ist unsere Oracle Cloud Customer Connect-Community, die über 200.000 Mitglieder verbindet. Dieses Netzwerk ermöglicht uns eine intensivere und engere Kommunikation mit unseren Kunden.

Es wurde entwickelt, um die Peer-to-Peer-Zusammenarbeit, die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Partnern und den Austausch von Best Practices zu fördern und den Mitgliedern zu helfen, direkt mit den Oracle-Produktentwicklungsteams zu kommunizieren. Innerhalb dieser Community profitieren die Mitglieder von dem kollektiven Wissen der Oracle-Cloud-Kunden und -Produktexperten.

Die meisten unserer neuen Funktionen wurden von unseren Kunden vorgeschlagen“, weiß Jürgen Lindner aus seiner beruflichen Praxis. Auch verwendet Oracle intern seine eigene Software. „Wir verwalten unsere Finanzen mit Fusion Cloud ERP auf die gleiche Weise wie jeder andere Kunde. Im Verlauf der Pandemie hat uns das enorm geholfen. Wir konnten die Bücher problemlos aus der Ferne abschließen. Tatsächlich haben wir die Bücher sogar schneller abgeschlossen. Wir können der Öffentlichkeit innerhalb von zehn Tagen nach Quartalsabschluss Bericht erstatten. Mit KI und ML schaffen wir es, unsere Bücher doppelt so schnell abzuschließen wie SAP oder Workday. Diese Erfahrung, wie man ein Unternehmen beschleunigen kann, ist nicht unser internes Geheimnis, sondern etwas, das wir mit unseren Kunden teilen. Das Programm heißt [email protected] – eines unserer besten und bei Kunden auf der ganzen Welt am meisten nachgefragten Engagements. Unsere eigenen Praktiker berichten über ihre Erfahrungen und unseren Ansatz. Diese sind gut dokumentiert, so dass andere von unseren Erfahrungen lernen können.

Überlebensfähigkeit

Die Vorbereitung auf Veränderungen ist essenziell für die künftige Überlebensfähigkeit eines Unternehmens“, betont auch Monika Sinha von Gartner. „Composability macht Veränderungen einfacher, schneller, sicherer und damit weniger kostspielig. Es ist ein Modell, das die Investition für diejenigen wert ist, die erwarten, dass die Anzahl und die Geschwindigkeit der Veränderungen im Marktumfeld weiter steigen wird.

Geschäftsprozesse machen nicht an den Grenzen von Anwendungen halt. Unternehmen, die enorme Datenmengen nutzen können, erweisen sich als flexibler und widerstandsfähiger, insbesondere wenn sich die Welt von der Pandemie und anderen disruptiven Marktherausforderungen erholt. Die durch digitale und kompositionsfähige Technologien ermöglichten Vorteile sind zu einem starken Unterscheidungsmerkmal geworden.

Das Konzept einer digitalen Geschäftsplattform beschreibt eine Sammlung integrierter Funktionen der nächsten Generation, die die End-to-End-Organisation erleichtern, damit Kunden Mehrwert schaffen können. „Es ist nahezu unmöglich, dies mit Best-of-Breed-Anwendungen zu erreichen“, warnt Oracle-Manager Jürgen Lindner. „Die Daten sind zu uneinheitlich, weil die Anwendungen zu uneinheitlich sind.

Oracles Plattform der nächsten Generation für das digitale Business kombiniert leistungsstarke Geschäftsanwendungen, umfassende Kerndienste und eine hochentwickelte Cloud-Infrastruktur zur Unterstützung der Wertschöpfung.

Die Wertschöpfung ist natürlich von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich und besteht aus einem Gleichgewicht zwischen ehrgeizigen und operativen Zielen wie der Umgestaltung von Prozessen oder der Umstellung auf neue, digitale Geschäftsmodelle und taktischen Zielen wie der Markteinführung eines neuen Produkts, der Schaffung besserer Kunden- und Mitarbeitererlebnisse, der Gestaltung stabiler Liefer- und Wertschöpfungsketten oder dem Abschluss einer Finanztransaktion in wenigen Tagen statt in mehreren Wochen“, weiß auch Jürgen Lindner. Aber: „Damit dies funktioniert und alle Geschäftsprozesse kontinuierlich optimiert werden können, benötigen Sie eine SaaS-Suite.

Suite oder Best of Breed?

