Coverstory 20-12 MAG 20-12

Cloud Power

César Cernuda, NetApp, und Robert Enslin, Google (v.l.)
César Cernuda, NetApp, und Robert Enslin, Google (v.l.)

Cloud Computing ist ganzheitlich angekommen und etabliert sich in allen Bereichen der Informationstechnik. Noch vor wenigen Jahren war Cloud Computing eine technische Spielwiese für IT-Innovatoren. Heute ist Cloud Computing ein gesellschaftlicher, politischer und technischer Faktor ohne Alternative. Das europäische Cloud-Projekt Gaia-X ist der Beweis für die Nachhaltigkeit. SAP setzt massiv auf eine konsolidierte Cloud-Architektur. Über diese und weitere „Cloud Power“ geben NetApp President César Cernuda und Google President Cloud Sales Rob Enslin in der E-3 Coverstory ausführlich Antwort.

Das Handelsblatt zitierte den deutschen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, dass Gaia-X nichts Geringeres als ein europäischer Moonshot in der Digitalpolitik sei. Gaia-X ist nicht nur ein europäisches Cloud-Projekt, sondern auch der Beweis für die allgemeine Nachhaltigkeit des Cloud Computing. Diese Technik ist keine Spielerei mehr von IT-Innovatoren, sondern ein substanzieller Baustein jeder zukünftigen IT-Struktur. SAP zählt somit auch zu den Gründungsmitgliedern dieser Idee. Das Projekt steht allen Unternehmen offen inklusive der Beteiligung globaler Hyperscaler und internationaler IT-Konzerne.

Neben der Konsolidierung technischer Kompetenz bezüglich Datensicherheit und Datenschutz soll Gaia-X auch beweisen, dass Cloud Computing für jede Unternehmensgröße und betriebswirtschaftliche Anwendung relevant ist. Cloud Computing wird zukünftig das gesamte SAP-Spektrum abdecken, was auch SAP-Chef Christian Klein in seinem Interview für die amerikanische SAP User Group (ASUG) Mitte November betonte: „Unser ERP-Kundenstamm wechselt in die Cloud. Die S/4-Hana-Cloud-Lösung wird im nächsten Jahr 80 Prozent des Funktionsumfangs der On-premises-Lösung haben.“

Für SAP-Bestandskunden gibt es viele Möglichkeiten eines S/4-Hana-Releasewechsels: Der Weg in die Cloud eines Hyperscalers ist eine Herausforderung. Was sind aus Sicht von NetApp und Google die wichtigsten Argumente für ein SAP-System auf der Google Cloud Platform?

„Unserer Meinung nach gibt es viele Argumente“, erklärt César Cernuda im E-3 Gespräch, „aber die wichtigsten sind: Kostenminimierung durch Pay-as-you-go-Modelle anstelle von großen Investments. Auch können die Kosten für Instandhaltung und Orchestrierung reduziert werden.“

Und Cernuda betont die Wichtigkeit von effizienter, performanter und zuverlässiger Datenspeicherung. „Aktuelle Angebote mit cloudnativem Speicher bieten nicht denselben Service wie NetApp“, weiß César Cernuda aus vielen erfolgreichen NetApp-Projekten. Auch Datensicherheit und Datenverfügbarkeit haben für den Net-App Manager hohe Priorität: „Würden diese zwei Kriterien fehlen, wäre Cloud keine Option.“

Ergänzend sind für Cernuda die beiden Themen Time to Value und Time to Market wichtig: Die Bereitstellung von effizienten Entwicklungs- und Testumgebungen für das schnelle Erstellen von Prototypen, die reibungslose Implementierung und die daraus resultierende und verkürzte Time to Value sind für SAP-Bestandskunden wichtige Parameter. Ebenso können Projekte schneller realisiert werden durch eine verkürzte Time to Market. Dadurch wird die Produktqualität erhöht, was auch zur Risikominimierung beiträgt.

