Infrastruktur MAG 1902

S/4 – Cloud oder nicht Cloud, das ist hier eine der Fragen

[shutterstock.com: 678905389, FCSCAFEINE]
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S/4, die neue ERP-Generation von SAP, hat seit der Markteinführung 2015 in zahlreichen Unternehmen den Praxistest bestanden. Gleichzeitig halten sich jedoch viele Firmen, die SAP nutzen, mit der Umstellung auf S/4 und Hana ganz offenkundig zurück. Doch was sind ihre Gründe dafür?

Arvato Systems und PAC (Pierre Audoin Consultants), eines der führenden Marktforschungs- und Beratungsunternehmen im Bereich Software- und IT-Services, haben in den vergangenen Monaten eine Studie darüber erstellt, wa­rum sich Unternehmen pro oder kontra S/4 Hana entscheiden, welche Forderungen und Erwartungen potenzielle Nutzer an die neue Anwendungs-Suite haben und ob sie eine Migration oder die Neuimplementierung der SAP-Systeme bevorzugen würden.

Ein weiterer Fragenkomplex drehte sich um das Thema Cloud: Sollte man bei Einführung von S/4 nicht gleich auf die On-premises-­Version verzichten und in die Cloud gehen?

Was Führungskräfte in der deutschen Wirtschaft von S/4 in der Cloud halten: Seit einiger Zeit sind Cloud-Anwendungen in deutschen Unternehmen auf dem Vormarsch. Im Fall der Nutzung von S/4 stellt sich die Situation allerdings etwas anders dar.

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Nur für acht Prozent der Teilnehmer der PAC-Studie kommt überhaupt eine ausschließliche Cloud-Edition infrage. Ihnen stehen 60 Prozent gegenüber, die ausschließlich auf die On-premises-Variante setzen.

Dabei hat eine Cloud-Lösung durchaus aufgeholt, wie niedrigere Gesamtbetriebskosten (TCO) und ein schnellerer Return on Investment, verbesserte Gover­nance und Compliance durch eine höhere Standardisierung und frühzeitige Release-­Upgrades zeigen.

Cloud ist Vertrauenssache

Zahlreiche Untersuchungen und Umfragen haben bereits ergeben, dass das größte Hindernis für Cloud-Anwendungen in der deutschen Wirtschaft massive Bedenken im Hinblick auf Sicherheit und Datenschutz sind.

Diese Themen treiben auch die Teilnehmer an der vorliegenden Studie „SAP S/4 Hana in Deutschland“ um. Die Mitautoren von PAC vermuten überdies, dass manchen der interviewten Unternehmen in der Cloudversion Funktionen fehlen, etwa im Bereich der Fertigungssteuerung, oder man befürchtet, dass ein cloudbasiertes System nicht genügend Möglichkeiten zum Customizing hat.

Selbstverständlich gibt es auch Pluspunkte auf der On-premises-Seite. So behält man weiterhin die Kontrolle über den Source Code und den Betrieb, kann den Source Code verändern, ist selbst verantwortlich für die Upgrades und entscheidet, wo das System gehostet wird: im eigenen Rechenzentrum, beim Hosting-Partner oder beim Hyperscaler. Dazu kommt die oft einfachere Integration eines lokalen SAP-Systems in die vorhandene IT-Landschaft.

Infrastruktur 1902 Zitat

Für die Cloud gibt es bei vielen Unternehmen bezüglich Compliance und Gover­nance noch Handlungsbedarf, was durchaus ein wichtiger Grund ist, zunächst nicht in die Cloud zu gehen.

Nach der vorliegenden Studie wäre von den 60 Prozent, die sich für die S/4-On-premises-Edition entscheiden, mehr als jeder Zweite dafür, die Software im Eigenbetrieb zu betreiben, während rund ein Drittel SAP-Outsourcing-Dienste nutzen möchte.

Zwölf Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass für sie die gleichzeitige Nutzung beider Versionen – On-premises und Cloud – denkbar ist. Eine mögliche Erklärung wäre, dass es sich dabei um Unternehmen mit mehreren Standorten handelt: Die Firmenzentrale würde ein On-premises-SAP-System nutzen, während die Niederlassungen das ERP via Cloud beziehen, da sich die Software so schneller aufspielen, updaten und warten lässt.

Ein erheblicher Teil – fast ein Fünftel – hat sich in punc­to Cloud noch nicht festgelegt. Möglicherweise haben sich diese Unternehmen noch nicht hinreichend mit der Thematik befasst.

