MAG 1602 Szene

Aufwändige BI-Projekte sind künftig passé

2016
Geschrieben von E-3 Magazin

Business Intelligence ist nach wie vor einer der schnelllebigsten Wirtschaftsbereiche. E-3 sprach mit Henrik Jörgensen, Country Manager Tableau, über aktuelle Trends. Der BI- und Visualisierungs-Anbieter will mit einfach zu bedienenden Self-Service-BI-Tools auch den deutschsprachigen Markt umkrempeln.

Wie bewerten Sie die derzeitigen Entwicklungen im BI-Markt?

Henrik Jörgensen: Die Entwicklungen im BI-Markt gehen aus unserer Sicht in die richtige Richtung: Unternehmen zeigen immer mehr Interesse daran, sowohl Big als auch Small Data auszuwerten.

Ein ganz großer Trend, den ich dabei sehe: BI-Lösungen aus der Cloud werden weiter an Bedeutung gewinnen. Sie bieten Unternehmen eine unkomplizierte und schnelle Möglichkeit, Daten auszuwerten.

Ein weiterer, wichtiger Trend ist natürlich Self-Service: Die Mitarbeiter in Unternehmen wollen geradezu ein Tool in der Hand haben, mit dem sie die Daten, mit denen sie täglich zu tun haben, selbst auswerten können. Der dritte Trend: mobile BI-Lösungen. An Bedeutung gewinnt zudem das interaktive Dashboarding – also die Möglichkeit, mit Daten Storytelling zu betreiben.

Wie positioniert sich Tableau als Unternehmen im deutschsprachigen Raum?

Jörgensen: Deutschland ist ein Kernmarkt für Tableau. Wir haben 2013 unser DACH-Headquarter in Frankfurt eröffnet und es seitdem kontinuierlich ausgebaut. Zusammen mit unserem großen Partner-Netzwerk sind wir in DACH auch regional stark vertreten und können alle Kundenwünsche umfassend und prompt erfüllen.

Unsere Vision und damit auch unsere Positionierung ist, auch im deutschsprachigen Raum den BI-Markt umzukrempeln – mit einfach zu bedienenden Self-Service-BI-Tools, mit denen praktisch jeder Mitarbeiter zum Datenanalysten wird, ohne Vorkenntnisse und ohne Programmieraufwand. Aufwändige BI-Projekte sind künftig passé.

Was ist Ihre Strategie für die deutschsprachige SAP-Community?

Jörgensen: Auch hier gilt: Wir wollen die Auswertung der Daten und die Vermittlung der Informationen möglichst einfach machen. In den SAP-Systemen der Unternehmen schlummert eine riesige Menge an Daten, auf die Tableau über zertifizierte Konnektoren zugreifen kann.

Neben Zertifizierungen für Hana und SAP Business Warehouse (BW) bieten wir deshalb Sin­gle-Sign-On und eine Unterstützung der Pflichtvariablen für Hana an. Dadurch hat die SAP-Community die Möglichkeit, mit Tableau ihre SAP- und Non-SAP-Daten ohne Aufwand zu analysieren und zu visualisieren. Das ist, was wir der Community anbieten: ein einfach zu bedienendes Werkzeug.

Die Unterstützung für SAP-Variablen und einen Single-Sign-On für Hana ist seit Version 9.1 ein fester Bestandteil von Tableau. Können Sie uns die neuen Funktionen kurz erläutern?

Jörgensen: Mit der Version 9.1 lassen sich Variablen in Hana und SAP BW direkt abfragen, wenn eine Arbeitsmappe geöffnet wird. Tableau Desktop und Server Tableau verfügen dafür über einen dedizierten Menüpunkt.

Wenn Hana für Single-Sign-On konfiguriert ist, kann der User nach dem Login am Hana Server mit Tableau auf die Daten zugreifen sowie Datenquellen und Arbeitsbücher auf dem Tableau Server veröffentlichen – ohne sich erneut mit Username und Password anmelden zu müssen.

Wie sieht das Zusammenspiel mit der SAP Predictive Analysis Library (PAL) aus?

Jörgensen: Wir haben zurzeit keine direkte Integration mit PAL, können die Ergebnisse der PAL-Analysen aber über CSV- und Datenbankmodelle in Tableau einlesen und dort visualisieren.

Hana verspricht Realtime-Analysen von Echtdaten ohne Umweg über Aggregate. Lässt sich dieser Performancegewinn auch mit Tableau nutzen?

Jörgensen: Auf jeden Fall. Tableau ist immer so schnell wie die darunter liegende Datenbank. Die Performancevorteile von Hana werden also in vollem Umfang an Tableau weitergegeben.

Wie beurteilen Sie Ihr Verhältnis zu SAP?

Jörgensen: Die SAP ist ein wichtiger Technologiepartner für Tableau. Und die Zusammenarbeit trägt ganz konkrete Früchte. So ist beispielsweise die Zertifizierung unserer Konnektoren für Hana und SAP BW ein Beleg dafür, dass sich unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung auszahlen und dass dies von SAP auch so gesehen wird.

Ist die indirekte Nutzung von SAP-Lizenzen ein Thema, das von Ihren Kunden bei Implementierungen angesprochen wird?

