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IT-Dienstleister sind der Schlüssel zum Erfolg

[shutterstock.com: 634991003, jamesteohart]
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Geschrieben von Simone Sailer, e3zine.com

Für IT-Dienstleister sehen die nächsten Jahre äußerst vielversprechend aus. Das ist wenig überraschend – neue Technologien wie Blockchain oder KI, aber auch Themen wie Cloud-Migration und die Automatisierung von Geschäftsprozessen erhöhen die Nachfrage nach externer Unterstützung.

Eine Firma digital zu transformieren – keine leichte Aufgabe. Immer öfter werden Unternehmen mit neuen Technologien wie Blockchain, KI oder IoT und Themen wie digitalem Marketing oder Prozessautomatisierung konfrontiert, ohne das nötige Know-how dafür zu haben.

Sie brauchen externe Unterstützung, um die Anforderungen des digitalen Zeitalters zu bewältigen. Deshalb ist es nicht überraschend, dass der Markt für IT-Beratungsunternehmen wächst wie kaum ein anderer.

Der Lünendonk-Studie 2018 „Der Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland“ zufolge haben sich IT-Dienstleister zu wichtigen Schlüsselfaktoren für die digitale Transformation von Unternehmen entwickelt und verzeichnen ihr stärkstes Wachstum seit Jahren.

Befragt wurden im Zuge dieser Studie 78 IT-Dienstleister, darunter die führenden 25 IT-Beratungsunternehmen in Deutschland, sowie 137 Anwenderunternehmen aus unterschiedlichen Branchen, zum Beispiel Manufacturing, Logistik und Telekommunikation.

„Die Mehrheit der befragten IT-Dienstleister geht davon aus, stärker zu wachsen als der Gesamtmarkt und damit Marktanteile hinzuzugewinnen“

erläutert Studienautor Mario Zillmann, Partner beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder.

„Ein Grund dafür ist beispielsweise der erhöhte Unterstützungsbedarf bei der Automatisierung von Prozessen, aber auch bei der Migration von Legacy-Anwendungen in die Cloud sowie der Einführung neuer Business-Software.“

Für Anwenderunternehmen kann es sich überwältigend anfühlen, sich mit all diesen neuen Technologien auseinandersetzen zu müssen und auf deren Basis eine digitale Transformation in die Wege zu leiten.

Deshalb suchen die meisten Unternehmen nicht nur externe Unterstützung bei der Implementierung von Software, sondern auch in den frühen Anfangsphasen ihrer Digitalisierungsprojekte.

Dieter Loewe, Chief Client Officer bei NTT Data, denkt, dass es teilweise auch die Nachfrage nach genau dieser Art von ganzheitlicher Unterstützung ist, die IT-Beratungsunternehmen in den vergangenen Jahren so sprunghaft zum Erfolg verholfen hat:

„Man muss den Kunden heutzutage einfach viel früher abholen, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will. Als IT-Beratungsunternehmen muss man in der Lage sein, ein Kundenprojekt von Anfang bis Ende zu begleiten.

Was auch zur Folge hat, dass man Kreativleistungen ausführen können muss, die traditionell von Internet­agenturen durchgeführt wurden.“

Die Studie hat außerdem ergeben, dass besonders die Fachbereiche mittlerweile an Digitalisierungsprojekten zulegen. Ein Drittel der 137 befragten Anwenderunternehmen hat angegeben, 50 Prozent mehr Digitalisierungsprojekte zu haben als noch im Jahr zuvor. Mario Zillmann fasst prägnant zusammen: „IT drives business.“

Dieter Loewe sieht darin einen neuen Trend:

„Anstelle von Outsourcing wird nun Insourcing wieder verstärkt betrieben. Das heißt, dass Unternehmen immer mehr eigenes IT-Know-how aufbauen, denn ohne geht es mittlerweile nicht mehr. Das ist eine relevante Zeitenwende, die man nicht unterschätzen sollte.“

Gleichzeitig aber werden viele dieser zusätzlichen Projekte nie beendet. 38 Prozent der Befragten gaben an, 20 Prozent der geplanten Projekte wieder abgebrochen zu haben. Die Gründe dafür sind vielfältig; der am häufigsten angegebene Grund jedoch ist ein Mangel an IT-Experten.

Heiko Packwitz, Chief Marketing and Communications Officer bei der Lufthansa Industry Solutions, versucht sich an einer Erklärung für den Mangel an IT-Experten:

„Die hohe Zahl der Projekte, die an einer zu geringen Anzahl an Mitarbeitern scheitern, kann sich unter Umständen dadurch erklären lassen, dass die Digitalisierungsprojekte in Fachbereichen zunehmen, wo natürlich wenig IT-Experten vorhanden sind.“

Diese Zahlen zeigen, dass der Bedarf, zu digitalisieren, deutlich höher ist als die Umsetzung. Holger von Daniels, geschäftsführender Gesellschafter von Valantic, hat eine mögliche Erklärung für die Disparität zwischen Planung und Realität:

„Das IT-Know-how auf Vorstandsebene fehlt einfach. Die Verantwortung für solche Projekte liegt viel zu oft beim CFO, wo sie absolut nicht hingehört.“

Digital Customer Experience

Digital Customer Experience ist eines der wichtigsten Themen, die in der nächsten Zeit auf Anwenderunternehmen wie auch auf IT-Dienstleister zukommen werden. Es ist beinahe unabdingbar, dass sich Unternehmen am Kunden orientieren, ihre Kundenschnittstellen digitalisieren und benutzerfreundliche Websites und Apps erstellen.

