Coverstory 21-06 MAG 21-06

Algorithmen und Datenstrukturen

Geschrieben von E-3 Magazin, Thomas Failer

Ohne Datenstrukturen geht nichts, oder? Ich bin von meinem Informatikstudium geprägt und der damit verbundenen Tätigkeit des Programmierens in der Sprache Pascal. Pascal wurde von Professor Niklaus Wirth an der ETH Zürich entwickelt. Dazu gibt es das Standardlehrbuch „Algorithmen und Datenstrukturen“.

Im E-3 Gespräch mit dem CEO und Gründer von Data Migration International, Thomas Failer, erwähnte er die Arbeiten von Niklaus Wirth. Data Migration International, DMI, baut damit auf ein erprobtes Fundament und erfindet die IT dennoch neu –vielleicht: Rise with DMI.

Zu Beginn des Gesprächs mit CEO Thomas Failer erwähnte dieser die drei Begriffe: Resilienz, Flexibilität und Individualität. Über Resilienz wird seit einiger Zeit diskutiert. „Diese Resilienz muss alle Bereiche entlang der gesamten Wertschöpfungskette betreffen“, sagt der Gründer und CEO von Data Migration International, DMI. „Sie beginnt bei einer resilienteren IT-Infrastruktur, geht über die Sicherung der Liquidität bis zur widerstandsfähigeren Gestaltung der Lieferanten- und Kundenbeziehungen.

Unternehmen, die ihre Kunden schon vor der Krise nicht nur persönlich, sondern auch über virtuelle Kanäle anzusprechen und zu binden in der Lage waren, hatten es in den vergangenen Monaten offenkundig leichter, beschreibt Thomas Failer die Situation. Genauso diejenigen Unternehmen, die bei der Umstellung auf das Homeoffice nicht bei null beginnen mussten, oder diejenigen, die über ein diversifiziertes Lieferantennetz verfügten und dadurch ihre Lieferströme regional und überregional umlenken konnten.

Globalisierung und Resilienz

Die Globalisierung geht weiter, doch anders als bisher, die Regionen werden wieder wichtiger. Ganz allgemein werde das Thema Versorgungssicherheit wieder an Bedeutung gewinnen, meint Failer. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Struktur der Lieferketten, sondern auch die Verteilung der Produktionsstandorte weltweit.

Das hat im Übrigen nicht unbedingt etwas mit Egoismus oder Nationalismus zu tun, im Gegenteil, sagt Thomas Failer: „Es hilft sogar, die Globalisierung mit mehr Gehalt zu füllen, zum Beispiel um auch weniger entwickelten Ländern den gleichen Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen wie den entwickelten. Und lassen Sie mich noch einen Punkt hinzufügen: Wir werden sicher in den kommenden Jahren noch mehr und noch mehr international abgestimmte Regulierungen sehen: dauerhafte Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Eine grundlegende Eigenschaft macht resilienter. „Wenn Sie Ihre Lieferketten so diversifiziert haben, dass der Ausfall selbst eines wichtigen Zulieferers oder gar einer ganzen Zulieferregion schnell kompensiert werden kann, sind Sie gegen Lieferausfälle oder -unterbrechungen durch Unfälle oder Naturkatastrophen besser gewappnet“, erklärt der DMI-CEO. Der Unfall im Suezkanal oder die Coronapandemie werden nicht die letzten und spektakulärsten ihrer Art gewesen sein.

Resiliente Conversion

Auch wenn der Begriff Resilienz zur Zeit, als Informatikstudenten mit Pascal programmierten, noch nicht in Mode war, so sind seit damals die Prinzipien die gleichen geblieben. Eine durchdachte und konsistente Datenstruktur macht den nachfolgenden Algorithmus widerstandsfähiger, was für den Informatiker bedeutet: weniger fehler-
anfällig. Wie der Buchtitel von Professor Niklaus Wirth richtig suggeriert, sind die Begriffe Algorithmus und Datenstruktur nur die beiden Seiten einer Medaille.

