Die Meinung der SAP-Community Lünendonk - Kolumne MAG 1902

Die IT-Legacy muss weg!

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Unternehmen, die eine erfolgreiche digitale Transformation anstreben, müssen die gleichen technologischen Voraussetzungen schaffen wie Internetkonzerne und Start-ups – nämlich eine IT-Landschaft, die einen kontinuierlichen Austausch von Daten ermöglicht.

Die meisten Unternehmen, selbst die Dax-Konzerne, verfügen nicht über eine moderne, schnittstellenoffene, unbegrenzt skalierbare IT-Landschaft, sondern über ein Konglomerat von diversen ERP-Systemen und isolierten Altanwendungen, die zur Unterstützung spezieller Prozesse individuell konzipiert wurden.

In einer solchen Struktur ist der Austausch von Daten zwischen den Systemen – wie es datenbasierte Geschäftsmodelle verlangen – nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Die Customer Experience ist entsprechend niedrig und viele neue Geschäftsmodelle der traditionellen Unternehmen scheitern an der Akzeptanz der Kunden, wenn nicht sogar bereits an der internen Akzeptanz.

Bevor also überhaupt ein digitales Geschäftsmodell oder ein digitaler Zusatzservice an den Markt gebracht wird, müssen unbedingt zunächst die technologischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Druck zur Vernetzung steigt

Verschärfend kommt für CIOs hinzu, dass IT-Landschaften im Zuge der Digitalisierung durch diverse neue digitale Lösungen (IoT, Mobile Commerce, Digital Marketing etc.) noch heterogener werden und teilweise bereits erzielte Konsolidierungs- und Harmonisierungserfolge wieder zunichtemachen.

In diesem Zusammenhang ist es in vielen Unternehmen Realität, dass sich wieder eine (teilweise auch gewollte und durch die IT gesteuerte) Schatten-IT entwickelt hat, die mittels APIs mit der Back-End-IT vernetzt werden muss.

Ein weiterer bedeutender Treiber für IT-Abteilungen sind die Entwicklung neuer (digitaler) Geschäftsmodelle auf Basis von Cloud-Plattformen (AWS, Salesforce, Azure etc.) und – damit verbunden – mehr Softwareanwendungen, die es mit der Bestands-IT zu vernetzen gilt.

Deren Anbindung an die Back-End-IT-Prozesse (ERP, CRM etc.) ist Grundvoraussetzung dafür, dass ein Datenaustausch zwischen den Systemen möglich ist und den Nutzern eines Service (z. B. eines Webportals) alle relevanten Informationen zur Verfügung stehen.

Unternehmen investieren in die Cloud-Migration

Der am häufigsten genannte Grund für Cloud-Migration ist der flexible und skalierbare Betrieb der Anwendungen. Im Zuge der aktuellen Lünendonk-Studie „IT-Strategien und Cloud-Sourcing im Zuge des digitalen Wandels“ nannten 72 Prozent der Befragten diesen Grund für die Migration von Anwendungen in die Cloud.

Viele Legacy-Systeme verfügen oft nicht über die notwendigen Schnittstellen, um beispielsweise IoT-Anwendungen oder Lösungen rund um Digital Marketing und Onlinevertrieb (Webshops, Apps) vollständig anzubinden.

Eine „bessere Integration von neuen Anwendungen in die Back-End-IT“ ist daher der am zweithäufigsten genannte Grund für Cloud-Sourcing. Hier steht das Thema API im Fokus, um neue digitale Lösungen schneller und reibungsloser an die Kernsysteme anzubinden und somit den notwendigen Datentransfer zwischen den verschiedenen Systemen sicherzustellen.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Cloud-Migration auf Ebene der IT-Infrastruktur – vor allem aus der Businessperspektive – ist die Entwicklung neuer (digital geprägter) Geschäftsmodelle beziehungsweise digitaler Mehrwertdienste (Chatbots, Apps etc.).

Dabei werden auch verstärkt agile Methoden für ihre Entwicklung und das Deployment genutzt. Hier setzt sich vor allem DevOps zunehmend durch, was von den Plattformen der führenden Cloud-Provider (AWS, Google, IBM, Microsoft Azure etc.) ebenso bereitgestellt wird wie eine Vielzahl weiterer moderner Technologien (KI, Security, Analytics etc.) durch APIs.

Für die Kunden sind die IaaS-Angebote daher eine vergleichsweise kostengünstige Quelle, um neue Technologien nutzen zu können.

Grafik Luenendonk

Frage: Welche grundsätzlichen Sourcing-Strategien verfolgt Ihr Unternehmen aktuell und zukünftig? n = 93

Interessant ist, dass mehr als jeder zweite der befragten IT-Manager angab, dass Cloud-Provider höhere IT-Sicherheitsstandards und damit einen besseren Schutz gegen externe Angriffe bieten als das klassische Rechenzentrum-Hosting.

Vor allem gegen Hackerangriffe sind die meisten der alten IT-Systeme nicht gut aufgestellt und bieten nur geringen Schutz vor Industriespionage.

