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On-prem versus Cloud

Cloud First
Geschrieben von E-3 Magazin

Cloud First: SAP sieht die Zukunft des HCM in der Cloud, ab 2026 sollen alle HCM-Lösungen über die Software-as-a-Service-Lösung SuccessFactors laufen. Zudem prüft SAP, ob SuccessFactors auch in einer Private Cloud, also im Rechenzentrum des SAP-Kunden, betrieben werden kann.

SAP bietet mit HCM for S/4 Hana ab 2023 eine On-prem-Variante an, für die es eine Wartungszusage bis mindestens 2030 gibt. Trotz dieser Option hat sich der deutschsprachige Anwenderverein DSAG mit einem Positionspapier kritisch und konstruktiv der strategischen Ausrichtung von SuccessFactors gewidmet.

Auf Basis einer DSAG-Umfrage gibt es Bedenken bei den SAP-Bestandskunden: Gerade für Anwender der öffentlichen Verwaltung stellt sich die Frage, wie sie vor dem Hintergrund der bestehenden Gesetzgebung und der vielfältigen kundenspezifischen Anforderungen auch zukünftig ihre personalwirtschaftlichen Prozesse rechtssicher, gesetzeskonform und anforderungsgerecht mit SAP-Software abbilden können.

Die aktuelle DSAG-Umfrage zur Zukunftsfähigkeit der SAP-Lösungen für den Einsatz in der öffentlichen Verwaltung fand heraus, dass viele Befragte Bedenken hinsichtlich der folgenden drei Punkte haben.

Fujitsu

Ungeklärte rechtliche Rahmenbedingungen: Bei Clouds, die international verteilt sind und sich auch über Staaten außerhalb des EWR erstrecken, ist eine Rechtsgrundlage für die Übermittlung personenbezogener Daten in Drittstaaten erforderlich. Befürchtet wird unter anderem, dass der Zugriff auf Daten des Cloud-Anwenders durch staatliche und private Stellen möglich und nicht kontrollierbar ist.

Funktionelle Hindernisse: Die Bedenken der Anwender drehen sich um die fehlenden Möglichkeiten zur Erweiterung und Modifikation von SAP SuccessFactors sowie um das Fehlen wichtiger Funktionen für den öffentlichen Dienst.

Dazu zählen beispielsweise die Personalkostenplanung und das Travelmanagement. Letzteres ist heute als On-prem-Variante Teil von SAP ERP, aber kein Bestandteil von HCM for S/4, weil SAP strategisch auf die Cloud-Lösung Concur setzt. IT-Sicherheitsbedenken: Hinsichtlich der Nutzung einer Public-Cloud-Lösung äußerte rund die Hälfte aller befragten öffentlichen Auftraggeber/Dienstherren IT-Sicherheitsbedenken unter Verweis auf die Anforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Hermann-Josef Haag

„Ungeklärte rechtliche Rahmenbedingungen, fehlende Erweiterungsmöglichkeiten und Funktionalitäten der Public-Cloud-Lösung SuccessFactors sowie Datenschutzbedenken sind für unsere Mitgliedsunternehmen der öffentlichen Verwaltung Hindernisse auf dem Weg in die Cloud“

erklärt dazu Hermann-Josef Haag, DSAG-Vorstand Personalwesen und Public Sector, gegenüber dem E-3 Magazin. Er ergänzt:

„Als Anwenderverband fordern wir daher von SAP Unterstützung, damit Kunden der öffentlichen Verwaltung auch künftig ihre personalwirtschaftlichen Prozesse rechtssicher, gesetzeskonform und anforderungsgerecht mit SAP-Software abbilden können.“

Mehr als 67 Prozent der befragten öffentlichen Auftraggeber und Dienstherren bewerten einen Wechsel in ein Public- Cloud-Deployment als negativ. 43 Prozent aller Befragten bewerten jedoch eine mögliche Private Cloud als positiv.

Bemerkenswert erscheint der hohe Anteil „keine Angabe“ (rund 34 Prozent). Dies legt für die DSAG die Schlussfolgerung nahe, dass ein erheblicher Anteil der SAP-Bestandskunden sich noch kein finales Bild über Cloud-Modelle gemacht hat beziehungsweise Wissens- oder Informationslücken bestehen.

Auf Basis der breit abgestimmten Haltung der öffentlichen Verwaltung zur HCM-Produktstrategie wird die DSAG auf die SAP-Cloudstrategie für HCM Einfluss nehmen.

Der Anwenderverein DSAG fordert von SAP: „Cloud Only“ ist keine Option für den öffentlichen Dienst in Deutschland. Ein strategischer Ansatz für alle Prozesse sind weiterhin On-Prem-Lösungen als Komponente einer Zukunftsarchitektur.

Technisch zielführend können Private-­Cloud-Lösungen im Sinne von „Private Deployment“ sein, sofern SAP für kundeneigene Entwicklungen technische Möglichkeiten eröffnet und die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen den Einsatz einer Private Cloud zulassen. Offen scheint diesbezüglich aber noch das Thema Modifikationen und Maintenance zu sein. Auch gibt es letztendlich dafür noch kein Lizenzmodell bei SAP.

Für einen Umstieg auf alternative Softwarelösungen im HCM-Bereich sind – je nach Umfang und Einsatz – zwischen fünf und sieben Jahre einzuplanen. Deshalb fordern die Entscheidungsträger der öffentlichen Verwaltung frühzeitig klare und verlässliche Aussagen über die langfristige SAP-Strategie – aktuelle Roadmaps aus dem SAP-Support-Portal sind dafür nicht ausreichend.

Die DSAG wird weiterhin darauf hinwirken, dass auch künftige SAP-Lösungen im HCM-Bereich die rechtlichen und funktionalen Anforderungen – auch der Kunden aus dem öffentlichen Dienst in Deutschland – weitestgehend gewährleisten.

Ein Ausei­nanderlaufen von nicht mehr weiterentwickelten On-prem-Lösungen und modernen Cloud-Lösungen wäre bei längerfristig verfügbaren On-prem-Angeboten für die öffentliche Verwaltung nicht akzeptabel, weiß man beim Anwenderverein DSAG.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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