Kein SAP-Bestandskunde könnte mit den Daten aus den Abap-Tabellen allein etwas anfangen. Naturgemäß braucht es den ERP-Algorithmus. Aber eine stringente Datenstruktur bringt Resilienz. Diese Widerstandsfähigkeit in Zeiten der Transformation und SAP’schen Conversion ist für SAP-Bestandskunden enorm wichtig. DMI liefert mit seiner Plattform diese Resilienz.

Bemerkenswert ist der neue Fokus auf Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit. „Die Pandemie hat Tendenzen und konvergente Technologietrends verstärkt und teilweise überhaupt erst ins Rampenlicht gerückt, die schon vorher da waren, teilweise bereits seit mehreren Jahren. Am leichtesten nachvollziehbar ist das im Bereich der Kundenbeziehungen“, erklärt Thomas Failer.

Die Hauptverbindung hin zum Kunden ist längst nicht mehr der sta­tionäre Handel oder der Postweg allein. Kundenkommunikation, -einkauf und -bindung haben sich bereits seit mehreren Jahren stark ins Internet verlagert. Wer diesen Wechsel bereits vollzogen hatte, kam am besten durch die Krise. Der Erfolg der E-Commerce-Giganten ist ja kein Zufall.

Bei so viel Resilienz drängt sich der Eindruck einer eher abwehrenden, defensiven Haltung auf. Ist das wirklich zukunftszugewandt oder innovativ gedacht? „Es wäre grundfalsch und schädlich, Resilienz mit Starrheit zu verwechseln, sich sozusagen einzuigeln, zu mauern und die Schläge von außen stoisch über sich ergehen zu lassen. Resilienz meint vielmehr, auszuweichen und dort, wo das nicht möglich ist, die Einschlagsenergie umzuleiten oder sogar zum eigenen Vorteil in die eigenen Bewegungen einfließen zu lassen.

Flexibilität und Verfügbarkeit

Flexibilität ist der nächste Meilenstein nach Resilienz. „Davon bin ich überzeugt. Fangen wir mit dem Punkt der Umstrukturierungen an.“ Das Interesse eines Käufers geht weiter als gedacht und deckt sich im Fall von Ausgründungen sogar mit dem Interesse der ehemaligen Muttergesellschaft, etwa mit dem Ziel, einen Geschäftszweig als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen, oder bei Management-Buy-outs.

Dieses weitergehende Interesse verfolgt insbesondere zwei Ziele: „Wahlfreiheit beim künftigen ERP-System und Minimierung der zu transformierenden operativen Daten. Überzogene erzwungene Investitionen in überdimensionierte Systeme und Projekte können den Start stark behindern“, weiß DMI-CEO Failer aus vielen erfolgreichen Kundenprojekten.

Die unterschiedlichen Interessen von Käufer und Verkäufer lassen sich unter dem Begriff Governance zusammenfassen und zur Deckung bringen. Um dem Käufer alle relevanten Daten und Dokumente zu übergeben, müssen zum Teil immense Datenbestände mit unterschiedlichen Strukturen durchsucht und im Anschluss sinnvoll selektiert werden.

Diese riesigen Mengen und verschiedenen Datenformate sind typisch für gewachsene SAP-Landschaften. ERP-Systeme mit einem über zwanzig und mehr Jahre akkumulierten Datenbestand in über 80.000 Tabellen, die drei Migrationen durchlaufen haben und daher entsprechend unterschiedliche Strukturen aufweisen, sind hier keine Seltenheit, weiß Thomas Failer aus seiner beruflichen Praxis. Entsprechend aufwändig ist die Selektion und Filterung der infrage kommenden Daten und Dokumente mit gängigen Methoden.

Hinzu kommt“, betont Failer, „nicht alle für einen Verkauf relevanten Informationen befinden sich in der Onlinedatenbank des SAP-Systems. Viele SAP-Bestandskunden haben über die Jahre immer wieder Archive angelegt, sogenannte ADK-Dateien. Darin lässt sich jedoch keine Selektion auf der Ebene des einzelnen Datensatzes oder Dokuments vornehmen.

