Die Meinung der SAP-Community E-Commerce Kolumne MAG 1907

Größe ist eine temporäre Einheit

Shopping Cart and Stars
Geschrieben von Michael Kramer, IBM

Eine Welle an Angeboten und Unternehmen vor allem aus Asien rollt auf uns zu. Zum Teil geht es um die Verdrängung bestehender Unternehmen und Produkte, zum Teil sind es neue Geschäftsideen.

Blicken wir erst einmal zurück. 1865 wurde im gemütlichen finnischen Tampere mit Nokia ein Unternehmen gegründet, welches Papiererzeugnisse hergestellt hat. Später ging es dann u. a. mit Gummistiefeln weiter.

Erst ab 1975 kam die Elektroniksparte dazu und es wurden Firmen wie Standard Elektrik Lorenz und Graetz gekauft. 1982 kamen die ersten Nokia-Mobiltelefone auf den Markt. In den kommenden 30 Jahren wurde Nokia erst zum beherrschenden Marktführer für mobile Telefone, um dann am Ende wieder aus der Produktion auszusteigen.

Anmerkung: Die seit 2017 hergestellten Telefone tragen nur den Markennamen Nokia, werden aber von HMD Global bzw. von Foxconn hergestellt. Die Gründe für den Abstieg sind vielfältig, aber die Hybris, an die eigene Unverwundbarkeit zu glauben, spielt eine große Rolle.

Fujitsu

So ging Nokia noch 2007 davon aus, dass die Übernahme von Android durch Google keine Bedrohung ihres Geschäfts sei. Der Aufstieg der Smartphones ging so schnell, dass Nokia 2013 sein Mobiltelefongeschäft an Microsoft (Marken­name Lumia) verkaufen musste.

Ungefähr auf dem Höhepunkt der Stärke von Nokia wurde in China von Pony Ma ein Unternehmen namens Tencent gegründet, welches mit QQ einen Instant Messenger auf den Markt brachte.

Inzwischen hat sich Tencent diversifiziert und mit unterschiedlichen Plattformen, die alle mit „Q“ beginnen, eine eigene Tencent-Welt für seine Hunderten Millionen regelmäßigen Nutzer geschaffen, die Spiele, Kaufplattform, ein eigenes soziales Netzwerk, ein eigenes Bezahlverfahren (mit allein ca. 600 Mio. Usern) und mehr unterhält.

Die Marktkapitalisierung von Tencent beträgt 20 Jahre nach Gründung bereits das Siebenfache der­jenigen von Nokia zu Höchstständen.

Der Vergleich beider Firmen zeigt, wie sich die Märkte verschoben haben. Während Nokia clever die passenden Technologieunternehmen gekauft hat, um immer bessere Mobiltelefone zu bauen, haben sie den möglichen Markt der Smartphones nicht ausreichend beachtet.

Sie haben mit Lösungen wie dem Communicator die neue Welt anbieten wollen, aber die Technik der alten Welt benutzt. Hier liegt ein großer Unterschied zu den neuen Firmen, die meist aus Asien, zum Teil aus den USA und sehr selten aus Europa kommen.

Ohne Altlasten mitführen zu müssen, können neue Ansätze ausprobiert und umgesetzt werden. Der Maßstab ist das richtige Nutzen von bestehender Technologie und das Binden der Kunden in ihrem eigenen Ökosystem.

Marktmacht ist nur temporär. In vielen Branchen gilt es, schnell zu wachsen oder langsam zu sterben. Große Unternehmen haben aufgrund der Fallhöhe zumindest mehr Zeit, um gegenzusteuern, falls sie Änderungsbedarf erkennen.

Über den Autor

Michael Kramer, IBM

Michael Kramer ist Channel Sales Leader DACH bei Cognitive Engagement Solutions - Watson Commerce & Marketing.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

AdvertDie Meinung 2