Coverstory 20-10 MAG 20-10

Automatisierte Migration

[shutterstock.com: 1501235957, Gorodenkoff]
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Geschrieben von Wolfgang Platz, Tricentis

SAP-Migrationsprojekte stehen im Ruf, komplexe und langwierige Vorhaben mit ungeplant ausufernden Kosten zu werden. Diese Migrationsprojekte erfordern umfassende Softwaretests, die häufig manuell durchgeführt werden und wertvolle Mitarbeiter binden.

Moderne Ansätze in der Softwareentwicklung wie Agile Development und DevOps verschärfen die Situation: Die verkürzten Releasezyklen lassen einen umfassenden manuellen Test nicht mehr zu. Damit SAP-Projekte zum Erfolg werden und Anwender den vollen Nutzen ihrer Systeme ausschöpfen können, braucht es Testverfahren mit einem hohen Grad an Automatisierung. Tricentis bietet eine umfassende Plattform an, die SAP ihren Kunden als offizielle Lösung empfiehlt.

Digitale S/4-Hana-DNA gefordert

Da SAP weitreichend die Prozesse eines Unternehmens durchdringt, kann die Einführung der neuesten SAP-Version schnell die gesamte digitale DNA des Unternehmens beeinflussen. Dabei steht viel auf dem Spiel – denn ein großer Teil der geschäftskritischen Anwendungen hängt von SAP ab. Eine vorschnelle Umsetzung kann ohne die nötigen Vorbereitungen und Planungen tatsächlich ein Risiko darstellen.

Das gilt insbesondere für die Einführung von SAP S/4. Idealerweise unterstützt die Migration zu S/4 Unternehmen dabei, ihr Geschäft weiterzuentwickeln und zu skalieren. Zudem hilft die Anwendung, sich an die fortschreitende Digitalisierung und die sich ständig weiterentwickelnden Marktbedingungen anzupassen sowie proaktiv Innovationen voranzutreiben und neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen.

In der unabhängigen SAP-Anwendergruppe DSAG bestätigen SAP-Bestandskunden, dass die Einführung von S/4 einige positive Effekte mit sich bringt. Der am häufigsten genannte ist dabei die Optimierung von Geschäftsprozessen – das geben 63 Prozent der Befragten an.

Als zweiten Vorteil nennen 48 Prozent bessere Voraussetzungen für schnellere Innovation in ihrem Unternehmen. 46 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass die S/4-Migration die Geschwindigkeit sowie die Leistung ihrer Systeme verbessert, und 44 Prozent können unter den Hauptvorteilen die eingetretene gesteigerte Effizienz benennen.

Risiken bei der S/4-Migration

So vielversprechend diese Aussichten sind – mit den Vorteilen kommt jedoch auch das Risiko. Denn der weitreichende Einflussbereich von S/4 Hana bedeutet auch, dass die Anwendung einen großen Teil des Geschäftsrisikos birgt. Da die Erweiterung durch S/4 einen noch größeren Teil des Unternehmens betrifft, werden viele zugrunde liegende Geschäftsprozesse fundamental verändert und für die „neue Welt“ umstrukturiert.

Anpassungen und Integrationen müssen neu evaluiert werden. Viele werden durch die Standardfunktionen von S/4 dupliziert (und sollten ausgemustert werden), aber alle erfordern eine Überprüfung und einige eine Neuimplementierung. Anwender müssen das neue Datenmodell – Kernstück von S/4-Versprechen von Schnelligkeit und Agilität – übernehmen und Daten aus verschiedenen Quellen in (oder zumindest in Richtung) SAP Hana leiten.

Die meisten Unternehmen nutzen diese Migration auch als Gelegenheit, SAP-Arbeitslasten in die Cloud zu verlagern. Das bietet nicht nur eine beispiellose Skalierbarkeit und Flexibilität, sondern öffnet auch die Tür zu einer viel schnelleren Aktualisierungskadenz. Natürlich führt es aber auch zu Bedenken darüber, wie cloudbasierte Anwendungen unter Spitzenbedingungen funktionieren werden.

Nicht ohne Risikomanagement

Ein effektives Risikomanagement ist der Schlüssel zur Erschließung neuer Möglichkeiten, aber mit S/4 ist das eine erwiesene Herausforderung. Ganze 70 Prozent der migrierenden SAP-Anwender berichteten kürzlich, dass ihre traditionellen Testverfahren keinen ausreichenden Einblick in die mit der Umstellung verbundenen Risiken bieten. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass nur etwa die Hälfte der SAP-Bestandskunden den Wechsel zu S/4 Hana bereits begonnen oder abgeschlossen hat (59 Prozent im EMEA-Raum).