Doch bevor es überhaupt um ‚Cloud oder nicht Cloud‘ geht, muss man sich erst einmal für das neue SAP-Release entscheiden. Und da sind sich viele Unternehmen noch gar nicht so sicher.

Was für S/4 spricht

Die Befragten sehen im neuen SAP-System viel Potenzial. Die Studie hat ergeben, dass sich rund 66 Prozent der Befragten durch S/4 eine signifikante Beschleunigung ihrer Prozesse und Datenanalysen versprechen, über die Hälfte erwartet, dass von der Softwareimplementierung eine Art Initialzündung ausgeht, um die vorhandenen SAP- Anwendungen und Infrastrukturen zu modernisieren, und für 48 Prozent gehen mit S/4 sowohl eine gesteigerte Benutzerfreundlichkeit, höhere Flexibilität und verbesserte Anpassbarkeit als auch eine Kostenreduzierung des SAP-Betriebs einher.

Frank Brinkmann

Wo knirscht es im SAP-Getriebe?

Fast ein Drittel der Firmen hat folgerichtig die Migration zu Hana und S/4 bereits abgeschlossen, steckt mittendrin oder hat sie zumindest eingeplant. Bei den Angaben, was gegen das System spricht, bleiben die Befragten eher vage.

Viele, fast 70 Prozent, sorgen sich, ob sie das Aufwand-Nutzen- Verhältnis wirklich richtig einschätzen können. Zudem sehen über die Hälfte der Firmen derzeit für sich keinen überzeugenden Anwendungsfall und 40 Prozent aktuell keinen Mehrwert des Systems für ihr eigenes Unternehmen.

Mit zunehmendem Wissen über die Performance von S/4 und mehr Business Cases, die den Mehrwert der Anwendung in der Praxis aufzeigen, wird S/4 und Hana sicher weiter an Zuspruch gewinnen. Die Studie offenbart schließlich auch, dass nur eine Minderheit von sieben Prozent entschlossen ist, auf Anwendungen eines Drittanbieters zu migrieren.

Das Thema Agilität ist in aller Munde. Nur ein agiles Unternehmen schafft es, sich immer wieder an die sich ständig wandelnden Erfordernisse des Marktes anzupassen. Mehr Beweglichkeit und eine schnellere Reaktion auf Veränderung sind gefragt.

Infra 1902 Brinkmann

Die IT-Werkzeuge müssen da natürlich mithalten. Das sieht die Mehrheit der Studienteilnehmer genauso: 76 Prozent würden S/4 und Hana vor allem deshalb einführen, um SAP-Prozesse flexibler und agiler zu machen.

Zumal über 60 Prozent von einer großen Herausforderung sprechen, wenn es darum geht, mit ihren bestehenden SAP- Systemen innovative Geschäftsanforderungen schneller umzusetzen beziehungsweise ihre ERP-gestützten Prozesse besser auf die aktuellen Notwendigkeiten auszurichten.

Dazu kommt, dass fast jeder Zweite nach eigener Aussage ein SAP-System benötigt, das sich leichter anpassen lässt. Auch mit der Nutzerfreundlichkeit der Vorgängerversionen ist man unzufrieden: Fast die Hälfte der Befragten bemängelt zu komplexe Benutzeroberflächen.

Es gibt also genügend gute Gründe, die Vorteile von S/4 – etwa die einfachere Handhabung und die sehr viel schnellere Datenanalyse – für sich zu entdecken.

Mehr zu diesem Themenkomplex, unter anderem wer die typischen Treiber für den Wandel zu S/4 und Hana in einem Unternehmen sind und auf welchem Weg die Umstellung bevorzugt erfolgen würde – Stichwort Greenfield versus Brownfield –, findet sich in der Vollversion der Studie, die nach Registrierung hier erhältlich ist: it.arvato.com/s4hana_studie

 

https://e-3.de/partners/arvato-systems-gmbh/


 

Studie „SAP S/4 Hana in Deutschland“

Es wurden rund einhundert Führungskräfte und SAP-Verantwortliche aus deutschen Unternehmen, die mindestens 1000 Mitarbeiter beschäftigen, telefonisch interviewt. Mehr als ein Viertel der Befragten nutzt bereits die Datenbankplattform SAP Hana, etwa als Basis für das Data Warehouse (SAP BW).

Die Umfrage fand im Mai und Juni 2018 statt. 43 Prozent der Firmen gehören dem verarbeitenden/produzierenden Gewerbe an. Die anderen 57 Prozent zählen zu den Branchen Dienstleistung, Handel und Verkehr.

Über den Autor

Frank Brinkmann, Arvato Systems

Frank Brinkmann ist Vice President SAP Consulting bei Arvato Systems.

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