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Billing and Revenue Innovation

Geld regiert die Welt, das ist eine vielleicht nicht immer erfreuliche Nachricht, aber das Management der eigenen Finanzen hat noch nie jemandem geschadet. Somit sind in den vergangenen Jahren zwei Trends zu beobachten: Der CFO gewinnt fast überall an Bedeutung und die IT-Werkzeuge für den erweiterten Finanzbereich werden immer umfassender. Über Billing and Revenue Innovation Management, BRIM, diskutierte Jasmina Cejan vom SAP-Partner GTW mit Peter Färbinger, E-3 Magazin.

Die digitale Transformation hat viele Trends ausgelöst. Ein wichtiger, aber wenig beachteter Trend ist die neue Position des CFO, der früher überwiegend für Buchhaltung, Bilanz und Controlling verantwortlich war.

Jochen Schwabe von Schwabe, Ley und Greiner, einem Beratungsunternehmen im Bereich Finanz- und Treasury-Management, betonte auf einer SAP-Partnerveranstaltung in Hamburg diese „neue“ Verantwortung des CFOs.

Im Bereich des E-Commerce hat nach Ansicht von Jochen Schwabe der „neue“ CFO eine End-to-End-Verantwortung und bei der Digitalisierung gilt es für den CFO aktiv an der Gestaltung der neuen Geschäftsprozesse mitzuarbeiten.

Payments und Treasury

„The Future of Payments“ war der Vortragstitel von Jochen Schwabe in Hamburg und seine Forderung an den „neuen“ CFO: Prozesse zentralisieren, Betrug vermeiden, Fach- und IT-Know-how ausbauen, Kerngeschäft unterstützen – das Treasury auf dem Weg zum zentralen Element erfolgreich agierender Unternehmen bringen und aktiv an der digitalen Transformation mitarbeiten.

Eines von vielen SAP-Werkzeugen für das Finanzmanagement in der digitalen Transformation ist BRIM – Billing and Revenue Innovation Management (vormals Hybris Billing).

SAP-Partner GTW ist führender Anbieter und Projektmanager von BRIM im deutschsprachigen Raum. Kaum ein anderes Beratungsunternehmen hat ähnlich viel und umfassende Erfahrung mit Billing and Revenue Innovation.

In einem Exklusivgespräch erklärte Jasmina Cejan, Principal Consultant bei GTW Management Consulting, die Strategie und den Einsatz von SAP BRIM.

Jochen Schwabe hat in einer Untersuchung erhoben, dass 93 Prozent der Anwender sich von einer Digitalisierung des Treasury mehr Prozesseffizienz erhoffen (siehe Grafik).

Genau diese Effizienzsteigerung soll auch Billing and Revenue Innovation Management den SAP-Bestandskunden ermöglichen.

„Aktuelle Vertriebsmodelle erfordern eine hochvernetzte und topaktuelle Datenbasis mit der Möglichkeit einer sehr performanten Datenanalyse als Grundlage für den Verkaufserfolg“

weiß Jasmina Cejan aus vielen erfolgreichen Projekten.

„SAP BRIM bedient diese Anforderungen in jeder Hinsicht und ermöglicht es, die ganze Offer2Cash-Kette detaillierter und noch nachvollziehbarer darzustellen, als es jemals möglich war.“

Kundenverhalten und Preisgestaltung

Durch vielfältige und schnelle Auswertungsmöglichkeiten kann der BRIM-Anwender das Kundenverhalten direkt in die Angebots- und Preisgestaltung miteinfließen lassen und somit kundenindividuelle, flexible Produkte anbieten.

„Weiterhin geht der Trend weg vom Kauf eines starren Besitz­anspruches hin zu Miet-, Leasing- und Subskriptionsmodellen“

erklärt Cejan die Trends am Markt. Mit diesen Marktmodellen können die Produkte durch den Konsumenten getestet werden und eine kognitive Dissonanz kann signifikant reduziert werden.

„Für die flexible Produkt- und Preisgestaltung ist SAP BRIM das ideale Produkt der SAP“

beschreibt sie die Aufgabenstellung.

