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Business-Suite-7-Pflege bis 2027/2030 und S/4 Hana bis 2040

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Was im vergangenen Jahr immer heftiger von der SAP-Community gefordert wurde, ist nun Anfang Februar offiziell von SAP verkündet worden. Die reguläre Pflege von ERP/ECC 6.0 wird bis Ende 2027 verlängert und Extended Maintenance gibt es bis Ende 2030, S/4 bis mindestens 2040.

Bislang war es offen und von Spekulationen begleitet, wie es nach Ende 2025 mit der SAP-ERP-Lösung Business Suite 7 und mit S/4 Hana weitergehen sollte, fasst der Anwenderverein DSAG die Stimmung zum Start ins neue Jahr zusammen.

Selbst die SAP-internen Veranstaltungen Fkom 2020 (Field Kick-off Meeting) in Las Vegas, Miami und Barcelona brachten Mitte Januar noch keine Klarheit, denn SAP hatte den Bestandskunden bisher die Wartung der Business Suite 7 mit AnyDB und NetWeaver-Stack Abap sowie Java bis mindestens Ende 2025 garantiert – mehr nicht!

„Für viele Kunden war dies einfach nicht genug, um die digitale Transformation richtig und umfänglich anzugehen“

Winshuttle

erklärt Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service und Support.

Darum hat sich DSAG e. V. seit März 2019 für eine belastbare Release- und Wartungsplanung von SAP über 2025 hinaus starkgemacht.

Die DSAG-Anregungen wurden gehört und jetzt in einer konkreten Perspektive umgesetzt.

„SAP hat die Anforderungen der Kunden hinsichtlich einer nachhaltigen, umfänglichen Maintenance-Strategie umgesetzt und eine starke Basis für die Zukunft geschaffen“

kommentiert Andreas Oczko das Ergebnis.

Diese Zusagen sind die Ergebnisse der konstruktiven Zusammenarbeit mit Bestandskunden, Anwendergruppen, Partnern und SAP. Sie verschaffen den Kunden die notwendige Zeit, um sich mit den Chancen und Möglichkeiten von S/4 auseinanderzusetzen.

Der DSAG-Investitionsreport 2020 zeigt ein positives Bild für S/4, dennoch brauchen die Bestandskunden das Suite-7-Wartungsfenster bis 2030.

Suite-7-Pflege: 2 plus 3 Jahre

SAP verlängert für zwei Jahre die Main­stream-Wartung für Kernanwendungen der Suite 7. Es wird dabei weder Vertragsänderungen geben noch werden zusätzliche Gebühren anfallen.

Nach dieser Phase bietet SAP die Möglichkeit zu wählen: Bestandskunden, die Support für ihre Anwendungen in längeren Umstellungsphasen auf S/4 benötigen, können auf das Angebot der Extended Maintenance zurückgreifen, diese ist verbunden mit einem Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die bestehende Wartungsbasis und gilt für alle Supportangebote. Extended Maintenance steht für drei weitere Jahre von 2028 bis 2030 zur Verfügung.

Bestandskunden, die sich nicht bis Ende 2027 für die erweiterte Wartung entscheiden, sondern ihre Softwaresysteme mit der SAP Business Suite 7 weiterführen möchten, werden automatisch auf die Customer Specific Maintenance umgestellt. Diese beinhaltet die Lösung bereits bekannter Probleme bei unveränderten Gebühren.

„Die gesamten Ankündigungen sind ein wichtiger und vor allem der richtige Schritt von SAP. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass SAP ihren Kunden und Stakeholdern Gehör schenkt, und verdeutlicht, dass SAP alles Erforderliche tut, um die Bedürfnisse der Kunden bei der Digitalisierung zu erfüllen“

ergänzt Andreas Oczko von der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG).

„Die langfristigen Zusagen führen die Diskussion weg vom Zeitdruck und zurück zum Wesentlichen: Wie lassen sich der Mehrwert und die Chancen, die S/4 den Kunden auf dem Weg in die digitale Zukunft bietet, bestmöglich nutzen?“

Michael Kleinemeier, Mitglied des Vorstands der SAP und verantwortlich für SAP Digital Business Services, betont:

„Wir setzen uns entschlossen für den Erfolg unserer Kunden ein. Mit der verlängerten Wartung für die SAP Business Suite 7 und dem langfristigen Support für SAP S/4 Hana untermauern wir das und bieten unseren Kunden auf dem Weg in die Zukunft Wahlfreiheit und Flexibilität. Wir danken unseren Kunden und vor allem unseren Anwendergruppen für die enge Zusammenarbeit, um dies zu ermöglichen.“

Digitalisierung und S/4-Strategie

Viele Unternehmen scheinen aktuell noch in einer Zwickmühle gefangen. Die Zukunft liegt klar in der Digitalisierung, das aktuelle wirtschaftliche Umfeld scheint dafür aber in vielen Bereichen noch nicht bereit zu sein. Dennoch kommt Bewegung in die Sache, denn S/4 ist aus dem langen Schatten der Business Suite herausgetreten.

