Coverstory 2003 MAG 2003

Azure und SAP: Zweieiige Zwillinge

[shutterstock.com: 636295406, Patryk Kosmider]
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Nur noch sieben Jahre bis 2027 – dann wird das ultimative Upgrade auf S/4 notwendig, mit erweiterter Pflege hat der SAP-Bestandskunde eine Frist bis 2030. Frage: Nutze ich die Zeitspanne sinnvoll und gehe mit dem Kernsystem in die Public Cloud?

Automatisierung, Integration und Qualität sowie geringere Kosten: Mit diesen Zutaten wollen Unternehmen jeder Größe ihre IT-Infrastruktur zukunftsfähig machen. Die Public Cloud rückt daher immer mehr in den Blickpunkt – selbst bei den eher zurückhaltenden mittelständischen Unternehmen.

2019 haben laut „ISG Provider Lens Public Cloud – Solutions and Service Partners Germany 2019“ deutsche Unternehmen rund 1,4 Milliarden Euro in Infrastructure-as-a-Service-(IaaS-)Lösungen investiert. Ein Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wie ISG beobachtet hat, steigen die Public-Cloud-Ausgaben immer schneller. Ein Grund: die höhere Anzahl an Cloud-Workloads, die in die Public Cloud migriert und dort betrieben werden. In Deutschland sind dies weiterhin CRM, Unified Communications sowie zunehmend Kern-ERP-Applikationen wie SAP.

Am meisten profitiert derzeit Microsoft im deutschen IaaS-Geschäft. Azure konnte um rund 60 Prozent zulegen.

„Microsoft macht derzeit viel an Boden gut, da es nicht nur seine Cloud-Infrastruktur vermarktet, sondern fertige Lösungen und Produkt-Bundles für bestimmte Anwendungsszenarien“

sagt Heiko Henkes, Director Advisor der ISG Information Services Group und Lead Advisor der Studie.

„Zudem investiert mittlerweile auch der deutsche Mittelstand, der Microsoft bereits von zahlreichen anderen Services und Produkten kennt, massiv in die Public Cloud.“

Microsofts Vorteile in Deutschland liegen zum einen im breiten Partnernetzwerk für kleine, mittlere und große Unternehmen – zum anderen im Zugpferd Office 365 und der gewünschten Integration von weiteren Services, die über Azure beziehbar oder entwickelbar sind.

Enge Umarmung

SAP und Microsoft wollen im Rahmen des Projekts „Embrace“ noch enger zusammenarbeiten, um die Cloud-Migration und -Adaption zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Ziel der erweiterten Cloud-Partnerschaft und der Kooperation mit den System­integratoren ist es, Unternehmen umfassende Pakete mit einheitlichen Referenzarchitekturen und Roadmaps sowie Best Practices zu bieten, die den Weg in die Cloud einfacher und schneller machen sollen.

Microsoft wird neben Azure auch Komponenten der SAP Cloud Platform (SCP) vertreiben, um Kunden den Umstieg von ERP/ECC 6.0 auf S/4 Hana in der Public Cloud zu erleichtern.

Dazu gehören zukünftige Roll-outs und die Migration bisheriger Kunden von Hana Enterprise Cloud (HCP), um die Hyperscaler-Infrastruktur zu nutzen. Der Wechsel von den On-pre­mises-Versionen von SAP ERP zum cloudbasierten S/4 wird über Bundles für bestimmte Branchen vereinfacht.

Über gemeinsam entwickelte Roadmaps mit Lösungen und Referenzarchitekturen, die von SAP, Microsoft und Partnern aus dem Umfeld der Systemintegratoren stammen, kommen Kunden in den Genuss eines harmonisierten Ansatzes für Produkte, Dienstleistungen und Best Practices.

Thorsten-Grass

90 Prozent der Fortune 500 nutzen Azure und SAP

Der Public-Cloud-Trend in Deutschland erfasst immer mehr auch Kernsysteme wie ERP. Das zeigt eine Investitionsumfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG von 2019. Die DSAG fragte unter anderem, welche Serviceprovider SAP-Anwender beim Cloud Computing bevorzugen.

