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Die digitale Supply Chain hat viele Hürden zu nehmen

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Geschrieben von André Käber, Leogistics

Die Zeit ist reif, um Logistikprozesse auf Basis des Internet of Thing (IoT) über die Lieferkette hinweg zu automatisieren. Doch Unklarheiten, mangelnde Anreize und Standards behindern die Digitalisierung.

Durch das Internet der Dinge ändern sich die Möglichkeiten der Logistik von Grund auf: Bisher wurde der Standort einer Ware nur anhand von Annahmen bestimmt, teure und umständliche RFID-Lösungen haben daran wenig geändert.

Die mit IoT mögliche Echtzeitverfolgung und -lokalisierung von Paletten, Containern und Lkw ist die Grundlage, auf der sich nun viele Prozesse – auch innerhalb der Werkslogistik – automatisieren lassen.

Sensorik und Kameratechnologie leisten dazu ebenfalls einen Beitrag. So kann zum Beispiel ein Lkw für Kühltransporte selbst per Sensorik melden, wann die vorgeschriebene Kühltemperatur erreicht ist, und damit automatisch den Ladeprozess auslösen. Onboard-Units in Lkw beziehen Wetter, Tankfüllstand und Verkehrslage mit ein, um der Produktion genau mitteilen zu können, ob Material pünktlich eintrifft.

KI als günstige kognitive Services

Kamerasysteme erfassen anhand von OCR-Texterkennung Behälternummern oder die Nummernschilder von Lkw, sodass sich das Tor für avisierte Fahrzeuge automatisch öffnen kann.

Solche Lösungen, die es früher nur in Spezialsystemen gab, stehen jetzt mit KI-Technologien (künstliche Intelligenz) als günstige kognitive Services bereit. Doch bisher wird das Automatisierungspotenzial, das durch IoT entsteht, in der Logistik nur punktuell genutzt.

Einer der größten Road Blocks besteht darin, dass bestehende Systeme nicht für hybride Geschäftsmodelle ausgelegt sind. Durch Track & Trace fallen viele Daten außerhalb der SAP-Systeme an. An Early-­Bird-Projekten wird deutlich, dass echte digitale Supply Chains erst entstehen, indem SAP- mit Non-SAP-Funktionen sinnvoll kombiniert werden.

Indirekte Nutzung und Zukunftssicherheit

IoT-Daten, die auch aus externen Quellen wie Sensoren kommen, verweisen auf eine wichtige Baustelle im SAP-Umfeld: Die Notwendigkeit, im Rahmen kollaborativer Prozesse hybride Geschäftsmodelle aufzusetzen, bei denen Daten durch unterschiedliche ERP-Systeme wandern, nimmt stetig zu.

Technologisch ist SAP mit S/4 Hana in der Lage, solche modernen Architekturen zu unterstützen. Allerdings ist für viele Anwender noch die Frage offen, wie sich mit der indirekten Nutzung von SAP ein Modell schaffen lässt, das zukunftssicher und günstig ist.

Zudem wird die mit IoT verbundene komplexe Hardware-Integration chronisch unterschätzt. Logistiker müssen ihre internen IT-Abteilungen heute so aufstellen, dass sie sich neben Kernplanungssystemen auch mit der Verarbeitung von Hardware-Daten aus unterschiedlichsten Sensorien und Kamerasystemen befassen.

Auch in der Werkslogistik ändert sich vieles: Technologisch muss das ERP-System in der Lage sein, anhand dieser neuen Datenflüsse zwischen Unternehmen automatisch Prozessschritte anzustoßen.

Das heißt aber: Es geht weg von rein transaktionalen hin zu prozessorientierten Systemen. Im Transportation und Warehouse Management sowie der SAP Cloud Platform sind zwar grundlegende Funktionen verfügbar, allerdings nicht in so einer Einfachheit, wie sie der Kunde heute benötigt.

Wer derzeit solche inte­grierten Lösungen umsetzen will, muss entweder mehr als eine Handvoll SAP-Lösungen integrieren oder auf Alternativangebote wie die Leogistics-Plattform Digital Supply Chain setzen, die ganzheitlich alle Verkehrsträger wie Lkw, Bahn oder Schiff über beliebige Systeme hinweg synchronisiert.

Kostenfaktor Logistik

Logistikkosten können bis zu 30 Prozent der Fertigungskosten ausmachen. In der Standortlogistik sind effektivere Prozesse deshalb zunehmend wettbewerbsentscheidend.

Optimierungspotenzial gibt es beispielsweise auch beim klassischen Zeitfenstermanagement, das für die Terminsteuerung von Lkw-Be- und Entladungen genutzt wird. Lösungen wie der Supply Chain Control Tower nutzen Telematik-Integration und smarte Apps, um das Laden so flexibel zu dirigieren, dass andere Lkw vorgezogen werden, wenn sich ein eher eingeplantes Fahrzeug verspätet.

Erst der Anfang

Bei all diesen jetzt schon technologisch machbaren IoT-Themen steht die Branche noch ganz am Anfang – die Prozesse sind weiter stark Papier- und Excel-getrieben, es gibt kaum vernetzte Systeme.

Deshalb müssen jetzt dringend Standards gesetzt werden. Zudem sind monetäre Anreize notwendig, um die Logistikpartner mit ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen zu digitalen Anstrengungen zu motivieren. Ohne Prozessanreize im Rahmen von Vergütungs- und Abrechnungsmodellen bleibt die Digitalisierung der Logistik Flickwerk.

Über den Autor

André Käber, Leogistics

André Käber ist CEO des globalen SAP-Logistikpartners Leogistics.

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