Unternehmen müssen sich auf ein Portfolio zubewegen, das sich besser an geschäftliche Veränderungen anpassen lässt, mit Anwendungen, die zusammengesetzt und erweitert werden können. „Dieses Konzept ist wichtiger als der Begriff Suite oder Best of Breed“, erklärt der Oracle-Manager. „Oracle kann diese kompatiblen Anwendungen anbieten, weil wir über die gesamte Anwendungssuite verfügen: ERP, EPM, CRM, HCM und SCM. Viele Anbieter haben mit einem dieser Bereiche begonnen, wie Workday mit HCM oder Salesforce mit CRM und SAP mit HCM (mit der Übernahme von SuccessFactors), aber mit nur einer dieser Cloud-Lösungen können Sie nicht dieselben Kompositionsmöglichkeiten wie Oracle bieten.

Es ist wichtig klarzustellen, meint Jürgen Lindner, dass Best of Breed nicht zwangsläufig bedeutet, dass man den größten Funktionsumfang hat, sondern dass man einfach die am besten geeignete Lösung für ein bestimmtes Geschäftsproblem oder einen bestimmten Bedarf hat. Das Problem dabei ist, dass Best-of-Breed-Anwendungen Silos sind, aber die Geschäftsprozesse nicht an den Anwendungsgrenzen enden.

Oracle kann eine SaaS-basierte, geschäftsorientierte Anwendung anbieten, die das On-premises-System eines jeden Kunden ergänzt. Das bringt einen unmittelbaren Mehrwert, und wir können diese Partnerschaft im Laufe der Zeit nahtlos ausbauen“, definiert Lindner die aktuelle Oracle-Position.

Mit Oracle haben Kunden die Möglichkeit, alle Lösungen in einer einzigen Suite zu vereinen, die für die Zusammenarbeit entwickelt wurde. „Kein anderer Anbieter kann das derzeit bieten“, ist Jürgen Lindner überzeugt.

Viele Unternehmen wechseln von lokalen Systemen in die Cloud, aber man kann nicht erwarten, dass sie dies über Nacht tun. Ob SAP-, Oracle- oder andere Kunden, unabhängig von ihrer Ausgangssituation können sie mit Oracle Cloud sofortigen geschäftlichen Nutzen ziehen. Es handelt sich nicht um ein Rip-and-Replace-Szenario. Während ihre On-premises-ERP-Backbone-Lösungen noch in Betrieb sind, beginnen Unternehmen, auch Oracle SaaS einzusetzen – zum Beispiel Oracle Cloud EPM für Planung, Budgetierung, Steuern und Rentabilitätsmanagement. Oder Oracle Transportation Management als SaaS-Lösung, verbunden mit ERP vor Ort. Kunden können einen beliebigen Geschäftsprozess wählen und ihn nach Belieben erweitern, und viele machen von diesem Angebot Gebrauch.

Die Cloud wird das Herzstück neuer digitaler Erlebnisse sein. Der globale Cloud-Umsatz wird sich 2022 auf 474 Milliarden US-Dollar belaufen, 2021 waren es 408 Milliarden. Die anhaltende Pandemie und die Zunahme digitaler Dienste machen die Cloud zum Kernstück neuer digitaler Erfahrungen, so das Research- und Beratungsunternehmen Gartner.

Es gibt keine Geschäftsstrategie ohne eine Cloud-Strategie“, sagt Milind Govekar, Analyst und Vice President bei Gartner. „Die Akzeptanz von und das Interesse an Public Clouds ist ungebrochen, da Unternehmen bei der Eingliederung neuer Workloads eine Cloud First-Politik verfolgen. Die Cloud hat neue digitale Erfahrungen ermöglicht, wie z. B. mobile Zahlungssysteme, nachdem Banken in Start-ups investiert haben. Oder Energieunternehmen, die die Cloud nutzen, um das Einkaufserlebnis ihrer Kunden zu verbessern, und Automobilhersteller, die für die Sicherheit und das Infotainment ihrer Kunden neue Personalisierungsdienste anbieten.

Cloud-First-Strategie

SAP versucht seit vielen Jahren, eine „Cloud First“-Strategie zu implementieren – manchmal alleine, manchmal mit Hyperscalern. Wie sieht Jürgem Lindner das SAP-Angebot? Wie ist die Wahrnehmung der SAP´schen Cloud First-Strategie? „Wir haben unterschiedliche Ansätze gewählt“, beschreibt Oracle-Manager Lindner die aktuelle Marktsituation .„SAP hat eine Strategie verfolgt, bei der zunächst das Cloud-Wachstum mit Concur, Ariba, SuccessFactors übernommen wurde, während der geschäftskritische Kern lange Zeit nicht für die Cloud oder SaaS umgeschrieben wurde – abgesehen von Teilangeboten. Die daraus resultierende architektonische Komplexität, die Integrationsherausforderungen und die damit verbundenen Kosten einer Cloud-Migration – wenn Sie Ihr gesamtes Unternehmen in der Cloud betreiben wollen – sind also hoch.