Wahrscheinlich aber befinden sich darin Informationen, die laut Vertrag dem Käufer gehören. Damit dieser darauf zugreifen kann, muss er weiterhin Zugang zu diesen Archiven erhalten. Das führt zu umfangreichen Transitional Service Agreements (TSA), die bis ins kleinste Detail die damit verbundenen Geheimhaltungs- und technischen Sicherheitsfragen regeln.

Der Zeithorizont dieser Vereinbarungen kann sich sogar auf Jahrzehnte erstrecken, zum Beispiel bei haftungsrelevanten Informationen im Maschinen- und Anlagenbau auf 30 Jahre und mehr. Da die Inhalte von ADK-Archiven nur über die zugehörige SAP-Applikation gelesen werden können, müssen sich die Regelungen zum Zugriff von außen durch den Käufer auch auf die Applikationsebene beziehen.

TSA und ADK

Die TSA-Problematik kann sogar anstehende Transformationsprojekte auf S/4 erschweren“, warnt CEO Thomas Failer. „Denn der Zugriff auf die ADK-Archive muss aus Käufersicht auch nach der Transformation gewährleistet sein.“ Dem Verkäufer bleibt in einem solchen Szenario nur, die betroffenen ADK-Archive aufzulösen, die darin enthaltenen Daten und Dokumente zu transformieren und den Teil, der den Käufer betrifft, herauszufiltern, um ihn zu übergeben.

Mit klassischen Ansätzen ist das aufwändig und teuer. Aber Thomas Failer hat die Lösung: „Mit unserem Ansatz einer eigenen Datenschicht und Umgebung für das Management des gesamten Lebenszyklus von historischen Informationen gelingt das hingegen um ein Vielfaches einfacher, schneller und günstiger. Hinzu kommt: Unsere Kunden können den Bestand an historischen Informationen aus allen Legacy-Systemen, nicht nur aus Archiven, nach beliebigen Kriterien selektieren, ob nach Kunden, Produkten, Lieferanten etc., und das immer wieder neu. Die Möglichkeiten gehen also weit über das eben beschriebene Szenario der Selektion der für einen Käufer relevanten Informationen hinaus.

Die Trennung der Daten- von der Applikationsebene erscheint somit im Sinne von Algorithmen und Datenstrukturen als notwendig. Nicht überraschend war somit der Erfolg von Pascal in der Informatikausbildung nach den „Spaghetticodes“ der Programmiersprachen Fortran, Basic und anderer mehr. Flexibler leuchtet ein, aber auch resilienter?

Wenn wir uns darauf einigen, dass resilienter meint, besser auf schnelle Änderungen, ob vorhersehbar oder nicht, antworten zu können, dann macht die Trennung der Datenebene von der Applikationsebene widerstandsfähiger. Aber es erhöht auch die Flexibilität“, erklärt Thomas Failer.

Die Unternehmen stehen heute vor vielen Herausforderungen gleichzeitig. Sie müssen Kosten senken, agile Geschäftsszenarien unterstützen, strategische Transformationsprojekte zum Beispiel in Richtung S/4 Hana vorbereiten, die Basis für digitale Geschäftsmodelle mittels qualitativ hochwertiger Informationen legen und sich in die Lage versetzen, heutige wie künftige Regularien zu erfüllen.

Das bedeutet“, erklärt Failer, „dass alles, was die IT-Verantwortlichen tun, um eine dieser Herausforderungen zu meistern, von vorneherein so angelegt sein muss, die anderen Ziele nicht nur auch, sondern besser, einfacher, schneller und billiger zu erreichen. Vor diesem Hintergrund sind Maßnahmen dann flexibel, wenn sie dazu geeignet sind, ein ganzes Spektrum an Zielen zu unterstützen. Ob diese unterschiedlichen Ziele dann gleichzeitig oder nacheinander verfolgt werden, spielt demgegenüber eine nachrangige Rolle.

Application Retirement

AXA Investment Managers spart Millionenbetrag durch Systemstilllegungen:
Unternehmen suchen ständig nach Einsparpotenzialen mittels Umstrukturierungen und Anpassungen ihres Geschäftsmodells. Diese Veränderungen haben in der Regel Auswirkungen auf die IT-Landschaften. Systeme werden abgelöst, neue Systeme eingeführt oder verlagert. Doch die technischen, betriebswirtschaftlichen und rechtlichen He­rausforderungen beim Weiterbetrieb der Altsysteme, um den Zugriff auf die historischen Daten zu gewährleisten, bleiben.

