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Der internationale Online-Handel und das ERP

[shutterstock.com: 714296038, Irina Levitskaya]
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Der internationale Online-Handel wird von vielen Unternehmen in Deutschland stiefmütterlich behandelt. Dabei bietet der Handel vor allem in der EU, aber auch außerhalb großes Potential.

Bereits jetzt geben zwölf Prozent aller Unternehmen einer aktuellen Studie zufolge an, mehr als ein Drittel ihres Umsatzes im Ausland zu erwirtschaften.

Das ist besonders beeindruckend, weil kaum mehr als die Hälfte aller Unternehmen überhaupt im nicht-deutschsprachigen Ausland aktiv ist. Für die effiziente Internationalisierung des Geschäfts ist vor allem eines wichtig: die nahtlose Anbindung des Shopsystems an die Unternehmens-IT.

Das ERP-System stellt das Kernstück für eine Monetarisierung des Geschäfts dar. Die Einbindung eines Online-Shops in die SAP-Umgebung lässt mittelständische Unternehmen eine moderne E-Commerce-Strategie realisieren.

Eine konsequente und durchgängige Prozessautomatisierung von der Bestellung bis zur auszuliefernden Ware wird so erreicht. Doch was gilt es hier zu beachten, damit der Schritt zur Internationalisierung des Webshops vollzogen werden kann?

Der Online-Handel kennt keine Landesgrenzen. Kunden kaufen heute ganz selbstverständlich in Online-Shops auf der ganzen Welt ein. Dabei erwartet der Kunde zu jeder Zeit ein einfaches und komfortables Shopping-Erlebnis.

Komplizierte Prozesse, schlechte Performance und fehlende Zahlungsarten führen schnell zum Kaufabbruch und damit zu Umsatzverlusten. Der Händler steht vor der Herausforderung, sein Know-how und seine Prozesse zu optimieren, um die Komplexität und Kosten im Griff zu halten.

Zusätzlich ist die Geschwindigkeit für die Projektumsetzung von entscheidender Bedeutung, da naturgemäß mit Zunahme der Projektdauer, eine Modifikation der Projektziele einhergeht.

Daher gilt es, gerade in der Auswahl der geeigneten E-Commerce-Prozessplattform über den Tellerrand der internen Systemlandschaft hinaus zu schauen und die geeigneten Lösungen im Hinblick auf Total Cost of Ownership und Time to Market zu überprüfen.

Internationalisierung

Die prozessuale Ausgestaltung eines Internationalisierungspfads für den Online-Handel ist so individuell wie die jeweilige Unternehmensstruktur. Trotzdem gibt es Milestones in jedem Vorhaben, die betrachtet und gegebenenfalls umgesetzt werden müssen.

Sprachbarrieren überbrücken

Eine zentrale Herausforderung ist die Umsetzung aller landessprachlichen Anforderungen an den Händler: Nicht nur produktspezifische Texte müssen im System bereitgestellt werden, sondern vor allem auch alle sprachlichen Elemente die im User-Frontend vorgehalten werden wie z. B. Transaktions-E-Mails, Sprachbausteine aus der Personalisierung-Engine, dem CRM oder jegliches Bildmaterial mit Sprachelementen.

Aber auch bei Support und Callcenter ist Englisch als Lingua Franca nicht ausreichend. Hier müssen Versionen in den verschiedenen Landessprachen angeboten sein.

Meistens kommen hier PIM-Systeme zum Einsatz, aus denen sich Texte in sämtlichen Sprachen einspielen lassen und die in der Regel für den internationalen Einsatz gut vorbereitet sind. in weiterer Aspekt ist die Berücksichtigung kultureller/regionaler Unterschiede in der Nutzung von Webshops.

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Kulturelle Vielfalt

Die Usability und damit auch das Design des Webshops ist ein zentraler User-Akzeptanz-Faktor, der für den Erfolg gerade im B2C-Handel entscheidend ist. Die operative Hürde in der Umsetzung liegt dabei weniger in der Unkenntnis der Anforderungen, als in der Komplexität der systemseitigen Umsetzung unterschiedlicher Frontends.

Es reicht also nicht, einfach nur einen Multisprachen-Shop aufzubauen, es müssen länderspezifische Subshops etabliert werden, die allen landesspezifischen Anforderungen gerecht werden, ohne dabei die Systemkomplexität zu vervielfachen.

Der Königsweg ist eine „intelligente Vererbungslehre“ im Shopsystem, die es dem Betreiber ermöglicht, alle überregionalen Systemstrukturen aufwandsfrei in die länderspezifischen Shops zu migrieren, und alle regionalen Anforderungen leicht individualisierbar macht.

Ein weiteres wichtiges Thema sind länderspezifische Zahlungsarten. Viele lokale Zahlarten werden heute von verschiedene großen Zahlungsanbietern (Payment Service Providern PSP) mit angeboten und können im besten Fall einfach freigeschaltet werden.