In der SAP-Community weiß man, dass eine weitere Herausforderung entsteht durch SAP-Bestandskunden, die ihre Lösungen angepasst haben. Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 90 Prozent aller SAP-Bestandskunden ihre On-prem-Lösungen angepasst haben. Für all diese Anpassungen gibt es keine Garantie, dass sie auf S/4 oder der Hana-Datenbank oder dem Hyperscaler der Wahl laufen. Darüber hinaus wurden diese Anpassungen nicht mit Blick auf KI und ML, Blockchain und IoT erstellt.

Das bedeutet eine Menge Codezeilen und Investitionen von Kunden, für die es keine praktikable Strategie gibt, um sie in die Hana-Welt zu überführen – die Kosten und der Aufwand für eine Neuimplementierung sind so unkalkulierbar“, weiß Jürgen Lindner aus zahlreichen Kundengesprächen.

On-prem oder Hyperscaler?

Man muss verschiedene Ebenen von Public-Cloud-Elementen, On-prem-, Hosted-, Private- und Hyperscaler-Abhängigkeiten beherrschen, um erfolgreich zu sein, und ich denke, das spiegelt sich in der Stimmung der Kunden wider“, berichtet Jürgen Lindner. „Die Terminologie rund um Hana, S/4, S/4 Public Cloud und die verschiedenen laufenden Branding-Bemühungen machen es dem Kundenstamm schwer, sich für das richtige Modell zu entscheiden. Auch in die SAP-Branchenlösungen wurde bisher nicht viel bezüglich Cloud Computing investiert. Die Indsutrielösungen sind größtenteils immer noch alter Code und erfordern manchmal eine On-prem-Bereitstellung. Die grundsätzliche Entscheidung, in Hana als Datenbank zu investieren, hat den Fokus von der Innovation in den Geschäftsbereichen weggenommen, für die SAP früher bekannt war. Das Unternehmen hat erheblichen Nachholbedarf. Das hören wir von seinen Kunden, und auch die Meinungen der Anwendergruppen und Analysten scheinen dies widerzuspiegeln.

Oracle hat offensichtlich einen entschlosseneren Ansatz für die Cloud gewählt und damit eine spürbare Distanz vom Rest des Marktes geschaffen. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht und von Grund auf ein neues Angebot geschaffen, das es uns ermöglicht, sofort mit jedem Kunden eine Partnerschaft einzugehen, unabhängig von seinem Ausgangspunkt – ohne Vorlaufzeit“, weiß Lindner aufgrund seiner täglichen Arbeit mit Oracle-Kunden.

In der Vergangenheit hatten wir ähnliche Anwendungen, die auf ähnlichen Technologien basierten“, erklärt Jürgen Lindner. „Oracle E-Business Suite, PeopleSoft, JD Edwards und Siebel. SAP hatte R/3, gefolgt von ECC und Business Suite. Dann beschloss Oracle, eine brandneue Suite für das Zeitalter der Cloud zu entwickeln: Fusion. Wir haben mit dieser Investition vor zehn Jahren begonnen und sind damit fast allen anderen SaaS-ERP-Anbietern um zehn Jahre voraus. Dies spiegelt sich auch in Analystenberichten wie dem Gartner Magic Quadrant und anderen wider.

Zumindest in Deutschland wird SAPs Cloud-First-Strategie nur mäßig akzeptiert. Die Mehrheit der DSAG-Mitglieder präferieren eine On-prem-Infrastruktur. Sind Cloud und ERP unvereinbare Gegensätze? „Sie sprechen einen interessanten Punkt an. Wir wissen von der DSAG und der ASUG, dass SAP-Kunden in der DACH-Region bei der Umstellung auf die Cloud eher zurückhaltend sind, während SAP-Kunden in anderen Regionen eher geneigt sind, die Cloud in Betracht zu ziehen“, antwortet Jürgen Linder im Gespräch mit E-3 Chefredakteur Peter Färbinger.

Daraus ergibt sich eine interessante Dynamik mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei der Cloud-Einführung, die es zu berücksichtigen gilt, meint Lindner. „Wenn man zu schnell und zu aggressiv vorgeht, läuft man Gefahr, die Kunden zu verprellen. Wenn man sich zu langsam bewegt, riskiert man, Kunden zu verlieren. Beides zu tun – eine komplett neue Suite für die Public Cloud zu entwerfen und zu entwickeln und gleichzeitig neue Funktionen für On-premises-Kunden bereitzustellen – ist sehr teuer und braucht viel Zeit. Aus diesem Grund haben wir vor zehn Jahren damit begonnen.