Rob Enslin muss man in der SAP-Community nicht weiter vorstellen. Er war bei SAP das Mastermind hinter der Cloud-first-Initiative. Viele Jahre liefen bei ihm als Mitglied des SAP-Vorstands alle Fäden der Cloud-Entwicklung und -Positionierung zusammen. Der erfolgreiche Wechsel zu Google war ein logischer Schritt in dieser außergewöhnlichen IT-Karriere, somit verwundert auch nicht die Antwort des Google President Cloud Sales:

„Erstens freuen wir uns sehr über den Mehrwert, den Google Cloud heute für viele SAP-Kunden schafft. Große Unternehmen wie Rémy Cointreau, Carrefour, Kaeser Compressors und Multipharma entscheiden sich dafür, SAP auf Google Cloud zu betreiben. Und obwohl viele dieser Unternehmen bereits mit der Migration von SAP in die Cloud begonnen haben, ist es bemerkenswert, dass die Mehrheit der Unternehmen, die SAP einsetzen, es noch immer On-premises betreibt – es besteht also eine enorme Chance, diese Kunden in eine moderne Cloud-Umgebung zu bringen.“

Die Cloud in ihren verschiedenen Evolutionsstufen ist seit 15 Jahren verfügbar. Lösungen, Technologien und Betriebsmodelle entwickeln sich mit hoher Dynamik. Die Nutzung der Bezugsmodelle von IT und der Technik hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker ausdifferenziert. Dieser Trend wird sich ganz ohne Frage in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. Aktuell befinden sich in Deutschland 46 Prozent der Unternehmen in einer fortgeschrittenen Phase der Cloud-Nutzung, das heißt, sie nutzen die Cloud umfassend über mehrere Workloads. Auf Basis einer modernisierten IT-Architektur, übertragbarer Lösungsansätze und -eines umfassenden Policy- sowie Provider-Managements wird diese fortgeschrittene Nutzung möglich.

„Die Cloud existiert nicht neben der IT, sondern sie entwickelt sich immer stärker zum integralen Bestandteil der IT-Landschaft“, weiß Matthias Zacher, Senior Consulting Manager und Projektleiter beim Marktforscher und Analysten IDC.

Intelligente Infrastruktur

Weil SAP-Workloads immer öfter in die Cloud verlagert werden, gibt es einige wichtige Überlegungen, erklärt Rob Enslin:

„Erstens benötigen Unternehmen eine intelligente, zuverlässige Infrastruktur. Ungeplante Ausfallzeiten sind keine Option. Dies ist ein Bereich, in dem die Kunden von Google Cloud einen großen Nutzen sehen und der besonders im Jahr 2020 relevant war. Da die globale Pandemie einige Netzwerke und Infrastrukturen überlastet hat, haben wir SAP-Kunden mit dem skalierbaren, elastischen und globalen Netzwerk von Google Cloud am Laufen gehalten.“

Ebenso weiß Google President Enslin aus seiner SAP-Vergangenheit und aktuellen Tätigkeit, dass Unternehmen zweitens nach Möglichkeiten suchen, Mehrwert aus ihren SAP-Daten herauszuholen. Es gibt heute kein Unternehmen, das nicht Mehrwert aus Daten schöpfen möchte, und SAP-Daten bilden da keine Ausnahme.

„Drittens müssen SAP-Kunden alle Risiken minimieren, die mit der Verlagerung geschäftskritischer Workloads von einer Umgebung in eine andere oder während geplanter Ereignisse wie Hardware-Updates verbunden sind“, betont Rob Enslin im gemeinsamen E-3 Gespräch. „Die Fähigkeit, Business Continuity aufrechtzuerhalten, wenn sich die Umstände ändern, ist für unsere Kunden von entscheidender Bedeutung, und unsere Funktionen in der Live-Migration, die die Instanzen virtueller Maschinen auch während der Migration von Workloads am Laufen halten, tragen dazu bei, Risiken bei der Migration von Kunden in die Cloud zu minimieren.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch IDC-Analyst Matthias Zacher: „Der Erfolg und die Akzeptanz der Cloud hängen in hohem Maße davon ab, wie gut Business-Initiativen unterstützt werden.“

35 Prozent der von IDC in Deutschland befragten IT-Anwender erwarten von der Cloud eine höhere Skalierbarkeit der Infrastruktur, 33 Prozent die schnellere Bereitstellung von Lösungen und 32 Prozent versprechen sich eine verbesserte IT-Sicherheit.

„Das Thema Security ist damit offenbar endlich keine wirkliche Hürde mehr, die es zu nehmen gilt, und kann von der Contra-Liste gestrichen werden“, betont Analyst Zacher. „Im Gegenteil wird der IT-Betrieb mit einer modernen Infrastruktur und automatisierten Prozessen, wie sie die Cloud bietet, sicherer und weniger störanfällig. Diesen -Business-Mehrwert haben Unternehmen offensichtlich erkannt und lernen ihn gerade in schwierigen Zeiten wie während der aktuellen Pandemie zu schätzen.“

S/4-Transformation

Die SAP-Community befindet sich in einer Hana- und S/4-Conversion sowie in einer herausfordernden digitalen Transformation. Für den Übergang von On-premises in die Cloud braucht der SAP-Bestandskunde eine Roadmap. Wo liegen die Herausforderungen?

