MAG 21-07 TippS/4Success

Back to the Future mit Hana

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Geschrieben von Johannes N. Szalachy

Die Pandemie scheint nach über einem Jahr bei manchen Kunden eine Identitätskrise hinsichtlich der S/4-Hana-Transformation ausgelöst zu haben.
Ob gerechtfertigt oder nicht, die Diskussionen und Überlegungen sind interessant.

Covid-19 hat nicht nur negative Auswirkungen durch diverse Ermüdungserscheinungen bei der Bekämpfung, sondern auch auf die „Hana-Gemüter“. Möglicherweise laden auch die Umstände von Homeoffice manche SAP-Kunden dazu ein, den Sinn des Lebens mit der S/4-Transformation nochmals zu hinterfragen. Dabei führen manche Diskussionen bis zum Ursprung zurück, die rückblickend auch interessante Gedanken wieder in Erinnerung rufen.

Es war einmal Hana

Die technische Vision von Hasso Plattner war es, die massiven Performance-Einbußen der Lese- und Schreibvorgänge von Datenträgern zu lösen. Sein revolutionärer Ansatz der vertikalen Datenstruktur, die Datenhaltung im Arbeitsspeicher und die gleichzeitig massive Steigerung der CPU-Kapazitäten, hat zur legendären In-memory-Technologie geführt.

Dies hat vor ungefähr sieben Jahren bei SAP auch die Hana-Transformation ausgelöst. Heute ist der damalige Grund kaum mehr bekannt. Die ursprüngliche Zielgruppe waren eigentlich nur die Big-Data-Kunden, welche durch die In-memory-Technologie massive Performance-Verbesserungen erlangen und damit manche Geschäftsstrategien erfolgreicher umsetzen konnten.

Alle anderen Kunden sind mit der Euphorie und sich entwickelnden Eigendynamik mitgeschwommen. SAP hat dies schnell erkannt und die restlichen Kunden mit den Neuentwicklungen unter der S/4-Technologie und der allgemeinen IT-Strategie in Richtung Cloud an sich gebunden.

In der Rückschau hinterfragen Kunden, welche der ursprünglich geplanten Ansätze und Strategien mit der Hana-Technologie bis heute tatsächlich erfolgreich umgesetzt werden konnten. Aufgrund des langwierigen Technologiewechsels gibt es gleichzeitig zumindest eine gewisse Verunsicherung bei der künftigen strategischen Ausrichtung. Dabei haben sich vor allem drei Themen herauskristallisiert.

Das erste Thema betrifft die Performance mit den Fragestellungen: Gehören wir überhaupt zu der Zielgruppe mit der kritischen Datenmenge und haben wir Bereiche, wo die Performance überhaupt negative Auswirkungen auf das Business hat? Wo bringen schnellere Auswertungen wirklich geschäftliche Vorteile?

Die zweite Frage betrifft die Neuentwicklung der Applikationen und die Prozesse unter der S/4-Technologie: Brauchen wir diese neuen Entwicklungen wirklich, und was bringen sie für Vorteile? Viele neue Fiori-Entwicklungen mit UX und UI sind vielleicht für die Benutzer eine „schönere Usability“ und mobil nutzbar, aber rein wirtschaftliche Vorteile sind kaum messbar.

Die durch die neu entwickelten S/4-Applikationen geänderten Standardprozesse haben nicht immer Vorteile. Der unternehmensspezifische Ansatz hat sich nicht geändert: Passt man die Prozesse des Unternehmens der Standardsoftware an oder erstellt man Eigenentwicklungen für die speziellen Unternehmensprozesse? Dabei sind mögliche Geschäftsvorteile den Mehrkosten wirtschaftlich gegenüberzustellen. Wobei die technologischen Fortschritte wie KI, Algorithmen und ähnliche Entwicklungen bei Notwendigkeit außer Frage stehen.

Die Cloud als drittes Thema beschäftigt viele Kunden. Das Thema ist extrem breit gestreut. Es beginnt bei der Firmenkultur und geht über die IT-Strategie, die Security und die Kosten bis zu den Geschäftsvorteilen.

Krisengedanken müssen schnell wieder überwunden werden. Ein Rückblick ist wichtig, aber man sollte sich trotzdem der Realität stellen und der Zukunft zuwenden. Der laufende IT-Technologiewechsel und die Transformation sind in vielen Bereichen weit fortgeschritten und nicht mehr aufzuhalten.

Es macht aber auf jeden Fall Sinn, die aufgefrischten Themen mitzunehmen und im laufenden S/4-Hana-Transformationsprozess nicht aus den Augen zu verlieren, wie man die erwarteten Unternehmenserfolge sicherstellen kann.

Über den Autor

Johannes N. Szalachy

ist SAP-Berater und DSAG-Arbeitsgruppensprecher Österreich. Sein Unternehmen ist auf S/4-Projektarbeit spezialisiert.

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