Um diese Herausforderungen zu meistern, hat sich die Immobiliensparte von AXA Investment Managers für die JiVS-Plattform des Schweizer Herstellers DMI und damit für den innovativen Ansatz der Systemstilllegungen entschieden.

Dadurch spart das Unternehmen über einen Zeitraum von zehn Jahren rund eine Million Euro, etwa ein Drittel der Betriebskosten für die SAP-Landschaft, und sorgt gleichzeitig zuverlässig für Rechtssicherheit. Denn der Zugriff auf die Altdaten ist für den gesetzlich vorgeschriebenen Zeitraum vollumfänglich gewährleistet.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren sparen wir rund eine Million Euro an Betriebskosten und das nach der Stilllegung nur eines Systems“, berichtet Urs Hutter, Senior Project Manager, Real Assets IT bei der AXA Investment Managers Switzerland.

Das Unternehmen Benninger spart 80 Prozent Betriebskosten mit JiVS IMP:
Die Komplexität zu reduzieren ist ein wichtiges unternehmerisches Ziel, um die Agilität im globalen und volatilen Wettbewerb zu erhöhen. Der Schweizer Textilmaschinenspezialist Benninger mit 160-jähriger Geschichte und weltweit exzellenter Reputation verfolgt deshalb seit mehreren Jahren die Strategie, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Die hauseigene IT trägt insbesondere seit 2013 ihren Teil zur Reduktion von Komplexität durch Konsolidierung und Harmonisierung der System- und Applikationslandschaft bei. Seit 2020 wurde diese Strategie um das systemunabhängige Management des Lebenszyklus von Legacy-Daten und -Dokumenten mittels JiVS IMP erweitert.

Dadurch konnte das Unternehmen ein Altsystem in der Rekordzeit von drei Monaten stilllegen und spart seither rund 80 Prozent laufende Betriebskosten. Außerdem kann die IT in Zukunft auf das mit der Legacy-Lösung verbundene Spezialwissen verzichten – in Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel ein weiterer Beitrag zur Reduktion von Komplexität und Zukunftssicherung.

Aufgrund der Geschwindigkeit und Qualität des Projekts bin ich begeistert. Auch das Arbeiten ist komfortabler als im Altsystem“, erklärt Alexander Rehbeck, eh. Head of IT bei der Benninger.

Historie und Evolution

Die IT-Landschaften bei SAP-Bestandskunden sind gewachsen und deshalb komplex – und sie bestehen nicht nur aus SAP-Systemen. Thomas Failer weiß, dass die Aufgabe der IT, den Datenbestand zu bereinigen, zu optimieren und dauerhaft auf einem optimalen Niveau zu halten, dadurch nicht einfacher wird.

SAP-Bestandskunden profitierten über viele Jahre von der durchgängigen Unterstützung ihrer Wertschöpfungskette und Prozesse und damit zusammenhängend von einer harmonisierten Datenschicht. Diese erlaubte wiederum eine umfassende Sicht auf Geschäftsobjekte wie Kunden, Lieferanten, Materialien, Produkte etc. „Agile Strategien und immer mehr Drittsysteme gefährden diesen Vorsprung, eine Situation, die auch SAP erkannt hat“, betont DMI-CEO Failer im E-3 Gespräch. „Die Walldorfer investieren dementsprechend massiv in die Integration sowohl innerhalb ihres eigenen Portfolios als auch zu Drittlösungen on-premise wie in der Cloud.“