Dabei wurde am häufigsten Azure genannt. Die Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen der SAP-Community im deutschsprachigen Raum setzen auf Azure für SAP Hana und auf weitere Azure-Angebote, die sich in SAP integrieren lassen.

Und mehr als 90 Prozent der Fortune 500 verwenden nunmehr Microsoft Azure und SAP. So ist Microsoft selbst SAP-Kunde und betreibt SAP auf der eigenen Azure-Plattform. Und SAP empfiehlt inzwischen Azure für die eigenen Anwendungen.

Die ISG-Studie zeigt zudem, dass deutsche Unternehmen bei der Auswahl von Cloud-Anbietern neben dem Rechenzentrumsstandort auf Managed Services, Partner-Support sowie Vertragsflexibilität Wert legen. Damit kommen IT-Dienstleister ins Spiel.

Von ihnen erwarten die Kunden für die Public-Cloud-Transformation ein breites Leistungsspektrum: von Readiness Checks bis hin zur technischen Implementierung. Als Partner von Microsoft sollten IT-Dienstleister die Vor- und Nachteile von Azure kennen und ihre Kunden entsprechend beraten.

Dieser Markt expandiert laut ISG-Studie derzeit in Deutschland schnell. Denn sowohl der Mittelstand als auch große Unternehmen investieren in Public-Cloud-Projekte und verlagern in großem Maßstab geschäftskritische Unternehmensanwendungen in die Public Cloud.

Managed Public Cloud Services werden mittlerweile auch von mittelständischen Unternehmen nachgefragt.

Dienstleister beschränken sich dabei keineswegs nur darauf, Azure als reinen Hardware-Ersatz oder als Hardware-Erweiterung (IaaS) in den Kundenunternehmen zu verwirklichen.

Stattdessen entwickeln sie durch eine Kombination aus eigenen Leistungen, SAP-Diensten und Microsoft-Azure-Services neue Prozesse im Rahmen des Plattform-Managements.

Im Scope der Vergleichsstudie von ISG standen daher die Leistungsfelder Architekturberatung, Anforderungsanalyse für die Applikationslandschaft, technisches Design mit Unterstützung bei der Konfiguration, Deployment, Eskalationsmanagement, Änderungs- und Störungsmanagement, Support, Optimierung sowie Reporting.

Hybrid mit Azure

Die Telekom bietet Managed Cloud Services für Microsoft Azure an. Damit bauen die beiden Unternehmen ihre im vergangenen Jahr geschlossene strategische Partnerschaft für Public Cloud Services weiter aus.

Das Angebot richtet sich sowohl an Azure-Einsteiger als auch an Bestandskunden. Kunden können beispielsweise über Filter nach Ressourcen, Arbeitsgruppen oder sogar den Gesamtverbrauch in ihrem Azure-Abonnement suchen.

Als Tier-1-Cloud-Solution-Partner bietet Telekom Deutschland sowohl Microsoft Azure Stack als auch Azure Public an. Dadurch lassen sich hochsichere Private-Cloud-Ressourcen flexibel um zusätzliche Kapazitäten der Azure-Public-Plattform erweitern.

Braucht ein Unternehmen eine Entwicklungsumgebung, mehr Rechenleistung für temporäre Datenanalysen oder muss es saisonale Lastspitzen ausgleichen, kann es Workloads in die Public Cloud auslagern.

So entsteht eine hybride Umgebung, die alle Anforderungen abdeckt – sowohl in Bezug auf agile Entwicklung, IoT- und Analytics-Lösungen als auch hinsichtlich strenger Compliance-Anforderungen – und das alles aus einer Hand.

Infrastruktur per Knopfdruck

Eine „SAP on Azure“-Umgebung braucht zudem meist eine private, dedizierte Netz­anbindung zu den Kundenstandorten oder WANs. Die Telekom realisiert diese Netzanbindung und bietet daher Ende-zu-Ende-Services rund um SAP auf Azure.

Wer eine komplette SAP-Umgebung, egal ob SAP Hana, S/4 Hana oder C/4, in der Cloud betreibt, kann die nötige Infrastruktur in Azure quasi per Knopfdruck aufsetzen.

Microsoft und Partner wie die Telekom schaffen die Automatisierung, die Unternehmen für die Migration ihrer SAP-Landschaft oder für das neue Aufsetzen einer SAP-Anwendung brauchen.

