Coverstory 20-04 MAG 20-04

Business Integration Suite: Der Zeit voraus

[shutterstock.com: 1234673626, Dmitriy Rybin]
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Unternehmen, die digitale Transformationsprojekte in die Tat umsetzen, werden um den Aufbau einer Hybrid Integration Platform nicht umhinkommen. Die Business Integration Suite spielt das Zünglein an der Waage bei Integrationserfolg und Digitalisierungseffizienz.

Vor etwa fünf Jahren machte der von Gartner entwickelte Ansatz der „Hy­brid Integration Platform“ (HIP) erstmals die Runde und dominiert mittlerweile die Integrationsszene.

Als eine Art Referenzmodell bietet der Gartner-Ansatz dabei sowohl Anbietern als auch Anwendern von Integrationslösungen Orientierung im unübersichtlichen Dschungel der Integrationsanforderungen.

Das bekannte Analyse- und Marktforschungsunternehmen geht dabei nach eigenen Angaben davon aus, dass schon in etwa zwei Jahren 65 Prozent aller Großunternehmen eine HIP-konforme Integrationsplattform aufgebaut haben werden.

Dabei ist das Thema Integration eng verzahnt mit der Digitalisierung oder digitalen Transformationsprojekten zur Optimierung von Geschäftsprozessen mit dem Ziel der Businessbeschleunigung oder gar der Einführung komplett neuer Businessmodelle.

Man könnte es sogar so ausdrücken: Ohne eine allumfassende technische und semantische Integration von Systemen, Daten und Prozessen wird eine echte, vernetzte Digitalisierung nur schwer zu realisieren sein.

Framework und Plattform

Wofür genau steht nun das Wörtchen „hybrid“ im Kontext der hybriden Integrationsplattform? Grundsätzlich geht es darum, ein möglichst breites Spektrum von Inte­grationsanforderungen abzudecken, die teils völlig unterschiedlicher Natur sind:

Konkret geht es dabei um Cloud- und API- Integration in Echtzeit, Business-to-Business-Integration (B2B/EDI), IoT- oder Industrie-4.0-Integration, internationales E-Invoicing, ERP- und Enterprise-Applica­tion-Integration und einen sicheren Managed File Transfer (MFT).

Diese Integrationsmuster werden für SCM-Themen wie Produktdatenmanagement, E-Procurement, die Vernetzung von Produktionssystemen, E-Commerce, Lager- und Logistikprozessen sowie generell für übergreifende Themen wie HCM oder CRM verwendet.

Auch im Finanz- und Bankensektor wird neben klassischen Integrationstechnologien auf das Lifecycle-API-Management zur Optimierung digitaler Kundenservices gesetzt.

Die Abdeckung der zuvor aufgelisteten sogenannten Integrationsmuster stellt gemäß Gartner den augenscheinlich wichtigsten Baustein hybrider Integrationsplattformen dar.

Dessen ungeachtet fordert Gartner von einer HIP jedoch zu Recht weitere Bausteine, die es ebenfalls zu berücksichtigen gilt und die das Thema Integration durchaus komplex erscheinen lassen. Dies liegt daran, dass Gartner den Begriff der hybriden Integrationsplattform sehr umfassend definiert.

Praktisch alle integrationsorientierten Anwendungen, Technologien, Prozesse und Fachkompetenzen, die ein gegebenes Unternehmen braucht oder absehbar brauchen wird, fallen unter diesen Begriff.

Einerseits spricht Gartner bei HIP von „Framework“, andererseits von „Integrationsplattform“. Auf den Punkt gebracht lassen sich „Framework“ und „Integrationsplattform“ folgendermaßen einordnen: Framework bedeutet sozusagen alles – und zwar wirklich alles –, was in Verbindung mit Integration im Zusammenhang steht.

Eine hybride Integrationsplattform hingegen ist eine Art Middleware-System in Form einer Komplettlösung, die Elemente oder Funktionen für die praktische prozessuale, technische und betriebsbezogene Integrationsumsetzung bereitstellt.

Gartner fordert von einer HIP vier konkrete Bausteine: Neben den bereits erwähnten Integrationsmustern sind das Benutzergruppen, Endpunkte und Deployment-Modelle.

Benutzergruppen umfassen beispielsweise Fachanwender und Integrationsspezialisten, die in einem Unternehmen mit einer HIP-konformen Integrationsplattform zu tun haben oder damit arbeiten.

Mit Endpunkten sind On-premises- und Cloud-Systeme, Mobile Devices und IoT-Technologien gemeint. Und schließlich kann das Deployment der Integrationsplattform beziehungsweise Elementen davon On-premises, in der Cloud, Hybrid oder Embedded (im Gerät oder System) erfolgen.

Integrationsplattform als Middleware

Seeburger ist ein Anbieter einer Integrationsplattform bzw. Middleware, der konsequent dem von Gartner geprägten Ansatz folgt. Eine allgemeine Übersicht mit Funktionsblöcken zeigt die Abbildung „Die Seeburger Business Integration Suite im Zentrum der Digitalisierung“.

Dabei gibt es für die Zielgruppen Mittelstand bzw. Großunternehmen einen jeweils zugeschnittenen Lösungsumfang. Denn den Gartner-Ansatz zugrunde legend ist der Begriff HIP auch relativ und er kann bezogen auf den Lösungsumfang unterschiedliche Bedeutungen haben. Er „wächst“ und „schrumpft“ mit dem Bedarf des individuellen Unternehmens an Integrationsleistungen.

