Die Meinung der SAP-Community MAG 1906 Satire: Das Letzte

Farm der SAP-Bestandskunden

Das-Letzte-Satire

Reizvoll wäre es: die SAP’schen Produktionsgüter zu übernehmen und keine Pflegegebühr mehr zu bezahlen. Aber wäre eine klare Aufgabentrennung nicht noch sinnvoller?

Seit der Bundesvorsitzende der deutschen Jusos, Kevin Kühnert, das Thema „Verstaatlichung“ ganz neu interpretiert hat, kommen immer neue Ideen auf die Tagesordnung, wie man was, wann und wo politisch umorganisieren könnte.

In der SAP-Community gab es schon einmal eine solche „Revolution“ und offensichtlich erinnert sich Professor Hasso Plattner noch sehr gut an diese Zeit, als Dietmar Hopp der Vorstandschef war. Plattner erwähnte auf der diesjährigen Sapphire auch den Versionswechsel von R/2 auf R/3.

Es war für SAP eine schwierige Zeit, weil es ein konzeptioneller Wechsel von Main­frame auf Client/Server Computing war. Auf der Sapphire argumentierte Plattner, dass man zu gegebener Zeit auch Altlasten hinter sich lassen und Neues wagen müsse.

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04 Platzgummer April2002 Dltz Cmyk

Diese Karikatur von Robert Platzgummer (1975 bis 2016) wurde 2002 veröffentlicht: Die Rollenverteilung innerhalb der Community ist immer Thema.

Damals kam es zur Erhebung der R/2-Bestandskunden und fasst hätten sie Plattner und seine Mitstreiter verjagt – wie die Tiere im Text „Animal Farm“ von George Orwell. Wahrscheinlich hätte es auch so geendet, wie in der dystopischen Fabel zu lesen ist: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“

Die Idee damals: SAP wollte die R/2-Bestandskunden in sehr kurzer Zeit dazu drängen, auf R/3 zu wechseln – durchaus ähnlich der heutigen Situation: bis 2025 von ERP/ECC 6.0 auf S/4 inklusive Hana.

Damals formte sich Widerstand! Einige deutsche Chemie- und Pharmakonzerne drohten SAP, die Wartung von R/2 in die eigene Hand zu nehmen und so das Produkt auch weiterzuentwickeln, denn auf das junge R/3 wollte damals niemand umsteigen.

Hasso Plattner nahm auf diese für alle Beteiligten schwierige Situation in seiner Sapphire- Keynote dieses Jahr Bezug. Damals ging die Auseinandersetzung für SAP gut aus: Man einigte sich auf längere Übergangszeiten, sodass das Investment der R/2-Bestandskunden nicht verloren war.

Parallel dazu wurde R/3 evaluiert und nach einigen Jahren war R/3 wirklich das bessere ERP. Die Anwender blieben bei SAP und zahlten weiterhin die jährliche Servicegebühr. Die Spaltung der SAP-Community konnte abgewendet werden.

Ob dieses diplomatische Kunststück ein zweites Mal gelingt oder die dystopische Fabel in der SAP-Szene diesmal Realität wird, werden die kommenden Jahre zeigen. Vielleicht sollten alle Beteiligten vorab nochmals den Text „Animal Farm“ von George Orwell lesen.

Diesmal stehen nicht nur IT-Unternehmen für die Drittwartung bereit. Der Wechsel auf S/4 ist auch mit hohen Kosten verbunden, sodass einige SAP-Bestandskunden bereits über die Chance nachdenken, mit diesem Investment die SAP-Szene ganz zu verlassen. Hinzu kommt der „erzwungene“ Wechsel der Datenbank: Nichts spricht gegen Hana, aber vieles spricht für Oracle, DB2 und MS-SQL. Noch ist der Ausgang der S/4-Fabel offen.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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