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Sapphire: Low Cost Platform

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Professor Hasso Plattner begann seinen launigen Auftritt auf der Sapphire 2019 in Orlando mit der Bemerkung, dass nun nach SAP-Chef Bill McDermott seine Low Cost Keynote folgen würde. Am Tag zuvor stand McDermott auf der Sapphire-Bühne und versprach den angereisten Bestandskunden eine fantastische Zukunft.

Was die gesamte Sapphire am meisten prägte waren die Visionen und Strategien der SAP-Vorstände, denn konkretes gab es nur wenig. Alles wird besser, versprach Bill McDermott und Vorstandsmitglied Christian Klein.

Für einen langjährigen SAP-Bestandskunden sind naturgemäß diese Versprechen schwer zu glauben, denn im wichtigen SAP-Service-Bereich steht Vorstand Michael Kleinemeier ohne Nachfolger da. Er musste nun seinen Vertrag um ein Jahr verlängern und wird auch 2020 wieder auf der Sapphire sein, obwohl er plante, dann bereits im Ruhestand zu sein.

Das gesamte SAP-Cloud-Business hat mit dem Abgang von Vorstand Rob Enslin zu Google den Master Mind verloren. Nun müsse sich gleich drei Vorstandmitglied um diese SAP-Baustelle kümmern: Christian Klein, Jennifer Morgan und Jürgen Müller.

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Im SAP-Back-Office und hinter der Sapphire-Bühne schaut es nicht gut aus. Die Reißleine musste Finanzvorstand Luka Mucic ziehen und einen zweite Capital Markets Day in New York für dieses Jahr ankündigen.

Eine absolute und bei weiten nicht geplante Neuigkeit bei SAP. Somit war die sarkastische Kritik von Hasso Plattner an seinen Vorrednern nur berechtigt: Er würde jetzt eine Low Cost Keynote halten ohne Unterstützung seines langjährigen Partners und Technikvorstand Bernd Leukert. Der neue SAP-Technikvorstand Jürgen Müller scheint noch nicht reif für die große Sapphire-Bühne zu sein.

Aber auch Plattner konnte sich dem allgemeinen Sapphire-Trend „ein Versprechen auf die Zukunft“ nicht entziehen. Eines seiner Lieblingsworte war „Hokey Stick“. Damit wollte er andeutet, dass SAP momentan noch in einer Selbstfindungsphase nach den Zukäufen wie Callidus und Qualtrics ist, und dass die Datenbank Hana eine Plattform für das „intelligente Enterprise“ werden könnte.

Wenn SAP seine Hausaufgaben in den kommenden Jahren macht, dann könnte die Umsatz-, Margen- und Aktienkurve wie die Form eines Hockey Stick abheben. Aber das ist eben nur ein Versprechen auf die Zukunft.

Selbst die wohlwollende SAP-Anwendergruppe DSAG sieht die Gegenwart noch voller ungelöster Herausforderungen.

„Ariba, Hybris, Concur, Fieldglass, Callidus und zuletzt Qualtrics: die Akquisitionspolitik von SAP hat in den vergangenen Jahren zu einem massiven Bedarf geführt, Systeme und Stammdaten zusammenzuführen.

Wir sehen, dass die von SAP zugekauften Lösungen noch gewisse Integrationsschwierigkeiten mit sich bringen. Dass die Integration der einzelnen Komponenten noch nicht zufriedenstellend ist, haben wir SAP gegenüber bereits kommuniziert.

Aus unserer Sicht gibt es Anzeichen, dass SAP bereits an der weiteren Integration arbeitet und, wie auf der Sapphire angekündigt, im Bereich des Kundenmanagements mit der Customer Data Cloud eine erste Lösung anbietet.“

meinte DSAG-Chef Marco Lenck die Ankündigungen in Olrnado kommentierend.

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Definitiv wie ein Hokey Stick wird sich das weltweite Datenvolumen entwickeln. Professor Plattner hat diese Entwicklung währedn seiner Sapphire-Keynote deutlich gemacht und gleichzeitig auf das Problem dieser enormen Datenmenge in Zusammenhang mit einer In-memory-Computing-Datenbank wie Hana hingewiesen.

Big Data überfordert das Hana-Datenbankkonzept, wo das Paradigma lautet, alle Daten sind im Hauptspeicher. Aber SAP hat vorgesorgt: Mit dem Kauf von Sybase 2010 wurde SAP der Besitzer der Datenbank ASE (Adaptive Server Enterprise), die eine ähnliche Architektur zeigt wie Hana aber Festplatten-orientiert ist.

Aus der Kombination von In-memory-Computing Hana und Sybase ASE lassen sich nun sehr große, hybride Fatenbanksysteme für das kommende Big Data bauen. Der SAP-Bestandskunde bekommt dann mit der Hana-Plattform das Beste aus zwei Welten: das schnelle In-memory Computing und den preiswerten Plattenspeicherplatz.

Integration und Datenbanken sind nur zwei der vielen Baustellen, die Plattner bei SAP sieht und er hoffte, dass die SAP-Mitarbeiter ihre Komfortzone sowie klimatisierten Büros verlassen und an die Arbeit gehen. Ein Hilfsmittel könnte nach Meinung von Plattner der Zukauf Qualtrics werden.

Mit dieser Software-Plattform soll es möglich sein, sehr schnell und präzise Rückmeldungen vom Markt zu bekommen. Damit könnte man dann die eigene Entwicklungsarbeit besser planen. Jedenfalls hat Plattner seinen Vorstandschef von der Sapphire-Bühne aus aufgefordert die Innovationsgeschwindigkeit deutlich zu erhöhen.

Hasso Plattner sieht in Zukunft die SAP-Bestandskunden überwiegend in der Public Cloud mit einem kontinuierlichen, unsichtbaren Relasewechel von Hana über S/4 bis Qualtrics. Es war hart SAP aufzubauen, meinte Plattner, und es wird noch härter für die Mitarbeiter, prophezeite er.

Ob die SAP-Bestandskunden seinem Weg folgen konnte aus den Reaktionen während seiner Keynote nicht abgeleitet werden.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

1 Kommentar

  • Selbst wenn es der SAP gelingt, in absehbarer Zeit ihre vielen Produkte zu integrieren oder zwischen diesen “Brücken zu bauen”, ist das Problem noch lange nicht gelöst. Denn jedes einzelne Produkt muss von den Kunden (und vorher wahrscheinlich noch von den Beratern) erlernt, durchschaut und beherrscht werden. Danach muss sich jedes Unternehmen überlegen, welche Produkte es in welcher Reihenfolge einsetzen will, welcher Nutzen daraus generiert werden kann, wie sich deren Einsatz auf die internen Funktionen und Prozesse auswirkt, welche Investitionen dafür erforderlich sind,.. bevor es beginnen kann, die einzelnen Produkte und Integration zur bestehenden SAP-Software projektmäßig zu implementieren. Ein Ariba , Fieldglass, Qualtrics,… lassen sich nicht per heiligen Geist in das ERP-System einhauchen, da fließt pro Produkt viel Arbeit, Fleiss, Kosten, Zeit, Schulungen, Umorganisation, Unannehmlichkeiten einer Produktivsetzung ,… und das alles ist ein Projekt über viele Jahre.
    Das werden sich die Bestandskunden nur im Fall einer sehr hohen Nutzenerwartung antun und abwägen , ob es nicht wertschöpfendere IT-Projekte im Rahmen der Digitalisierung, IoT, …. gibt

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