Sie bieten solche Dienstleistungen zusätzlich zu Hana-Transitionen oder dem SAP-Basisbetrieb an. Dafür nutzen sie den Azure Resource Manager (ARM) und Skripte, in denen eine komplette In­frastruktur-Lösungsbeschreibung enthalten ist.

Die Automatisierung sorgt dafür, dass Lösungen basierend auf Virtual Machines, Storage, Netzwerk, Gateways und Dritt­anbieterlösungen innerhalb von Minuten komplett aufgebaut werden.

Dies gilt auch für Dev/Test-, QA-, Sandbox- oder Trainingssysteme von SAP. Andere Lösungen werden durch Azure-Dienste wie Internet of Things, künstliche Intelligenz oder Machine Learning angeboten.

Wer SAP on Azure nutzt, kann solche Lösungen ausprobieren und, wenn benötigt, aufsetzen. All diese lassen sich am besten anwenden, wenn sich SAP-Daten in der Cloud befinden.

Auch mittelständische Unternehmen sind längst weltweit tätig und haben Tochterunternehmen im Ausland. Die Azure-Regionen in Deutschland und das weltweite Netzwerk ermöglichen es deutschen Firmen, ihre SAP-Anwender mit Standorten im Ausland zu bedienen und Latenzzeiten zu reduzieren.

Dafür hat Microsoft bisher 54 weltweite Azure-Regionen aufgebaut. Davon sind in 26 Hana-zertifizierte Systeme verfügbar. In Deutschland hat Microsoft zwei weitere Azure-Regionen eingerichtet, in denen SAP-Hana-Workloads laufen. Die Regionen sind durch ein globales Netzwerk miteinander verknüpft.

Azure bietet die leistungsfähigste und am besten skalierbare Infrastruktur aller Public-Cloud-Anbieter für Hana. So stellt Microsoft verschiedene Azure-VM-Typen sowie dedizierte Hana Large Instances zur Verfügung, ausgerichtet an den unterschiedlichen Use Cases für den SAP-Einsatz.

Microsoft hält dabei Referenzarchitekturen bereit, mit denen die Nutzer SLAs und Anforderungen bezüglich Hochverfügbarkeit sowie Disaster Recovery erfüllen können. Auch arbeiten Microsoft und SAP kontinuierlich daran, den SAP-on-Azure-Einsatz zu verbessern und weiter zu optimieren.

Eine Neuerung ist die Vereinfachung der Integration von Azure Active Directory und der SAP Cloud Platform (SCP). Sie ermöglicht einen noch sichereren und komfortableren Zugriff auf SAP-Dienste und -Anwendungen.

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Warum SAP und Azure?

  • Wer SAP-Workloads nach Azure migriert, erhält:
  • Größtes Compliance-Profil mit über 85 Angeboten, einschließlich Tools für Anforderungen aus der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).
  • Globale Unterstützung für SAP in über 50 Azure-Regionen.
  • Die Möglichkeit, die eigene SAP-Lizenz mitzubringen, Investitionsausgaben zu reduzieren und Kosten zu überwachen.
  • Erweiterten Schutz vor Bedrohungen und Single-Sign-On (SSO) mit Multi-Faktor-Authentifizierung.
  • Entwicklungs- und Testumgebungen auf einer skalierbaren, hochverfügbaren On-Demand-Infrastruktur.
  • Für SAP zertifizierte virtuelle On-Demand-Azure-Maschinen.

Referenz: SAP Hana auf Azure

Die Telekom hat für Züllig Pharma eine der weltweit größten SAP-Hana- Installationen auf Microsoft Azure aufgebaut. Als einer der größten Health­care-Service-Konzerne in Asien unterstützt Züllig Pharma Unternehmen und Dienstleistungen der Gesundheitsbranche in ganz Südostasien. Um die geforderte Reichweite, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit zu bekommen, brauchte das Unternehmen eine neue digitale Infrastruktur. Es entschied sich für eine Migration zu SAP Hana und gleichzeitig den Umstieg auf eine Public Cloud.