Nichtsdestotrotz sind noch zu viele ohne konkrete S/4-Strategie unterwegs, was die Wartungsverlängerung von ERP/ECC 6.0 bis 2027 erklärt sowie die Extended Maintenance bis 2030. Das bedeutet, SAP und DSAG müssen auch in diesem Jahr die Aufklärungsarbeit zum Nutzen der Anwender weiter intensivieren.

Die Relevanz der Business Suite hat naturgemäß weiter abgenommen, aber vom Volumen ist Suite 7 mit AnyDB und Net­Weaver noch immer dominierend. Erstmals in den vergangenen vier Jahren überwiegen die „hohen und mittleren“ Investitionen in S/4-On-Premises und Public Cloud.

Und auch bezüglich des konkreten Umstiegs auf S/4 lässt sich laut DSAG eine positive Tendenz erkennen. Über die vergangenen drei Jahre gesehen zeichnet sich erstmals ein massiver Anstieg von drei auf zehn Prozent bei den Unternehmen ab, die S/4 teilweise und vereinzelt einsetzen.

„Viele, die einen Umstieg planten, haben diesen nun offensichtlich umgesetzt oder sind gerade dabei“, erläutert DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck.

Die Zahl derer, die weiterhin auf ERP/ECC 6.0 (Suite 7 mit AnyDB und NetWeaver) setzen, liegt im Vergleich zum Vorjahr konstant bei sechs Prozent. Noch keine Entscheidung haben 13 Prozent getroffen, das sind drei Prozent weniger als im vergangenen Jahr.

„Das heißt, knapp 20 Prozent sind noch ohne S/4-Hana-Strategie“, so Lenck.

Andererseits lässt sich aber auch klar konstatieren: Bei der S/4-Public-Cloud stagniert die Entwicklung nach wie vor im mittleren einstelligen Bereich.

„Daraus schließen wir als DSAG, dass die bestehende Kundschaft von SAP noch deutlich besser abgeholt werden muss, was die Funktionalitäten der Cloud-Lösungen generell betrifft“

fasst Marco Lenck zusammen.

Zeitfenster und Lizenzmodell

Die gewonnene Zeit aufgrund der Wartungsverlängerung 2027/2030 muss laut Andreas Oczko umgehend genutzt werden:

„Die Wartungszusagen für S/4 bis mindestens 2040 sowie für die Business Suite 7 bis Ende 2030 sind kein Freibrief, weiter zu warten. Im Gegenteil, sie müssen der Startschuss sein, dass die Unternehmen ihre letzte Zurückhaltung ablegen und die digitale Transformation beginnen.“

Zudem gilt es, auch die Bemühungen hinsichtlich eines vertikalen Lizenzmodells weiter zu verfolgen, das bestehende Lizenzierungen für die Cloud berücksichtigt. Bislang ist das noch eine Vision der DSAG, aber der Interessenverband wird alles dafür tun, sie zu realisieren.

SAP sagte die Wartung für S/4 bis Ende 2040 zu. Gleichzeitig wird SAP die Pflege für ERP/ECC 6.0, Customer Relationship Management 7.0, Supply Chain Management 7.0 und Supplier Relationship Management 7.0 und Business Suite powered by Hana (SoH) bis Ende 2027 bereitstellen und anschließend eine optionale Extended-Wartung bis Ende 2030 anbieten.

„Unsere Kunden zeigen uns, dass sie mit SAP S/4 Hana den Weg Richtung Zukunft beschreiten möchten. Sie erwarten von SAP ein langfristiges Bekenntnis zu dieser Plattform“

sagt Christian Klein, Co-Vorstandssprecher SAP.

„Wir wissen, dass unsere Kunden umfangreiche Transformationsprojekte durchführen und dafür die herausragenden Funktionen der Lösung nutzen. Unsere User Groups bestätigen dies, eine Umfrage der Americas’ SAP Users’ Group hat keinen Kunden mehr gezeigt, der nicht die Migration auf S/4 Hana plant.

Darüber hinaus weist die deutschsprachige User Group in ihrer veröffentlichten Umfrage darauf hin, dass die Investitionen der Kunden in S/4 Hana deutlich zunehmen.

Da unsere Kunden außerdem Wahlmöglichkeiten verlangen, wird SAP zusätzliche Flexibilität gewährleisten, damit die Chancen von S/4 Hana voll ausgeschöpft und das individuelle Tempo und die Komplexität der Kundenprojekte berücksichtigt werden können.“

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
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