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Comfort Charge

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[shutterstock: 1418790563, Paul Craft]
Geschrieben von Gerhard Klein, T-Systems

Leise und sauber soll er sein, der Verkehr der Zukunft.
Doch die Mobilitätswende kam trotz Feinstaubalarm und Dieselskandal bisher nur verhalten in Fahrt.

Mithilfe staatlicher Förderprogramme und einer steigenden Akzeptanz bei den Verbrauchern kommt nun der erhoffte Schwung in die klimafreundliche Sache – und stellt Infrastrukturanbieter wie die Comfort Charge vor die Herausforderung, auch bei erhöhter Nachfrage zuverlässig Ladestrom zu liefern. Als Betreiber eines bundesweiten Ladenetzes setzt das Bonner Start-up auf das SAP-Know-how der T-Systems und sorgt damit nicht nur jederzeit für volle Akkus, sondern auch für transparente Abrechnungsprozesse.

Mit dem „Sofortprogramm Saubere Luft“ hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) 2017 ein wichtiges Zeichen für Mobilitätsformen gesetzt, die eine Alternative zum klassischen Verbrennungsmotor darstellen. Neben gasbetriebenen Stadtbussen und ersten Nahverkehrszügen mit Brennstoffzellenantrieb ruht momentan besonderes Augenmerk auf der E-Mobilität. Landesweite Fördermaßnahmen wie die Innovationsprämie zur Anschaffung eines Elektrofahrzeugs sollen der gewünschten Verbreitung Vorschub leisten und erfreuen sich derzeit tatsächlich großer Beliebtheit.

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Die hohe Messlatte der Regierung: Bis 2030 sollen sieben Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Damit der wachsende E-Verkehr reibungslos fließen kann, braucht es ein flächendeckendes Netz an Ladestationen – und schlaue Prozesse und Anwendungen, die im Hintergrund gleichermaßen für eine reibungslose Zusammenarbeit der beteiligten Player sowie transparente Abrechnungsprozesse sorgen.

Synergien für volle Akkus

Charging Point Operator (CPO) wie die Comfort Charge sind mit ihrem deutschlandweiten Ladenetz bestens auf den E-Boom vorbereitet. Das Ende 2017 als Teil der Telekom-Gruppe und Schwester der DFMG Deutsche Funkturm gegründete Start-up betreibt derzeit bundesweit 148 Schnellladestationen mit einer Leistung von jeweils mindestens 100 Kilowatt und zahlreiche AC-Ladestationen, sowohl für Telekom-Mitarbeiter als auch im öffentlichen Raum.

Beim Ausbau des Ladenetzes kommt Comfort Charge die Expertise des Konzerns in Sachen Infrastrukturbereitstellung zugute: Die Deutsche Funkturm betreibt und unterhält Funktürme und Masten und liefert damit den notwendigen technischen Unterbau für das Handynetz der Telekom sowie weiterer Mobilfunknetzanbieter, für private und öffentliche Fernseh- und Hörfunkveranstalter, Behördenfunk und Amateurfunker.

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„Die jahrzehntelange Erfahrung unserer Funkturm-Kollegen beim Management von Bereitstellungsstrukturen ist ein enormer Pluspunkt, ebenso wie die Tatsache, dass wir auf der bestehenden Infrastruktur der Telekom aufbauen können“, erläutert Patrick Eberwein, Geschäftsführer der Comfort Charge. Der Ladenetzbetreiber nutze neben den Telekom-Standorten, an denen sich bereits Mittelspannungsanlagen befinden, die für Festnetz und Internet nötigen Kabelverzweiger.

„Die grauen Kästen am Straßenrand sind gemeinhin bekannt“, so Eberwein. „Wir statten sie mit einer eigenen Stromversorgung und einer digitalen Messstelle aus und erweitern sie damit um die Funktion einer Ladestation.“ Das sei nicht nur ein Vorteil im Hinblick auf die erforderlichen Investitionen, sondern vor allem gut für das Stadtbild – zusätzliche, platzraubende Aufbauten bleiben den Bürgern so erspart.

Energiegeladene Kooperationen

Während Comfort Charge für die physische Infrastruktur verantwortlich zeichnet, Parkflächen zum E-Tanken aushandelt und sicherstellt, dass an den Ladestationen der Strom jederzeit reibungslos fließt, übernehmen E-Mobility-Provider (EMP) die Geschäftsabwicklung ab Ladesäule. Sie machen die Ladestationen für Verbraucher – das können sowohl Privatkunden als auch gewerbliche Fahrzeughalter sein – zugänglich. Die Kunden erhalten sogenannte Ladekarten, mit denen sie sich an einer E-Mobility-Station identifizieren und den Ladevorgang starten können.

Viele EMPs arbeiten darüber hinaus mit Lade-Apps, die auf Smartphone statt Kundenkarte setzen. Die Festlegung der Tarifstruktur und die Rechnungsstellung an die Betanker von E-Fahrzeugen übernimmt ebenfalls der EMP. Zusätzlich zu diesem Modell ermöglicht Comfort Charge Ad-hoc-­Ladevorgänge, die bargeldlos und ohne Vertrag mit einem EMP durchgeführt werden können.