Was die SAP hier schon in sehr kurzer Zeit zustande gebracht hat, ist beeindruckend, lobt Thomas Failer, aber er erklärt: „Es reicht aber in der Tat nicht aus. Nicht weil SAP nicht genügend dafür tut, sondern weil die Welt sich verändert hat. Informationen stammen aus immer mehr und immer unterschiedlicheren Quellen. Denken Sie nur an das Internet der Dinge, das früher getrennte Bereiche wie die Produktion in den Wirkungskreis der Unternehmens-IT integriert. Die Folge davon ist, dass es nicht nur auf korrekte Datenbestände ankommt, sondern gleichermaßen auf deren Harmonisierung. Stammdaten zu Kunden, Lieferanten, Produkten etc. liegen heute in der Regel in einer Vielzahl unterschiedlicher Strukturen vor, die mit der Zahl der Anwendungen und Systeme, in denen sie gepflegt werden, korrespondiert. Selbst wenn die Stammdaten in einem dieser Systeme sauber gepflegt sind, keine Fehler enthalten und vollständig sind, erhalten die Unternehmen daraus noch lange keine Rundumsicht auf ihre Geschäftsobjekte, sondern nur eine partielle, beschränkt durch den speziellen Blickwinkel der jeweiligen Anwendung. Erst eine harmonisierte Datenstruktur, gepflegt und optimiert oberhalb der Ebene der Einzelsysteme, erlaubt die erforderliche 360-Grad-Sicht. Und das gelingt am besten mit einer von der Applikationsebene unabhängigen Datenebene.

Die DMI-Plattform JiVS IMP steht allen Datenquellen offen und konsolidiert damit weit über die SAP-Grenzen hinaus die gesamten Datenstrukturen.

Die Idee eines klassischen zentralen Data Store oder Data Lake setzt die Transformation der Informationen aus den Ursprungssystemen voraus. Und dabei geht zumindest ein Teil des Geschäftskontexts verloren, in dem die Daten und Informationen entstanden sind, wie Failer aus zahlreichen Kundenprojekten weiß.

Im Übrigen ist dieser Ansatz auch deshalb nach meiner Definition nicht flexibel genug, weil er das Problem der Rechtssicherheit nicht gleich mitlöst. Denn die in den Data Store einfließenden Informationen müssen aus rechtlichen Gründen für viele Jahre zusammen mit ihrem Geschäftskontext revisionssicher aufbewahrt werden. Deshalb brauchen Sie in diesem Szenario auf jeden Fall weiterhin die Legacy-Systeme, was Aufwand und Kosten verursacht“, warnt der DMI-CEO. Folglich ist es so wichtig, zwischen der klassischen Transformation und der bereits angesprochenen Harmonisierung zu unterscheiden.

Durch die Trennung der Daten- von der Applikationsebene schafft Data Migration International eine zentrale Plattform für historisierte Informationen, das heißt für alle Daten und Informationen zusammen mit ihrem Geschäftskontext. Diese werden revisionssicher abgelegt und aufbewahrt. „Außerdem, und das ist ganz wichtig, lässt sich mit unserer Plattform der gesamte Lebenszyklus der historischen Informationen bis zur gezielten Löschung auf der Ebene des einzelnen Datensatzes verwalten“, präzisiert Thomas Failer.

Das verlangt insbesondere die europäische Datenschutz-Grundverordnung, die EU-DSGVO. Dadurch erreicht DMI zwei zentrale Ziele: Rechtssicherheit und massive Kosteneinsparungen, und das schon kurzfristig.

Denn nach dem Überspielen der historischen Informationen auf die Plattform können die SAP-Bestandskunden ihre Legacy-Systeme – sowohl von SAP als auch von anderen Herstellern – komplett stilllegen und entsorgen. Das spart in der Regel 80 Prozent der laufenden Kosten im Vergleich zum Weiterbetrieb der Altsysteme.

Thomas Failer ergänzt: „Im Übrigen erhöht unsere Plattform nicht nur die Rechtssicherheit, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zu mehr IT-Sicherheit. Hacker wissen, dass die Unternehmen Mühe damit haben, ihre SAP-Systeme in kurzen Zeitabständen, vor allem nach der Veröffentlichung eines Sicherheits-Patches, zu aktualisieren. Das gilt erst recht für Altsysteme, für die teilweise gar keine Patches mehr bereitstehen.

