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Breakthrough with IBM for Rise

IBM und SAP haben einen Meilenstein ihrer langjährigen Partnerschaft angekündigt. IBM führt eines der weltweit größten Transformationsprojekte auf der Basis von Hana und S/4 durch, um das eigene Wachstum zu fördern und seine Kunden besser zu unterstützen.
18. Oktober 2022
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SAP-Partner IBM versucht es mit Hana und S/4 - ein Interview

ERP-Generationswechsel

E-3: IBM hat sich laut einer Ankündigung entschlossen, Hana und S/4 weltweit einzuführen. Was erhofft sich IBM von diesem ERP-Generationswechsel?

Tanja Scheller, IBM: IBM führt eines der weltweit größten Unternehmenstransformationsprojekte auf der Basis von SAP-ERP-Software durch. Wir werden unsere Prozesse und SAP-Systeme in mehr als 120 Ländern, 1000 Legal Entities und zahlreichen IBM-Geschäftsbereichen für Software, Hardware, Beratung und Finanzen auf SAP S/4 Hana migrieren. Ziel ist es, uns selbst weiterzuentwickeln, unser Wachstum zu fördern und unsere Kunden noch besser unterstützen zu können. Mit der Erfahrung, die wir mit der IBM-internen Nutzung von Rise with SAP machen, werden wir unseren Kunden bei ihrer Unternehmenstransformation und ihrer Reise in die Hybrid Cloud noch besser zur Seite stehen können. So arbeiten wir etwa mit der Chemieanlagenbau Chemnitz, einem weltweit tätigen Unternehmen für Anlagen- und Prozesstechnik, zusammen, um die Prozesse zu digitalisieren und den Wechsel in die Cloud mit dem neuen Angebot „Breakthrough with IBM for Rise with SAP“ zu beschleunigen.

Tanja Scheller, IBM

Tanja Scheller, Director IBM Innovation Center for SAP Solutions, Head of IBM Branch Office Walldorf.

S/4: On-prem-Installation mit Cloud-Funktionalität

E-3: Laut Ankündigung soll S/4 eine On-prem-Installation mit Cloud-Funktionalität werden. Warum keine klassische Private oder Public Cloud?

Scheller: Ich würde es eher andersrum beschreiben: Es handelt sich um eine Cloud-Installation mit On-prem-Funktionalität, um bei dem Bild zu bleiben. Unser Rise-Vertrag mit SAP ist ein Software-as-a-Service(SaaS)-Vertrag und unsere Lizenzen wurden von On-premises auf SaaS umgestellt, wobei IBM den Betrieb in der IBM Public Cloud übernimmt. Es handelt sich also um eine Public-Cloud-Bereitstellung in einem SaaS-Modell. Die Umsetzung erfolgt dabei als Rise with SAP S/4 Hana Cloud, Private Edition mit der IBM-Premium-Supplier-Option, bei der IBM Consulting als Rise-Premium-Supplier fungiert.

Nutzen von Rise

E-3: Sie sagen, dass das Programm Rise angewendet wird. Warum und für welche Aufgaben?

Scheller: Wir konzentrieren uns auf die Weiterentwicklung unserer Geschäftsprozesse durch Rise with SAP S/4 Hana Cloud. Im Rahmen unserer Geschäftstransformation werden mehr als 300 bestehende SAP-Instanzen in die Cloud verschoben und 500 Server werden mit der Rise-with-SAP-Lösung auf IBM Power auf Red Hat Enterprise Linux auf IBM Cloud konsolidiert. Letztendlich werden mehr als 375 TB Daten auf IBM Power und Red Hat Enterprise Linux in die IBM Cloud verlagert. Diese Migration auf S/4 ist im gesamten IBM-Software-Geschäftsbereich bereits im Gange und die anfängliche Bereitstellung konzentriert sich dabei auf das Software-as-a-Service- und Abrechnungssystem von IBM und kommt Kunden und IBM-Geschäftspartnern bereits durch vereinfachte Abrechnungs- und Zahlungssysteme zugute, während Bestellungen und Verträge schnell bearbeitet werden können.

Wie gut oder schlecht ist Rise?

E-3: Gleichzeitig hat IBM verlautet, dass man weltweit einziger, ganzheitlicher Rise-Kooperationspartner ist. Nach über einem Jahr Rise with SAP erscheint dieser Umstand in einer zweifelhaften Optik: Wie gut oder schlecht ist Rise, sodass SAP nur einen Kooperationspartner hat, und warum opfert sich IBM für diesen Job?