Ab Januar 2018 bereitete das Team von Telekom die Migration der Infrastruktur auf Microsoft Azure im Detail vor. Der Umfang der Migration war sehr groß. Ein Ziel war die höchstmögliche Verfügbarkeit bei einer Kapazität von einer Million SAPS. Die Dimension: Im Vertrieb von Züllig Pharma entsprechen 2000 vollständig bearbeitete Auftragspositionen pro Stunde gerade einmal 100 SAPS. Die enorme Kapazität machte es erforderlich, die Rechenzentren mit besonders leistungsfähigen Cloud-Komponenten zu konfigurieren. Zumal die Anwender Informationen auf Knopfdruck erhalten sollten. Um schneller auf große Datenmengen zugreifen zu können – mit Hana über einen 40 Terabyte großen In-memory –, kamen die damals größten von Microsoft angebotenen virtuellen Maschinen zum Einsatz.

Mit dem neuen SAP-System kann Züllig Pharma nun die schnellere Datenbank nutzen, um Rohdaten für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz oder Machine to Machine umzuwandeln. Nach Abschluss des Migrationsprozesses erhielt Züllig Pharma Zugang zur SAP Business Suite auf Hana (SoH), einschließlich der sofortigen Modernisierung mehrerer Anwendungen. Mit Azure haben die Kunden heute den Zugang zu diesen Daten in Echtzeit. Um dorthin zu gelangen und unter anderem die bestehenden Systeme aus einem SAP-ERP-System zu verlagern, musste die Telekom alle möglichen Störungen ausschalten, die bei einem solchen Kraftakt auftreten können. Nach neunmonatiger Projektvorbereitung konnten Telekom und Züllig Pharma die Produktionsumstellung an nur zwei Wochenenden im Oktober 2018 abschließen.

Embrace: Kosten ganzheitlich senken

Was bringt eine „SAP on Azure“-Lösung von Microsoft als Alternative zu Hosting-Szenarien? Neben einem Zuwachs an Agilität lassen sich die Kosten für den Betrieb von SAP um 40 bis 75 Prozent senken, sagt Microsoft. Dazu trägt unter anderem bei, dass sich in der Public Cloud die Virtual Machines ausschalten, wenn sie nicht gebraucht werden. Dies spart bares Geld, da die VMs minutengenau berechnet werden. Forrester Consulting hat mit der Studie „The Total Economic Impact Of Microsoft Azure For SAP“ untersucht, wie sich Azure wirtschaftlich auf den Betrieb von SAP auswirkt und wie der potenzielle ROI aussieht. Für die qualitative Studie haben die Analysten vier Unternehmen befragt, die SAP heute auf Azure hosten. Vor der Verwendung von Microsoft ­Azure für SAP haben die befragten Unternehmen eine große, kostspielige firmeninterne Hardware-Infrastruktur zur Unterstützung von SAP gehostet. Die Infrastruktur benötigt zudem erhebliche Unterstützung und Wartung durch IT-Personal. Neue und iterative SAP-Releases wurden oft verspätet eingeführt, da die Testmöglichkeiten durch Kapazitätsengpässe bei der Hardware begrenzt waren. Nach der Migration ihrer SAP-Anwendungen auf Microsoft Azure konnten die Unternehmen ihre SAP-bezogene Infrastruktur schneller hochfahren und die Auswirkungen von Verzögerungen bei SAP-Releases auf das Geschäft verringern. Die Unternehmen realisierten auch signifikante Investitionseinsparungen durch den Wegfall von Hardware, Software und Rechenzentrumsinfrastruktur. Die Befragten gaben zudem an, dass durch die Migration ihrer SAP-Anwendungen auf Microsoft Azure in erheblichem Maße Kosten reduziert wurden, weil alte Hardware und Software-Tools stillgelegt werden konnten. Eine Führungskraft gab an, als Ziel Einsparungen von 20 Prozent der Betriebskosten für die Infrastruktur zum Hosting und zur Bereitstellung der SAP-Umgebung geplant zu haben. Dieses Ziel sei übertroffen worden.

Über den Autor

Thorsten Graß, Telekom Deutschland

Thorsten Graß ist im Cloud-Partnervertrieb der Telekom Deutschland für Microsoft verantwortlich.

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