Diese Planungen bestätigen, was in Deutschland an vielen Stellen von CEOs und CIOs diskutiert wird: Die Furcht vor dem Unbekannten veranlasst Unternehmen dazu, eine Initiative aufzuschieben, obwohl sie sich zu 100 Prozent sicher sind, dass dies ihre digitale Transformation vorantreiben würde.
Neuer Testansatz für S/4

Diese Unsicherheit ist jedoch unnötig, berücksichtigt das Unternehmen die nötigen Planungen und kombiniert diese mit einem neuen Testansatz. Denn die S/4-Migration aufzuschieben bedeutet auch, die Gelegenheit zur Steigerung von Agilität, Geschwindigkeit und Innovation aufzuschieben – drei Dinge, die heute mehr denn je gefragt sind, möchte das Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben.

Anwender können die meisten Risiken eliminieren, indem sie bekannte Fallstricke während der Migration im Auge behalten und sicherstellen, dass sie sofort alarmiert werden, wenn es zu Abweichungen oder Fehlern kommt.

Damit ein SAP-S/4-Migrationsprojekt termin- und budgetgerecht durchgeführt werden kann, benötigt man daher eine schnelle Rückmeldung darüber, ob die einzelnen Änderungen zum gewünschten Ergebnis führen – und das, ohne dabei unklare Nebeneffekte zu erzeugen, die Unternehmen zum Stillstand bringen können.

Bekannte Hürden vermeiden

Es gibt einige gängige versteckte Hürden, auf die man achten sollte, wenn der S/4-Migrationspfad eingeschlagen wird.

Daten: Die Lösung von Datenproblemen ist die größte Herausforderung für die S/4-Migration – insbesondere angesichts von Schlüsselfragen wie der Umstellung der Stammdaten vom bestehenden Kundenstammmodell auf den S/4-Geschäftspartneransatz. Vor der Umstellung auf S/4 Hana benötigt man einen sauberen Datensatz.

Umfang: Es ist wichtig, die kritischen Geschäftsprozessanforderungen zu verstehen und dann den Umfang der S/4-Migration auf diese zu beschränken. Gleichzeitig sollte man sich aber auch über die obligatorischen Änderungen im Klaren sein, die SAP S/4 Hana auferlegt.

Funktionen: Die Migration sollte die spezifischen Bereiche in S/4 berücksichtigen, in denen Funktionen entweder verschoben oder eliminiert oder durch neue Funktionen ersetzt wurden.

Code: Da viele SAP-Bestandskunden inzwischen über beträchtliche kundenspezifische Codes verfügen (Abap-Modifikation im Z-Namensraum), müssen bei jeder Migration Überarbeitungen bewährter Codierungspraktiken sowie etwaige Einschränkungen hinsichtlich der Möglichkeiten, die sie mit ihrem Code haben, berücksichtigt werden.

Benutzeroberfläche, Aktualisierung und Infrastruktur: Trotz der Begeisterung der Benutzer für Fiori-Anwendungen ist es wichtig, eine Überlastung der anfänglichen Migration zu vermeiden. Anwender müssen sich auch der Herausforderungen der häufigen S/4- und Hana-Updates (vierteljährlich in der Cloud inklusive PUTs und PLs) bewusst sein sowie der zahlreichen Aspekte der Cloud-Skalierbarkeit, Leistung und reduzierten Gesamtgröße der Infrastruktur.

Im Krisenfall alarmieren

Um Fehler zu stoppen, bevor sie zu Problemen werden, ist es unerlässlich, alte manuelle Testmethoden weiterzuentwickeln, das bedeutet das Abbestellen von Geschäftsanwendern für mühsame, zeitraubende Testaufgaben. Mit modernen (hochautomatisierten) Testansätzen sind die Risiken der Migration überschaubar und es ist durchaus möglich, eine Null-Fehler-Migration durchzuführen.

Das Testen wird zwar oft als notwendiges Übel empfunden, das den Migrationsprozess verlangsamt. Dennoch haben zahlreiche Unternehmen festgestellt, dass die Modernisierung von Testverfahren spürbare Vorteile bringt: Denn damit wird die S/4-Migration um das 10-Fache beschleunigt und eine Risikominderung von über 90 Prozent bei gleichzeitiger Kostensenkung um 50 Prozent ermöglicht.
Migration mit Testautomatisierung

Ein Beispiel ist Vodafone, eines der weltweit führenden Telekommunikationsunternehmen mit 625 Millionen Kunden und einer Marktkapitalisierung von 42 Milliarden Dollar. Vodafone hat sich bereits 2017 für die Einführung von S/4 Hana entschieden. Ziel war es, die Prozessautomatisierung und -standardisierung zu erhöhen, den Prozess des Monatsabschlusses zu beschleunigen, die Kundenerfahrung zu verbessern sowie den internen Mitarbeitern Daten- und Analysefunktionen in Echtzeit zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen der Migration wurde eine einzige SAP -ERP/ECC-6.0-Instanz (Business Suite 7) in einem zweistufigen Prozess über mehr als 100 juristische Einheiten, die über 22 Bezirke verteilt sind, transformiert. Der erste Schritt war die Umstellung der Datenbank von Oracle auf SAP Hana.