„Unternehmen sind enormem Druck ausgesetzt, Aspekte ihrer Geschäfte – einschließlich SAP – digital umzugestalten“, berichtet Rob Enslin aus Gesprächen mit Google-Kunden. Er weiß, dass der Zeitpunkt für die Planung ihrer SAP-Cloud-Migrationen jetzt gekommen ist.

„Es ist wichtig, dass Führungskräfte ein klares Bild von den geschäftlichen Vorteilen und Zielen haben, die sie erreichen müssen, und dann auf dieser Grundlage einen S/4-Hana-Fahrplan erstellen“, erklärt Enslin. „Typischerweise sind Kosteneinsparungen und Risikomanagement zwei der ersten Anliegen. Unser Cloud Acceleration Program kann dazu beitragen, die mit SAP-Migrationen verbundenen Kosten zu minimieren.“

Die Wahl eines Cloud-Anbieters mit einer zuverlässigen, elastischen Infrastruktur sowie Live-Migrationsfunktionen ist wichtig, um Risiken zu mindern. Es ist auch wichtig, dass Unternehmen die richtigen Partner wählen, die sie bei der S/4-Modernisierung unterstützen. Rob Enslin:

„Unsere Partner wie Accenture, Deloitte, HCL und viele andere haben dedizierte Teams und Ressourcen eingerichtet, um Kunden beim Betrieb von SAP in der Google Cloud zu unterstützen. Nachhaltigkeit ist ein weiteres wichtiges Anliegen der Kunden, die damit eine Grundlage für die Zukunft schaffen. Google kann auf eine lange Erfolgsgeschichte im Bereich der sauberen Energie zurückblicken, und heute ist Google Cloud der einzige große Cloud-Anbieter, der genug erneuerbare Energie einkauft, um unseren gesamten Betrieb abzudecken. Anfang dieses Jahres haben wir uns verpflichtet, unsere Stromversorgung bis 2030 vollständig zu dekarbonisieren, was bedeutet, dass unsere Rechenzentren rund um die Uhr mit kohlenstofffreier Energie versorgt werden.“

Christian Klein betonte diesen Willen zur Veränderung auch im ASUG-Interview Mitte November: „Die Technologie ist da, der Mehrwert von S/4 Hana ist da. Die Frage ist, wie man dorthinkommt. Wir wollen es noch einfacher machen, diesen Wandel zu vollziehen. Wir können es besser machen und wir werden es besser machen.“

Rob Enslin meint zum Weg, den beide Unternehmen gehen: „Google Cloud und SAP haben eine umfassende Technologiepartnerschaft, die sich darauf konzentriert, Kunden bei der effizienten und effektiven Modernisierung ihrer SAP-Umgebungen in Google Cloud zu unterstützen und unseren gemeinsamen Kunden dabei zu helfen, die Google-Cloud-Funktionen in den Bereichen KI, ML und Analytics zu nutzen. Anfang dieses Jahres kündigte SAP ein Rechenzentrum an, das auf Google Cloud basiert. Das bedeutet, dass Kunden SAP-Anwendungen in einem SAP-Rechenzentrum ausführen können, wobei sie das leistungsstarke und zuverlässige Netzwerk von Google Cloud nutzen.“

Für alle Cloud-Anbieter in der SAP-Community liegen noch einige Herausforderungen auf dem Weg, das weiß auch Christian Klein, wenn er im ASUG-Interview sagt:

„Die größte Herausforderung bei der Transformation unserer Kunden ist nicht die Technologie, sondern die Neugestaltung der Prozesse. Hier wollen wir bessere Arbeit leisten. Darauf werden wir uns auf der Dienstleistungsseite konzentrieren – es gibt bereits viele Dienstleistungen, aber wir können es noch besser machen.“

Cloud-Roadmap

NetApp President César Cernuda erklärt im Gespräch, dass Cloud Volumes Ontap den Kunden den Einstieg in Hyperscaler-Clouds ermöglicht. Workloads wie Test- oder Entwicklungsumgebungen, Backup- oder Disaster-Recovery-as-a-Service und alle nicht produktiven Workloads lassen sich einfach implementieren.

„Cloud Volumes Ontap kann alle Workloads einschließlich Hana-Produktionsumgebungen managen, da es hochperformante Datenspeicherung mit den erforderlichen SLAs liefert“, betont Cernuda.