Gerade mittelständische Unternehmen benötigen für die unterschiedlichen Integrationsbausteine vorgefertigte Lösungsbausteine, um schnell und effizient ihren Bedarf decken zu können.

Wie das beispielsweise Seeburger mit seiner BIS-Plattform (Business Integration Suite) anbietet. In Großkonzernen entsteht meist ein ergänzender Bedarf im Bereich Organisation und Governance, und dort können HIP-Plattformen – oft historisch gewachsen – auch auf Basis mehrerer Produkte entstehen.

Mit der Business Integration Suite (BIS) als HIP-konforme Plattform stellt Seeburger bereits heute ein Komplettpaket auf der Basis einer „One Platform Strategy“ zur Verfügung, das praktisch alle wichtigen Integrationsanforderungen aus neuzeitlicher Business- und Techniksicht in einem einheitlichen System berücksichtigt. Wobei anzumerken ist, dass BIS in der heutigen Form lange vor dem HIP-Ansatz und, wenn man so will, vor der HIP-Ära entwickelt wurde.

One Platform Strategy

Von dem Ansatz – „One Platform“ anstelle von „Patchwork Solutions“ – profitieren Anwenderunternehmen dabei nachweislich in mehrerlei Hinsicht: Zum einen können Synergieeffekte erzielt werden, da die Handhabung und die Nutzungsmöglichkeiten nur auf der Basis eines Systems erlernt und weiterentwickelt werden müssen.

Zum anderen bietet der modulare Aufbau der Plattform die Möglichkeit, das System je nach Bedarf zu skalieren oder zu erweitern, sei es aus betriebswirtschaftlichen/funktionalen oder technischen Gründen.

Ferner bleiben durch den „One Platform“-Ansatz getätigte Investitionen geschützt. Und obendrein wird der Einsatz flexibler Betriebsformen unterstützt; sowohl On-premises- als auch Cloud-Nutzung oder sogar sich im Trend befindliche hybride Betriebsmodelle.

Wenn von modularem Aufbau die Rede ist, dann ist darunter Folgendes zu verstehen, vergleichbar in gewisser Hinsicht mit der SAP Business Suite oder S/4 Hana, wo Kunden schon seit jeher einzelne Module etwa für Financials oder Logistics aus einer Lösungsbandbreite selektiv nutzen können:

BIS stellt ein Komplettpaket dar. Gleichwohl kann der Kunde nach seinem jeweiligen Bedarf auswählen. Während ein Kunde beispielsweise mit BIS ausschließlich die B2B/EDI-Integration realisiert, nutzen andere Kunden auch die API/EAI-Integration, gepaart vielleicht mit SAP ERP-, E-Invoicing- oder IoT-Integration und Managed File Transfer.

Für zahlreiche Einsatzfälle werden vordefinierte Templates, vorkonfigurierte Mappings oder API-Libraries in BIS bereitgestellt, etwa für die SAP-, für die B2B/EDI-Integration oder die Einbindung von Web Services via REST API.

Dadurch verringert sich zum Beispiel die Einrichtung mehrerer Geschäftspartnerverbindungen via EDI auf nur wenige Stunden.

Governance und Operations

Die Themenfelder Governance (Führung/Steuerung) und Operations (Betrieb) spielen bei der Nutzung einer Integrationsplattform im Enterprise-Umfeld eine gewichtige Rolle.

BIS berücksichtigt diese Managementfelder schon jahrzehntelang in ausgeprägter Form – sicherlich auch ein Grund dafür, warum es mittlerweile weltweit über 10.000 BIS-Kunden unterschiedlicher Unternehmensgröße gibt.

Mittelständische Kunden mit möglicherweise geringen Integrationsanforderungen ebenso wie international agierende Konzerne mit hochkomplexen Betriebsanforderungen.

Grundsätzlich positioniert sich Seeburger als Integrationsanbieter, der „alles aus einer Hand“ liefert. Neben der erfolgreichen BIS-Lösung bietet Seeburger auch weitreichende Integrations-Consulting-Leistungen an.

Unterstützt werden Kunden etwa bei folgenden Fragestellungen: Wie die Digitalisierung im Sinne von Businessbeschleunigung oder ­Businessoptimierung vorantreiben?

Was ist dabei in puncto Integration zu tun? Auf welche Art und Weise ein nutzenbringendes API-Management einführen und effektiv nutzen? Wie eine SAP-Non-SAP-Integration (etwa Salesforce) forcieren, vielleicht auch eine SAP-SAP-Integration?

Was ist beim individuellen Einsatz einer Integrationsplattform aus technischer Sicht und vor dem Hintergrund eines spezifischen Ordnungsrahmens zu berücksichtigen? Oder, oder, oder.

Branchenfokussierung

Ferner fokussiert sich Seeburger mit der BIS-Lösung auf ausgewählte Branchen. Das heißt, es gibt auch branchenspezifische Ausprägungen der Business Integration ­Suite mit vordefinierter Funktionalität und branchenspezifischem Business-Content. So etwa für die Automotive-Industrie, für die CPG/Retail-Branche oder für die Energiewirtschaft.

Die aktuelle BIS-Version ist als Major Release 6.7 verfügbar und versteht sich insbesondere als eine HIP-Plattform für alle Integrationsszenarien, mit der sich auch neue Geschäftsanforderungen in die Tat umsetzen lassen, beispielsweise in Verbindung mit künstlicher Intelligenz (AI) und Big Data, Blockchain oder Realtime-Integration in API- und IoT-Szenarien.

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Über den Autor

Dr. Martin Kuntz, Seeburger

Dr. Martin Kuntz ist Chief Cloud Officer und Member of the Executive Board von Seeburger.

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