Mit SAP BRIM wird die herkömmliche Abrechnung revolutioniert. BRIM ermöglicht es, den Abrechnungsprozess flexibel und performant zu gestalten, um höhere Transaktionsmengen zu verarbeiten, ohne dabei auf die Integration vorhandener Abrechnungssysteme verzichten zu müssen.

So bietet SAP BRIM umfassende Funktionalitäten etwa für die Abo-Auftragsverwaltung, für eine flexible Preisgestaltung, automatisierte Rechnungsstellung, konvergente Rechnungsstellung und personalisierte Zahlungsabwicklung, um digitale Geschäftsmodelle umzusetzen und diese Prozesse zu optimieren.

Einige typische Branchenabrechnungsszenarien, die bereits mit den Fachexperten von GTW realisiert wurden, sollen zeigen, wie flexibel SAP BRIM in der Praxis einsetzbar ist.

Die Komponente „Vertragskontokorrent“ umfasst ein Nebenbuch (Subledger), welches ursprünglich für Branchen mit einem sehr großen Kundenstamm und entsprechend hohen Belegaufkommen mit Massendatenverarbeitung entwickelt wurde.

Dadurch ist SAP BRIM für den Einsatz in Versicherungs-, Versorgungs-, Telekommunikations- und Medienunternehmen wie auch im öffentlichen Bereich prädestiniert.

„Durch den hohen Automatisierungs- und Integrationsgrad ist die SAP-BRIM-Lösung ein Enabler und Treiber für die digitale Transformation in einem Unternehmen“

beschreibt Jasmina Cejan die Marktsituation. Durch eine 360-Grad-Sicht steht der Kunde im Mittelpunkt des Geschehens und wird somit an das Unternehmen gebunden.

Neue kundenindividuelle Produkte können innerhalb kürzester Zeit in BRIM modelliert und auf den Markt gebracht werden, was einen enormen Wettbewerbsvorteil mit sich bringt.

„Durch den Best-Practices- Ansatz der SAP kann man in vielen Branchen den Großteil der Anforderungen mit bereits vorkonfigurierten Prozessen abdecken“

weiß Cejan aufgrund ihrer Projektarbeit, und sie ergänzt:

„Bei jeder Customer Journey könnte BRIM als führendes Abrechnungssystem stehen.“

Grafik Coverstory1912

Sonstige Antworten waren z. B. Erhöhung der Qualität, mehr Zeit für inhaltliche Analyse oder weniger Archivraum. Quelle: Studie SLG Dezember 2018, © Schwabe, Ley & Greiner – www.slg.co.at

Preis, Vertrag und Rechnung

Der Kunde als Verbraucher wird täglich mit Werbungen bombardiert. Weckt ein Produkt Interesse bei ihm, recherchiert er unterschiedlichste Varianten und bestellt dieses – entweder online oder im Handel.

„Mit dem Kauf wird der Vertrag angelegt, der Preis berechnet, die Rechnung erstellt und gebucht – genau das, was SAP BRIM macht, und natürlich noch mehr“

beschreibt sie eine Aufgabe des Billing and Revenue Innovation Managements.

SAP BRIM und Hybris Billing gehören zusammen. Jasmina Cejan erklärt die Historie:

„Hybris ist seit 2013 Teil der SAP-Suite und hat in den vergangenen Jahren viele Namensänderungen erlebt. Im Jahr 2015 wurde BRIM in Hybris Billing umbenannt, um den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und BRIM im Sinne der Vereinfachung auf eine Hana-Plattform zu bringen.

Um die Ausrichtung auf den Kunden zu vervollständigen, wurden im Jahr 2018 unter SAP Hybris geführte Lösungen zusammen mit weiteren zugekauften Lösungen unter dem neuen Namen C/4 Hana zusammengeführt. Das C steht dabei für ,Customer‘ und die Vier für das CRM der vierten Generation.

Mit C/4 bietet SAP ein starkes Front-End, integriert mit einem leistungsstarken S/4- Hana-Back-End, um den gesamten Prozess des Kundenmanagements abzudecken.

Im Zuge dieser Neuausrichtung und weil es oft auch Verwechslungen mit SAP Hybris Commerce gab, wurde SAP Hybris Billing erneut umbenannt und hat wieder den Namen SAP Billing and Revenue Innovation Management, BRIM, erhalten.“

BRIM für ERP/ECC und S/4

SAP BRIM basierend auf S/4 versus ERP/ECC 6.0 unterscheidet sich in der Komponente SAP CRM. Diese ist in S/4 direkt integriert und heißt Customer Management.

