MAG 21-07 No/Name - Kolumne

Akzeptiert mich mein Hyperscaler? Rise or Fall?

NoName
Geschrieben von no-name

Eine Existenzfrage: Rise or Fall with SAP? Die schöne neue SAP-Welt lässt sich nur mit dem neuesten Releasestand betreten, was nicht nur unlogisch, sondern für SAP auch kontraproduktiv wird. Versionswechsel sind eine schmutzige Angelegenheit.

Rise with SAP könnte ein interessantes Angebot sein, wenn es für jeden Bestandskunden in der SAP-Community zugänglich wäre. Den Mutigen gehört die Welt! Der SAP-Bestandskunde unterschreibt einen FUE-Blankoscheck in Walldorf und ist am nächsten Tag mit optimierten Geschäftsprozessen – Signavio – in der Cloud. Aber so war das nicht gemeint.

Christian Klein hat es verabsäumt, eine Win-win- Situation zu schaffen, somit ist die jüngste Initiative aus Walldorf für uns Bestandskunden ein „Rise and Fall with SAP“. Ich habe eine Statistik unserer Re­leasestände erstellen lassen und diese zu meinem SAP-Stammtisch mitgenommen.

Vereinfacht gesagt: Unser Konzern und meine lieben Stammtischschwestern und -brüder erfüllen mit knapp 20 Prozent der operativen Systeme die Voraussetzung für Rise – der Rest fällt durch: Rise and Fall with SAP!

Offensichtlich hat sich niemand getraut, die betriebswirtschaftliche Wahrheit bezüglich Cloud auszusprechen: Es rechnet sich nur, wenn alles standardisiert ist und niemand aus der Reihe tanzt. Letztendlich führt nur die Public Cloud zum unternehmerischen Gewinn, siehe Workday, Salesforce und Qualtrics. Niemand weiß das besser als SAP selbst.

Natürlich sind Hana, Linux und die Business Technology Platform ein technisch sinnvoller Schritt, aber viel mehr profitiert SAP auf der betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Seite. Nun müssen nicht mehr mannigfaltige Systemkonfigurationen im Support vorgehalten werden. Die Kombinationen aus Hardware, Betriebssystem und Datenbanken sind unter R/3 und ECC 6.0 nahezu unüberschaubar – eine Sisyphosaufgabe für den Walldorfer Support.

Mit S/4 gibt es nur ein Betriebssystem und eine Datenbank, was den Support vereinfacht und damit hochprofitabel macht. Nicht anders funktioniert AWS – keine Abweichungen, keine Sonderlösungen. Lieber auf ein Geschäft verzichten, bevor der Standard aufgeweicht wird.

Wer sich konsequent an dieses Public-Cloud-Konzept hält, wird belohnt, siehe Qualtrics, AWS und Workday. Wer dem Standard konsequent folgt, erhält als Belohnung einen hohen Skalierungsfaktor, der sich unmittelbar betriebswirtschaftlich positiv auswirkt.

Finanzvorstand Luka Mucic hat es auch erkannt und beklagt sich in einem Interview bei Euro am Sonntag: „Mein Eindruck ist, dass SAP im Vergleich zu reinen Cloud-Anbietern wie Salesforce oder Workday an der Börse eine Art Konglomeratsabschlag für das bestehende Lizenzgeschäft bekommt. Zu Unrecht, denn auch dieses Geschäft ist hochprofitabel und, was den Wartungsumsatz angeht, gut planbar.“

Was Luka Mucic natürlich nicht sagt, dass SAP alles andere als standardisiert – nicht einmal konsolidiert – ist. Die Inkompatibilität zwischen den SAP-Cloud-Angeboten, zwischen R/3, ECC 6.0 und S/4, zwischen On-prem und Hybrid, Private und Public Cloud kostet den ERP-Weltmarktführer hohe Summen und drückt die Marge.

Sowohl die Pflegegebühr im Lizenzgeschäft als auch die Cloud-Subskriptionen lassen sich mittlerweile gut planen, aber Walldorf ist weit entfernt von einem standardisierten ERP-System. Die Hyperscaler wollen die wohl­habenden SAP-Bestandskunden in ihrer Cloud. Sie kennen aber auch das Gefahrenpotenzial eines Wildwuchses bei den Releaseständen und im Z-Namensraum. Akzeptiert werden demnach nur SAP-Systeme mit neuestem Releasestand.

Wie SAP aus diesem Dilemma entkommen will, ist uns am SAP-Stammtisch vollkommen unklar. Offensichtlich träumt Finanzvorstand Mucic von einem Rise with SAP, was eine Lizenzierung (Full User Equivalent) in der Cloud mit 20 bis 50 Prozent höheren Kosten gegenüber existierenden On-prem-In­stallationen bedeutet. Damit erklärt sich auch das von ihm prognostizierte SAP-Wachstum – Rise.

Wer seine On-prem-Lizenzen konsolidiert, kann mit FUE vor dem Wechsel in die Cloud bis zu 20 Prozent an Lizenzgebühren einsparen – Fall. Wenn wir alle unsere Hausaufgaben machen, wird SAP weiterbestehen, aber am Boden bleiben müssen. Luka Mucic wird weiterhin neidvoll auf Qualtrics, AWS, Salesforce und Workday schauen und seinen Konglomerats­abschlag bedauern. Der Aufwand sollte sich also lohnen – Rise or Fall?

Über den Autor

no-name

Unser geheimnisvoller, anonymer Kolumnist.

Hinterlassen Sie einen Kommentar