Rise with SAP

Somit stellt sich im E-3 Gespräch die Frage: Rise with Data Migration statt mit SAP? „Nein, einen solchen Gegensatz gibt es nicht. Vielmehr stellt unser Ansatz eine perfekte Ergänzung zu den Initiativen dar, die SAP zur Unterstützung der Kunden ins Leben gerufen hat, um ihnen den Weg nach S/4 Hana zu erleichtern. Wir ergänzen mit unserem Ansatz sowohl das Movement- Programm als auch das Thema Rise with SAP“, definiert Thomas Failer die SAP- und seine Position

Das SAP’sche Movement-Programm ist eine Art Leitfaden, der durch alle Phasen des Transformationsprojekts führt, in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess mündet und dabei alle Aspekte, nicht nur die technischen, sondern auch die strategischen und organisatorischen, erfasst. Ein wichtiger Punkt ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen operativen und historischen Daten.

So rät SAP ihren Bestandskunden: Ähnlich dem Piloten eines Rennwagens müssen sie wissen, wann Daten Treibstoff sind und wann Ballast. „Die Antwort darauf ist strategischer Natur, also schon in Phase 1 des Movement-Programms angesiedelt, und bestimmt alle weiteren technischen und organisatorischen Maßnahmen“, erklärt der DMI-CEO.

Carve-out

JiVS-Plattform statt Altsysteme: Bühler spart 80 Prozent Betriebskosten:

JiVS-Plattform statt Altsysteme: Bühler spart 80 Prozent Betriebskosten:
Alles begann mit der Einführung eines zentralen SAP-Mandanten. Mittlerweile unterstützt das Unternehmen Bühler mithilfe der JiVS-Plattform neben der Stilllegung von Legacy-Systemen auch agile Geschäftsszenarien wie Mergers und Acquisitions und Carve-outs.

Bühler spart dadurch 80 Prozent Betriebskosten im Vergleich zum Weiterbetrieb der Altsysteme. Und konnte in nur sechs Monaten sämtliche Informationen einer ausgegründeten Geschäftseinheit an die neue eigenständige Gesellschaft übergeben.

Zurzeit prüft das in 140 Ländern tätige Unternehmen aus der Schweiz die Einführung von JiVS IMP als integralem Bestandteil seiner künftigen S/4-Landschaft. Damit hält Bühler das künftige zentrale ERP-System dauerhaft schlank und agil, während das Unternehmen die Gesamtbetriebskosten minimiert.

Die Entscheidung für die JiVS-Plattform hat sich voll und ganz bezahlt gemacht. Als Lösung für die Übernahme von Legacy-Daten, die selektive Datenübergabe und Stilllegung von Altsystemen hilft sie uns, massiv Betriebskosten zu sparen. Diese liegen um 80 Prozent niedriger, als wenn wir die Legacy-Systeme weiterbetreiben müssten, nur um auf die darin enthaltenen Daten zugreifen zu können“, sagt Vidor Kapy, Head of Department Business Processes & Applications bei der Bühler.

Eine Historie des Erfolgs: Birr Machines weiß, wie man Elektromotoren baut:

Carve-outs stellen für die IT eine große He­rausforderung dar. Denn alle Daten und Dokumente, die dem dabei neu entstehenden Unternehmen zuzuordnen sind und teilweise Jahrzehnte zurückreichen, müssen aus den Systemen der ehemaligen Muttergesellschaft herausgelöst und in die neue IT-Umgebung integriert werden.

Das ist nicht nur ein technisch, sondern auch betriebswirtschaftlich anspruchsvolles Projekt. Mithilfe der JiVS-Plattform konnte Birr Machines Ltd. diese Herausforderung in einer Rekordzeit von nur drei Monaten meistern. Das über Jahrzehnte erworbene und bewährte geistige Eigentum steht dem jungen Unternehmen jetzt in vollem Umfang sowie einfach über Webbrowser zur Verfügung und trägt seither aktiv zur Wertschöpfung in Service und Produktion bei.

Die Zeichen stehen ganz klar auf Wachstum. In unserer Historie liegen der Wert und die Zukunft von Birr Machines. Der Nutzen, den wir aus der JiVS-Plattform ziehen, liegt höher als jeder erdenkliche ROI-Wert“, kann Matthias Lemblé, Head of Supply Chain Management und IT, Birr Machines, bestätigen.


