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Branchenspezifische Anwendungsbeispiele von SAP BRIM

[shutterstock: 1069382534, phive]
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Digitale Technologien eröffnen auf dem Weg von der Produktorientierung hin zur Serviceorientierung komplett neue Möglichkeiten und Geschäftsfelder. Diese erfordern wiederum neue Abrechnungsmodelle.

So bietet BRIM (Billing and Revenue Innovation Management) umfassende Funktionalitäten zum Beispiel für die Abo-Auftragsverwaltung, für eine flexible Preisgestaltung, automatisierte Rechnungsstellung, konvergente Rechnungsstellung und personalisierte Zahlungsabwicklung, um digitale Geschäftsmodelle umzusetzen und diese Prozesse zu optimieren.

Einige typische Branchenabrechnungs­szenarien, die bereits mit den Fachexpertinnen und -experten von GTW realisiert wurden, sollen zeigen, wie flexibel BRIM einsetzbar ist.

Die Komponente „Vertragskontokorrent“ umfasst ein Nebenbuch (Subledger), das ursprünglich für Branchen mit einem sehr großen Kundenstamm und entsprechend hohen Belegsaufkommen mit Massendatenverarbeitung entwickelt wurde.

Dadurch ist BRIM für den Einsatz in Versicherungs-, Versorgungs-, Telekommunikations- und Medienunternehmen und auch im öffentlichen Bereich prädestiniert.

Beispiel Versorgungswirtschaft

Schon längst gehen die Dienstleistungsangebote eines Energieversorgers über die bloße Bereitstellung von Strom, Gas und Wasser hinaus.

Die Daten über die Verbräuche werden heute meist mit Smart-Metering-Systemen minuten- oder sekundengenau übermittelt und abgerechnet.

Wobei sich exakt zwischen den Stromarten, etwa günstigerem Solar- oder Nachtstromverbrauch, unterscheiden lässt, weil Uhrzeit und Stromart mit an BRIM übergeben werden.

Nutzt ein Verbraucher zudem das An­gebot, sein E-Auto, E-Bike oder seinen E-Scooter zu „betanken“, können diese Verbrauchsdaten in Echtzeit bepreist und abgerechnet und ebenfalls automatisch mit auf der monatlichen Abrechnung dargestellt werden, und zwar unabhängig davon, ob die Bezahlung mit der Kreditkarte, in bar oder über eine App-Plattform erfolgt.

Jasmina Cejan

Ist das Versorgungsunternehmen gleichzeitig regionaler Telekommunikations- oder Smart-Home-Lösungsanbieter, dann können die Abrechnungsdaten auf einer Sammelrechnung dargestellt werden.

Dadurch erhält ein Kunde höchste Transparenz über seine tatsächlichen Verbräuche, da alles detailliert auf nur einer Rechnung erfasst ist.

Der unverkennbare Vorteil von BRIM ist neben dem Vertragskontokorrent die Integration von SAP CRM, um Konditionen, Preise oder Rabattierungen individuell zu hinterlegen, die von SAP Convergent Charging zur exakten Preisberechnung herangezogen werden.

Ergänzend stellt SAP Komponenten bereit, um beispielsweise die notwendige Marktkommunikation oder die Abbildung intelligenter Messeinrichtungen sicherzustellen.

Vermieten, leasen und teilen

Da es inzwischen kaum noch ein Produkt oder eine Dienstleistung gibt, die sich nicht in irgendeiner Form mieten lässt, sind diese Geschäftsmodelle geradezu ideal für die kundenspezifische Abrechnung über BRIM.

So können auch Industrie-Mietparks oder Mietservices minutengenau oder über andere sensorgestützte Nutzungsparameter ihre Dienstleistungen fakturieren.

Wird zum Beispiel ein Bagger samt Fahrer an einen Bauträger vermietet, kann der Bagger mit einem Sensor ausgestattet werden, der aufzeichnet, wann genau der Bagger im Einsatz ist.

Derartige aufgezeichnete Daten können an BRIM gesendet, im System ab­gerechnet und auch Wartungszeitpunkte realtime ermittelt werden.

Damit lassen sich etwa gemietete oder geleaste Maschinen nicht nur nach dem tatsächlichen Maschinenstundensatz verrechnen, sondern je nach Mietvertrag auch nach Spindelumdrehungen.

Auch teure Handwerkzeuge wie Bohrmaschinen werden immer öfter ausgeliehen und nicht mehr selbst angeschafft. Mit einem Messgerät ausgestattet, können sowohl Leihstundensätze als auch „Umdrehungen im Einsatz“ verrechnet werden.

Dem Ideenreichtum der Miet- und Leasingmodelle sind in BRIM kaum Grenzen gesetzt. Beim Leasing von Druckern oder Plottern etwa erfolgt die Abrechnung oft nach Verbrauch.