Auch digitales Marketing gewinnt immer mehr an Wichtigkeit. Das zeigt sich unter anderem darin, dass der geplante Umsatzanteil der IT-Beratungen mit Digital Customer Experience Services 20 Prozent beträgt.

„Das ist kein kleiner Wert; das ist ungefähr jeder fünfte Euro“

sagt Mario Zillmann.

„Dahinter steckt natürlich die Nachfrage. Anwender­unternehmen brauchen Unterstützung bei der Entwicklung von digitalen Lösungen.“

Grenzen verschwimmen

Gerade hier passiert es, dass die Grenzen zwischen Management- und IT-Beratung verschwimmen. Kreativleistungen, die üblicherweise von Digitalagenturen erbracht werden, werden mehr und mehr auch von IT-Beratungen übernommen. Dies ist notwendig, um dem hohen Bedarf nach einer ganzheitlichen Projektbetreuung gerecht zu werden.

Frank Wallner, Geschäftsführer von BridgingIT, sieht diese Entwicklung als positiv an:

„Wenn man mit Kunden Ideen pitcht, muss man kreativ werden. Das schadet dem IT-Markt ganz und gar nicht – eher im Gegenteil: Er wird dadurch entstaubt.“

IT-Dienstleister haben diese neue Entwicklung längst akzeptiert, wie die Studie zeigt. 58 Prozent der Befragten halten es für sehr wahrscheinlich, dass sie, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, ein integriertes Portfolio aus Management- und IT-Beratung, Digitalagenturleistungen sowie Systemintegration anbieten müssen.

Die meisten großen IT-Beratungen, darunter auch die führenden 25 Unternehmen in Deutschland, haben bereits Agenturen zugekauft, um der Nachfrage der Kunden gerecht zu werden.
Prognosen

Lünendonk sieht die Entwicklung des Marktvolumens für IT-Beratung und Systemintegration auf gleichbleibend hohem Niveau. Die IT-Dienstleister selbst gehen aber davon aus, deutlich stärker zu wachsen als der Gesamtmarkt, was von einer guten Grundstimmung im IT-Markt zeugt.

IT-Dienstleister richten ihr Portfolio zunehmend auf die Unterstützung von Kundenprojekten zur Einführung neuer Technologien aus. Das höchste Nachfragepotenzial sehen sie dabei bei der Automatisierung von Fachprozessen und Digital Customer Experience. Darauf legen alle führenden 25 IT-Beratungsunternehmen ihr Hauptaugenmerk.

Weniger Potenzial sehen sie bei RPA- oder Blockchain-Projekten. Holger von Daniels weiß, warum:

„Blockchain ist sehr wichtig im Finanzsektor, bei Banken und Versicherungen zum Beispiel. Das Sicherheits- und Kostensenkungspotenzial ist gerade bei Blockchain riesig, aber noch kein Umsatzträger. Ich bin gespannt, wie sich das alles entwickeln wird.“

Der Schwerpunkt der digitalen Transformation verlagert sich von IT-Modernisierung auf Prozessmodernisierung. Vor allem die Digitalisierung von Geschäftsprozessen wird immer wichtiger: 71 Prozent der befragten Unternehmen wollen stark in diesen Bereich investieren.

Cloud-Migration und Legacy-Modernisierung sind nach wie vor Themen, mit denen sich die IT-Abteilungen von Unternehmen zunehmend auseinandersetzen – mit 55 Prozent der Befragten, die stark in diese Bereiche investieren wollen.

Generell steigt die Investitionsbereitschaft von Unternehmen in Sachen IT. Gerade der Umbau von Business- und IT-Prozessen gewinnt immer mehr an Wichtigkeit. Die Instandhaltung der IT-Architektur ist eine große Herausforderung, und das zeigt sich auch in der erhöhten Investitionsbereitschaft: 25 Prozent wollen bis zu fünf Prozent mehr investieren.

Ein Bereich, der trotz seiner Wichtigkeit oft nicht genug finanziert wird, ist IT-Security.

„Sicherheitsmaßnahmen wie ein Schloss an der Tür oder eine Alarmanlage kann sich jeder vorstellen, aber IT-Security ist schwer zu visualisieren“

erklärt Holger von Daniels.

„Für die Geschäftsführung ist es nicht leicht, sich vorzustellen, was man für IT-Security-Maßnahmen ergreifen sollte, weshalb es für die IT-Abteilung schwer ist, dafür überhaupt ein Budget zu bekommen.“

„Kurzum: Der Markt wird sich verändern. Die IT-Branche wird weiterhin von der digitalen Transformation in Unternehmen und einer positiven globalen Konjunkturentwicklung profitieren“

schlussfolgert Mario Zillmann.

Über den Autor

Simone Sailer, e3zine.com

Simone Sailer ist zuständig für das Redaktionsmanagement der englischen Kanäle des E-3 Magazins, im speziellen www.e3zine.com

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