Aktuelle und künftige Sourcing-Strategien

Die Lünendonk-Studie „IT-Strategien und Cloud-Sourcing im Zuge des digitalen Wandels“ – die in fachlicher Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Datagroup sowie den IT-Sourcing-Beratern Microfin und Sepicon erstellt wurde – zeigt, dass im Anwendungsbetrieb das klassische Sourcing-Modell (ohne Cloud-Komponenten) zwar noch dominiert, sich mittelfristig allerdings die Private Cloud als dominierendes Betriebsmodell etablieren wird.

Der aktuell noch vergleichsweise geringe Anteil der Cloud im Anwendungsbetrieb hängt zum einen damit zusammen, dass Migrationsprojekte eine aufwändige Planung voraussetzen, in die alle Unternehmensbereiche einbezogen werden müssen, und daher auch hochkomplexe Projekte sind.

Daher dauern komplette Migrationsprojekte auch Monate, wenn nicht Jahre. Zusätzlich gibt es bei den befragten IT-Managern auch durchaus unterschiedliche Definitionen, wann ein Deployment als Cloud bezeichnet werden kann – beispielsweise beim Azure-Stack von Microsoft, der eine Cloud- Umgebung im On-premise-Betrieb widerspiegelt. Für die einen handelt es sich hier um ein Cloud-Modell, für die anderen eben nicht.

Der Trend zum Cloud-Sourcing wird in jedem Fall dadurch gestützt, dass nur 19 Prozent der untersuchten großen mittelständischen Unternehmen und Konzerne derzeit die Strategie verfolgen, ihre Anwendungen (alte und neue) mittelfristig weiter im klassischen Outsourcing beziehungsweise im eigenen Rechenzentrum zu belassen und somit keine Cloud-Komponenten zu nutzen.

Auf langfristige Sicht können sich aber nur acht Prozent der Unternehmen vorstellen, ihre Anwendungen komplett ohne Cloud- Komponenten zu betreiben beziehungsweise betreiben zu lassen.

Die Antworten der befragten IT-Manager hinsichtlich ihrer aktuellen und zukünftig geplanten Sourcing-Strategien zeigen daher sehr deutlich, dass künftig die Migration von Teilen der Anwendungslandschaft in die Private Cloud die bevorzugte Sourcing-Variante sein wird.

Hybride Ansätze werden folglich an Bedeutung gewinnen, um die On-premise-Welt mit der Cloud-Welt und der Vielzahl an Cloud Deployments zu vernetzen.

In 29 Prozent der befragten Unternehmen gibt es derzeit konkrete Planungen darüber, in Zukunft Teile der Anwendungslandschaft in die Private Cloud zu migrieren. Aktuell verfolgen bereits 23 Prozent der Unternehmen diese Sourcing-Strategie.

Einige Unternehmen verfolgen dagegen die Strategie, künftig die gesamte Anwendungslandschaft in die Private Cloud zu migrieren. Dabei spielen die bessere Vernetzung der Kernsysteme (ERP, CRM, PLM etc.) mit neuen digitalen Lösungen sowie der reibungslose Datenaustausch eine wichtige Rolle für diesen Schritt.

Cloud First bei neuen Anwendungen

In 20 Prozent der befragten Unternehmen werden neue Anwendungen grundsätzlich direkt aus der Private Cloud bezogen und weitere 18 Prozent werden künftig neue Software nur aus der Private Cloud beziehen.

Ebenfalls 18 Prozent der Unternehmen beziehen neu angeschaffte Softwareanwendungen dagegen komplett aus der Public Cloud. Allerdings können sich nur elf Prozent der Unternehmen zukünftig vorstellen, die Public Cloud als Betriebsmodell zu nutzen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Großunternehmen und Konzerne in den vergangenen Jahren große Fortschritte dabei gemacht haben, entweder eigene Clouds aufzubauen oder die Voraussetzungen dafür zu schaffen, künftig zumindest Teile ihrer Softwareanwendungen in die Cloud zu überführen.

Vorbehalte gegenüber der Public Cloud nehmen ab

Obwohl sich die Private Cloud wohl als das bestimmende Cloud-Modell etablieren wird, zeigen die Antworten der befragten CIOs und IT-Manager auch, dass vor allem in Großunternehmen und Konzernen die Vorteile der Public Cloud gegenüber den Sicherheitsbedenken überwiegen.

Zumindest für bestimmte (nicht unternehmenskritische) Anwendungen können sich langfristig 20 Prozent der Befragten ein Public-Cloud-Modell vorstellen.

Aktuell nutzt immerhin jedes zehnte Unternehmen die Public Cloud als Deployment von bestimmten Anwendungen. Die komplette Anwendungslandschaft wollen immerhin zwölf Prozent künftig aus der Public Cloud beziehen.

Fazit

Der Schritt in die Cloud ist alternativlos. Wenn digitale Geschäftsmodelle am Markt erfolgreich sein sollen, müssen die Daten zwischen den internen Systemen fließen, ebenso wie zwischen allen Beteiligten eines Plattform-Ökosystems.

Mit monolithischen IT-Strukturen lassen sich zwar nette Front-Ends bauen, aber gegen die agilen und skalierbaren IT-Plattformen der Onlinekonzerne und Start-ups, die auf einem Greenfield Approach beruhen, lässt sich der Wettbewerb im digitalen Zeitalter nicht mehr gewinnen.

Über den Autor

Mario Zillmann, Lünendonk

Angestellt als Senior Consultant bei der Lünendonk GmbH

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