Extra 2106 MAG 21-06

Bewährtes und Neues

Geschrieben von Thomas Kamper, Seeburger

Welche Integrationsthemen zeigen sich im Projektalltag bei SAP S/4HANA-Einführungen und Migrationen? Welche möglichen Schwierigkeiten treten in Projekten auf? Welches Fachwissen ist vonnöten? Erfahrungen, Erkenntnisse und Ernüchterungen aus Projekten mit bekannten und neuen SAP-Integrationstechnologien.

Ob noch bei der Planung oder mitten im Umstieg auf S/4HANA – S/4-Integrationsthemen sind von SAP ECC-Anwenderunternehmen sowohl bei Migrationen, aber auch bei Neueinführungen zu berücksichtigen und verursachen Projekt- sowie Budgetaufwendungen. Grob unterteilt geht es um SAP-to-SAP- und SAP-to-Non-
SAP-Integrationsaufgaben. 

  • Als Richtwerte aus der Seeburger-Praxis gilt für S/4HANA-Projekte:
  • 70 Prozent der Integrationsaufgaben sind SAP-to-Non-SAP-Integrationen.
  • 20–40 Prozent des Budgets werden für System- und Applikationsintegration aufgewendet.
  • 60 Prozent der SAP-Anwender betrachten Integration als sehr aufwendig und kostenintensiv.
  • 40 Prozent der SAP-Anwender sehen die Unterschätzung von Integration als Risiko, ihre S/4HANA-Projektziele bis 2025 nicht zu erreichen.  

Die Tragweite der Integrationsherausforderungen verdeutlicht bereits das einfache Beispiel SAP-to-SAP: Die SAP-Community hat mit Freude auf die SAP-Ankündigung reagiert, für das Integrationsfeld „SAP ERP to SAP Cloud Applications“ in Summe vier Geschäftsprozesse als Integrations-Content Out-of-the Box bereitzustellen.

Da SAP derzeit nur knapp 300 Produkte und circa 200 Cloud Services im Portfolio führt, könnte man sagen: Das ist nicht nichts, aber auch nicht eben viel. Nachdenklich macht, dass der Einsatz des bereitgestellten Integrations-Contents und der SAP-Technologie aktuell nur dann kostenfrei ist, solange diese Integrationsszenarien ohne jegliche Anpassung im Standard verwendet werden. Umsicht ist also auch für die laufenden Betriebskosten geboten.     

Bei einer S/4-Migration stehen eine Reihe von Neuerungen und Überraschungen an. So können Integrationen in einer vorhandenen SAP ERP ECC-Umgebung nicht einfach mit der Hand am Ärmel in eine S/4-Umgebung überführt werden. Verdeutlichen lässt sich dies am einfachen Beispiel der robusten und weitverbreiteten ALE-/IDoc-Schnittstelle: Die verfügbaren IDoc-Typen in S/4 haben im Vergleich zu ERP ECC Änderungen erfahren.

Details im Blick


Ferner ist die Anzahl an IDoc-Typen minimiert worden. Die Konsequenz: Jede bestehende und bislang über IDoc realisierte Schnittstelle ist zu analysieren und muss fast mit Sicherheit angepasst werden. SAP S/4HANA Cloud Essentials (Multitenant) stellt im Übrigen keine IDocs und ALE-Technologie mehr bereit. SAP-Integrations-architekten zeigen sich im Rahmen von S/4-Projekten zunehmend zurückhaltend und stellen sich die Frage: Ist die IDoc- und ALE-Technologie zukunftsfähig? Ebenso altbekannte Verfahren wie JCO, BAPIs oder RFC.

Alles, was bei ERP ECC zum Thema Integration geübte Praxis war, steht bei S/4 daher zunächst auf dem Prüfstand. Dennoch gilt: Vor dem Erfahrungshintergrund realisierter S/4HANA-Großprojekte ist aus Sicht von Seeburger die robuste IDoc-Schnittstelle Stand heute nach wie vor sehr erfolgreich und effizient einsetzbar.

Etwa bei S/4HANA On-premise-Projekten, in denen das reduzierte Set ausreicht, um die Projektanforderungen abzudecken. Wenn nun aber jede Schnittstelle analysiert, angepasst und getestet werden muss, sollte dann nicht besser überlegt werden, welche zukunftsfähigen und leistungsfähigen Integrationsoptionen S/4 bietet? 

