MAG 21-06 Management

Augen auf bei der Lieferantenwahl

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Nachhaltiges Wirtschaften beginnt im Einkauf. Wer künftig im Wettbewerb bestehen will, muss sich bereits bei der Lieferantenauswahl an ökologischen und sozialen Aspekten orientieren. Digitale Werkzeuge helfen dabei.

Am Thema Nachhaltigkeit kommt kein Unternehmen mehr vorbei. Von gesetzlicher Seite aus wächst der Druck, Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange zu berücksichtigen, die Menschenrechte zu achten und die Korruptionsbekämpfung zu unterstützen.

Beispiele dafür sind die CSR-Richtlinie (Corporate Social Responsibility) der EU, die von den großen kapitalmarktorientierten Unternehmen regelmäßige Nachhaltigkeits-berichte einfordert, sowie der European Green Deal, der die Unternehmen in der EU bis 2050 zu klimaneutralem Wirtschaften verpflichtet.

Hinzu kommt, dass sich das Nachhaltigkeitsengagement für die Unternehmen selbst in barer Münze auszahlt. Zahlreiche Studien belegen, dass damit die Innovationskraft und Produktivität gesteigert sowie Wettbewerbsvorteile generiert werden können. Bei den Verbrauchern gilt schon längst nicht mehr nur „Hauptsache, günstig!“ – das zeigt sich nun ähnlich in der B2B-Welt, also den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen. Längst fließt die Nachhaltigkeit auch als Indikator in die Bewertung der Finanzmärkte ein.

Mit zahlreichen Schnittstellen zu internen und externen Partnern ist der Einkauf ein zentraler Schlüssel für die nachhaltige Gestaltung der Lieferkette. Damit er dieser Rolle gerecht werden kann, muss er von seinen Lieferanten die Einhaltung definierter Standards für Umweltschutz, Geschäftsethik, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte verlangen.

Bereits 2014 haben dies vierzehn der weltweit größten Automobilkonzerne erkannt und ihre Zulieferer auf eine Charta für mehr Nachhaltigkeit verpflichtet. Durch die zunehmende Klima-erwärmung und die sich häufenden Wirtschaftsskandale hat sich das Problem seither zugespitzt. Dennoch haben es viele Unternehmen bis heute versäumt, eine klar definierte Nachhaltigkeitsstrategie in ihr Warengruppen-, Sourcing- und Lieferantenmanagement zu integrieren. 

Einkauf als zentraler Schlüssel

Dies liegt vor allem daran, dass das Thema äußerst komplex ist und bei den Einkäufern noch viele Unsicherheiten erzeugt. Daher sollte das Top-Management schleunigst die Initiative ergreifen und eine klare Orientierung bieten: Es gilt, eine übergeordnete CSR-Strategie zu entwickeln, die den individuellen Nachhaltigkeitsrisiken eines Unternehmens Rechnung trägt.

Damit erhält auch der Einkauf eine Basis, um verbindliche ökologische und soziale Anforderungen an die Zulieferer zu formulieren und durch verfügbare Industriestandards und Vorschriften zu untermauern. Gerade im Bereich strategischer Produkte und Lieferanten sollten die definierten Anforderungskriterien als Auswahlmaßstab für jede Einkaufsentscheidung herangezogen werden.

Tools durchforsten das Internet

Doch wie können die einkaufenden Unternehmen sichergehen, dass die Lieferanten tatsächlich so nachhaltig wirtschaften, wie es ihren CSR-Anforderungen entspricht? Einen innovativen Lösungsansatz bieten Plattformen, die ein 24/7-Monitoring der Zulieferer in Echtzeit ermöglichen.

Diese Tools schöpfen täglich aus Millionen von Informationsquellen weltweit und werten dabei Milliarden an Nachrichten aus, die über einen Lieferanten im Internet zugänglich sind: von Social Media und Influencer-Blogs über Nachrichtenmagazine bis hin zu Verlautbarungen von internationalen Behörden, NGOs, Experten und eigenen Mitarbeitern. Treten dabei Unregelmäßigkeiten oder Reputationsrisiken zutage, werden die Unternehmen automatisch informiert und können sich direkt nach alternativen Lieferanten umschauen: Inte-grierte KI-Funktionen helfen bei der Suche nach Alternativen. 

Um den Einkäufern noch mehr Transparenz zu ermöglichen, setzen viele Plattform-Anbieter zusätzlich Fragebögen zur Selbstauskunft der Lieferanten ein. Gleichzeitig werden deren Nachhaltigkeitszerti-fikate in einer Datenbank gesammelt. Andere Anbieter erstellen Ratings mit Kennzahlen zu den CSR-Leistungen der Zulieferer, die bei der Identifizierung und Umsetzung von Verbesserungspotenzialen helfen.

CO2-Fußabdruck im Visier

Wir unterstützen Unternehmen jeder Größe und aller Branchen dabei, die CO2-Emissionen ihrer betrieblichen Abläufe und ihrer Lieferketten bis hinab auf die Ebene einzelner Produkte zu ermitteln, indem wir die entsprechenden Funktionen in unsere zentralen Unternehmenssoftwaresysteme integrieren“, erläuterte SAP-Chef Christian Klein Ende April dieses Jahres.

Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit dem World Business Council for Sustainable Development und anderen Vordenkern werden wir gemeinsam nach neuen Möglichkeiten suchen, wie Unternehmen Daten zum ökologischen Fußabdruck ihrer Produkte erfassen und ihren Kunden und Verbrauchern zur Verfügung stellen können. Damit profitieren sie von echten Wettbewerbsvorteilen und leisten zugleich einen Beitrag zur weltweiten Dekarbonisierung.“ Einer davon ist ClimatePartner, Lösungsanbieter für den Klimaschutz in Unternehmen.