Hybride Services sind Teil einer von NetApp gelieferten Data Fabric. Kunden können wählen, was sie in die Cloud migrieren und für wie lange, und der Net-App President präzisiert:

„Cloud ist somit keine Einbahnstraße. File Share und Datenbanken, Produktion, Test/Dev, Backup-Work-loads, DR-Zwecke, entweder On-premises oder in der Google Cloud – alles ist möglich. Lösungen von Drittanbietern, zum Beispiel von CommVault, Veeam oder Libelle, sind durch umfangreiche API-Unterstützung enthalten. Unsere GSI und kleinere Systemintegratoren, zum Beispiel Accenture, Atos, All4One oder Arvato, bieten Implementierungsdienste und Managed Services an.“

Auf der anderen Straßenseite der S/4-Roadmap in die Cloud findet sich Google, und Rob Enslin erklärt:

„Wir haben eine enge Partnerschaft mit NetApp und dazu gehört auch die Unterstützung von SAP-Kunden bei der Umstellung auf Google Cloud. So ist beispielsweise der NetApp Cloud Volumes Service für die Verwendung mit Hana in der Google Cloud zertifiziert.“

Daten und Workloads

Das bedeutet, dass NetApp Funktionen für das Datenmanagement bereitstellt, die Kunden benötigen, um Workloads in der Produktion auf Google Cloud auszuführen. Somit werden SAP-Bestandskunden auch unterstützt, die KI-, ML- und Analytics-Funktionen von Google Cloud zu nutzen. Weiters können Dienstleister ergänzende Cloud-Migration, Implementierung, Operation und digitale Transformation in der SAP-Community anbieten.

„Ich bin stolz auf das Ökosystem der Google-Cloud-Partner, die zur Unterstützung von SAP-Kunden zur Verfügung stehen“, betont Rob Enslin. „Dazu gehören Servicepartner wie Accenture, Atos, Deloitte, NTT und Wipro, aber auch Technologiepartner wie NetApp sowie Lösungsanbieter wie SNP, Gekkobrain, Datavard oder SpringML. Diese Partner können Schlüsselservices und -technologien in praktisch jeder Phase des Weges in die Cloud bereitstellen – von der Planung über die Migration und Implementierung bis hin zum produktiven Einsatz von SAP in der Google Cloud.“

Warum entscheiden sich SAP-Bestandskunden für ein Hana- und S/4-System gemeinsam mit NetApp auf der Google Cloud Platform?

„Kunden wollten die Enterprise-Datenmanagement-Funktionen der Ontap-Software von NetApp, aber sie wollten es als nativen Storage-Service direkt aus der Google Cloud beziehen und nicht als Service von Drittanbietern“, erklärt NetApp President César Cernuda. Um diese Anforderung zu erfüllen, wurde NetApp Cloud Volumes geschaffen.

Das Beste: NetApp und Google

Die Engineering-Teams von NetApp und Google Cloud arbeiteten zusammen, um die Funktion für das Enterprise-Daten-management von NetApp in die Google-
Cloud-Plattform zu integrieren und so einen nativen Google-Cloud-Dateispeicherservice zu schaffen, der wie andere Google-Cloud-Services angeboten und von Google Cloud unterstützt wird. Für SAP-Bestandskunden ergänzt NetApp die Google Cloud, um Projekte zu beschleunigen, SAP-Umgebungen zu schützen und den Speicherbetrieb erheblich zu vereinfachen.

„In dieser Kombination liefern Google und NetApp führende Innovationen für SAP bei Google-Cloud-Implementierungen – unterstützt durch langjährige gegenseitige Beziehungen und Partnerschaften mit SAP. NetApp blickt beispielsweise auf eine starke Innovationspartnerschaft mit SAP zurück, die nun schon seit zwei Jahrzehnten besteht, wobei SAP selbst einer der größten SAP-auf-NetApp-Kunden ist“, weiß César Cernuda.

Google President Rob Enslin ergänzt die Aussage von NetApp President César Cernuda im E-3 Gespräch:

„Bei geschäftskritischen Anwendungen und Workloads wie SAP stehen Zuverlässigkeit, Sicherheit und Datenschutz immer an erster Stelle. Unser Angebot wird durch eine hochzuverlässige Infrastruktur und ein hochleistungsfähiges Netzwerk unterstützt, um die Geschäftskontinuität unserer Kunden selbst während einer globalen Pandemie zu gewährleisten, und wir bieten eine mehrschichtige Infrastruktur mit hoher Verfügbarkeit und Rechenzentren auf der ganzen Welt.“

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter pmf@b4bmedia.net | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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