Die Meinung der SAP-Community Erfahrungsbericht Kolumne MAG 1906

Erfolgsgarant für die schnelle S/4-Migration

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Geschrieben von Manuel Dingerkus, cbs

Im Greenfield-Ansatz in eine völlig neue Prozesswelt? Dann ist das smarte Referenzmodell ein echter Beschleuniger für den oft komplexen Template-Bau unter S/4 Hana.

Einer unserer Kunden arbeitet derzeit an einem aufwändigen Greenfield- Projekt. So wünscht sich dieser Kunde eine sauber orchestrierte Prozesslandschaft. Das ist bei insgesamt 120 legalen Einheiten alles andere als einfach. Jede Landesgesellschaft hat eigene Prozesse.

Parallel dazu wird die Organisation komplett umgebaut, von acht Konzernsparten auf drei Geschäftsbereiche. Technisch reden wir von mehr als 30 SAP-ERP- und Non-SAP-ERP-Systemen.

Das bedeutet: Die nicht harmonisierten Prozesse laufen in einer heterogenen IT-Landschaft. Ein weiteres Problem: Die früheren Spartenchefs denken noch in alten Strukturen und tun sich deshalb extrem schwer, einfach alles umzuwerfen. Wie muss heute ein idealer Prozess im Hightech-Maschinenbau aussehen?

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Referenzmodell als Beschleuniger

Die Prozess- und Systemlandschaft muss komplett neu sortiert werden. Ziel: ein globales One-ERP-System. Mehrere bestehende ERP-Systeme und Mandanten unterschiedlicher Releases gilt es in ein S/4-Hana-System und in einen SAP-Mandanten zu konsolidieren.

Dabei müssen Teile der Prozesse harmonisiert und geschäftsfeldspezifische Prozesse heterogen übernommen werden. Zudem müssen wir ERP-Non-Unicode-Systeme nach S/4 übernehmen, dabei auch wieder Teile der Prozesse sowie Daten übernehmen.

Aber wie kommen wir zu einem neuen, zukunftsfähigen Unternehmens-Tem­plate on S/4 Hana, das sich in den kommenden Monaten und Jahren weltweit ausrollen lässt? Das Unternehmen möchte viele Prozesse ganz neu definieren, aus unterschiedlichen Gründen: Man will wieder näher an den SAP-Standard und auch näher an gängige Industriestandards herankommen.

Manuel Dingerkus

Der alte, klassische Weg: Prozesse definieren und sie in vielen Runden, in Workshops und Diskussionen verfeinern. Dieser Ansatz funktioniert in diesem Fall nicht. Wir wollen schneller, direkter zum Ziel. Wenn sich Kunden bewusst von Altem trennen möchten, dann ist das smarte Referenzmodell ein Beschleuniger für den Template-Bau.

Denn es ist die Best-Practice-basierte Vorgehensweise für S/4-Projekte jeder Ansatzvariante, als Migration oder Conversion, mit vollem oder selektivem Redesign, im Smart Green, Smart Brown oder Smart Made-to-measure.

Ein zukunftsfähiges Unternehmens-Template auf Basis des Referenzmodells ist die Erfolgsbasis einer großen S/4-Hana-Migration. Der beste Weg ist der Fit-Gap-Ansatz auf Basis unseres Referenzmodells. Ein Vorteil davon ist, dass nicht alles neu erfunden werden muss. Unser Modell baut auf den bekannten SAP-Best-Practice-Prozessen für diese Industrie auf.

So gehen wir mit dem Fachbereich des Kunden und der IT alle Prozesse durch, wir schauen sie uns einzeln im System an. Dabei stellen wir fest: Was passt denn jetzt nicht zu den Anforderungen des Unternehmens? Am Ende wird also nur daran gearbeitet, was nicht passt oder was sich beim Kunden vom Modellprozess unterscheidet.

Fokus auf die wettbewerbsrelevanten Prozesse

Unser Ziel ist es immer, vorwiegend auf Standard Content zurückzugreifen. Das hat einen einfachen Grund: Solange Unternehmen mit gängigen Standards arbeiten, sind sie auf der sicheren Seite, denn diese werden von der SAP perspektivisch weiterentwickelt.

Je mehr Unternehmen außerdem vom Standard Con­tent nutzen, desto mehr entsprechendes Know-how steht im Markt zur Verfügung. Viele Beratungshäuser entwickeln hingegen ganz eigene Industrielösungen und decken dabei auch alle Inhalte ab, unabhängig davon, ob es eine Entsprechung in SAP gibt.

Damit begibt sich der Kunde aber in eine doppelte Abhängigkeit. Erstens muss er hoffen, dass die SAP ihr Standardmodell auch weiterentwickelt, und zweitens, dass der von ihm engagierte Berater seine Spezial-Industrielösung weiterbetreibt.

Wir orientieren uns am Vorzeigemodell, der „SAP New Model Company“ – dem ersten Schritt in der Strategie 2030. Etwa 80 Prozent dieses Referenzmodells machen die SAP-Best-Practices aus. Auf dieser Basis haben wir uns dann zusammengesetzt und die Lage für die einzelnen Industrien wie Pharma, Maschinenbau, Medizintechnik, Automobil und so weiter genau analysiert: Welche Prozesse fehlen eigentlich im Best Practice Con­tent?

Das sind dann im Idealfall die restlichen 20 Prozent des Referenzmodells, die aber in der Addition bis zu 80 Prozent des Mehrwerts der Modell-Prozesse ausmachen können. Stichwort fehlende Prozesse: Wir sind also nur in die Lücken gestoßen.

Wir haben uns die wettbewerbsdifferenzierenden Prozesse angesehen, die kritischen Abläufe, die wirklich einen Mehrwert bieten, wenn wir sie umgestalten, optimieren oder ganz neu hinzufügen.

Best Practice und Content Packages

Das Ergebnis wird dann in zwei Themen gepackt. Erstens CBS-Best-Practice-Prozesse, das ist eine Erweiterung zu den Standardprozessen. Damit können wir helfen, fehlende Brücken einzubauen. Wir versuchen so auch, die SAP-Best-Practices mit unserer Industrieerfahrung zu komplettieren.

Dies beinhaltet ein Zielbild für Prozesse, Regelwerke, Stammdaten und Reporting-Strukturen; zudem die passenden Migrationsstrukturen, um ein bestehendes System nach S/4 zu bringen. Mit unseren Ansätzen können wir helfen, den Umstieg zu beschleunigen, weil dadurch die Zielstrukturen schneller klar werden. Zweitens Content Packages. Es gibt Themen, die nicht beschrieben werden von der SAP.

Die Walldorfer liefern Software und Funktionen, aber die Regelwerke müssen von den Firmen definiert werden. Beispiel One Finance. Wie strukturiere ich den Finance-Bereich? Dazu gibt es passende Best Practices als geeignete Vorlage.

Daneben gibt es Service Packages wie die E-Invoice Service Cloud für legale Anforderungen und den Dokumentenaustausch mit den Steuerbehörden in Italien, Spanien oder Südamerika, eine globale Pricing-Struktur und ein Stammdaten-Zielbild – auch dazu gibt es im SAP-Standard keine Entsprechung.

https://e-3.de/partners/cbs-corporate-business-solutions/

Über den Autor

Manuel Dingerkus, cbs

Manuel Dingerkus ist Manager bei cbs.

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