Historische Daten sind definiert als abgeschlossene transaktionale Daten wie erledigte und vollständig bezahlte Vertriebs- oder Wartungsaufträge und Bestellungen. Ferner gehören Dokumente wie Lieferscheine dazu, selbst wenn sie nur Teillieferungen betreffen, der Auftrag selbst also noch nicht abgeschlossen ist. Diese historischen Daten dürfen aus rechtlichen Gründen nicht mehr verändert werden.

Wenn die Anwender aber nur noch mit Leserechten ausgestattet darauf zugreifen dürfen, erscheint es aus verschiedenen Gründen nicht mehr in jedem Fall sinnvoll, sie in die neue Softwarelandschaft zu übernehmen. Denn bei der Übernahme wird zwangsläufig ihre Struktur verändert, sodass sie ihre rechtlich geforderte Beweiskraft verlieren. Historische Informationen weisen also eine gewisse Trägheit auf, die nicht auf die Ebene der agilen Live-Systeme übergreifen sollte.

Indem die historischen Daten in SAP im Standard abrufbar sind, ob wie im Original oder harmonisiert, werden sie aus einem Ballast zum Treibstoff auch der operativen Systeme. Die Basis für die Zukunft der SAP-Kunden, wie sie Phase 4 des Movement-Programms beschreibt, wird dadurch weiter gestärkt“, beschreibt Thomas Failer das konsolidierte Vorgehen.

Diese konsequente Trennung klingt nach einem Plädoyer für einen Greenfield-Ansatz bei der Transformation nach S/4. „Es klingt vielleicht so, ist es aber nicht“, antwortet CEO Failer. „Denn es sind die SAP-Bestandskunden selbst, die am besten wissen, ob sie alle, nur Teile davon oder überhaupt keine Daten, Anpassungen und Geschäftsobjekte aus der Vergangenheit in die neue S/4-Umgebung übernehmen wollen.

Doch aus diesem Wissen folgt nicht automatisch, dass die SAP-Bestandskunden die technischen Möglichkeiten haben, ihrem Wissen entsprechend frei und flexibel zu entscheiden. Wenn sie keine separate Plattform für die historischen Informationen haben, müssen sie die Legacy-Systeme parallel zum neuen S/4-System weiter­betreiben. „Und wenn sie den Kosten- und Pflegeaufwand dafür minimieren wollen, stehen sie vor der schwierigen Frage, wie viele ihrer Altdaten und Anpassungen sie in die neue Umgebung übernehmen sollen, um deren Wert auch in der neuen Umgebung zu erhalten und optimal zu nutzen“, gibt Thomas Failer zu bedenken.

Mit dem DMI-Ansatz einer separaten Plattform für historische Informationen bestehen diese Zielkonflikte hingegen nicht. Failer erklärt: „Die Altsysteme lassen sich komplett stilllegen, die Rechtssicherheit ist gewahrt, die SAP-Bestandskunden können frei den Anteil der zu übernehmenden historischen Informationen unabhängig von den individuellen Anpassungen bestimmen, den Transformationsaufwand durchaus halbieren und darüber hinaus ihre neue SAP-Landschaft dauerhaft schlank halten und dadurch deren Gesamtbetriebskosten um geschätzt 25 Prozent senken.

Es geht also nicht darum, welche Farbe das Spielfeld hat. Vielmehr geht es darum, dass die SAP-Bestandskunden auf dem richtigen Feld das Transformationsspiel austragen. Deshalb spricht Thomas Failer in diesem Zusammenhang auch von einem Right Field Approach. „Wie gesagt unterstützen wir mit unserer Plattform auch Rise with SAP und ergänzen sie. Denn bei diesem durchaus bestechenden Angebot sind im Vorhinein ebenfalls strategische Grundsatzfragen zu klären: ob und wie die Altsysteme abgeschaltet werden können, ob und wie sich die Rechtssicherheit dabei gewährleisten lässt, welche und wie viele historische Informationen übernommen werden sollen, wie auch das neue System in der Cloud dauerhaft schlank gehalten werden kann und wie der Zugriff auf historische Informationen von der neuen SAP-Umgebung aus, aber auch von Drittsystemen aus zu gestalten ist. Auf alle diese Fragen können die SAP-Bestandskunden mithilfe unserer Plattform umfassendere und flexiblere Antworten geben, gerade auch in finanzieller Hinsicht. Da sind sie wieder, die Aspekte Resilienz und Flexibilität.