Mögliche Alternativen

Welche Alternativen stehen zur Wahl? Die OData-Schnittstelle bietet sich als synchrone API-Schnittstelle als eine moderne und zukunftsfeste Alternative für alle Integrationsanforderungen an. Ein Blick in den SAP API Business Hub führt aber leider zu einer gewissen Ernüchterung: Die Verfügbarkeit dieser Technologie für eine breite Palette an Integrationsaufgaben ist noch stark ausbaufähig – wächst aber ständig. Ferner eignet sich diese synchrone Schnittstelle nicht für alle Integrationsszenarien. Sie stellt somit auch bei einem hohen Abdeckungsgrad in der Zukunft keine universelle Lösung für alle Szenarien dar. 

Die proprietäre SOAP-Schnittstelle SAP RM (Reliable Messaging) bietet Asynchronität und zudem einen höheren Abdeckungsgrad möglicher Schnittstellenanforderungen. SAP RM stellt sich als interessante Alternative zur ALE/IDoc-Technologie in S/4HANA dar: zum Beispiel, wenn es um dokumentenbasierte Integrationen wie etwa für EDI und B2B-Integrationen geht. Wie OData, so ist auch SAP RM als Technologie für alle S/4-Optionen verfügbar.

Für event-gesteuerte Integrationsszenarien, zum Beispiel für Stammdaten-Synchronisation, ist die Nutzung von Business Events die erste Wahl. Da Business Events seit 2020 auch in SAP ECC verfügbar sind, eignen sie sich auch sehr gut für Brownfield-Projekte, um Datenkonsistenz zwischen SAP ECC und S/4HANA zu gewährleisten.

Mit Spannung erwarten Integrationsspezialisten die weitere Entwicklung und Nutzbarkeit des sogenannten „SAP One Domain Models“ sowie die Einführung von SAP Graph als wesentliche Schlüsselfaktoren für Integrationsszenarien. So weit der Fokus auf die SAP S/4HANA-Welt.

Für Anwenderunternehmen stellt jedoch die Integration der Non-SAP-Welt die größte Herausforderung dar: Die Palette erforderlicher Integrationstechnologien wird über vorhandene Legacy-Systeme, Analytics-Lösungen (beispielsweise der Public-Cloud-Anbieter), Shopfloor-Systeme, IoT-Plattformen, Cloud-basierte Applikationen von Drittanbietern wie Salesforce, Workday oder Coupa, anzubindende Markt-
plätze und Shopsysteme oder Branchen-Plattformen und vieles mehr bestimmt. Erforderliche Integrationsmuster, die in Projekten zu stemmen sind, reichen von push & pull über Events bis zum real-time oder Batch Processing. 

Zentrale Integrationsplattformen müssen neben der Unterstützung der Technologien (SAP und Non-SAP) und Integrationsmuster die Aufgabe lösen, parallel das Processing von Bulk-Daten und Streaming-Daten zu realisieren, ohne dabei das synchrone Abarbeiten granularer Informationsobjekte in real-time Prozessen zu beeinträchtigen. An diesem Punkt wird sich die Spreu vom Weizen trennen – was vielen SAP-Anwenderunternehmen noch nicht bewusst ist. 

Wege zum Erfolg

Die bisherigen Erfahrungen aus dem Projektalltag bei S/4-Migrationen und Neueinführungen mit Integrationsthemen haben aus Sicht von Seeburger eindeutig gezeigt, dass zwei Punkte von zentraler Bedeutung für Projekterfolge sind: zum einen der Einsatz von erfahrenen Schnittstellenexperten mit profundem und langjährigem SAP-Know-how, zum anderen die Verwendung von leistungsfähigen Integrationsplattformen, die möglichst alle Integrationserfordernisse berücksichtigen.

Die Seeburger Business Integration Suite (BIS) ist das einzige umfassende Hybrid-Integration-Plattform-Angebot am Markt, das auf einer neutralen Plattform basiert, mit umfangreichem Content aus einer Hand und als Multi-Cloud-Variante sowie on-premises verfügbar ist. 

https://e-3.de/partners/seeburger-ag/

Über den Autor

Thomas Kamper, Seeburger

Leiter Strategisches Produkt-Management, Seeburger

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