Die Meinung der SAP-Community E-Commerce Kolumne MAG 1904

„The next big thing“

Shopping Cart and Stars
Geschrieben von Michael Kramer, IBM

Es sind die unscheinbaren Ideen, die große Veränderungen einleiten. Amazon plant, eigene Seriennummern zu verkaufen, die Hersteller auf ihre Produkte anbringen. Diese Macht hat nur Amazon.

Vor einem Jahr schrieb ich über das „1-Click“-Patent von Amazon, das den Kauf exklusiv für Amazon und für ausgewählte zahlende Mitbewerber in einem Onlineshop auf einen Klick reduzierte und damit vereinfacht hat. Nun stellen sie eine neue Innovation vor, die viel Sprengstoff birgt.

Der Onlineriese wird schon lange von Markenherstellern bedrängt, stärker gegen Plagiate vorzugehen. Hersteller, wie Birkenstock 2017, haben aufgrund vieler Plagiate die Belieferung an Amazon sogar eingestellt.

Nun hat Amazon aus der Not eine neue Geschäftsidee gelauncht: „Project Zero“. Was schon bekannt ist: Es ist ein „invite only“-Programm und bisher nur in den USA verfügbar. Herzstück ist die von Amazon zur Verfügung gestellte einzigartige Seriennummer (zusätzlich zur Herstellernummer), die vom Hersteller auf seine Produkte aufgebracht wird.

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Im Auslieferungslager angekommen, scannt Amazon diese Nummern und kann so Plagiate erkennen. Zusätzlich können teilnehmende Hersteller über eine Self-Service-Funktion selbst Angebote löschen, bei denen der Anbieter die Authentizität nicht nachweist.

Weiterhin können Hersteller zum verbesserten automatisierten Schutzsystem von Amazon beitragen, indem sie ihre Logos, Marken und weitere Informationen hochladen und somit Project Zero weiter füttern.

Es gibt nur wenige Unternehmen mit einer solchen Marktmacht, welche dem Markt ein eigenes Schutzsystem quasi verordnen können. Es dient tatsächlich dem Schutz der Hersteller und Kunden vor Plagiaten.

Die Kosten sind mit aktuell 0,01 bis 0,05 Dollar pro Seriennummer für höherwertige Produkte akzeptabel. Vielleicht werden nun auch vermehrt B2B-Produkte über den Marketplace angeboten, die marktbedingt stark unter Plagiaten leiden, bisher ihre Kundschaft aber nicht dort haben.

Weitere Märkte können der Food Chain (eventuell zusätzlich mit Sensoren), medizinische Geräte und hochwertige Ersatzteile sein. Andererseits ist die Transparenz gegenüber Amazon heute schon für viele Hersteller schmerzhaft: Läuft ein Produkt gut und hat entsprechende Margen, steigt die Gefahr, bald etwas Ähnliches als Amazon Basics zu finden.

Auch Kunden werden transparenter: Die Ströme der gekauften Waren können punktuell weiterverfolgt werden. Wo taucht die Ware wieder auf?

Ungelöst ist allerdings die Qualität zukünftiger Krimis. Eine weggeworfene Verpackung am Tatort, eine Anfrage bei „Project Zero“, wer der Käufer war, und die meisten Fälle sind zur ersten Werbepause gelöst.

Wollen Sie auf die „Project Zero“-Warteliste?:

https://brandservices.amazon.com/projectzero/waitlist

Über den Autor

Michael Kramer, IBM

Michael Kramer ist Channel Sales Leader DACH bei Cognitive Engagement Solutions - Watson Commerce & Marketing.

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