Intelligenz und Automatisierung

Intelligent bedeutet zuallererst automatisiert und speziell aus der Sicht der SAP-Bestandskunden integriert. Automatisierung heißt, dass die manuellen Schritte, die bei klassischen Ansätzen nötig sind, um eine sinnvolle und lohnende Reduktion des Datenvolumens zu erreichen, so weit wie möglich beseitigt werden. Automatisierung bedeutet zudem, dass sich die Daten auf Knopfdruck aus der Online-Datenbank in eine eigene Umgebung überspielen lassen.

Dort wird auch der Lebenszyklus der historischen Daten und Dokumente vom Zugriff über Optimierung und Compliance-Management bis zu deren endgültigen Löschung verwaltet. Zum Dritten bedeutet Automatisierung, dass diese Datenübernahme auf Knopfdruck auch bestehende Archive miteinbezieht. Integriert schließlich meint, dass eine Umgebung für intelligentes Rightsizing die bei den SAP-Bestandskunden vorhandenen SAP-Standardwerkzeuge nutzt und erweitert, nicht ersetzt.

Cost_versus_Innovation_cmyk
Für jeden IT-Verantwortlichen ist die Harmonisierung der Kosten mit der notwendigen Innovation immer wieder eine Herausforderung: Plattformen wie JiVS sind dafür das optimale Werkzeug.

SAP-Chef Christian Klein leistet aus meiner Sicht hervorragende Arbeit“, betont Thomas Failer. „Es ergibt technisch und gerade aus Kundensicht betriebswirtschaftlich absolut Sinn, das eigene Portfolio stark miteinander zu integrieren und es in einfachen Verbrauchs- und Nutzungsmodellen, die wir alle in der Cloud schätzen und lieben gelernt haben, bereitzustellen. Die S/4-Landschaft und ERP generell werden bei den SAP-Bestandskunden auch weiterhin das Herz der IT bilden. Aber wie im Körper müssen die Arterien und Venen hin zum Herzen und davon weg offen sein, damit das Herz frei und der jeweiligen Situation angemessen, schnell und kräftig schlagen kann. Integration und Offenheit sind keine Gegensätze. Denn Integration meint nicht Verdrahtung, sondern Kopplung und nahtlose Verbindung. Christian Klein, um im Bild zu bleiben, trainiert und stärkt das Herz und dazu leisten wir mit unserer Plattform und der zugrunde liegenden Architektur einen zu 100 Prozent komplementären Beitrag.

Klingt fast so, als ob die alte Frage, die Professor Niklaus Wirth in den 1970er Jahren gestellt hat, ob die Daten oder die Algorithmen die erste Geige spielen, neue Nahrung erhält? „Das kann ich verstehen. Daten sind unser Spezialgebiet, deshalb stehen wir ihnen natürlich näher“, definiert DMI-CEO Failer.

Und richtig ist, dass die Themen Digitalisierung und Datensteuerung den Informationen eine wichtigere Rolle zuweisen. Andererseits, wenn wir auf das schauen, was ich mit Individualisierung meine, findet auch auf der Ebene der Algorithmen eine Aufwertung statt. Aus Kundensicht stellt sich diese Frage damit vielleicht gar nicht. Beide Ebenen müssen Hand in Hand gehen, denn nur gemeinsam lässt sich das geschäftliche Potenzial der Digitalisierung erschließen. Allerdings muss das Zusammenspiel resilienter, flexibler und individueller stattfinden, als das in der Vergangenheit der Fall war.“

Über den Autor

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Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

Über den Autor

Thomas Failer

Thomas Failer, Chef der Data Migration Inter-national, agiert aus der Schweiz. Sein Ziel ist die globale SAP-Community und deren Anliegen: S/4-Transformation

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