Die Meinung der SAP-Community E-Commerce Kolumne MAG 1902

Cloudlösungen optimieren, oder?

Shopping Cart and Stars
Geschrieben von Michael Kramer, IBM

Cloudlösungen sind praktisch. Der Anwender muss sich nicht um Aktualisierung oder Lastwechsel kümmern. Was passiert aber im Ausnahmezustand eines Black Friday oder Singles Day in China?

Cloudlösungen werden immer beliebter. Kein Wunder, die Anbieter bieten Cloudlösungen zwar als standardisierte Technologie und Infrastruktur an, was die Kosten gering hält, andererseits lassen sich die Lösungen immer mehr individualisieren.

Auch die Lizenzmodelle sind angepasst. Abgerechnet wird nach Orderline oder Order, was bei saisonalen Lastspitzen hilfreich ist. Oder es wird nach Prozessorgrößen berechnet, was bei gleichbleibender Last von Nutzen ist. Manche Anbieter lassen sich mit einem Anteil vom Umsatz bezahlen usw.

Viele Anbieter ermöglichen es, die Kapazitäten temporär zu erweitern, zum Beispiel bei Saisongeschäft oder unerwarteten Ereignissen (Wetter etc.). Das Modell geht sich aber dann nicht mehr aus, wenn viele Kunden (un)geplant einen deutlich höheren Traffic auf ihren Shops haben.

So sind Termine wie der Black Friday gerade für Anbieter eine Herausforderung, die viele Retailer betreuen. Dann benötigen alle mehr Kapazitäten, die den Rest des Jahres nicht benötigt werden.

Hier sind die Interessen der Anbieter und ihrer Kunden diametral. Schön, dann einen Anbieter zu haben, der die SLA auch in solchen Sonderfällen einhält.

Das Finden des richtigen Anbieters ist nur ein Teil des Erfolges. Wussten Sie, dass der Traffic auf vielen Shops im Vorfeld zum Beispiel eines Black Friday deutlich höher ist als am eigentlichen Freitag?

Das liegt daran, dass viele Kunden ihre Wunschprodukte im Vorfeld scannen, markieren, auf Merklisten legen usw. Woher Sie das wissen können? Zum Beispiel durch das Nutzen von Lösungen wie TeaLeaf, die Einzel- oder Gruppenverhalten von Usern scannen und mittels KI Prognosen und Handlungsempfehlungen geben.

Wenn Sie diese Informationen haben, ist ein Healthcheck zusammen mit dem Anbieter sinnvoll. Warum? Es sind nicht nur die eingesetzten Cloudlösungen, die eine hohe Perfor­mance aushalten müssen.

Es sind auch alle Systeme, die mit ihrem Shop verbunden sind und zuliefern oder aufnehmen, zum Beispiel der Check-out-Prozess, Ihre ausgelagerte Bilddatenbank und die Abfrage des Lagers.

Sind Ihre Caching-Algorithmen dem Peakverhalten angepasst? Sind parallele Lasten wie der regelmäßige Newsletter abgeschaltet oder zum Beispiel auf die Nachtstunden verschoben?

Beim vergangenen Black Friday waren bei einigen Anbietern sehr langsame Screen-Wechsel von vielen Sekunden zu sehen. Manche Händler, darunter auch sehr renommierte, hatten gar komplette Ausfälle und damit hohe Umsatz- und Kundenverluste, von der Reputation ganz abgesehen. Trotz immenser Vorteile in der Cloud, vergessen Sie bitte nicht die alten Tugenden aus On-premise-Tagen.

Über den Autor

Michael Kramer, IBM

Michael Kramer ist Channel Sales Leader DACH bei Cognitive Engagement Solutions - Watson Commerce & Marketing.

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