Der zweite Schritt beinhaltete die Neuimplementierung der SAP-ECC-Anwendungsschicht in Fiori. Alles in allem wurde daraus eine der fünf größten S/4-Hana-Implementierungen der Welt. Nachdem es in den ersten acht Monaten des Projekts rein um Hardware-Austauscharbeiten ging, konnte Vodafone das gesamte Projekt in achtzehn Monaten abschließen.

Solch ein Erfolg fußt auf einer Kombination mehrerer Faktoren: von einer klaren Vision über eine effektive Führung sowie ein effektives Änderungsmanagement bis hin zu einer engen Zusammenarbeit mit einem kompetenten Partner. In einem Punkt jedoch unterscheidet sich Vodafone klar von seinem eher zögerlichen Wettbewerberumfeld.

Das Unternehmen hat die Herausforderung des Projekts und das damit zusammenhängende Risiko frontal in Angriff genommen. Vodafone hat sich verpflichtet, nicht nur die SAP-Landschaft, sondern auch das Testen zu modernisieren. Dazu verwendete das Unternehmen die Continuous-Testing-Plattform von Tricentis. Durch die Implementierung eines branchenführenden Qualitätsprozesses profitiert Vodafone mehrfach:

Das Unternehmen kann sich für das Testen auf die risikoreichsten Bereiche konzentrieren, die Testautomatisierung schnell definieren sowie skalieren und ein „Sicherheitsnetz“ für Continuous Testing aufbauen, das bei der Einführung Risiken birgt. Als Ergebnis hat das Telekommunikationsunternehmen das ultimative Gleichgewicht zwischen Innovation, Geschwindigkeit und Risiko erreicht.

Vodafone ist von zwei massiven Veröffentlichungen pro Jahr auf mehrere Implementierungen pro Monat umgestiegen, wodurch das Unternehmen in der Lage ist, entscheidend schneller geschäftlichen Nutzen zu liefern.

Im Gegensatz zu anderen automatisierten Testlösungen kann der SAP-Bestandskunde mit Tricentis seine SAP-Tests automatisieren, ohne auf eine stabile SAP-Umgebung warten zu müssen. Tricentis verwendet eine modellbasierte Testautomatisierung, die für den Einsatz in einer sich rasch ändernden Software-
umgebung ausgelegt ist. Wo auch immer sich der SAP-Bestandskunde befindet, er kann schon jetzt von der Automatisierung und deren Vorteilen profitieren.

Fazit

Mit Testautomatisierung zur reibungslosen S/4-Hana-Migration: Wenn Anwender die Migration auf S/4 planen, sollten sie unbedingt die Testautomatisierung mitbedenken und modernisieren. Denn daraus ergeben sich entscheidende Vorteile: Man minimiert Ausfallzeiten, das Release-Tempo zieht deutlich an und es steigert sich die Time to value der SAP-Initiativen. Automatisierung schont dabei das Budget sowie Mitarbeiterressourcen.
Viele SAP-Bestandskunden verlassen sich jedoch auf manuelle Tests, die einen hohen Aufwand erfordern (oft seitens der Key-Business-User), im Gegenzug jedoch nur eine geringe Risikoprävention bieten. Dieser überholte Prozess bremst Innovationen aus und erhöht die Projektkosten, während das Unternehmen gleichzeitig anfällig für Ausfallzeiten wird. Es gibt keine Gründe mehr, auf veraltete Testverfahren zu setzen – denn die passenden Werkzeuge stehen für SAP-Anwender schon bereit. Die passende Technologie liefert dabei Tricentis mit einer umfassenden Plattform, die Branchenstandards setzt. Dieses Faktum bestätigen unter anderem die Analysten von Gartner und wählen Tricentis zum Leader im Bereich Testautomatisierung. Die Qualität der Lösung unterschreibt auch SAP selbst und empfiehlt Tricentis ihren Kunden als offizielle Testlösung.

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Über den Autor

Wolfgang Platz, Tricentis

Wolfgang Platz, Tricentis-Gründer und Chief Strategy Officer.

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