Ob ad hoc oder EMP, damit der Kunde am Ende eine transparente Rechnung erhält, müssen heterogene Daten aus di­versen Quellen in einem System zusammenlaufen. Hierzu Comfort-Charge-Geschäftsführer Eberwein: „Die Preise der Stromlieferanten, abgenommene Lademengen pro Säule, die Vertragsdaten von EMP-Kunden sowie der Zugang zu Payment-Dienstleistern müssen alle miteinander integriert werden. Dazu braucht es ein leistungsstarkes und zuverlässiges Back­end – und eine Instanz, die das Clearing, also die Harmonisierung der Abrechnungsdaten gegenüber den E-Mobility-Providern, übernimmt.“

SAP-Abrechnungsprozesse

Um den hohen Anforderungen an das Clea­ring gerecht zu werden, hat Comfort ­Charge gemeinsam mit T-Systems eine SAP-basierte Plattformlösung für das B2B-Geschäft realisiert. Das Vorhaben begann im zweiten Quartal 2019 und ist laut Gerhard Klein, der als SAP Solution Designer für die Realisierung der Billing-Anwendung zuständig war, „ein fortlaufendes Projekt, das gemeinsam mit der Infrastruktur und den Anforderungen von Comfort Charge wächst“.

Die erste Ausbaustufe ist bereits Ende 2019 erfolgreich abgeschlossen worden; mit der Anpassung der Mehrwertsteuersätze hat das Team zum 1. Juli 2020 eine weitere wichtige Projektphase erfolgreich umgesetzt. Bei der Bewertung der Zusammenarbeit sind Comfort-Charge-­Geschäftsführer Eberwein und SAP-Projektleiter Klein übrigens einer Meinung: Das Projekt sei ein gelungenes Beispiel dafür, wie gut agile Zusammenarbeit funktionieren kann. Der offene Austausch zwischen den Teams von Comfort Charge und T-Systems habe dazu geführt, dass alle Beteiligten von den Erfahrungen der Kollegen profitieren und ihre eigenen Stärken einbringen konnten.

Transparenz und Attraktivität

Die enge Zusammenarbeit aller SAP-Spezialisten half, die marktbedingten Herausforderungen der Kunden besser zu verstehen. „Es gibt bei den Endverbrauchern leider immer noch Vorbehalte, wenn es um Elektromobilität geht“, erklärt Klein. „Das Laden dauere zu lange, die Strompreise an öffentlichen Ladestationen seien viel höher als aus der heimischen Steckdose.“ Diesen Vorurteilen käme die Branche nur durch eine klare Kommunikation und ebenso transparente Prozesse in den Hintergrundsystemen bei.

Klein fährt fort: „Mit unserer SAP-Lösung haben wir die IT-Umgebung von Comfort Charge um einen wichtigen Baustein für transparente und effiziente Rechnungsprozesse erweitert.“ Das plattformbasierte und vollautomatisierte B2B-System dient zur Abrechnung von Ladedaten zwischen Comfort Charge und den verschiedenen E-Mobility-Providern – und schafft durch die Harmonisierung der teils recht heterogenen Daten aus den Systemen der kooperierenden EMPs stringente Finanzprozesse.

Agile Lösung wächst mit

Der Markt um E-Mobilität birgt großes Potenzial – wie die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt haben, ist er zugleich allerdings nur schwer berechenbar. Fakt ist, dass sowohl die Betreiber von Ladeinfrastrukturen als auch E-Mobility-Provider in der Lage sein müssen, die Kapazitäten schnell hochzufahren. „Das funktioniert nur dann reibungslos, wenn die Systeme im Hintergrund uneingeschränkt skaliert werden können. Hier kommen unsere SAP-Services ins Spiel: Sowohl unsere Bereitstellungsinfrastruktur als auch die Anwendung an sich sind nahezu beliebig erweiterbar“, so Solution Designer Klein.

Neben der ausgeprägten Skalierbarkeit bringt auch die Wartungsfreundlichkeit der Anwendung einen hohen Mehrwert für Comfort Charge. Das Entwicklerteam hat die Verwendung von Standards und die sorgfältige Kombination bestehender SAP-Bausteine zur Maxime gemacht. „Wir haben das System so flexibel gestaltet, dass nahezu jedes Billing-Szenario darstellbar ist, ohne dass dazu tiefgreifende Konfigurationen auf Programmierebene nötig sind“, so der SAP-Experte Klein.

Großes Potenzial

„Neben der Zusammenarbeit mit EMPs und der Ad-hoc-Ladung bieten wir einen weiteren Service, der besonders für Flottenkunden interessant ist“, erklärt Patrick Eberwein. Geschäftskunden haben die Möglichkeit, den Aufbau einer eigenen, dedizierten Ladeinfrastruktur zu beauftragen – die Hardware gehört anschließend entweder dem Unternehmen selbst oder liegt weiterhin in den Händen von Comfort Charge.

Für B2B-Kunden sind allerdings nicht nur die Ladesäulen an sich, sondern das datentechnische Management von Ladenetzwerken interessant. „Die Tatsache, dass wir als CPO ein eigenes Backend unterhalten, ist ein großer Wettbewerbsvorteil für uns“, betont Eberwein. Comfort Charge könne seinen B2B-Kunden damit alle wichtigen Schnittstellen für transparente und automatisierte Abrechnungsprozesse bieten. (pmf)

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Über den Autor

Gerhard Klein, T-Systems

Gerhard Klein, SAP S/4 Hana Senior Consultant Logistics, T-Systems International

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