Das aktuelle Stichwort MAG 21-05

Banken im digitalen Tiefschlaf

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Geschrieben von Myrko Rudolph

Wer aber meint, dass mit neuen Technologien auch eine digitale Arbeitsweise in der gesamten Unternehmenslandschaft Einzug hält, irrt sich. Ein Blick in die Realität zeigt: Immer noch verschlafen etliche Betriebe den digitalen Wandel. Mit dem bösen Erwachen kommt auch die Erkenntnis darüber, dass derartige Transformationen nicht auf Knopfdruck gelingen.

Um sich entsprechend zu rüsten, muss sich – neben dem Einsatz innovativer Systeme – auch die Vorstandsetage grundlegenden Veränderungen stellen. Sie benötigt insbesondere ein Change­management, ganzheitliche Prozesse und ein neu ausgerichtetes Mindset. Denn nur umdenkende Führungskräfte, die ihr Unternehmen mit strategischem und agilem Management 4.0 leiten, erreichen das Ziel eines modernen Workspace.

Entscheider aller Branchen müssen sich daher in diesem Zusammenhang wichtige Fragen stellen: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf unseren Betrieb aus? Welche neuen oder veränderten Wünsche hat unsere Zielgruppe an unsere Leistungen? Müssen wir unser grundlegendes Geschäftsmodell anpassen und wenn ja, wie? Welche Chancen bieten uns die neuen Technologien und sind Prozesse optimal digitalisiert und automatisiert?

Prozess der Umgestaltung

Neu gestaltete Arbeitsabläufe verändern auch die Anforderungen an den Menschen. Schleppende Umsetzungen digitaler Arbeitsweisen lassen sich oftmals auch auf fehlende Akzeptanz der Mitarbeiter zurückführen. Den meisten fällt es dabei schwer, gewohnte Arbeitsprozesse zu verlassen. Verursacht das Neue vor allem Ängste, flüchten sich Angestellte lieber ins Vertraute, was sie davon abhält, sich auf notwendige Veränderungen einzulassen.

Lösungen erstrecken sich hier zum Beispiel in den Einsatz dezentraler Scan- und Druckprozesse, die sich durch eine logische und einfache Handhabung auszeichnen. Zwar machen diese nur einen Teil eines Gesamtprozesses aus, doch bringen neue Anwendungen Einfachheit und Freude mit sich und steigern so auch die Akzeptanz intelligenter Arbeitsprozesse. Anpassungen an digitale Gegebenheiten ermöglichen es, bank­interne Prozesse effektiver und kostengünstiger zu gestalten.

Banken sparen

Zurzeit heißt es nämlich sparen, sparen, sparen, und das nicht für Kunden, sondern für die Banken selbst. Aufgrund der niedrigen Zinsen lohnt es sich für Sparer nämlich kaum noch, ihr Geld anzulegen, oftmals erwarten sie sogar Minusgeschäfte infolge von Negativzinsen. Dies wiederum hinterlässt tiefe Spuren in den Bilanzen der Banken und erfordert ihrerseits Sparmaßnahmen – aktuell mehr denn je.

Während sich die Art des Arbeitens verändert, stellen auch Verbraucher im Zuge der Digitalisierung neue Anforderungen an Unternehmen. In naher Zukunft begegnen uns vor allem hybride Kunden, die sowohl offline als auch online bedient werden wollen.

Mit der zunehmenden digitalen Kompetenz von Bankkunden kommt auch der Wunsch nach einer möglichst bequemen digitalen Kommunikation auf. Nichtsdestotrotz schätzen sie auch weiterhin die Möglichkeit der persönlichen Ansprechbarkeit vor Ort.

Vom Offline- zum Online-Kunden

Neben herkömmlichem Onlinebanking müssen Finanzdienstleister zukünftig auch situativ abgestimmte digitale sowie analoge beratungsintensive Bankdienstleistungen zur Verfügung stellen.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken stehen dabei vor der Herausforderung, in Zeiten der Digitalisierung ihre tief verwurzelten analogen und regionalen Kundenbindungen in der Anonymität des World Wide Webs nicht zu verlieren.

So gilt es, bei allem Veränderungsbedarf die Stärken beizubehalten, sie mit in die Zukunft zu nehmen und in neue Konzepte zu integrieren. Dies bedeutet folglich, trotz der Adaptierung digitaler Arbeitsweisen auch klassische Werte mit in die neue Ära zu überführen. Denn fest steht: Banken, die ihr Geschäftsmodell heutzutage nicht an die digitalen Transformationen anpassen, können mittel- bis langfristig nicht überleben.

Über den Autor

Myrko Rudolph

Geschäftsführer bei Exapture und Experte für Digitalisierung im Bankwesen

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