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Wettlauf der Innovationen – Der Prophet im eigenen Land

[shutterstock.com: 610018373, spainter_vfx]
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Alle wissen es. Der Prophet gilt im eigenen Land nur wenig. Seit 1988 gibt es das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Theoretisch sollte somit ein Vorsprung von mehreren Jahren gegenüber „jungen“ Forschungsstandorten wie China und anderen existieren.

Wie es scheint, ist genau das Gegenteil der Fall: Das Deutsche Forschungszen­trum für Künstliche Intelligenz (DFKI) scheint ein gut gehütetes Geheimnis zu sein. Wie sonst könnte DSAG-Vorstand Gerhard Göttert eine gemeinsame Vision für den Standort Deutschland fordern?

Beim DFKI gibt es mehr als genug Visionen für Deutschland, allein die staatlichen Stellen haben bisher das DFKI vorsätzlich ignoriert – das soll sich zukünftig ändern (siehe auch die zwei folgenden Seiten).

Das DFKI wurde 1988 als gemeinnützige Public-Private Partnership gegründet. Es unterhält Standorte in Kaiserslautern, Saarbrücken, Bremen, ein Projektbüro in Berlin und Außenstellen in Osnabrück und St. Wendel.

Das DFKI ist auf dem Gebiet innovativer Softwaretechnologien auf der Basis von Methoden der künstlichen Intelligenz die führende wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung Deutschlands. In der internationalen Wissenschaftswelt zählt das DFKI zu den wichtigsten „Centers of Excellence“.

Unklare Lizenzierung

Wahrscheinlich braucht das DFKI mehr Mittel von deutscher und europäischer Seite. Die Aussagen von DSAG-Vorstand Gerhard Göttert lassen sich aber nur schwer nachvollziehen, dass nämlich Bestandskunden mit den SAP-Angeboten eine gute Basis an Innovationsprodukten haben und dass der deutsche Mittelstand für die Einführung von KI mehr Unterstützung von staatlichen Stellen braucht.

Eine Analyse der E-3 Redaktion zeigt ein ganz anderes Bild: Erstens, das digitale Framework SAP Leonardo ist hinreichend gut, besitzt aber nicht den gleichen Reifegrad wie vergleichbare Produkte von AWS, Google, IBM oder Microsoft (siehe DSAG Blaupause 2/2018, Seite 20).

Zweitens, KI-Basisprodukte sind in vielen Fällen so preiswert geworden, dass die Investition die geringste Hürde darstellt – vielmehr sind Personalknappheit, fehlende Geschäftsprozesse und unklare Lizenzregelungen aufseiten von SAP die wesentlich größeren Hürden.

Azure statt Leonardo

SAP-Bestandskunde Trumpf hat auf Basis von Microsoft Azure in der Cloud eine Predictive-Maintenance-Applikation entwickelt: einfach, präzise und innerhalb weniger Monate – ohne auf das digitale Frame­work SAP Leonardo zurückzugreifen.

Die Finanzierung war aufgrund der Verwendung von Microsoft-Cloud-Produkten kein Thema. Die Herausforderung war die Transformation des Spezialwissens weniger, langjähriger Mitarbeiter in eine allgemein verwendbare und globale Cloud-App.

Ökonomische Skalierung

Einen Wettlauf um die besten und innovativsten KI-Produkte wird weder SAP noch das DFKI mit Millionen Euro an Förderungen gewinnen, dazu sind halbstaatliche Unternehmen in China bereits zu weit enteilt.

Hierbei zählt schlicht der ökonomische Skalierungseffekt. Somit hat Achim Berg, Bitkom-Präsident, auf der folgenden Seite vollkommen recht, wenn er mehr Grundlagenforschung in Form von Universitätsstellen für Professoren fordert.

Grundlagenforschung und Patente scheinen eine wesentlich bessere Strategie zu sein, als mit SAP Leonardo einer AWS, Google, Alibaba etc. im Massenmarkt Konkurrenz zu machen zu.

Professor Jürgen Schmidhuber hat vor vielen Jahren bewiesen, welche Chancen man in Deutschland mit Grundlagenforschung hat. Er und seine Kollegen erfanden an der TU München den Algorithmus „long short-term memory“, der sich heute in den Sprachsteuerungen von Google und Microsoft wiederfindet.

Das Herzstück der digitalen Wirtschaft sollten demnach kluge Köpfe sein und weniger verordnete Visionen von IT-Unternehmen wie SAP.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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