Scheller: SAP kooperiert zwar mit weiteren Partnern wie Hyperscalern und Beratungsunternehmen bei der Rise-Bereitstellung, aber IBM ist der erste Cloud-Provider, der als Premium-Supplier sowohl Infrastruktur, technische Managed Services, Unternehmenstransformationsservices wie auch Application Management Services für Rise with SAP aus einer Hand anbietet. Als SAP-Consulting-Partner weltweit kann IBM damit die Kunden ganzheitlich beraten und auf dem Weg einer Entscheidung für oder gegen Rise unterstützen, die Vor- und Nachteile eines Umstiegs ihres Lizenzmodells auf eine Software-as-a-Service-Lösung und einen Betrieb in der Cloud abwägen. Dabei bieten wir Rapid Discovery Services für Rise with SAP sowie unser IBM SAP S/4 Hana, Hana Impact Assessment Tool an, um ganz kundenindividuell und neutral herauszufinden, welche Bedeutung und Auswirkungen die Migration von SAP ERP auf SAP S/4 Hana für das Geschäft unserer Kunden haben würde.

Aufwand und Mehrwert der Datenbank-Conversion

E-3: Welchen Aufwand wird die Datenbank-Conversion von DB2 auf Hana bringen und welchen Mehrwert erhofft sich IBM durch die Verwendung einer fremden Datenbank?

Scheller: Die Datenbankkonvertierung auf Hana ist eine feste Voraussetzung für SAP S/4 Hana und war damit gesetzt. Die Migration wird mithilfe der Migrationstools von IBM und SAP durchgeführt werden. Der Mehrwert liegt für uns im Gesamtpaket der neuen Lösung, durch die wir natürlich auch Daten in Echtzeit abrufen und effizienter zwischen Geschäftseinheiten und Teams austauschen können.

Schulungs- und Supportaufwand

E-3: Nach vielen Jahren von DB2 und Business Suite 7 erscheint der Schulungs- und Supportaufwand für eine neue Datenbanktechnik nicht unerheblich, oder?

Scheller: Da wir unsere Kunden seit Jahren bei der Migration von SAP ERP auf ihren bisherigen Datenbanken wie Oracle oder auch DB2 hin zu Hana unterstützen, verfügen wir über viel Erfahrung in der Datenbankumstellung und dem Betrieb von Hana. Der Support-Aufwand ist über das SaaS-Lizenzmodell abgedeckt, bei dem der Datenbanksupport in der SaaS-Vereinbarung enthalten ist. 

ERP-Roadmap

E-3: Ist IBM unbesorgt bezüglich seiner ERP-Roadmap? Noch gibt es bei SAP keine Pläne für einen S/4-Nachfolger. Wie plant demnach IBM seine zukünftige ERP-Funktionalität?

Scheller: IBM hat im Laufe der Jahre erhebliche Investitionen in SAP getätigt und das Upgrade von SAP ERP auf S/4 Hana nutzt diese Investitionen optimal. Mit mehreren SAP-ERP-Systemen, die in den nächsten Jahren aufgerüstet werden sollen, ist dies unser Hauptaugenmerk. Und wir sehen S/4 Hana als eine grundlegende ERP-Basis, auf der wir mehr als das nächste Jahrzehnt aufbauen werden. Gleichzeitig sehen wir auch eine zunehmende Akzeptanz von SAP S/4 Hana in unserer Kundenbasis. 

Weitere SAP-Produkte von IBM?

E-3: Wird IBM neben S/4 noch weitere SAP-Produkte einführen? Wie etwa Qualtrics, Successfactors, Ariba etc.?

Scheller: Wir nutzen Qualtrics, Ariba, Concur, SAP CPQ und einige andere Produkte bereits heute und betrachten unsere intern eingesetzte Applikationslandschaft von SAP und anderen Anbietern kontinuierlich, um unsere interne Unternehmenstransformation bestmöglich zu unterstützen. Bei unserer Transformation zu SAP S/4 Hana werden auch weitere IBM-Produkte als Erweiterung zu SAP zum Einsatz kommen; beispielsweise um die Entscheidungsfindung durch KI und automatisierte Workflows weiter zu verbessern.

Cloud-Modell für S/4?

E-3: Die Basis für S/4 sollen Power, Red Hat Linux und Hana werden. Wo werden diese Systeme betrieben? Gibt es dafür ein Cloud-Modell und welches?

Scheller: Die SAP-S/4-Hana-Systeme werden in der IBM Cloud betrieben. IBM Cloud hostet bereits seit Langem SAP-Kunden aus aller Welt und betreibt SAP-zertifizierte Infrastruktur in unseren globalen Cloud-Rechenzentren in Europa, Asien und Amerika. Mehr als 42 IBM-Public-Cloud-Rechenzentren weltweit unterstützen SAP-zertifizierte Workloads und die Umgebungen unserer Kunden reichen von einzelnen Desaster-Recovery-SAP-Instanzen bis hin zu kompletten Produktionsumgebungen für SAP S/4 Hana und BW/4 Hana inklusive High Availability Set-up und Desaster-Recovery-Szenarien. Die Architektur unserer flexiblen IBM-Cloud-Plattform umfasst dabei die Adaption hybrider Cloud-Modelle, hohe Sicherheit ohne öffentliche Netzwerke und Edge-Netzwerkservices mit IBM Cloud Internet Services. Diese hybride IBM-Cloud-Plattform wird auch für unser IBM-internes Deployment zum Tragen kommen.

E-3: Danke für das Gespräch.

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