Jörgensen: SAP-Lizenzfragen sind ein Thema für die SAP und ihre Kunden. Wir haben keine Kenntnisse über die individuelle Ausgestaltung der SAP-Lizenzverträge. Daher raten wir unseren Kunden, sich mit damit verbundenen Fragen an ihre Ansprechpartner bei SAP zu wenden.

Viele Unternehmen tun sich jedoch bislang schwer mit den kulturellen Veränderungen, die Business Intelligence und Business Analytics nach sich ziehen. Legen die Entscheidungsträger mittlerweile eine größere Bereitschaft für diesen Wandel an den Tag?

Jörgensen: Wie eingangs erwähnt: Die Entwicklung des Marktes geht in die richtige Richtung. Die Themen Analytics und vor allem Self Service BI werden in den Unternehmen diskutiert.

Vor allem in Abteilungen wie Marketing, Sales, Con­trolling sehen wir die Bereitschaft, die Vorzüge von BI zu nutzen. Gleichzeitig merken wir aber natürlich auch, dass Deutschland insgesamt vom Ideal des datengetriebenen Unternehmens noch weit entfernt ist.

Das liegt unter anderem daran, dass Daten häufig als Nebenprodukt von Applikationen und nicht als eigenständiges Asset verstanden werden. Interessant ist: Hat sich ein Unternehmen entschlossen, mit unserer Software zu arbeiten, wollen sie es nicht mehr missen.

Viele unserer Kunden starten mit einer einzigen Lizenz. Nach den ersten Projekterfolgen kaufen sie dann weitere Lizenzen hinzu.

Deutsche Anwender gelten als besonders kritisch, was Datenschutz und Security betrifft. Wie gehen Sie damit um?

Jörgensen: Datenschutz und -sicherheit hat für uns natürliche höchste Priorität. Zunächst: Unternehmen, die ihre Daten mit Tableau analysieren, greifen auf Material zu, das im Rahmen ihrer geschäftlichen Tätigkeit anfällt und auch schon immer angefallen ist.

Unsere Software sammelt also keine Daten – sie kommt ausschließlich für die Analyse vorhandener Daten zum Einsatz. Das bedeutet aber natürlich, dass wir alle gängigen Datenschutz- und IT-Sicherheitsmaßnahmen unterstützen.

Der Kunde hat immer die Möglichkeit zu entscheiden, ob er Tableau on premise oder on demand betreiben will – und ab Anfang 2016 steht Kunden unser Rechenzentrum in Europa zur Verfügung.

Welche Datenquellen lassen sich mit Tableau verknüpfen?

Jörgensen: Tableau unterstützt mehr als 40 Datenquellen – von Amazon Redshift über Google Analytics, BigQuery, Cloud SQL, HP Vertica und IBM Insights, DB2, Netezza bis hin zu Microsoft Office, SQL Server, Azure sowie My SQL, Oracle-Datenbanken und Teradata und Salesforce.com. Und natürlich SAP Hana, BW, Sybase.

Inwieweit gewinnt das Thema Stammdatenmanagement dabei an Bedeutung?

Jörgensen: Eine saubere Verwaltung der Stammdaten war schon immer wichtig, denn die relativ statischen Grunddaten, die im betrieblichen Kontext genutzt werden, stellen für Unternehmen einen hohen immateriellen Wert dar.

Sie müssen daher dafür sorgen, dass ihre Stammdaten immer konsistent, vollständig, aktuell, korrekt und qualitativ hochwertig sind. Um stichhaltige Ergebnisse zu bekommen, ist eine gut gepflegte Datenbasis die Voraussetzung. Das war schon immer so, das wird auch in Zukunft so sein.

Viele Unternehmen sind es gewohnt, Excel-Listen für die weitere Datenanalyse zu exportieren. Welche Alternativen gibt es, um Medienbrüche zu vermeiden?

Jörgensen: Mit Tableau können sich Anwender direkt mit den Datenquellen verbinden und die Daten analysieren und visualisieren. Da die Daten nicht in die Datenquellen zurückgeschrieben werden, können keine Fehler passieren.

Wohin wird sich Ihr Lösungsangebot entwickeln?

Jörgensen: Wir entwickeln ständig neue Features, um die Analysefunktionen, die Datenvorbereitung und die Möglichkeiten der Visualisierung zu beschleunigen. Anfang 2015 haben wir unser bislang größtes Release – Tableau 9.0 – auf den Markt gebracht.

Sechs Monate später folgte Tableau 9.1 mit der iPad-App und einem neuen Web Connector, mit dessen Hilfe Entwickler unbegrenzt auf Daten im Netz zugreifen können. Und noch im selben Jahr kam Tableau 9.2 auf den Markt – mit einer App für das iPhone, zusätzlichen Features für die Datenvorbereitung und der Integration mit Mapbox, durch die Landkarten jetzt voll konfigurierbar sind.

Allein in den nächsten beiden Jahren planen wir mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren als in den letzten zehn Jahren zusammen. Ein weiterer Schwerpunkt ist Mobile. Die Möglichkeiten, Daten auf mobilen Endgeräten zu betrachten und zu verstehen, bieten enorm viel Potenzial. Unsere iPad-App Vizable ist das perfekte Beispiel für Tableaus Innovationskraft im mobilen Bereich und sie ermöglicht es uns, noch mehr Anwender zu erreichen.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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