Die Meinung der SAP-Community Lizenz-Transformation MAG 1811

Kartellrechtsbeschwerde gegen SAP

Lizenz Trans

Die SAP-Community braucht eine harmonische und funktionierende Kunden-Hersteller-Beziehung. Aber die Bestandskunden brauchen auch allgemeingültige Bedingungen und Transparenz bei den Lizenzpreisen. Nur ein Kartellverfahren kann die Chancengleichheit wieder herstellen, oder?

Teil 1 – Stefan Autengruber:

Voice, der Bundesverband der IT-Anwender, hält die SAP-Lizenzpolitik bezüglich indirekter Nutzung für rechtswidrig, hat zwei Rechtsgutachten dazu anfertigen lassen und eine Kartellbeschwerde beim Bundeskartellamt gegen SAP eingeleitet.

Ist dies der richtige Weg? Ein Verband, der kein Kunde von SAP ist, kann sich auf ein derartiges Kartellrechtsverfahren gegen SAP einlassen. SAP-Kunden benötigen aber eine funktionierende Kunden-Hersteller-Beziehung, die durch ein derartiges Verfahren massiv gestört werden kann, weshalb wir von solchen einschneidenden Schritten durch SAP-Kunden abraten.

SAP ist noch immer ein Hersteller, mit dem in einem gut aufbereiteten Dialog die besten kommerziellen Ergebnisse zu erzielen sind. Voraussetzung ist:

1. Kenntnis aller Verträge;

2. Kenntnis aller Materialien;

3. Kenntnis aller PKLs;

4. Kenntnis aller AGB;

5. historisches Wissen über Produktentwicklungen;

6. historisches Wissen über Lizenzentwicklungen von Produkten (­Carve-out; define new).

Es gilt der Grundsatz: Was einmal gewährt wurde, kann auch wieder (wenn auch in transformierter Form und unter Berücksichtigung der neuen Technologie und geänderter Schutzrechte) gewährt werden.

SAP ist schließlich an zufriedenen Bestandskunden interessiert. Was man SAP ankreiden muss: Das SAP-Preismodell kann nicht für alle Geschäftsfälle und nicht für alle Kunden passen.

Die Bepreisung der indirekten Nutzung auf User-Basis – und hierbei mit dem höchstwertigen User Professional mit 3200 Euro – kann nicht passen. Hätte SAP hier kostengünstigere User-Typen eingeführt, die für realistische Geschäftsfälle passen, so gäbe es keine Kartellrechtsbeschwerde.

Ein weiteres Beispiel: Eine Sales- und Service-Order-Transaktion kann nicht denselben Lizenzpreis für eine Briefmarke und für den Kauf eines Autos haben. Vereine versuchen nun den rechtlichen Weg, um diese Diskrepanz zu mildern.

Wir empfehlen die Einladung zum Verhandlungstisch mit einem gut vorbereiteten Verhandlungsmanuskript aus Kundensicht. Erkennt SAP die Entschlossenheit, so wird Flexibilität gewährt. Wo Produkte nicht veränderbar sind, können Discounts erhöht werden.

Wo es keine Discounts gibt, können andere Produkte höher rabattiert werden. Wo es keine Anrechnung gibt, kann ein Work­around erstellt werden, und wo es keine Rechtssicherheit mehr gibt, kann man mit zukünftigen Klauseln bei wichtigen Angelegenheiten vertraglich vorsorgen.

https://e-3.de/partners/license-ethics/


Teil 2 – Peter M. Färbinger:

SAP zeigt monopolartiges Verhalten. Der ERP-Weltmarktführer hat sich weit von transparenten Regeln mit seinen Bestandskunden entfernt. Das Ziel von SAP-Chef Bill McDermott ist die Verdreifachung des Aktienkurses.

Er hat es auf der Hauptversammlung dieses Jahr in Mannheim versprochen. Dazu muss er jedoch die operative Marge erhöhen, was ihm bisher nicht gelang, somit sank der Aktienkurs bei Bekanntgabe der Zahlen für das dritte Quartal wieder deutlich auf unter 100 Euro ab.

Es gibt aber noch Hoffnung: Trotz eines De-facto- Monopols der SAP im ERP-Bereich geht es bei Verhandlungen zwischen SAP-Vertriebsbeauftragten und Bestandskunden wie auf dem Basar zu. Hier wird taktiert und gefeilscht um jede Lizenz.

Eine Anleitung dazu findet man auf der linken Seite im Text von Stefan Autengruber. Es ist aber nicht jedermanns Sache, zu feilschen, zu taktieren, zu protestieren und zu argumentieren. Viele SAP-Bestandskunde wollen eine faire und transparente Lizenzregel, die für alle gleich ist und überall gilt.

Das wäre auch im Sinn eines fairen Wettbewerbs, denn warum soll der rhetorisch besser ausgebildete, taktisch klügere Bestandskunde einen Vorteil gegenüber einem Anwender haben, der nicht so tief in die Trickkiste greift?

Voice, der Bundesverband der IT-Anwender, macht das einzig Richtige! Er schafft mit seinen Rechtsgutachten eine für alle gleiche Ausgangsposition. Naturgemäß hat Stefan Autengruber insofern recht, dass er eine funktionierende Kunden- Hersteller-Beziehung fordert – nur diese ist leider schon vor vielen Jahren verloren gegangen.

SAP behandelt Kunden nicht gleich. Wer einen berühmten Namen hat, der sich als Referenz auf einer Sapphire-Bühne gut verkaufen lässt, bekommt fast alles von SAP. SAP bevorzugt leider die intransparente, unfaire Basar-Methode!

Nur ein Kartellrechtsverfahren wird in der SAP-Community wieder Chancengleichheit, Transparenz und Fairness herstellen können. Wer jetzt den Konflikt scheut, wird ewig ein Opfer der SAP bleiben und zahlen müssen. In den USA hat SAP einem Bestandskunden eine Rechnung über 600 Millionen Dollar für Lizenznachzahlungen zugestellt.

Nach heftigen Auseinandersetzungen wurde der Betrag auf etwa 270 Millionen Dollar reduziert. SAP-Chef Bill McDermott wird noch viele solche Auseinandersetzungen anstreben, um seine operative Marge anheben zu können, denn Ziel ist der dreifache Aktienkurs.

Über den Autor

Stefan Autengruber, License Ethics

CEO der License Ethics GmbH

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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