Die Meinung der SAP-Community MAG 1810 Satire: Das Letzte

Datenbankmonopol

Das-Letzte-Satire

Lange Zeit galt SAP als verschlossenes System in einer heterogenen Systemumgebung. R/3 und auch noch ERP/ECC 6.0 fühlen sich auf unterschiedlichen Plattformen wohl.

Vielfalt ist teuer und komplex. Diese Erkenntnis musste SAP erstmals mit der ERP-Version R/3 erfahren. Es ist nicht bekannt, ob eine Zahl für die Kombinationsmöglichkeiten aus Hardware, Betriebssystemen und Datenbanken existiert, auf denen ein R/3 customized werden kann.

Was im ersten Moment als weltoffen und innovativ betrachtet wurde, entwickelte sich mit der Zeit zum Moloch, der kaum mehr zu beherrschen war.

Das Zitat von Henry Ford (1863 bis 1947) ist hinlänglich bekannt:

„Jeder Kunde kann sein Auto in einer beliebigen Farbe lackiert bekommen, solange die Farbe, die er will, Schwarz ist.“

Seit einigen Jahren kann auch SAP dieses von sich behaupten, Bill McDermott:

„Jeder Kunde kann sein ERP auf einer beliebigen Datenbank bekommen, solange die Datenbank, die er will, Hana ist.“

Was ist geschehen?

Aus dem ERP-Monopolisten wird ein Datenbank-Oligarch. Aufgrund der Marktmacht kann SAP vorgeben, welche Hardware, welches Betriebssystem und welche Datenbank zu verwenden sind. Das erscheint logisch und berechtigt auf der einen Seite, markt- und kundenfeindlich auf der anderen Seite.

SAP musste die Reißleine ziehen! Die Varianten an IT-Architekturen für ERP/ECC 6.0 sind nahezu unüberschaubar. Was dem Anwender bei Verhandlungen mit IT-Lieferanten zum Vorteil gereicht, wird für SAP-Service und -Support zum Inferno.

Es ist nahezu eine Sisyphusaufgabe, Fehler in einem System mit Dutzenden Variablen zu finden. Letztendlich musste SAP alle Infrastrukturvarianten aus Hardware, Betriebssystem und Datenbank vorhalten, um adäquate Antworten im Supportfall zu geben.

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Erstmals wurde die Karikatur von Robert Platzgummer (1975 bis 2016) in der E-3 Ausgabe Juni 2015 veröffentlicht. Am Höhepunkt der „Run Simple“-
Kampagne von SAP-Chef Bill McDermott (r.) drängte sich der Vergleich mit Autopionier Henry Ford auf. Viel mehr Auswahl gibt es nicht!

Die „Hana-Konsolidierung“ auf zertifizierte Hardware, zwei Linux-Betriebssystemversionen und Hana erscheint aus Sicht des ERP-Konzerns verständlich.

Naturgemäß spielten weitere taktische Überlegungen auch eine bedeutende Rolle – z. B. Oracle ein wenig Butter vom Brot zu nehmen. Wie die Sache mit der singulären Datenbank Hana ausgeht, wird man frühestens nach 2025 beurteilen dürfen.

Aus dem Datenbankmonopol der SAP entwickelt sich jedoch auch ein Gesinnungsmonopol: SAP kommt immer öfter zu der Überzeugung, dass nur SAP-Software das Richtige für die Bestandskunden sein kann.

Mit der neuen CRM-Initiative C/4 will man nicht mehr und auch nicht weniger, als die gesamte Customer-Expe­rience-Supply-Chain zu monopolisieren. Wer heute noch SAP Hybris, Salesforce und Adobe sowie im Back-Office ECC 6.0 oder S/4 für seinen Onlineshop betreibt, wird sich überlegen müssen, ob es ihm die zusätzlichen Lizenzgebühren für „indirekte“ Nutzung wert sind oder ob er auf C/4 und Hana wechselt.

Indem SAP einzelne Angebote zu Paketen zusammenfasst, reduziert der IT-Konzern die Wahlmöglichkeiten seiner Bestandskunden. Somit wird es bald von SAP-Chef Bill McDermott heißen:

„Jeder Kunde kann sein CRM und seine Supply Chain aus beliebigen Softwarequellen beziehen, solange die Kombination, die er will, C/4 Hana ist.“

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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