Somit entfällt die Replikation von Stammdaten, wie es im ECC notwendig ist, es wird keine Middleware mehr benötigt und es werden keine Objekte dupliziert.

„BRIM ist nicht Teil von C/4, sondern gehört zur S/4-Hana-Welt“

erklärt Jasmina Cejan.

„Das bedeutet aber nicht, dass man BRIM nicht in die Cloud integrieren kann. In C/4 sind Lösungskomponenten verfügbar, die es erlauben, Funktionalitäten von BRIM – z. B. Subscription Billing – aus der Cloud zu konsumieren, und zwar unabhängig davon, ob der Kunde ein ECC- oder S/4-System hat. C/4 kann aber auch als eigenständiges System ohne ein SAP-ERP-Back-End bereitgestellt werden.“

Wichtig für langjährige SAP-Bestandskunden: SAP BRIM ist somit sowohl in ERP/ECC 6.0 und SAP Business Suite als auch S/4 verfügbar, unabhängig ob on-prem oder etwa in der Microsoft-Cloud Azure. Weiterhin gibt es eine C/4-Lösung für Subscription Billing bestehend aus BRIM-Komponenten.

„Der Vorteil im S/4-System ist, dass sich das Kundenmanagement auf dasselbe Datenmodell wie S/4 Hana stützt, und es nutzt S/4-Komponenten wie Pricing und Billing.

Somit entfällt die ganze Replikation der Stammdaten, es wird keine Middleware mehr benötigt und es werden keine Objekte dupliziert. Dabei werden die Funktionen der Hana-Datenbank optimal genutzt“

präzisiert Principal Consultant Cejan.

Die aktuelle Herausforderung fast aller SAP-Bestandskunden liegt in der betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Transformation.

BRIM ist in der SAP-Architektur flexibel einsetzbar wie kaum ein anderes IT-Werkzeug. Aber auch für die inhaltliche, digitale Transformation ist BRIM eine perfekte Antwort:

„Viele unserer Bestandskunden stehen aktuell vor der Herausforderung, dass ihr Geschäft einen Wandel von der Produkt- zur Serviceorientierung durchlebt und über Jahrzehnte funktionierende Geschäftsmodelle innerhalb kürzester Zeit obsolet wurden und sich ihre Wertschöpfungskette radikal verändert hat“

beobachtet Jasmina Cejan in der SAP-Community.

Durch das hohe Informationsangebot im Internet auf Vergleichsportalen haben Kunden eine enorme Macht gewonnen – der Wettbewerb zwischen den Anbietern hat sich verstärkt. Kunden erwarten sich maßgeschneiderte Produkt- und Preismodelle, ausgezeichneten Kundenservice und eine unkomplizierte und nutzungsbasierte Abrechnung.

Dazu meint Jasmina Cejan, dass BRIM als Lösung hervorragend geeignet ist, um die neuen Preis- und Abrechnungsmodelle wie Pay-per-Use, Abonnements, Bundles etc. abzubilden und auch eine Preisfindung in Echtzeit zu ermöglichen.

Mit der BRIM-Lösung können Kundenanforderungen besser und schneller umgesetzt, Durchlaufzeiten reduziert und Kosten eingespart werden. Hohe Datenvolumina können effizient verarbeitet werden.

Offer2Cash

Jasmina Cejan erklärt im E-3 Gespräch die Marktanforderungen, dass der Offer2Cash-Prozess bereits im Webshop beginnt. Die meisten Verbraucher sehen etwas im Internet und bestellen online.

Der potenzielle Kunde hat nicht mehr viel Zeit und will alles schnell erledigen – egal ob das ein Einkauf oder eine Anmeldung für ein Abo ist.

Die schnellste Variante ist, online das Produkt oder Abo auszusuchen, persönliche Daten einzugeben und die AGB zu bestätigen – somit wird ein neuer Vertrag angelegt, eine Rechnung erstellt und im SAP FI-CA buchhalterisch konform verbucht.

Zahlt der Kunde nicht, folgen noch weitere Schritte wie Mahnung, Inkasso usw. Und was leistet BRIM in diesem E2E-Prozess?

