Die Meinung der SAP-Community Lünendonk - Kolumne MAG 1810

Achtung, IT: Das Business kommt!

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Geschrieben von E-3 Magazin

Lange Zeit haben CIOs und IT-Mitarbeiter sich danach gesehnt, von den Fachbereichen als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Schatten-IT, vor allem in Marketing, Vertrieb und Produktion, war die Folge. Als es darum ging, die Digitalisierung einzuläuten, saßen die meisten CIOs am Katzentisch.

Die Situation hat sich glücklicherweise geändert, was auch mit radikalen Veränderungen in den IT-Abteilungen zu tun hat. CIOs haben sich selbst und ihre Abteilungen umgebaut, modernisiert und neue Skills (KI, Cloud, Agil) aufgebaut.

So sind CIOs mittlerweile für die Umsetzung von Digitalstrategien verantwortlich und sprechen bei der Entwicklung von Digitalstrategien mit. Aber sind sie auf die Digitalisierungswelle überhaupt vorbereitet? Daran kann berechtigt gezweifelt werden.

Laut einer aktuellen Lünendonk-Studie, an der sich über 130 CDOs und CIOs beteiligt haben, hat die Zahl der von den Fachbereichen initiierten IT-Projekte innerhalb der letzten zwei Jahre stark zugenommen.

Demnach berichteten 50 Prozent der Befragten von einem Anstieg der businessgetriebenen Projekte um bis zu einem Drittel, während sich die Zahl der Projekte in 14 Prozent der befragten Großunternehmen und Konzerne sogar verdoppelt hat.

Interessant ist, dass nur in zehn Prozent der befragten Großunternehmen und Konzernen die IT-Abteilung aktuell in der Lage ist, alle an sie herangetragenen Projekte auch tatsächlich umzusetzen.

Dagegen berichten 38 Prozent der befragten IT-Entscheider davon, dass zwischen zehn und 20 Prozent der geplanten businessnahen Projekte nicht wie geplant umgesetzt werden konnten.

In 18 Prozent der befragten Unternehmen konnten sogar zwischen 20 und 30 Prozent der Businessprojekte nicht von der IT umgesetzt werden. Diese Zahlen deuten auf einen hohen Projektstau und zeitliche Verzögerungen bei der Erreichung der Digitalisierungsziele hin.

Gründe für Nichtumsetzung

Auf die Frage, warum in der IT nicht mit der Umsetzung der geplanten Digitalisierungsprojekte begonnen wurde, haben sich drei wesentliche Gründe aus den Antworten der Befragten herauskristallisiert.

Als häufigster Grund wurde „nicht ausreichend Mitarbeiter in der IT-Abteilung für die Umsetzung“ genannt. 68 Prozent der Befragten sehen ihre IT-Abteilung nicht mit ausreichend qualifiziertem Personal ausgestattet.

Ein besonders starker Personalmangel herrscht in den befragten Unternehmen mit mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz. In den befragten Unternehmen mit mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz berichteten sogar 86 Prozent der Befragten von einer nicht ausreichenden Zahl an IT-Mitarbeitern, um alle eingereichten Projekte zu besetzen.

Dieser Zustand ist nicht selten eine Folge der großen IT-Outsourcingwelle in den 1990er und frühen 2000er Jahren. Damals haben viele Konzerne die IT als Kostenfaktor gesehen und im Rahmen von Outsourcingprojekten an externe Outsourcingprovider ausgelagert.

Damit ist auch sehr viel IT-Know-how in den Unternehmen verloren gegangen, was nun unter großen Anstrengungen wieder aufgebaut werden muss. Dieser Trend ist zwar seit Jahren wieder rückläufig, dennoch gelingt es den Konzernen nur unter großen Anstrengungen im Recruiting und Employer Branding, IT-Fachkräfte wieder einzustellen.

Luenendonk-Grafik

Fachkräfte fehlen vor allem für Projekte, in denen Themen wie IT-Architektur, IT-Strategie und agile Anwendungsentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Von neuen digitalen Technologiethemen wie künstliche Intelligenz, Blockchain, Cloud und Mobile Commerce ganz zu schweigen.

„Fehlendes Fach- und Technologie-Know-how für neue Themen“ ist in 52 Prozent der befragten Großunternehmen und Konzernen ein weiterer Grund, warum Konzepte der Fachbereiche von der IT nicht umgesetzt beziehungsweise zurückgestellt werden.

Die Folgen sind ein weiter zunehmender Projektstau bei geplanten Digitalisierungsinitiativen und damit verbunden ungenutzte Wachstumschancen mit digitalen Produkten und Services.

Beispielsweise mangelt es in vielen IT-Abteilungen an Experten im Umfeld von künstlicher Intelligenz, Blockchain und Cloud-Migration, ebenso sind Anwendungsentwickler schwer verfügbar.

IT beklagt zu viele Parallelprojekte

Aber auch fehlende qualifizierte Fachkräfte, die agile Prozesse (SAFe, LesS, ­DevOps, KanBan etc.) beherrschen, sowie Erfahrungen in der agilen Umsetzung sind in 15 Prozent der befragten Unternehmen einer der Gründe dafür, warum businessnahe IT-Projekte gar nicht erst begonnen werden.

Dieser Wert scheint etwas gering, da in der Praxis viele CIOs und Führungskräfte von Problemen bei der Umstellung auf Agil berichten. Ein ebenfalls sehr häufig angeführter Grund der Befragten, warum Digitalisierungsprojekte nicht begonnen werden, ist die hohe Auslastung der IT-Abteilung – zum Teil auch resultierend aus dem Fachkräftemangel für bestimmte Themen – und die damit verbundene Notwendigkeit zur Priorisierung der drängendsten strategischen Projekte.

Dieser Punkt scheint eine unmittelbare Folge des Anstiegs der Anzahl businessbezogener IT-Projekte zu sein – bei der Hälfte der befragten Unternehmen um bis zu einem Drittel. In 48 Prozent der befragten Unternehmen können Projekte daher nicht begonnen werden, weil die Prioritäten im Projektportfoliomanagement auf der Umsetzung anderer Projekte liegen.

So sind viele Großunternehmen und Konzerne laut Gesprächen mit CIOs derzeit bereits mit der Modernisierung ihrer IT-Landschaft voll ausgelastet und können keine Mitarbeiter für Projekte freistellen, um die Strategiekonzepte der Fachbereiche umzusetzen.

Als unmittelbare Konsequenz daraus bauen die Fachbereiche ihrerseits immer stärker eigene IT-Experten auf und arbeiten stärker mit externen IT-Beratungen zusammen, um ihre Ziele zu erreichen.

So entfällt bereits mehr als ein Drittel der Umsätze der von Lünendonk befragten IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen auf die Nachfrage aus den Fachbereichen nach businessbezogenen IT-Projekten – Tendenz steigend.

Die IT ist zufrieden mit Konzepten der Fachbereiche, aber beklagt zu wenig Budget: Gute Noten geben die meisten der befragten IT-Entscheider den Fachbereichen für ihre Digitalisierungskonzepte und attestieren den Fachbereichsstrategien damit eine hohe Umsetzungsfähigkeit. Nur zwölf Prozent der Befragten beklagen, dass die Konzepte der Fachbereiche nicht mit der IT-Strategie konform gehen und damit nicht umsetzbar sind.

Sorge bereiten sollte den befragten Unternehmen jedoch, dass zwar ausreichend IT-Budget für die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten zur Verfügung steht, aber dennoch ein so großer Teil der Projekte gestoppt oder verschoben werden muss.

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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