Wo liegt der Mehrwert? „Wir können eine sehr attraktive Alternative anbieten, und wir führen viele Gespräche mit dieser Kundenbasis. Immer mehr Unternehmen wenden sich an Oracle, wenn es um bestimmte Geschäftsbereiche geht“, kann Lindern berichten. „Etliche SAP-Kunden beschleunigen mit uns die Wertschöpfung, da es keine Vorlaufzeit gibt und man sofort loslegen kann. Ein Beispiel dafür ist Oracle Cloud Enterprise Performance Management, EPM – ein sehr strategisches Angebot, zumal die Liquiditätslage und die Szenarienplanung während und nach der Pandemie zu den wichtigsten Prioritäten geworden sind.

Oracle Transportation Management

Ein weiteres Beispiel ist Oracle Cloud Transportation Management, OTM, eine Schlüssellösung, da die Pandemie die Logistik sehr hart getroffen hat. Diese Angebote erfordern nicht, dass Kunden sich vollständig von früheren SAP-Investitionen trennen. „Einige Kunden gehen diesen Weg“, weiß Lindner, „aber die Koexistenz und die cloudbasierte Modernisierung im Laufe der Zeit ist der bevorzugte Weg. Unsere Architektur macht es sehr einfach, eine Partnerschaft mit uns einzugehen, um sofortige Gewinne zu erzielen, und der Kunde hat die Kontrolle darüber, wo er anfangen will.

Oracle hat Connected Enterprise Planning angekündigt, das den Bedarf an ganzheitlicher Finanzplanung und -analyse über Personalwesen, Projekte und Lieferketten hinweg erfüllt. Es verbindet die Personalplanung, die integrierte Geschäftsplanung und -ausführung (IBPX) und die Finanzplanung. „Oracle ist dazu in der Lage, weil wir ein einheitliches Datenmodell haben, mit dem Kunden ganzheitlich über ERP, HCM, CRM und SCM hinweg planen können“, erklärt Linder die kompositionsfähige Architektur.

In der heutigen Geschäftswelt ist es nicht mehr sinnvoll, nur den Personalbestand zu planen. Vielmehr müssen auch die finanziellen Ressourcen, die Vertriebskapazitäten und die Produktionsressourcen einbezogen werden. „Das können wir mit Connected Enterprise Planning, und das macht Oracle zu einer attraktiven Option für SAP-Kunden“, betont Jürgen Lindner.

Ähnlich verhält es sich mit OTM. „Jeder weiß Bescheid über die aktuellen Engpässe in der Weltwirtschaft, wo derzeit Hunderte von Schiffen auf See darauf warten, entladen zu werden. Tausende von leeren Containern warten darauf, zurück nach Asien transportiert zu werden“, beschreibt Lindner die Situation. „SAP-Kunden beginnen, Oracle OTM zu nutzen, um all diese Disruptionen zu bewältigen und alternative Transportrouten zu finden.

Fazit

Und abschließend noch der Versuch einer Positionsbestimmung: Oracle ist seit der Gründung des Unternehmens ein Synonym für die Verwaltung, Sicherung und Nutzung der wichtigsten Datensätze der Welt. „Wir kennen uns in diesem Bereich bestens aus und nehmen ihn enorm ernst, wie unsere jüngsten Innovationen, zum Beispiel die autonome Datenbank, zeigen“, definiert Jürgen Lindner und ergänzt:

Aber wir haben auch eine lange Tradition im Bereich der Geschäftsanwendungen, die diese Datensätze verwalten und darauf reagieren – Daten sind also unsere DNA. Im Vergleich zu SAP haben wir schon immer alle Ebenen des Technologie-Stacks ganzheitlich betrachtet. Daher sind wir in der Lage, unseren Kunden eine einzigartige Partnerschaft anzubieten. Als SAP sich in die Datenbanktechnologie vorwagte, forderte dies seinen Tribut von ihren Entwicklungsbemühungen in anderen Bereichen des Unternehmens, was bis heute und noch viele Jahre lang zum Nachteil ihrer Kundenbasis gereichen wird. Die Innovationskraft von SAP im Bereich der Anwendungen und der Industrie war jahrelang lückenhaft und ist es auch heute noch. Die Verärgerung der Kunden – die aus den Rückmeldungen der Benutzergruppen hervorgeht – ist tiefgreifend und veranlasst sie, andere Optionen zu prüfen. SAP-Kunden können ihre S/4-Migration aber auch aufschieben: Sie können ihre SAP-ECC- und Business-Suite-Lösung auf der Oracle Cloud Infrastructure betreiben und weiterhin die Oracle-Datenbank nutzen.“

Danke für das Gespräch.

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Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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