„BRIM kann die ganze Kette abdecken: von der Kunden- und Vertragsverwaltung sowie der Produkt­konfiguration in SAP Customer Relationship Management, Preisgestaltung in SAP Convergent Charging, Verrechnung der genutzten Services und Rechnungserstellung in SAP Convergent Invoicing bis hin zur Verwaltung offener Posten sowie klassischer Nebenbuchprozesse im Nebenbuch-Vertragskontokorrent (SAP FI-CA)“

beschreibt Cejan einen möglichen Geschäftsprozess.

BRIM und Use Case

Abschließend die Frage an Jasmina Cejan: Was war für Sie der überzeugendste Einsatz von SAP BRIM?

„Es gibt viele interessante Use Cases; das überzeugendste aus meiner Sicht ist aber die Umsetzung eines Broker- Modells. Es handelt sich um eine internationale Online-Plattform, wo sich die Entwickler und Endkunden treffen.

Die Entwickler aus unterschiedlichen Ländern verkaufen auf dieser Online-Plattform ihre Apps an Endkunden ähnlich wie Google Play Store, wo Spiele, Apps und awuch Filme, Serien, Bücher und Musik für Android-Handys gekauft werden können.

Im Hintergrund steht die SAP-BRIM-Lösung, die dafür sorgt, dass die Rechnungen an den Endkunden im Namen der Entwickler und Rechnungen an Entwickler mit Abzug der Provision erstellt werden, die Zahlungen vom Kunden an Entwickler überwiesen werden und die Provision des Entwicklers beim Inhaber des Broker- Modells bleibt.

Ein sehr wichtiger Aspekt ist auch die Steuerabwicklung, da man immer beide Wohnsitze, von Entwickler und Endkunde, berücksichtigen muss.

Sitzt der Kunde bzw. der Entwickler z. B. in den USA, ist auch eine Steuerabwicklung über Jurisdiction Code und ein externes Steuersystem wie Vertex notwendig.“

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SAP CI, CC und CM

SAP Convergent Invoicing (CI) besteht aus zwei Komponenten, Abrechnung und Fakturierung. CI ist eine Zusatzkomponente des Vertragskontokorrents und bietet die Möglichkeit, komplexe und konvergente Abrechnungs- und Fakturierungsprozesse abzubilden.

CI verwaltet die abrechenbaren Positionen, z. B. aus SAP Convergent Charging oder anderen Vorsystemen, und führt diese zu Abrechnungsbelegen zusammen – diese stellen die Positionen auf der Rechnung dar.

Die Fakturierung verarbeitet die Abrechnungsbelege, die aus unterschiedlichen SAP- (SD-Abrechnung, CRM Billing) und Non-SAP-Abrechnungssystemen stammen können, erstellt die konvergente Rechnung und bucht die Rechnungsbeträge im Nebenbuch-Vertragskontokorrent.

Weiterhin ist es möglich, den Verlauf von physischen Produkten aus bestehenden SAP-SD-Aufträgen zu übernehmen und mit Services in Convergent Invoicing zu einer Rechnung zu aggregieren.

SAP Convergent Charging (CC) übernimmt zum einen das Charging (Ermittlung des Vertragspartners bzw. Tarifs) und zum anderen das Rating (Bewertung von Ereignissen und Verbräuchen) insbesondere bei großen Transaktionsvolumina.

In CC werden die Nutzungstransaktionen in Echtzeit oder Batch verarbeitet, einmalige und wiederkehrende Gebühren berechnet und die Aufträge verwaltet. Das Ergebnis sind die abrechenbaren Positionen, die die Abrechnung zur Verfügung stellt.

SAP Convergent Mediation (CM) ist ein eigenständiges System innerhalb der BRIM-Lösung zur Aufbereitung, Normalisierung und Verteilung von Nutzungstransaktionen.

Die Lösung aggregiert und konsolidiert die Rohdaten aus den Netzwerken in nutzbare Informationen für CC und andere nachgelagerte Systeme.

SAP CM vernetzt die einzelnen Komponenten und stellt umfassende Funktionen bereit, die sicherstellen, dass externe wie interne Systeme so effektiv wie möglich miteinander kommunizieren können.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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