Dann wird beispielsweise eine monatliche Pauschale vereinbart, in der schon 10.000 Druckseiten enthalten sind, was danach gedruckt wird, wird einzeln berechnet – mit BRIM überhaupt kein Akt.

Und schließlich die gesamte Sharing Economy, wo etwa ein Vermieter eine Plattform für das Carsharing oder E-Scooter-Sharing vorhält oder ein Anbieter einer übergreifenden Mobility-Plattform.

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Ein Offer-to-Cash-Geschäftsprozess lässt sich für einen SAP-Bestandskunden mit Billing and Revenue Innovation Management (BRIM) sowohl auf Basis von ERP/ECC 6.0 als auch S/4 Hana abbilden. Das ist digitale Transformation für Handel und Produktion. (Bild: GTW Management Consulting)

Individuell fakturieren

Überhaupt ist SAP BRIM aufgrund seiner hohen Flexibilität und modularen Anpassungsfähigkeit geradezu prädestiniert für den Einsatz auf Internet- und Kollaborationsplattformen oder für Start-ups.

Im Kontext der digitalen Transformation gibt es weitere Beispiele wie etwa den Umbau eines rückläufigen hardwarebasierten Geschäftsmodells eines renommierten Technologieunternehmens zu einem Anbieter von Dienstleistungen mithilfe von BRIM.

Aber auch der Betreiber einer Beschaffungsplattform könnte BRIM vorhalten und seinen Nutzern darüber die Abrechnung ermöglichen. Die Nutzer können sowohl B2B-Kunden als auch Endverbraucher sein, das lässt sich individuell abbilden.

Die Idee zur Umsetzung

Mit diesen Anwendungsszenarien werden einige praktische Umsetzungsmöglichkeiten von BRIM beschrieben, um deutlich zu machen, wie flexibel die Lösung einsetzbar ist.

Dabei bezieht sich die Flexibilität nicht nur auf die modulare Nutzung von BRIM, sondern auch auf deren Ausprägung und Nutzbarkeit in den unterschiedlichsten Branchen. Das Fazit von GTW Principal Consultant Jasmina Cejan:

„Der Kunde muss nur die Idee haben, wie er zum Beispiel aus seinem Produkt eine Dienstleistung macht, ein Mietsharing oder Abo-Service, und wir können dann die Abrechnung in BRIM gemeinsam umsetzen.“

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Branchen

GTW-Branchenbeispiele von Geschäftsmodellen, die mit BRIM realisierbar sind oder bereits realisiert wurden:

  • Telekommunikationsdienstleister: Abrechnung von Prepaid- und Postpaid-Produkten sowie Anrufe, SMS, MMS, Internet
  • Sharing Economy: zeitbasierte Miete von Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Scootern usw.
  • Maut: automatische Mautabrechnung nach tatsächlich gefahrenen Kilometern
  • Softwarelizenzen: Abrechnung von Lizenzen für Software mit unterschiedlichen Abos – z. B. einmalige 1-Monats-Trial, monatliches/jährliches Abo
  • Online-Speicher ist gleich Cloud-Speicher: Abos mit unterschiedlichen Preisen, die je nach Größe des Speichers und der Vertragslaufdauer abgerechnet werden.
  • Öffentlicher Verkehr: Zug-, Bus-, Tramfahrten: Einzeltickets und monatliche/jährliche Abos können in BRIM abgerechnet werden
  • E-Mobilität: Ladestationen
  • Miete von Anlagen und Geräten: Drucker, Maschinen, Roboter können nach tatsächlich verbrauchten Betriebsstunden nutzungsabhängig abgerechnet werden.
  • Haushaltsgeräte: Fernwartung
  • Autokauf: GPS, Assistenzsysteme, Wartung, Pannenhilfe
  • Plattform Businessmodelle: Ser­viceanbieter und Kunden treffen sich auf einer Plattform

Die Vorteile von SAP BRIM auf einen Blick

Kürzere Time to Market von Produkten auf Basis von Abonnements und nutzungsbasierten Services bzw. physischen Gütern, die mit Dienstleistungen gebündelt sind:

  • Flexible Abwicklung von Umsatzbeteiligungsmodellen
  • Realisierung von hybriden Prepaid-, Postpaid- und Pay-as-you-Go-Geschäftsmodellen
  • Regelbasierte und intelligente Automatisierung der Rechnungserstellung und Buchhaltungsprozesse
  • Automatisierte und hocheffiziente Verarbeitung von hohen Datenvolumina
  • Hohe Transparenz/Nachvollzierbarkeit der ganzen Abrechnungsprozesskette – von Nutzungsereignissen bis hin zur Rechnungserstellung
  • Senkung der operativen Kosten durch konsolidierte Verrechnungssysteme
  • Erhöhung der Kundenzufriedenheit durch Darstellung von Kosten, Services und physischen Waren auf einer einzigen Rechnung

Über den Autor

Jasmina Cejan, Principal Consultant bei GTW

Jasmina Cejan ist Principal Consultant bei der GTW Management Consulting

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