In vielen Fällen steht der Betreiber aber vor der Fragestellung der technischen Komplexität einer Shop-Integration, der eigentlichen Kostenstruktur für die Zahlungs-Abwicklung und nicht selten auch vor lokalen administrativen, regulatorischer Anforderungen zur Abwicklung von Zahlungsvorgängen.

Bei der Erstellung des Angebots muss der Anbieter regionale Unterschiede berücksichtigen. Im Textilbereich gelten verschiedene Größenläufe, im Elektronikbereich verschiedene Steckerformate, international variieren die Einheitensysteme.

Der Webshop muss so eingestellt sein, dass die Kunden je nach Markt die relevantesten Angebote zuerst sehen und gegebenenfalls auf die Unterschiede zum landesüblichen Format hingewiesen werden.

Rechtliche Aspekte

Auf rechtlicher Seite müssen Unterschiede in Datenschutz- und Fernabsatzgesetz berücksichtigt werden. Zahlungsziele, Retouren- und natürlich Lieferzeiten sollten bei den Prozessen zur Kaufabwicklung länderspezifisch hinterlegt sein. Auch hier unterstützt ein geeignetes Shopsystem mit passenden Modulen.

Bindeglied zwischen SAP und Shop-System

Für viele oben genannten Herausforderungen ist eine Schnittstelle zum SAP-System unerlässlich. Artikeldaten mit Lagerbestand, Kundendaten, Bestelldaten, Transaktionsdaten etc. müssen jederzeit performant ausgetauscht werden können.

Internationalisierung des Online-Handles bedeutet im Normalfall – zumindest im erfolgreichen Verlauf – eine stetige Zunahme von Kunden und Transaktionen im Shopsystem.

Die Lastskalierung eines Enterprise-Onlineshops sollte einfach möglich sein, aber was passiert mit dem angebundenen ERP-System?

Eine deutliche Zunahme von Echtzeit-Lagerbestandsabfragen oder -Bestellsimulationen kann durch unzureichende Performance des SAP-Systems sowohl die SAP-User im Unternehmen, als auch den Einkaufsprozess im Online-Shop deutlich beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, das Zusammenspiel zwischen SAP-System, Onlineshop und allen weiteren Systemen frühzeitig mit zu planen.

Gängige Praxis zwischen SAP und Shop-System

In der Praxis sind vor allem zwei Typen der SAP-Shop-Anbindung zu finden: Die direkte Anbindung über SAP-Bordmittel wie Funktionsbausteine oder Web Services und das Zwischenschalten einer intelligenten Middleware.

Dabei hat sich in vielen Projekten der Einsatz einer intelligenten Middleware als dynamische Datenmanagement-Schicht als sinnvoll herausgestellt.

Der IntegrationMan von Honico eBusiness ist ein Beispiel für eine solche Middleware. Als zentrale Datendrehscheibe sitzt er zwischen Shop- und SAP-/ERP-S ystem, weitere Anwendungen wie PIM, CRM oder Payment-Services können ebenfalls angebunden werden.

Über die Datendrehscheibe werden Informationen aus dem Shop unmittelbar im ERP verarbeitet. Stamm- und Bewegungsdaten werden aus dem ERP an den Shop übertragen. Alle notwendigen Prozesse können zeit- oder eventgesteuert ablaufen, um Ressourcen zu schonen.

Vorteil der standardisierten Lösung: Da bis zu 80 Prozent der Prozesse im E-Commerce immer gleich sind, können häufig fertige Prozess-Templates zum Einsatz kommen.

Deshalb lassen sich ERP-Anbindungen mit einer Middleware wie dem IntegrationMan häufig deutlich schneller und günstiger realisieren als mit Individualentwicklungen. Und auch nach Gesichtspunkten der Systemsicherheit kann das Einschalten einer Zwischenschicht sinnvoll sein.

Fazit

Eine schlüsselfertige Shop-Lösung ist viel mehr als nur ein funktionierendes Web- Frontend. Basiert sie auf bewährten Standards, garantiert sie die schnelle Umsetzung lokaler Shops mit geringem Programmieraufwand.

Die fehlerfreie Datenübermittlung zwischen SAP-System und Shop-software ist Voraussetzung dafür, dass der Geschäftskunde ein angenehmes Ein-kaufserlebnis hat. Die Flexibilität der Lösung ist dabei wichtig für die Anpassung: Vorgefertigte Funktionen und Module lassen sich ein- oder ausschalten.

Module und Prozesse beinhalten bereits die Anpassung an die Gepflogenheiten und Rechtsauflagen des jeweiligen Marktes. Sprachmodule erleichtern die stringente und lückenlose Übersetzung relevanter Produkt- und Geschäftstexte.

So sorgt die Shopsoftware nicht nur dafür, dass der Schritt in den internationalen Markt ein Erfolg ist, sondern auch, dass die damit verbundenen Kosten, der Zeit- und Arbeitsaufwand gesenkt werden.

Über den Autor

Sebastian Benoufa, Oxid eSales

Sebastian Benoufa berät als Key Account Manager Oxid eSales Industrie & Handelskunden bei der Evaluation der richtigen E-Commerce-Plattform.

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