Infrastruktur MAG 1807

Best of Breed – Cloud-Orchestrierung

[shutterstock.com: 632442134, LineTale]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Die digitale Transformation wird der Treiber für die gemeinsame Orchestrierung von SAP-Lösungen und Software von Drittanbietern. Im E-3 Exklusivinterview zeigen Patrick Theobald, Stefan Reuss und Peter Wohlfarth von Theobald Software, wie sich Solokonzerte sicher und stabil beenden lassen.

Inwieweit wird bei der Integration zwischen on-premise und Cloud Computing unterschieden?

Patrick Theobald: Von der Business-Seite her gibt es keinen Unterschied. Es ist nur ein rein technisches Problem. Das wiederum ist anspruchsvoll. Dabei geht es in erster Linie um Security.

Ein typisches Szenario ist ein SAP-System, das on-prem betrieben wird, während die Anwendung (z. B. Nintex Workflow Cloud oder Office 365) in der Cloud läuft.

Der Zugriff muss natürlich bombensicher sein, weil auf einmal aus einer cloudbasierten Anwendung von außerhalb der Firewall direkt in das Herz des Unternehmens gegriffen wird. Das erfordert Expertise.

Dasselbe gilt für den User-Kontext. Es muss natürlich sichergestellt sein, dass der Cloud-User diesselben Rechte wie im On-prem-System hat. Wer beispielsweise im SAP nur die Zahlen eines bestimmten Werkes sehen darf, sollte natürlich auch in der Cloud nur genau dieses Zahlen sehen dürfen.

Man spricht von Impersonification des Zugriffs. Es ist technisch nicht ganz trivial, die cloudbasierte Benutzerverwaltung auf die Benutzerverwaltung eines SAP-Systems zu mappen, dessen Wurzeln bis in die 80er-Jahre zurückgehen.

Reuss StefanUnd gibt es auch eine Cloud-Cloud-Integration, denn wahrscheinlich will SAP on Azure auch kein Solokonzert sein?

Theobald: Die Konstellation SAP on-prem integriert mit Cloud-Anwendungen ist am anspruchsvollsten. Wenn sich alles in der Cloud abspielt, wird es technisch eher wieder einfacher, da die On-prem/cloud-Grenze die größte Hürde darstellt.

SAP on Azure mit weiteren Microsoft-Diensten wie O365 kann eher als technisch einfach eingestuft werden.

Welche weitere Cloud-Orchestrierung wider das (On-premise-)Solokonzert hat momentan strategische Bedeutung in der SAP-Community?

Stefan Reuss: Generell wird von den Kunden am meisten das Szenario für die Datenanalyse nachgefragt. Die Transaktionsdaten werden aus SAP extrahiert (egal ob SAP on-prem oder SAP on Azure) und dann in eine Analyseplattform abgelegt.

Das kann entweder ganz klassisch ein Azure-­basierter SQL Server sein, Power BI, ein Hadoop-Cluster oder eben auch andere Non-Microsoft-Analyseplattformen wie Amazon Redshift oder Board.

Neben diesem Analyseszenario ist die Anbindung von cloudbasierten Workflows der zweihäufigste Anwendungsfall – also Integration mit Nintex Cloud, Microsoft Flow oder Salesforce.

Patrick Theobald

Was sind die häufigsten betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte einer Integration und Orchestrierung für einen SAP-Bestandskunden?

Peter Wohlfarth: Die größten Stolpersteine sind Sicherheit und Stabilität. Beim Thema Sicherheit geht es vor allem darum, dass in der Regel zwei unterschiedliche Benutzer- und Rechteverwaltungen in Einklang gebracht werden müssen.

Und zwar ohne die User-Experience zu zerstören. Der Benutzer möchte nämlich am liebsten nicht mitbekommen, mit welchem System er gerade arbeitet, solange es verlässlich und vor allem performant funktioniert. Der zweite Aspekt ist die Stabilität.

Je mehr Systeme beteiligt sind, desto größer die Gefahr, dass ein einzelner Systemausfall die Kette zu Fall bringt. Das muss konsequent schon im Design und mit der richtigen Technik verhindert werden. Die Verbindung von Cloud und On-prem-Systemen kann diese He­rausforderung nochmals verstärken.

Was sind die häufigsten Integrationsprojekte in einer Microsoft-SAP-Umgebung und warum?

Reuss: Das häufigste Szenario ist Datenintegration für BI. Die Transaktionsdaten kommen aus dem SAP und werden in einer Non-SAP-Umgebung für die Analyse aufbereitet.

Warum wollen das die Kunden? Die Frage kann sehr vielschichtig sein, es kristallisieren sich aber drei wichtige Aspekte heraus: Erstens möchten die User die Daten mit Non-SAP-Daten abmischen und das funktioniert bekannterweise direkt in SAP ganz besonders schlecht.

Der zweite Aspekt ist die Performance. Selbst mit Hana sind keineswegs alle Perfor­mance-Probleme gelöst. Viele externe Analyse-Systeme bieten viel bessere Ratio zwischen Performance und Kosten.

Wohlfarth Peter

Der dritte Aspekt ist Agilität. Gerade in Zeiten der Digitalisierung richten die Kunden ihre Datenflüsse ganz besonders gerne darauf aus, schnell geändert und auf neue Anforderungen angepasst zu werden.

Traditionell und historisch sind Prozesse und Datenflüsse in SAP bzw. SAP BW relativ starr und widersetzen sich Anpassungen nach Kräften.

Was sind weitere SAP-Integrationsprojekte außerhalb des Microsoft-Umfelds bei Theobald Software?

Reuss: Die Gründe von oben lassen sich auf andere Anbieter übertragen. Nicht nur Microsoft bietet sehr gute Datenanalyseplattformen. Man kann solche Anwendungen auch mit der Technik von Oracle, Amazon, HP, Board und vielen anderen Anbietern realisieren.

Das Gleiche gilt für Workflow-artige Anwendungen wie Nintex, Salesforce oder K2. Der USP der exzellenten Connectivity zu SAP lässt sich in etliche Bereiche übertragen. Darauf haben wir uns spezialisiert.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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