Die Meinung der SAP-Community E-Commerce Kolumne MAG 1906

Hilfe, ich habe unsere Daten geschrumpft

Shopping Cart and Stars
Geschrieben von Michael Kramer, IBM

Nun ist es ein Jahr her, seitdem die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft ist. Damit ist es Zeit, zurückzublicken, was sich für die Marktteilnehmer geändert hat.

Ich habe neulich die Situation bei einem Kunden miterlebt, dass eine geplante Kampagne abgebrochen wurde, da nicht bei allen Kunden ihr Einverständnis zur Ansprache nachvollziehbar war. Das brachte mich dazu, bei Kunden, Partnern und Kollegen nach ihren Erfahrungen zur DSGVO zu fragen.

Das erste Ergebnis war, dass es kaum Beschwerden oder sogar Abmahnungen gab. Es wurden zwar Abmahnungen empfangen, die aber aufgrund absurder Begründungen (falsche Verschlüsselung der Daten zum Beispiel) nicht zu Zahlungen führten.

Zwei der Nachteile des DSGVO, nämlich die zum Teil schwammigen Formulierungen und die natürlich noch fehlende Erfahrung der Behörden und Gerichte, sind hier noch ein Vorteil, da die Erfolgsaussichten einer Klage des Abmahners dadurch geringer sind.

Fujitsu

Für bestehende Kundenkontakte war die DSGVO aus Sicht von Konsumenten sicher ein Vorteil. Wir haben alle viele Mails von Firmen bekommen, bei denen uns nicht klar war, dass wir in deren Verteiler sind. Da viele Firmen allerdings spät auf die Umsetzung der Verordnung reagiert haben, sind so auch inte­ressierte Kunden aus den Datenbanken gefallen, die die einzige Opt-in-Mail des Absenders verpasst haben.

Als sehr nachteilig werden auch die hohen möglichen Strafen angesehen. Sie erinnern sich, bei Verstößen können bis zu zehn Millionen Euro bzw. zwei Prozent des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens verhängt werden, je nachdem, was höher ist.

Das verhindert viele gute Initiativen, da im Zweifelsfall im Unternehmen keiner schuld an einer Strafzahlung sein möchte. In der Praxis ist das zum Glück bisher nicht der Fall: Heise schrieb unlängst, dass die Bundesländer bisher mindestens 75 Bußgelder verhängt haben, und laut Welt am Sonntag beträgt die Gesamtsumme der verhängten Bußgelder 449.000 Euro. Der größte Betrag war mit 50.000 Euro ein Fall, bei dem Gesundheitsdaten im Internet landeten.

Das ist als Ergebnis meiner nicht repräsentativen Befragung geblieben: Die Qualität der verbliebenen Adressdaten ist besser geworden. Anbieter tun sich allerdings schwer, neue Adressen aufzubauen. Warum? Sie können eben nicht mehr Interessenten ansprechen ohne vorheriges Opt-in.

Ohne die Ansprache kennt der Interessent sie aber nicht und kann sich daher auch nicht bei ihnen registrieren. Henne und Ei also. Lösbar ist dies durch eine Verstärkung des Advertising oder interessanterweise durch Einsatz der Post, da Werbebriefe in vielen Fällen erlaubt sind, außer Adressaten lassen sich zum Beispiel auf die Robinsonliste setzen.

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Über den Autor

Michael Kramer, IBM

Michael Kramer ist Channel Sales Leader DACH bei Cognitive Engagement Solutions - Watson Commerce & Marketing.

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