ClimatePartner konzentriert sich auf die klimarelevanten Aspekte von CO2-Emissionen und unterstützt Einkaufsorganisationen bei der Auswahl klimaneutraler Lieferanten und Produkte. Dafür arbeitet das Beratungshaus direkt mit den Zulieferfirmen zusammen und hilft ihnen im Rahmen eines Labeling-Verfahrens, ihre CO2-Emissionen zu berechnen und zu reduzieren, etwa durch Recycling, weniger Materialverbrauch oder Nutzung von Ökostrom. Unvermeidbare Emissionen werden über anerkannte Klimaschutzprojekte kompensiert. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Lieferanten das ClimatePartner-Label „Klimaneutrales Produkt“ und eine eindeutige ID zur Nachverfolgung. 

Einkaufenden Unternehmen bietet dieses Labeling-System den Vorteil, dass sie klimaneutrale Produkte in ihren Beschaffungskatalog aufnehmen und dem operativen Einkauf tagesaktuell zur Verfügung stellen können. Sie brauchen keine eigenen Recherchen zu betreiben und haben doch vollständige Transparenz über die CO2-Emissionen der eingekauften Waren.

Darüber hinaus können die Einkäufer Klimaschutzprojekte auswählen und ihre Zulieferer auffordern, die Klimaneutralität in die Produkte einzupreisen. Damit ist es möglich, von diesen Lieferanten klimaneutrale Waren einzukaufen.

Unternehmen mit dem Ziel der Ressourcenschonung durch Abfallvermeidung können die Geschäftsprozesse hinsichtlich ökologischer Aspekte durchleuchten. So kann zum Beispiel ein Indikator für den CO2-Ausstoß festgelegt werden, der sich dann auf dem Weg zum umweltbewussteren Unternehmen als Vergleichswert heranziehen lässt. „Die Welt verändert sich“, sagt Stefan Luckert, Leiter des Bereichs Services Sustainability Solutions bei SAP. „Wir möchten ganzheitliche Lösungen anbieten, die Firmen auf allen Etappen hin zu nachhaltiger Unternehmensführung unterstützen.

Integration in SAP-basierten Einkauf

Mit diesem Fokus auf dem Produc–t Carbon Footprint empfahl sich ClimatePartner als idealer Partner für Apsolut, Spezialist für die SAP-basierte Beschaffung sowie zertifizierter SAP- und Ariba-Partner. So waren die Apsolut-Beratungsteams in den vergangenen Jahren verstärkt gefordert, SAP-basierte Einkaufsorganisationen bei der Umsetzung von „Green Procurement“ und „Sustainable Procurement“ zu unterstützen.

Da sich diese Aufgabe mit den herkömmlichen SAP- und Ariba-Einkaufssystemen aktuell noch nicht lösen lässt, vergrößerte Apsolut das vorhandene Ökosystem Schritt für Schritt um spezialisierte CSR-Lösungsanbieter. So kann die SAP-Systemwelt um zahlreiche innovative Tools wie die oben beschriebenen erweitert werden, um die Nachhaltigkeitsbemühungen der Lieferanten zu überwachen, zu überprüfen und zu verbessern.

Ein Beispiel ist das Katalogmanagement mit SAP Ariba. Werden bei der Erstellung von Produktkatalogen Informationsattribute wie der Product Carbon Footprint und die Klimaneutralität im System hinterlegt, erhält der Einkauf Klarheit über das ökologische Engagement eines Lieferanten. 

Dabei zahlt es sich aus, dass langjähriges SAP- und Ariba-Know-how mit Prozess- und Industriekompetenzen kombiniert werden. Damit ist in jedem Kundenprojekt gewährleistet, dass genau diejenigen Tools in die SAP-Systemumgebung eingebunden werden, mit denen sich die Nachhaltigkeitsanforderungen einer Einkaufsorganisation individuell erfüllen lassen. Die Kunden wiederum profitieren von einem Lösungspaket aus einer Hand, das einfach zu handhaben ist und große Sicherheit bietet.

Thema muss Chefsache werden

Obwohl der Einsatz von Monitoring- und Rating-Tools ein wichtiger Schritt zu einem nachhaltigen Einkauf ist, müssen die Unternehmen zusätzlich strukturelle Weichen stellen. So sollte das Lieferantenmanagement zur Chefsache gemacht und in einer eigenen Organisation abgebildet werden, die direkt an das C-Level berichtet.

Denn nur durch eine Abgrenzung zur klassischen Einkaufsabteilung ist gewährleistet, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht durch die üblichen Kostenargumente ausgebremst wird. Wo es um Umweltschutz, Arbeitsethik und Menschenrechte geht, kann nicht mehr länger nur der Preis maßgeblich für eine Einkaufsentscheidung sein. 

Zudem können mit einem separat aufgestellten Lieferantenmanagement die Ressourcen wirksamer gebündelt und eingesetzt werden, die für die Auswahl und Betreuung nachhaltiger Lieferanten erforderlich sind. Dazu zählt, dass sich die Lieferantenmanager regelmäßig auch vor Ort über das Nachhaltigkeitsengagement einer Zulieferfirma informieren: Wie gestalten sich die Arbeitsbedingungen in der Produktion, werden die Umweltschutzbestimmungen eingehalten? Für den Fall, dass reale Besichtigungen einmal nicht möglich sind, sollte das Recht auf virtuelle Werksrundgänge unbedingt in die Lieferantenverträge aufgenommen werden.

Über den Autor

Ferhat Eryurt Apsolut

Partner bei Apsolut

Über den Autor

Moritz Lehmkuhl ClimatePartner

Managing Director bei ClimatePartner

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